F1: Sergio Mantovani - GP-Hoffnung, die keiner mehr kennt
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Donnerstag, 05. Januar 2012 um 16:51
Sergio Mantovani hatte Geld, Talent und Zeit. Dann verlor er bei einem F1-Unfall ein Bein und damit alle Hoffnungen.  

F1: Sergio Mantovani - GP-Hoffnung, die keiner mehr kennt

von Michael Zeitler

Sergio Mantovani hatte Geld, Talent und Zeit. Dann verlor er bei einem F1-Unfall ein Bein und damit alle Hoffnungen.

| Santa Corona (!NS!DE-RAC!NG) - In der langen, langen, langen Geschichte des GP-Sports gab es schon so viele Fahrer. Es gab welche, die sind als Künstler hinter dem Lenkrad bekannt geworden, ausgestattet mit einer schieren Fahrzeugbeherrschung. Das sind Fahrer wie Gilles Villeneuve, Jim Clark oder Ayrton Senna. Die GP-Geschichte macht sie unvergessen. Es gibt erfolgreiche Fahrer durch Fleiß und Geschick. Das sind Fahrer wie Niki Lauda, Michael Schumacher oder Alain Prost. Die GP-Geschichte macht sie unvergessen. Das gibt Lebemänner und Lustknaben. Es sind Fahrer wie  James Hunt, Innes Ireland oder Eddie Irvine. Die GP-Geschichte macht sie unvergessen. Es gibt Helden der Motorsport-Steinzeit. Das sind Fahrer wie Ferenc Szisz, Christian Lautenschlager oder Felice Nazzaro. Die GP-Geschichte macht sie unvergessen. Es gibt Taugenichts, Bremsklötze und Crash-Piloten. Die GP-Geschichte macht auch sie unvergessen.

Aber es gibt eben auch Fahrer, deren Namen nur noch eine Randnotiz in der langen F1-Geschichte sind. Fahrer, dessen Namen einem beim Hören so viel sagen wie ein finnischer Spruch voller Lebensweisheit. Fahrer und Namen, denen man kein Gesicht, keine Bedeutung, keine Geschichte zuordnen kann. Weil Robert Kubica, Gewinner des Kanada GP 2008, auch die F1-Saison 2012 verletzt passen muss und keiner sagen kann, ob er je wieder F1-Rennen bestreiten wird, hat !NS!DE-RAC!NG in einer Historie-Story siegreiche Fahrer zusammengetragen, die durch Unfälle um ihre Karriere und damit um weitere Siege oder gar WM-Titel gebracht wurden. Doch das schließt Fahrer aus, die äußerst talentiert waren, ihren Durchbruch vielleicht aber auch wegen Unfällen nicht schafften. Fahrer, die heute keiner mehr kennt.

Ein solcher Fahrer ist Sergio Mantovani. Er in den 50er Jahren einen von vielen GP-Hoffnungen aus Italien, auf deren Liste auch Fahrer wie Luigi Musso oder Eugenio Castellotti stehen. Diese drei Fahrer haben eines gemeinsam: Ihre Hoffnungen zerschellten an den Streckenbegrenzungen, zerschellten bei schweren Rennunfällen. Mantovani wurde schon in seinen jungen Jahren ein wohlhabender Geschäftsmann. Mit 20 Jahren begeisterte er sich erstmals für den Rennsport – wir schreiben an dieser Stelle das Jahr 1950. Aus Spaß wird bekanntlich ernst, denn Mantovani erkannte sein Talent, sein Geschick, sein Können am Steuer der damals wuchtigen und gefährlichen Rennmaschinen. Schon nach drei Jahren fuhr er sein erstes F1-WM-Rennen, als er beim Italien GP 1953 Siebter wurde. Damals fuhr er gemeinsam mit Luigi Musso einen Maserati – Fahrerwechsel während des Rennens waren zu jener Zeit noch gestattet. Bei sieben WM-Läufen stand Mantovani am Start, bei allen sieben mit einem Maserati. Zwei Mal kreuzte er die Ziellinie dabei als Fünfter. Doch mehr trumpfte er bei F1-Rennen auf, die keinen WM-Status hatten – auch das gab es damals noch. Statt 20 Rennen wie heute, gab es damals nur sieben Rennen, die für die Weltmeisterschaft von Bedeutung waren, bei den restlichen Rennen zählte der Sieg. Den schaffte Mantovani zwar nie, doch beim Rom- und Sizilien GP 1954 wurde er jeweils Dritter. Das Ende seiner Karriere kam 1955 beim ebenfalls nicht zur WM zählenden Valentino-GP, als er sich bei einem Unfall am Bein verletzte, das ihm in der Folge abgenommen werden musste. Wenig Erfahrung, aber auch noch sehr jung, darüber hinaus sehr talentiert – Mantovani hatte die Zutaten für eine recht solide und gute Rennkarriere. Dem Motorsport blieb er verbunden, als Mitglied der Sportkommission des italienischen Automobilverbandes. 2001 verstarb Mantovani im Alter von 71 Jahren.