F1: Giovanna Amati - Mit den Waffen einer Frau
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Donnerstag, 29. Dezember 2011 um 15:56
20 Jahre nach ihren F1-Auftritten erinnert !NS!DE-RAC!NG an die bisher letzte F1-Fahrerin Giovanna Amati.  

F1: Giovanna Amati - Mit den Waffen einer Frau

von Michael Zeitler

20 Jahre nach ihren F1-Auftritten erinnert !NS!DE-RAC!NG an die bisher letzte F1-Fahrerin Giovanna Amati.

| Valencia (!NS!DE-RAC!NG) - Exakt 20 Jahre nach der letzten F1-Dame, die sich am Steuer eines F1-Rennwagens versuchte, könnte es 2012 bei HRT mit María de Villota, der Tochter des ehemaligen F1-Fahrers Emilio de Villota, wieder eine Frau in der Formel-1 geben. Die Hürde von De Villota wird die gleiche sein, wie die von der bisher letzten F1-Dame: Giovanna Amati. Nämlich: Die Qualifikation für das Rennen. Bei De Villota gilt das aus zwei Gründen: Erstens ist sie in der Formel-Superleague zwar bereits kraftvolle Formel-Fahrzeuge gefahren und absolvierte 2011 auch einen F1-Test in einem zwei Jahre alten Renault, doch so ganz hat sie ihr Talent nicht bewiesen. Zweitens erwartet der neue HRT-Teamchef Luis Perez-Sala, dass HRT zumindest zu Beginn des Jahres eher schlechter dasteht als 2011 – und schon da wurde es bei einigen Rennen knapp mit der Qualifikation für das Rennen.

Jener Perez-Sala war bei Minardi 1988 und 1989 selbst F1-Fahrer. Während der spanische F1-Landsmann von De Villota in der Formel-1 für Minardi seine Kreise drehte, fuhr Giovanna Amati in der Formel-3000, der heutigen GP2. Perez-Sala und Amati sollen damals ein Paar gewesen sein. Verwundern darf das nicht: Amati hatte in F1-Kreisen mehrere Affären und Liebschaften, unter anderem mit Flavio Briatore und Niki Lauda. Der Playboy Briatore war damals (1991) relativ neu als Teamchef bei Benetton angestellt worden, um die F1-Einsätze effektiver zu gestalten. Doch finanziell war jedenfalls noch Raum für einen F1-Test für seine Liebschaft Giovanna Amati. Benetton war damals schon auf dem Weg zur Spitze, Giovanna Amati im Rennen für Benetton wäre eine unzumutbare Verschlechterung gewesen, denn bei Benetton standen Spitzenpiloten wie Nelson Piquet oder auch Michael Schumacher Schlange. Schon die Liste der Fahrer, die bei Benetton trotz intensiver Verhandlungen auf der Strecke blieben, liest sich wie das damalige Who is who der damaligen F1-Piloten: Olivier Panis, Nigel Mansell, Luca Badoer und Gerhard Berger. Da passte eine Giovanna Amati nicht ins Konzept.

Der F1-Test im Benetton Ford half der Italienerin trotzdem weiter: Nachdem der Automobilweltverband FIA dem japanischen F3-Meister Akihiko Nakaya die Superlizenz verweigerte und damit der Wunschfahrer für das Brabham-Team (damals im Besitz der japanischen Mittlebridge-Gruppe) nicht einsetzbar war, verpflichtete Brabham für 1992 kurzer Hand Amati. Amati, die im Juli 2012 ihren 50. Geburtstag feiern wird, stammt aus einem wohlhabenden Haus – um ihre Eltern zu erpressen wurde Giovanna als Kind sogar von Räubern entführt! – und brachte damit auch einige Sponsorengelder mit zu Brabham. Darüber hinaus gab es möglicherweise Beziehungen zu Middlebridge, als Amati 1989 in der japanischen Formel-3000 fuhr – ein Zwischenschritt, denn in der internationalen Formel-3000 geriet die Karriere von Amati ins Stocken. Zwischen 1987 bis 1991 fuhr Amati 14 F3000-Rennen, war aber bei 31 Rennen gemeldet! Und das für starke Teams wie jenes von Colin Bennett oder für BS Automotive, das von 1976 bis 1978 mit Kundenchassis von Surtees, March und McLaren in der F1-WM unterwegs war und beim Belgien GP 1978 durch Brett Lunger auf einem McLaren Ford Cosworth Rang sieben erreichte. Das beste F3000-Resultat von Amati war Rang sieben 1991 in Le Mans, in einem Reynard Ford Cosworth des GJ-Teams. Es sind schon Fahrer in die Formel-1 gekommen, die haben zuvor ihr Talent eindrucksvoller unter Beweis gestellt.

