!R-Herausgeber Roland Schäfges Hinterfragt Akkreditierungsrichtlinien für Fotografen.Â
| Hohenstein-Ernsttal (!NS!DE-RAC!NG) - „MOTORSPORT IS DANGEROUS“ steht auf jeder Akkreditierung eines Journalisten beim Motorsport. Selbst jeder 8-jährige Motorsportfan weiß, dass ein Motorsportunfall böse enden kann. Erstmal einige Worte zur Erläuterung, wie überhaupt ein Journalist eingestuft wird. Jede Sicherheitsstufe benötigt individuelle Bestimmungen und Bändchen, Aufkleber oder Pässe. Alleine beim hiesigen ADAC GT Masters Weekend, das zusammen mit der FIA GT1 Weltmeisterschaft auf dem Sachsenring in der Nähe von Chemnitz ausgetragen wird, benötigt der Autor dieser Zeilen zwei Pässe, zwei Fotowesten und zwei Sonderaufkleber (Track und Pitlane) auf dem FIA Pass. Zusätzlich gibt es noch für den ATS Formel 3 Cup einen gesonderten Ausweis für das Starting Grid. Vor jeder Veranstaltung muss man zwischen zwei und drei Unterschriften leisten. Alleine zwei bei der Passabholung. Der Journalist muss dort den Empfang der Pässe quittierten, ebenso die Haftungserklärung unterschreiben, die geschätzt, noch kein Journalist so richtig durchgelesen hat, dessen Inhalt jedoch den Veranstalter von jeglicher Schuld befreit und den Journalisten über die Gefährlichkeit des Sports informiert. Anschließend wird im Pressecenter der jeweiligen Rennstrecke die Fotoweste quittiert. Teilweise werden sogar die Zusatzaufkleber per Unterschrift bestätigt.
Soviel zur Bürokratie der nationalen beziehungsweie internationalen Rennveranstalter an den bekannten Rennstrecken, bevor die eigentliche Kritik folgt.
Lebensgefahr?
Der schwere Unfall heute beim ADAC GT Masters Rennen von Mercedes-Benz SLS AMG GT1 Pilot Robert Renauer, welcher sich mehrfach überschlagen hat, ist Anlass für diesen Artikel. Die Journalisten, gerade im Motorsport, sind Profis genug, um gefahren einzuschätzen. Leider gibt es auf der Position der Verantwortlichen viele Personen, die wiederum nicht wissen, wie Journalisten arbeiten (müssen). Die mittlerweile gängigen Einschränkungen entmündigen professionelle Fotografen stark. Begriffe wie „Red Zone“ sind, vor allem im letzten Jahrzehnt, in den Sprachschatz jedes Medienvertreters gelangt. „Red Zones“ sind Bereiche an Rennstrecken die als besonders heikel oder unsicher erachtet werden.  In manchen Kurven mag es wirklich Sinn ergeben. Jedoch stellt sich die Frage, ob zum Beispiel die „panische Reaktion“ der Rennleitung heute wirklich angemessen war.
Die Journalisten, einige seit Jahrzehnten dabei, durften nur noch hinter meterhohen Sicherheitszäune, ohne Fotografenschlitzen, fotografieren. Selbst vor der Veranstaltung, auch von der Rennleitung, als sicher eingestufte Bereiche dürfen nun nicht mehr aufgesucht werden.  Zuwiderhandlung zieht eine sofortige Abgabe der Akkreditierung sowie ein „Ausschluss von der Veranstaltung“ nach sich.
Selbst auf gerader Strecke, 100 Meter vor dem Bremspunkt (man beachte, dass Teile immer nach vorne, aber nie nach hinten fliegen) wurde man aufgefordert, sich schnellstens hinter einen Zaun zu begeben.
Aber selbst vor dem Umfall trieb das Sicherheitsbestreben der Verantwortlichen seltsame Blüten. So wird täglich um 8 Uhr ein neueingeführtes „Media Safety Briefing“ bei Pressechef Jeff Carter abgehalten, ohne dessen Segen auch an keine Fotoweste zu denken ist!
MOTORSPORT IS DANGEROUS! Aber diese Gefahr zeichnet den Sport seit nunmehr 100 Jahren aus. Alle beteiligten, ob Streckenposten, Fahrer, Mechaniker oder Fotografen, sind sich der Gefahren und der jeweiligen Risikos durchaus bewusst. Jeder mündige, professionelle Fotograf kann die Gefahr sehr gut abschätzen und weiß wie er sich wo verhalten muss.
Durch die vielen Unterschriften signalisiert man dem Veranstalter durchaus, dass man genau weiß, auf was man sich einlässt.
Keiner MUSS geschützt werden. Aber dieses Samaritadenken wird leider, auch allgemein immer schlimmer. Sollte was passieren, so wird sicherlich keiner der Betroffenen sagen, er hätte es nicht gewusst.
Das Ende von spektakulären Bildern?
Um tolle Bilder zu erstellen, muss man manchmal auch ein Risiko eingehen. In der Geschichte des Sports sind nicht unbedingt viele Bildmacher verstorben. Wenn waren Sie in offensichtlich riskanten Bereichen unterwegs.
Noch vor 18 Jahren standen Fotografen im Innenbereich der Haarnadel am Grand Hotel in Monte Carlo. Heute wird überall gesperrt und geschützt. Manchmal das offensichtliche, wo sich sowieso keiner hinwagen würde, der klar bei Verstand ist. Jedoch ist derzeit auch ein Trend dahin gehend zu erkennen, dass selbst Bereiche mit einer normalen Sicherheitslage Ziel starker Einschränkungen werden.Â
Der Höhepunkt wurde jetzt in Sachsen erreicht. Einer der schönsten Naturrennstrecken in Zentraleuropa. Einer Rennstrecke mit vielen tollen Fotomotiven. Schade, dass man diese nun nicht mehr ins Bild setzten darf!
Mehr zum Themen Sicherheit an Rennstrecken finden Sie auch im !R RAC!NGJOURNAL 03/2011 welcher im Juli erscheinen wird. RS