F1: Luis Perez-Sala versus Adrian Campos
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Sonntag, 18. Dezember 2011 um 13:21
Die Wege der beiden Spanier Adrian Campos und Luis Perez-Sala kreuten sich immer wieder. Nun führt Perez-Sala jenes Team, das von Campos gegründet wurde.
 

F1: Luis Perez-Sala versus Adrian Campos

von Michael Zeitler

Die Wege der beiden Spanier Adrian Campos und Luis Perez-Sala kreuten sich immer wieder. Nun führt Perez-Sala jenes Team, das von Campos gegründet wurde.

| Valencia (!NS!DE-RAC!NG) - Es ist schon eine gewisse Ironie, dass Luis Perez-Sala nun F1-Teamchef bei HRT ist. Wir erinnern uns: Eigentlich sollte der Rennstall von einem anderen Spanier geführt werden: Adrian Campos. Die Ironie: Beide waren einst Teamkollegen in der Formel-1 bei Minardi – und schon da stand Campos im Schatten von Perez-Sala.

Die Teamgeschichte begann 2009. Damals beschloss der Automobilweltverband eine Budgetobergrenze, denn in Mitten der Wirtschaftskrise machte ein Team nach dem anderen dicht. Die Formel-1 sollte für ein Team maximal noch 50 Millionen Euro kosten – und plötzlich war die Formel-1 auch wieder für neue Teams machbar und attraktiv. Auch Campos sah darin eine perfekte Chance, endlich in die Formel-1 einzusteigen. Diese Pläne verfolgte er schon seit Jahren: Schon 1999 wurde erstmals spekuliert, er könnte Teilhaber bei Minardi werden, 2008 kam er als möglicher Käufer des Super-Aguri-Teams in Frage. Campos führte damals bereits in diversen Nachwuchsserien einen Rennstall und egal ob in der spanischen Formel-3, der GP2 oder der Formel-World-Series-by-Renault (der Rekord der meisten Siege dort wurde erst in diesem Jahr von Carlin übertroffen!): Campos hatte überall Erfolg. Die Formel-1 musste der nächste Schritt sein.

Campos gescheitert I
Die noch existierenden Teams in der Formel-1 wehrten sich gegen eine Budgetobergrenze. Eine Haltung, die aktuell mit dem Bruch der Teamvereinigung FOTA ins Schlingern gerät. Campos stand nun mit dem Rücken zur Wand: Sein Team hätte niemals 50 Millionen Euro aufgetrieben, aber der Unterschied mit der Budgetdeckelung gegenüber der anderen Teams wäre kleiner geworden. So blieben die wuchernden Preise, das Projekt von Campos schien vor dem Aus zu stehen. Chassishersteller Dallara stellte die Arbeiten ein und erst im Februar kam mit dem Deutschen Colin Kolles, dem Feuerwehrmann der kleinen Teams, der Teamretter – dank seines eigenen Le-Mans-Teams.

Nun ist auch die Ära Kolles vorbei. Bereits im Juli kam Luis Perez-Sala an Bord, zuletzt als Sportdirektor. Die neuen HRT-Teambesitzer um die Investmentgesellschaft Thesan Capital wollten das Team von Greding aus nach Valencia übersiedeln. Eine Übergangsbasis existiert nun. Kolles und seine Mannschaft werden überflüssig. HRT wird nun tatsächlich so etwas wie ein spanisches Nationalteam. Da passt Perez-Sala als Teamchef gut hin. Erfahrung im Management-Bereich sammelte er zuletzt als Manager von diversen spanischen Nachwuchsfahrern, darunter seinem Neffen Daniel Juncadella, dem Sieger des F3-Gipfeltreffen in Macau 2011. Übrigens: Der Sohn von Adrian Campos, Adrian Campos jr., war nicht darunter. Er fuhr 2011 wegen einer Rückenverletzung nur sporadisch Auto-GP-Rennen – im Team seines Vaters. Denn Campos ist inzwischen wieder zurück in den Nachwuchsserien, setzt neben der Auto-GP und der italienischen Speedcar-Serie 2012 auch wieder in der spanischen Formel-3 ein eigenes Team ein.

