F1: Die besten italienischen Teams in der F2-EM/F3000/GP2
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Freitag, 09. April 2010 um 13:47
Durango ist eines der erfolgreichsten italienischen Teams in der zweiten Liga. Nun will Durango in die Formel-1. Was aus den anderen erfolgreichen italienischen Teams aus der zweiten Liga wurde.  

F1: Die besten italiensichen Teams in der F2-EM/F3000/GP2

von Michael Zeitler

Durango ist eines der erfolgreichsten italienischen Teams in der zweiten Liga. Nun will Durango in die Formel-1. Was aus den anderen erfolgreichen italienischen Teams aus der zweiten Liga wurde.

| Mellaredo (!NS!DE-RAC!NG) - Mit dem Durango-Team bewirbt sich ein italienisches Team aus der zweiten Liga des GP-Sports, der GP2, um den 13. Platz in der Formel-1. Es gab bereits zahlreiche italienische Rennställe in der GP2 und den Vorgängerserien International Formel-3000 und Formel-2-EM. Ein Blick auf die zehn erfolgreichsten italienische Rennställe (seit 1967):


Forti (9 Siege): 1970 gründeten die zwei Geschäftsmänner Guido Forti und Paolo Guerci das Forti-Team. Zunächst startete es in kleineren Serien, stieg aber bald in die italienische Formel-3 auf. Viermal wurde dort ein Fahrer des Forti-Teams Meister. Der Rennstall hatte auch ein Faible für Südamerika, denn Forti startete auch in der südamerikanischen Formel-3. 1992 holte sich Forti auch einen Teilhaber an Bord, der in Brasilien verwurzelt war: Carlo Gancia. Er kaufte Guerci aus dem Team, der in der Formel-1 Renningenieur wurde und heute für das italienische Alan-Team arbeitet, das in der Formel-Master unterwegs ist. Gancia fuhr in Brasilien Jahre vor dem Engagement bei Forti Tourenwagenrennen und traf dort auch auf den Vater von Pedro Diniz. Durch Diniz kamen die Kontakte zu Forti überhaupt erst zu Stande, denn Diniz fuhr 1992 für Forti in der Formel-3000. Neun Rennen konnte Forti insgesamt dort gewinnen, dann stieg man 1995 in die Formel-1 auf – auch durch das Geld der Diniz-Familie. Für eine eigene Konstruktion fehlten zwar kein Geld, aber die Kapazitäten. Deshalb kaufte sich Forti einen alten Brabham von der Technikfirma von Robin Herd. Der erste Forti Ford war deshalb im Prinzip ein Mix aus dem Brabham von 1991 und dem Fondmetal von 1992. Zwar heuerte Forti den ehemaligen Osella-Techniker Giorgio Stirano an, der das Auto verbessern sollte, aber ein Blumentopf war damit freilich nicht zu gewinnen. Beim Australien GP wurde Diniz immerhin Siebter. 1996 wurde es noch schlechter: Diniz und seine üppigen Sponsorengelder wechselten zu Ligier und Forti stand vor dem finanziellen Ruin. Als Mitten in der Saison auch Gancia absprang, weil er ein IndyCar-Team gründen wollte, brauchte Forti einen neuen Teilhaber. Seine beiden Piloten Luca Badoer und Andrea Montermini hatten derweil mit der neuen 107%-Regel zu kämpfen und scheiterten oftmals an der Qualifikation für das Rennen. Im Sommer verkaufte Forti die Hälfte des Teams an Shannon, ein Team, das bereits in der Formel-3000 fuhr. Doch zwischen Shannon und Forti kam es zum Zwist und nach dem Großbritannien GP wurde der Mannschaft endgültig der Todesstoß verpasst. Guido Forti blieb dem Motorsport verbunden: Zuletzt war er 2002 und 2003 bei einem Team in der europäischen Formel-3000 beschäftigt.


