| Spa-Francorchamps (!NS!DE-RAC!NG) – Rekordweltmeister Michael Schumacher sorgte, zusammen mit einem aufstrebenden Sebastian Vettel, für einen neuerlichen Formel 1 Boom in Deutschland. Schlagartig stiegen die Quoten von TV Sender RTL, als sich Schumacher zurück meldete. Gleiches gilt für das Saisonfinale 2010. Schumacher war bis dahin längst abgeschrieben und Vettel riss die Leute in den Bann.
Doch eine Sache wird dabei immer deutlich: Im Radio spielt die Formel 1 kaum eine Rolle. Während alleine die öffentlich-rechtlichen Radioanstalten große Teile der samstäglichen Bundesligapartien ins Programm holen, steht die Formel 1 außen vor. Nicht einmal in den Sparten- und Ausweichsendern des Öffentlich-Rechtlichen, auf denen unter Umständen ganze Champions League Partien, übertragen werden hat man Platz für die Königsklasse des Motorsports.
Das einzige was man auf unterwegs hört sind gelegentliche kurze Einblendungen. Es meldet sich ARD-Korrespondent Volker Hirt am Samstag zweimal für wenige Minuten im Nachrichtenhörfunk des Nachrichtenprogramms B5 Aktuell.
Zwar ist es korrekt, dass der Motorsport auf einem solch breit aufgestellten Sender angesichts der immer neuen Meldungen aus aller Welt kaum Platz verlangt. Doch auch abseits davon erfährt man nichts.
Anders sieht dies im benachbarten Ausland aus. Es gibt zwar weltweit nicht einmal zehn Stationen, die Rennen live senden. Aber gerade in unseren Breiten gibt es einige Beispiele dafür. In Dänemark, Italien und den Niederlande kann man immerhin unterwegs die Überholmanöver der Stars mitverfolgen.
Als Vorreiter in diesem Gebiet gilt die BBC. Auf dem Sender BBC 5 Live, der sich insgesamt der Sportberichterstattung ausführlich widmet, gibt es neben einer Vorschau am Freitag die Livereportage des Grand Prix schließlich auch noch zusätzliches Material. Denn nach den Rennen werden Video- und Audio-Podcasts eingestellt.
Wie es gehen kann zeigt Radio Le Mans. Früher ausschließlich an der Strecke verfügbar, hat der Sender durch das Internet an Popularität gewonnen. Denn bereits seit 1997 gibt es eine Ausstrahlung übers Netz.
Inzwischen ist der Sender überall zu finden, wo es um Langstreckensport geht, seien es die Le Mans Serien oder aber das 24 Stunden Rennen am Nürburgring. Außerdem sind die Reporter seit einigen Jahren auf der englischen Audiospur von MotorsTV bei den entsprechenden Serien aufgeschaltet.
Lässt sich etwa ein Formel 1 Rennen schwieriger übermitteln als eine Fußballkonferenz? Verlangt die Komplexität des Motorsports eine Doppelmoderation, wie im TV üblich, die jedoch im Radio schwieriger zu erstellen ist? Oder liegt es ganz einfach nur daran, dass das Radio bei uns ohnehin ein aussterbendes Medium ist?
Insgesamt lässt sich die Lage nur schwer einschätzen, doch was in anderen europäischen Ländern möglich ist, sollte es auch bei uns sein. DG