Medien: Stefan Heinrich im Exklusiv-Profil (1)

Geschrieben von: Roland Schäfges & Natalie Rusch.

Medien: Stefan Heinrich im Exklusiv-Profil (1)
von Roland Schäfges, Daniel Geradtz & Natalie Rusch
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Wir stellen Ihnen, in unserem Weihnachtsspezial, verschiedenste Persönlichkeiten aus der Welt des Motorsports vor. Unsere zweite Person im Profil: Stefan "the Voice" Heinrich, Journalist und Kult-Kommentator bei Eurosport. Eine Serie von Roland Schäfges, Daniel Geradtz und Natalie Rusch.

Kurzinformationen zu Stefan "the Voice" Heinrich

| Name: Stefan Heinrich
| Beruf:Motorsport TV-Kommentator (Eurosport / MotorsTV), Ringsprecher
| Ressort:US-Sport, Formel Sport u.ä.
| Geboren am:16. Nov. 1959 in Rüssenheim / Main
| Alter:49 Jahre
| Studium: 1978 - 1982: Hochschule für Technik Esslingen
| dabei seit:Mitte der 80er Jahre als Volontarier bei der Motor Presse.

(c) Eurosport - Das Sender Logo| Nürburgring (!NS!DE-RAC!NG) - Er ist die Stimme für Motorsport bei Eurosport. Er ist der US-Motorsport Kommentator Nummer eins in Deutschland. Er zählt mit Jacques Schulz zu den besten deutschsprachigen Motorsportkommentatoren überhaupt. Stefan "the Voice" Heinrich, 49 Jahre alt, gebürtig aus Rüsselsheim am Main.
Im ersten Teil, unserer Gesprächserie, erzählt er nicht nur, den Unterschied zwischen Ringsprecher und Fernsehkommentator. Heinrich berichtet über seine Anfänge im Motorsportjournalismus, welcher erst möglich waren, als er seine eigene Motorsport Karriere in der Britischen Formel 3 Meisterschaft wegen eines schweren Unfalls beenden musste.

Stefan Heinrich, seit über 15 Jahre bei Eurosport, zeigt bei jedem Kommentar, klare und tiefgründige Kompetenz und eindeutige Liebe zum Motorsport. Information, Emotion und Unterhaltung kombiniert er zu einem hörbaren Genuss für alle Zuschauer, welche ihn fast schon zur Legende werden ließen.
Als sein größtes Live Erlebnis bezeichnet der Kraftfahrzeug-Technik-Ingenieur übrigens die Indy 500 Übertragung im Jahr 1992. Als Ricky Mears und Emerson Fittibaldi nach über 700 Kilometern nur 12 cm getrennt über die Ziellinie fuhren.

!NS!DE-RAC!NG Herausgeber Roland Schäfges (RS) und der !R-Chefreporter Internationaler Motorsport Daniel Geradtz (DG) trafen den Hessen, im Juli diesen Jahres in entspannter Atmosphäre im Rahmen der DTM am Nürburgring. !R-Sonderredakteurin Natalie Rusch fast dieses 1-stündige Gespräch in einer hochinteressanten Leseserie zusammen.

Roland Schäfges: Wie findest du die Aufgabe als Ringkommentator generell? Es gibt wohl einen großen Unterschied zum TV-Kommentator, oder…?

Stefan Heinrich: Ja, das ist eine ganz andere Aufgabe, weil man hier an die Leute, die an der Rennstrecke sind, a) zunächst mal an die denken muss, aber b) auch an die, die uns über Internet-TV zuhören.
Man muss da einen Spagat machen, kann nicht nur, wie es beim Fernsehen dringend notwendig ist, quasi auf das Bild eingehen, das Bild beschreiben. Man muss viel mehr Radioreportage machen. Spannungsbogen halten und immer Informationen mit Unterhaltung mischen. Die Leute, die auf der Tribüne sitzen, wollen ab und zu auch einfach mal lachen. Also da zu bierernst und immer nur Zwischenzeiten runterbeten wäre themenverfehlt, das macht keinen Sinn. Man muss versuchen die Passion, die wir alle für den Motorsport haben, ein bissl zu vermitteln. Das kann durchaus auch mal mit einem Augenzwinkern sein. Ich denke, das ist eine Parallele; man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen.

RS: Auf welchem Niveau setzt man das an, auf einem Expertenniveau oder doch eher auf einem Laienniveau?

SH: Beides. Das ist auch das, was immer die alte Geschichte ist, die man als schreibender Journalist lernt, wenn man eine Ausbildung macht. Es muss so sein, dass der Universitätsprofessor noch ein bisschen was hat für sich, aber auch etwas, das die normale Putzfrau verfolgen kann und auch am Ende denkt: Ja, jetzt weiß ich was da war. Das ist die Aufgabe für jeden Journalisten.
Selbst wenn man sagt, meine Arbeit ist für ein Fach-Spartensender, darf es auch nicht zu technografisch sein, da muss trotzdem eine gute Mischung sein. Wichtig ist mir einfach, dass man kapieren muss, dass man Mittler ist. Es geht also nicht darum, dass man sich selber darstellt, was bei einigen Fernsehkollegen missverstanden wird, sondern dass man einfach versucht zu sagen: Ok Leute, selbst wenn ihr, zum Beispiel im Fall von Internet-TV, nicht da seid, ihr trotzdem alles mitbekommt.
Heute (letztes Juli Wochenende; d. Red) haben wir erfahren, dass Marco Werner aus Amerika zugehört hat, weil der uns Mails geschrieben hat. Oft sitzt der mit seinem Laptop da irgendwo in Kalifornien, weil er da gerade ALMS-Rennen fährt und testet, und sagt, er loggt sich einfach ein und hört uns zu, und kriegt dann auch genau mit was los ist. Dann kommen da Grüße aus aller Herren Länder.
Also in sofern funktioniert das ganze schon, wobei es natürlich ganz klar ist, diese Sache mit Internet-TV und Internet-Radio, das wir bei der DTM auch eingeführt haben, ist eine Sache für die Zukunft, weil das nur die jungen Leute sind. 60-jährige kommen lieber hier her und setzen sich auf die Tribüne oder auch vor den Fernseher und schauen ARD. Das ist klar.

