F1: Wenn optimistische Zukunftsaussichten irren
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Dienstag, 20. Dezember 2011 um 10:25
Geht es mit Williams 2012 wirklich nach vorne? Gegenbeispiele gibt es genug.  

F1: Wenn optimistische Zukunftsaussichten irren

von Michael Zeitler

Geht es mit Williams 2012 wirklich nach vorne? Gegenbeispiele gibt es genug.

| Grove (!NS!DE-RAC!NG) - Die Augen vieler F1-Fans werden sich 2012 auf das Williams-Team richten. Viele erwarten, dass es mit dem traditionellen Rennstall endlich nach vorne geht. Die Hintergründe sind die Auswechslung des oberen Technikstabs (Mike Coughlan für Sam Michael), der neue Motorenlieferant Renault und ein richtig starker Fahrer. Zwar hat man Kimi Räikkönen nicht verpflichten können, dafür soll nun Adrian Sutil andocken. Doch die Zutaten müssen nicht immer Erfolg ergeben, wie drei Beispiele aus der Saison 1990 zeigen. Bei folgenden drei Teams sahen renommierte Journalisten eine rosige Zukunft ab 1991:

1. Arrows: In einer Special-Ausgabe vom ADAC zur GP-Saison 1990 wird ein Kurzportrait von Arrows-Teamchef Jackie Oliver mit folgender Überschrift angeführt: „Nach dürren Zeiten winkt jetzt der Erfolg“. Die Situation um Arrows wurde als äußerst positiv beschrieben. Mit der Übernahme durch Footwork sah man sich finanziell gut aufgestellt. Darüber hinaus unterzeichnete man einen Exklusiv-Vertrag mit Porsche für vier Jahre! Hans Mezger, der bei Porsche schon die WM-Turbos in den 80er Jahren entworfen hatte, sollte die Motoren konstruieren. Alan Rees wird mit folgenden Worten zitiert: „Ich bin überzeugt, dass wir mit Porsche die Voraussetzungen für den Erfolg haben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir im nächsten Jahr von niemand an PS übertroffen werden.“ Doch es kam anders: Die Beziehung zu Porsche wurde schon nach einem halben Jahr aufgegeben. Der Motor war mit 190 Kilogramm viel zu schwer, 55 Kilo schwerer als der Ford-HB-Motor zum Beispiel. Besonders das Schmiersystem sorgte immer wieder für Motorplatzer, weil sich bei bestimmten Fliehkräften das Öl in Regionen verabschiedete, wo es lieber nicht hinhätte sollen.

2. Minardi: Auch dieses sympathische, italienische Team wurde eine rosige Zukunft ausgemalt. Der Grund: Schon beim USA GP 1990 in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona qualifizierte Pierluigi Martini seinen Minardi Ford auf Rang zwei und damit in die Erste Startreihe! Und 1991 sollte Minardi die Ferrari-Zwölfzylindermotoren bekommen. Der Vertrag wurde schon im März 1990 unterzeichnet, sodass Minardi auch viel Vorbereitung hatte, das Auto perfekt für den Motor zu entwickeln. Giancarlo Minardi wird mit folgenden Worten zitiert: „Wir sind nicht in der Formel-1, um mitzufahren, wir wollen gewinnen! Mit den Ferrari-Zwölfzylindern sollten wir diesen großen Traum auch verwirklichen können.“ Auch hier kam es ganz anders. Schon damals sagte er: „Die Ferrari-Motoren kriegen wir übrigens nicht umsonst. Man stellt uns die Motoren im Leasing-Verfahren zur Verfügung, wobei die Miete ziemlich hoch ist.“ Genau darüber stolperte Minardi. Der Dreijahresvertrag mit Ferrari musste schon nach einem Jahr wieder gekündigt werden. Die Kosten waren für das Minardi-Team nicht tragbar. Aus Minardi wurde eine Hinterbänklertruppe, die die Rekordlisten der Formel-1 anführen würden, wären Sympathien das entscheidende Kriterium. Einen GP-Sieg gab es für das Team aus Faenza erst, als Red Bull Minardi übernommen hat...

3. Osella: Enzo Osella wurde damals vom in der Regel seriösen Journalisten Heinz Prüller als „Überlebenskünstler mit rosiger Zukunft“ bezeichnet. Als Grund für den zu erwartenden Erfolg ist die 51%-Übernahme durch Fondmetal und deren Chef Gabriele Rumi. Man setzte außerdem in den weiterentwickelten Lamborghini-Zwölfzylinder große Erwartungen. Darüber hinaus hatte das Team ein exklusives Benutzungsrecht eines Windkanals und das Budget von damals sieben Millionen Dollar sollte mit den neuen Eigentümern aufgestockt werden. Mit Robin Herd und dessen Fomet-Firma hatte man auch einen guten Technikstab. Die Erfolge bleiben aber aus und Ende 1992 machte das Team dicht.

Es lassen sich natürlich noch viele weitere Beispiele finden: Brabham sollte mit dem ultraflachen Brabham-Rennwagen für 1986 wieder richtig auftrumpfen. Wegen der Konstruktion von Gordon Murray soll sich Niki Lauda sogar eine Rückkehr bei Brabham vorgestellt haben. Die Konstruktion war ein Flop, stattdessen begann der Verfall von Brabham, ein Rennstall, der 1983 mit Nelson Piquet noch Weltmeister wurde. Wir hatten das Toyota-Team, das 2002 mit viel Geld und Aufwand in die Formel-1 kam – aber nie über den Status des Mittelfeldteams hinauskam. Oder auch das Renault-Team 2011, das nach einer ordentlichen Testperformance im Winter und zwei Podestplätzen zum Saisonauftakt mit Vitaly Petrov und Nick Heidfeld mehr hätte erreichen sollen. Da bleibt zu hoffen, dass Williams wirklich ein Schritt nach vorne gelingt und sich nicht in diese lange Reihe einreihen wird.


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