Coloni (9 Siege): Auch das Team von Enzo Coloni war in der Formel-1 aktiv, hatte die Erfolge in der zweiten Liga aber erst nach der GP-Karriere: Rechnet man die Jahre dazu, in denen das Coloni-Team mit dem Rennstall des ehemaligen F1-Piloten Giancarlo Fisichella und dessen Manager Enrico Zanarini fusionierte, wäre Coloni mit 14 Siegen sogar das erfolgreichste italienische Team der zweiten Liga. Die Partnerschaft endete während der Saison 2009, inzwischen fährt Coloni wieder eigenständig. 2010 startet man mit Alberto Valerio und Vladimir Arabadzhiev. Daneben betreut Coloni aber auch die Auto-GP-Serie, die 2010 aus der europäischen Formel-3000 hervorging. Enzo Coloni gründete das Team 1983, band aber auch zuvor eine Mannschaft um sich, als er für sich selbst Rennautos einsetzte. 1973 stieg er in den Motorsport ein, 1976 debütierte er in der italienischen Formel-3. Mit stolzen 36 Jahren gewann Enzo Coloni 1981 die italienische Formel-3 mit einem privaten Ralt-Rennwagen. Er hing seinen Helm an den Nagel und machte in der italienischen Formel-3 mit einem eigenen Team weiter. 1987 brachte Coloni seine Mannschaft in die Formel-1. Die Statistik zeigt, wie miserabel das Team war: Bei 82 Versuchen, konnte sich Coloni nur 14 Mal überhaupt qualifizieren! Die Jungfernfahrt des Coloni-Ford-F1-Rennwagens, der aus der Feder des erst 25-jährigen Konstrukteurs Roberto Ori entstand, unternahm Enzo Coloni höchst persönlich. Bei den Tests soll der Italiener jedoch einen Schwächefall erlitten haben. Als Fahrer heuerte er Nicola Larini an. Der Verkauf des Teams an den japanischen Autohersteller Subaru brachte 1990 nicht die Wende, also ersetzte Enzo Coloni Mitte der Saison 1990 wieder den Rennleiter Alvise Morin und führte das Team wieder in Eigenregie. 1991 musste die Familie Coloni selbst Hand anlegen, weil das Team auf etwa ein Dutzend Mitarbeiter geschrumpft war. Enzo Coloni wurde Renningenieur, sein Sohn Paolo Coloni wurde Testfahrer. Am Ende versuchte er das Team mit dem Modena-Team zu fusionieren, was jedoch scheiterte. Für die Saison 1992 verscherbelte er seine F1-Lasten deshalb an Andrea Moda und begann wieder in den Nachwuchsserien, das Coloni-Team einzusetzen. Dabei fuhr man unter anderem in der europäischen Formel-3000, der italienischen Formel-3 und eben der Formel-3000 International und der Nachfolgerserie GP2. Fallweise betreute man auch noch ein Kundenteam, etwa das Minardi-Junior-Team, das Red-Bull-Juniorteam oder das Fisichella-Team in der F3000/GP2.


Durango (7 Siege): Von 1998 bis 2008 sammelte Durango sieben Siege in der Serie, schön verteilt auf die Jahre. Das zeigt: Ein Topteam war Durango nie. Trotzdem arbeitete Durango Mitte der 90er Jahre an einem F1-Projekt. Enrique Scalabroni sollte einen Durango-F1-Renner auf Kiel legen, doch die Sponsoren forderten eine Garantie, dass Durango bereits im ersten Jahr Siege einfährt. Ivone Pinton und Enrico Magro, 1980 Gründer des Durango-Teams und seither Chefs des Rennstalls, wollten dafür freilich keine Garantie abgeben und zogen den Stecker aus dem F1-Projekt – bis 2010. Nun arbeitet man wieder einem F1-Einstieg für die Saison 2011. Aber selbst intern glaubt man nicht, dass man den freien 13. Platz bekommt. Abgesehen von der Formel-3000 beziehungsweise der GP2, war Durango auch in vielen anderen Serien unterwegs, wie dem Kartsport, der italienischen Formel-3, der europäischen Formel-3000 und auch bei den Sportwagen. 1991 startete man erstmals beim 24-Stundenrennen von Le Mans, 2003 ein zweites Mal mit einem eigenen Durango-Judd-LMP1-Sportwagen.


Crypton (5 Siege): Crypton Engineering hatte nur eine recht kurze Phase in der Formel-3000, die aber trotzdem sehr erfolgreich war. Der Höhepunkt war freilich der Titelgewinn 1992 mit Luca Badoer, der heute F1-Testfahrer bei Ferrari ist. Hinter Crypton steckte Patrizio Cantu, der nur wenig Erfahrung im Motorsport hatte, als er 1987 Teammanager bei der Scuderia Italia in der Formel-1 wurde. 1991 schloss er sich mit Gabriele Rafanelli zusammen, der mit WRT später ebenfalls ein italienisches F3000-Team hatte und auch im Sportwagensport eine Größe war und ist, und übernahm das AGS-Team. Das Abenteuer war aber nur kurz und schon für 1992 verließ er die französische F1-Mannschaft und kümmerte sich wieder um Crypton. 1994 schloss das Team jedoch die Pforten und Cantu ging zu den Motorrädern.