RS: Welche Aufgabe macht Ihnen mehr Spaß? Kann man das vergleichen oder sind es grundsätzlich ganz verschiedene Aufgaben?

SH: Das sind unterschiedliche Aufgaben. Das schlimmste und das langweiligste ist glaube ich, doch das ist irgendwann bei jeder Arbeit so, wenn man in einen Rhythmus kommt, der einem gar keine Luft mehr lässt. Wenn man immer das selbe macht und jeden Tag das selbe.
Das Schöne am Journalismus ist, dass man verschiedene Sachen machen kann, also auch schreiben. Was ich nicht mehr machen möchte, ist - was auch eine Menge Kollegen hier im Fahrerlager immer sagen - immer hochaktuell schreiben zu müssen. Weil es hektisch ist, und das Problem ist, sagen wir mal, man Sonntagabend sehr schnell schreiben muss , weil die Druckmaschinen für die Zeitungen schon laufen. Wenn dann im Nachhinein irgendeine Disqualifikation erfolgt, ist das nicht mehr drin. Dann ist die Zeitung schon gedruckt. Das ist wirklich saublöd.
Am besten ist natürlich, wenn man die Einspruchzeit für die Proteste nach dem Rennen abwarten kann und dann erst anfängt zu arbeiten.
Oder man macht Live-Fernsehen und macht dann abends wenn notwendig noch mal eine Nach-Zusammenfassung, die man eben dranhängt. Das wäre eigentlich ideal.

RS: Kommen wir mal zu Ihnen direkt. Wie wurden Sie Journalist, wie ist Ihr beruflicher Werdegang verlaufen?

SH: Ich war natürlich von kleinauf schon großer Motorsportfan, habe mich auch immer für die Technik interessiert. Als Kind habe ich immer sehr vielen Entscheidungsträgern Briefe geschrieben, als Fan, und habe dann von einigen auch regelmäßig Antworten bekommen. Marc Surer war einer von denen, der mir während meiner Go-Kart-Zeit schon Abstimmungstipps geschrieben und Bücher geschickt hat über Go-Kartfahren, und überhaupt unglaublich nett war. Der Manfred Winkelhock war einer, an den ich sehr früh herangekommen bin, auch über die Stuttgarter Verbindung, die ich über Norbert Haug hatte.
Ich bin selber auch eine Weile gefahren bis zur britischen Formel 3 Meisterschaft, habe dann einen Unfall gehabt und war fast ein Jahr im Krankenhaus. Da war klar, dass die aktive Zeit vorbei war, weil sich die ganzen Sponsoren verabschiedet haben.
Dann kam ein Anruf von der Motor Presse Stuttgart, ob ich nicht eine Ausbildung machen möchte als Volontär, also richtig Redakteur lernen, schreiben lernen. Ich hatte vorher schon als freier Redakteur für Porsche und für ein paar Rennteams gearbeitet, und die haben gesagt: „Lernst du's richtig, dann wirst du als Sportredakteur genommen“. Und das habe ich gemacht.
Die haben eine eigene Journalistenschule in Stuttgart mit damals fünfzehn Auszubildenden im Jahr, und da bin ich aufgenommen worden, habe die Ausbildung absolviert und bin nach zwei Jahren als Sportredakteur genommen worden.

Daniel Geradtz: Sie sagten gerade was von der britischen Formel 3. Wann war das zirka?

SH: Das war in der Zeit um 1992 /93. Da bin ich aber in der B-Wertung gefahren, also im ein Jahr alten Auto so wie wir das bei uns hier ja auch kennen.

RS: Wie schwer ist die Verbindung zu den den Teams und zu den Fahrern, besonders wegen der Neutralität? Man kennt sich ja, teilweise über Jahre. Ist es dann einfach oder eher schwer die Neutralität zu halten?

SH: Ich glaube, wenn man jahrelang dabei ist, dann versteht man schon, was da vor sich geht.
Es ist natürlich im Motorsport neben dem Sport auch eine Sache des Geldes. Es ist per se einfach sehr kostenintensiv. Die Sportgeräte, die Rennautos kosten Geld. Das wiederum bedeutet, dass auch ein bisschen Politik dahinter ist, zumal wenn wirklich Hersteller dabei sind. Die machen das ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern die wollen daraus auch was haben. Nicht einmal sportliche Erfolge, die nehmen den Motorsport als Marketingweg. Das heißt, um mehr Autos zu verkaufen. Image aufzupolieren, jugendlich frisch zu wirken und mehr Autos zu verkaufen. Das hat sich in den letzten zwanzig Jahren im Motorsport dramatisch verändert, der Einfluss der Hersteller ist deutlich größer geworden. Die wollen natürlich sicher gehen, dass ihre Investitionen nicht umsonst sind.

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