Und so ist es kein Wunder, dass es Amati in der Formel-1 alles andere als leicht hatte. Amati, die als sehr launisch und temperamentvoll beschrieben wird, versuchte sich bei drei GP-Rennen vergebens mit dem Brabham Judd zu qualifizieren. Beim Brasilien GP 1992 war sie im Qualifying fast elf Sekunden langsamer als die Pole-Zeit von Nigel Mansell, dem späteren Weltmeister im Williams Renault. Amati wurde 30. und wenn man sich anschaut, dass ihr Teamkollege Eric van de Poele im Qualifying über Rang 29 ebenfalls nicht hinauskam, dann liegt der Schluss nahe: Amatis langsame Zeit ist dem Brabham Judd BT60B geschuldet. Von jenem Schluss wird man dann aber abweichen, wenn man sich die Zeit von Van de Poele anschaut: Sie war etwa fünf Sekunden schneller als die von Amati! Beim Mexiko GP war Amati bis auf drei Sekunden an der Zeit von Van der Poele dran, wieder war sie damit aber 30. und Letzte, rund vier Sekunden fehlten auf den letzten Startplatz 26, auf Ligier-Renault-Pilot Eric Comas. Beim Südafrika waren es wieder vier Sekunden Rückstand auf Van de Poele – und damit auch auf den letzten von 26 Startplätzen. Brabham-Chef Herbie Blash erkannte: Mit Amati ist kein Blumentopf zu gewinnen. Ihr Cockpit übernahm ein gewisser Damon Hill, F1-Weltmeister von 1996.

1993 wurde Giovanna Amati öfter in eindeutigen Situationen mit Niki Lauda erwischt. Der dreimalige F1-Weltmeister war damals Ferrari-Berater und damit auch einer der Entscheidungsträger. Das soll jetzt keinesfalls eine Erklärung für die Liebschaften mit Niki sein, aber Amati wollte auch dank ihrer exzellenten Kontakte Ferrari-Testfahrerin werden. Lauda winkte allerdings ab. Amati hatte also ihre eigene Antwort auf die Frage, wie eine Frau F1-Fahrerin werden kann – mit den Waffen einer Frau.

Nach dem F1-Abenteuer fuhr Giovanna Amati noch einige Sport- und Tourenwagenrennen und arbeitete anschließend als Journalisten, auch im Motorsport. Begonnen hatte ihre Laufbahn schon mit 15 Jahren, als sie sich heimlich ein Honda-Motorrad zulegte und dies zwei Jahre vor ihren Eltern geheim halten konnte. 1981 stieg Amati dann offiziell in den Rennsport ein, fuhr in der Formel-Abarth. 1985 stieg sie in die italienische Formel-3 auf und fuhr 1986 unter anderem für das spätere F1-Team von Guido Forti. Besondere Erfolge fehlten Amati schon damals, doch sie fuhr in der Formel-3 nicht so hoffnungslos hinterher wie in der Formel-1.

Fazit: Die Formel-1 hat es verdient, dass sich eine richtig gute Fahrerin unter den Männern beweisen kann. Ob María de Villota den Versuch bekommt und dafür die richtige wäre, bleibt abzuwarten. Rein sportlich würde aber zum Beispiel nichts gegen ein F1-Engagement der IndyCar-Fahrerin Simona de Silvestro sprechen.


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