Wie die Zukunft aussieht, wird sich zeigen. Perez-Sala hat aber gewiss einen viel größeren Druck. Die Finanzen des HRT-Teams sind nach wie vor für die F1-Verhältnisse zu unterirdisch. Spanien steht wirtschaftlich auf wackligen Beinen, die Arbeitslosigkeit speziell unter Jugendlichen ist erschreckend hoch. Aus Spanien Sponsoren anzuziehen, dürfte eine Mammutaufgabe werden. Campos hat in den Nachwuchsserien dagegen ein überschaubares Budget zum Auftreiben. Man muss abwarten, in welche Richtung die Euro-Krise in Spanien, aber auch die aktuellen Spardiskussionen in der Formel-1 gehen, aber man darf nicht ausschließen, dass Campos seinen Traum erfüllen wird und sich die Wege von Perez-Sala und Campos wieder kreuzen werden.

Die Karriere begann für beide Anfang der 80er Jahre. Beide waren finanziell gut betucht. Campos und sein Sponsor Avidesa ließen sich von Selex sogar eigene F3-Chassis für die europäische Formel-3 bauen. Beide kamen 1986 in die Formel-3000, die zweite Liga, also die Serie, die heute GP2 heißt. Beide waren und sind nur ein Jahr von einander getrennt, Perez-Sala ist der etwas ältere. Und trotzdem kam Campos früher in die Formel-1. Schon 1987 dockte er dank seiner spanischen Geldgeber bei Minardi an. Dabei fuhr er 1986 gerade Mal eine handvoll Rennen für das Team des jüngst verstorbenen GP-Siegers Peter Gethin. Perez-Sala dagegen konnte im Pavesi-Team sogar zwei Rennen gewinnen und am Ende die Saison als Gesamt-4. beenden.

Campos gescheitert II
Während sich Perez-Sala 1987 mit einer weiteren F3000-Saison im Lola-Werksteam auf die Formel-1 vorbereitete, kämpfte Campos mit einem Minardi Motori Moderni in der Formel-1. Punkte konnte er nicht an Land ziehen. Die spanischen Sponsoren bei Minardi wurden aber immer mehr – und so kam 1988 auch Perez-Sala als zweiter Spanier bei Minardi unter. Obschon Campos schon F1-Erfahrung hatte, war Perez-Sala sofort die Nummer eins. Fünf Rennen fuhren beide gemeinsam mit dem Minardi Ford, dann wurde Campos ersetzt. Der Grund sind wohl die Resultate: Perez-Sala gewann das Qualiduell deutlich mit 5:0. Während Perez-Sala sich immer qualifizieren konnte, schaffte es Campos nur zwei Mal, überhaupt sich für das Rennen zu qualifizieren. Gerhard Berger spottete einst: „Schau mal, dem kleben sogar Fliegen hinten am Helm. Der ist so langsam, dass er sogar von Fliegen überholt wird.“

Für Campos war es das. 1993 kam er wieder in der Formel-1 ins Gespräch, als er erst als Fahrer, dann als Teammanager des spanischen Bravo-Teams gehandelt wurde, das die alten Andrea-Moda-Fahrzeuge erworben hatte. Das Team trat mit den geplanten Fahrern Nicolas Larini und Jordi Gené (Bruder des heutigen Ferrari-F1-Testfahrers Marc Gené) nie an. Perez-Sala blieb auch 1989 bei Minardi. Beim Großbritannien GP 1989 steuerte er seinen Minardi Ford auf Rang sechs sogar in die Punkte. Aber Ende 1989 verschwand auch er aus der Formel-1 – bis 2011…


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