Fisichella (5 Siege): Giancarlo Fisichella, aktuell Test- und Ersatzfahrer im Ferrari-F1-Team, hatte bis 2009 sein eigenes Rennteam, das in verschiedenen Serien unterwegs war: Von der europäischen Formel-3000, bis in die GP2, von der Formel-BMW bis in die Formel-Superleague. Fisichella gab dem Team aber nur seinen Namen: Um die Geschäfte und das Management kümmerte sich Enrico Zanarini, der Manager von Fisichella, der in der Formel-1 aber auch schon andere Fahrer wie etwa Eddie Irvine betreute. Das Fisichella-Team spannte ab 2006 auch mit dem Coloni-Team zusammen. Insgesamt gewann man fünf Rennen in der zweiten Liga, der GP2.


Trident (5 Siege): Das Team wurde 2006 von einem Musikproduzenten aus der Taufe gehoben, von Maurizio Salvadori. Seither fährt es in der GP2, seit 2008 aber auch in der Formel-Master und ab 2010 auch in der Auto-GP-Serie, für die bereits der Kolumbianer Omar Leal bei Trident als Fahrer bestätigt ist. Die Ausbeute von fünf Siegen ist beachtlich, dennoch zählt Trident eher zu den schlechteren Teams in der GP2. Meistens gewann Trident die Sprintrennen, bei denen mit umgedrehter Startaufstellung in der Top-8 gestartet wird. Die Formel-1 ist bei Trident derzeit noch lange nicht am Radar.


Euroracing (3 Siege): Das Team wurde in den 70er Jahren von Gianpaolo Pavanello aus dem Boden gestampft und fuhr zunächst vor allem in der europäischen Formel-3. Technikchef Gianni Marelli baute auch einen eigenen Euroracing-F3-Renner. Der Wagen war gut, deshalb wurde Euroracing in Italien schnell bekannt. Als der Automobilhersteller Alfa Romeo 1983 sein F1-Comeback plante, ließ man den F1-Renner von Euroracing bauen. Nach dem Rückzug 1985 von Alfa Romeo versuchte Euroracing eine Fusion mit dem Osella-Team, denn man hatte noch immer die Rechte der Fahrzeuge, die Alfa Romeo in der Formel-1 eingesetzt hatte. Die Fusion kam jedoch nicht zustande, also ging Euroracing in die Formel-3000 und holte dort drei Siege. Ende 1987 gründete Euroracing gemeinsam mit dem Sportwagenteam des Schweizers Walter Brun einen eigenen Rennstall, der 1988 als EuroBrun in die Formel-1 kam. Während sich Brun um die finanziellen Aufgaben des Teams kümmerte, konstruierten die Euroracing-Techniker Mario Tollentino und Bruno Zava den ersten EuroBrun-Rennwagen. Nach etwas mehr als einem Jahr endete die Zusammenarbeit von Brun und Euroracing und Brun leitete das F1-Team alleine weiter – wenn auch unter unverändertem Namen.


Osella (3 Siege): Das italienische Team, das 1965 vom italienischen Geschäftsmann Enzo Coloni gegründet wurde, existiert noch heute als Osella Squadra Corse und engagiert sich vor allem bei Bergrennen. Osella fuhr zuvor jahrelang Sportwagen, Formel-2 und Formel-1 Rennen mit selbst konstruierten Autos. Das F1-Team verkaufte er 1990 an Gabriele Rumi, der den Rennstall als Fondmetal weiterführte und Ende 1992 zusperrte. Ab 1980 fuhr man in der Formel-1, wobei das beste Resultat ein vierter Platz beim Imola GP 1982 war, mit Jean-Pierre Jarier im Osella Ford.


Genoa (3 Siege): Die italienische Mannschaft, die in der Formel-3000 auf drei Siege kam, gehörte Cesare Caribaldi. Das Glück des Italieners war, dass Akira Akagi 1986 als Teilhaber bei Genoa einstieg. Akagi und seine Firma Leyton House wollten allerdings in die Formel-1. Caribaldi schloss sich deshalb mit Robin Herd zusammen, ein F1-Konstrukteur und einer der Gründer des March-Teams. Zusammen reanimierten sie das March-Team wieder, das nun als Leyton House in der Formel-1 startete. Caribaldi kümmerte sich um das Management des Teams und verkaufte Genoa an Angelo Ferro, der das Team bis heute leitet. Inzwischen ist es eines der erfolgreichsten Teams in der Formel-Atlantik und der Indy-Light-Series.


Pavesi (3 Siege): Das Pavesi-Team war eine Zweigestelle des Barone-Rampante-Team, das in der Formel-3000 ebenfalls drei Siege einfuhr. Pavesi setzte meistens Autos ein, die von Barone Rampante bezahlt wurden. Hinter der Mannschaft steckte Luciano Pavesi, ein ehemaliger Rennfahrer. Für seine Karriere in der europäischen Formel-3 gründete er das Pavesi-Team auch Ende der 70er Jahre. Auch in der Formel-2-Em trat er damit 1977 an.