Epsilon Euskadi will das F1-Projekt von vor einem Jahr wieder aufgreifen. Die Hintergründe.Â
| Bilbao (!NS!DE-RAC!NG) - Wie über den Winter nach und nach durchsickerte, gibt es in der Saison 2010 kein volles Starterfeld. Statt 13 Teams, treten beim Bahrain GP nur deren zwölf an, obschon mit dem Stefan-Team ein dreizehntes Team quer bei Fuß stünde. Der Automobilweltverband FIA lässt das serbische Team aber nicht starten: Es gab kein weiteres offizielles Auswahlverfahren und in der Kürze der Zeit (in einer Woche startet das Bahrain-Wochenende) ist ein neues Auswahlverfahren auch nicht möglich. Stefan scheitert also de facto an Formalitäten.
Das Resultat ist: Für die Saison 2011 gibt es einen freien Startplatz. Stefan wird nicht das einzige Team bleiben, das sich dafür bewerben wird. Auch das untergegangene USF1-Team will eine neue Chance und es ist zu erwarten, dass viele Teams, die sich schon für die Saison 2010 beworben haben, es auch für 2011 versuchen werden. Darunter ist auch das Epsilon-Euskadi-Team aus Spanien, das 2010 in der Formel-World-Series-by-Renault an den Start gehen wird – mit dem Japaner Keisuke Kunimoto und dem Spanier Albert Costa.
Das Team gehört dem ehemaligen F1-Teammanager Joan Villadelprat und arbeitete bereits für die Saison 2010 an einem F1-Projekt. Auf eine exklusive E-Mail-Anfrage erklärte Pressechef Jordi Caton – ebenfalls ein ehemaliger F1-Fuchs – wie weit das Projekt fortgeschritten war: „Wir hatten starke Partner für das Projekt, ein Sponsoren-Budget für vier Jahre und ein gut fortgeschrittenes Design des Epsilon-F1-Autos.“ Dass die Bewerbung der Spanier nicht angenommen wurde, wurmt dem baskischen Team natürlich. Deshalb will man auch erst abwarten, bis die FIA das neue Auswahlverfahren und eine neue Einschreibung verkünden wird. Die FIA erklärte vor wenigen Tagen, dass man in Kürze genaue Details bekannt gegeben wird, auf welche Kriterien bei der Auswahl der beworbenen Teams Wert gelegt werden. Damit reagiert die FIA auch auf vielseitiger Kritik, der Verband hätte die Teams, die 2010 starten dürfen, nicht mit der größtmöglichen Sorgfalt ausgesucht. Mit einer offiziellen Kriterienliste legt die FIA die Karten offen – es ist also ein guter Schritt. Gut ist auch, dass die FIA diese Kriterien schon bald bekannt geben will, denn bis dahin können sich Teams wie Epsilon Euskadi auch nicht gescheit vorbereiten.
Der Vorteil ist aber: Epsilon Euskadi fängt nicht von Null an. Man hat schon eine Grundlage und man hat noch Kontakte zu den Sponsoren und Investoren, die ihm Vorjahr den Rennstall unterstützen wollten. Und hier kann man auch jetzt schon anfangen, auf Sparflamme das Projekt wieder aufzugreifen. Dazu Caton in der Mail: „Nach der neusten Meldung von der FIA über ein neues Auswahlverfahren, arbeiten wir gerade daran, unsere Sponsoren und Partner wieder aufzuwecken, aber das braucht Zeit.“ Die FIA-Auswahlkriterien werden entscheiden, ob Epsilon Euskadi auch für 2011 eine Bewerbung abgeben wird.
Sollte es mit der Formel-1 wieder nicht klappen, gibt es aber Alternativen: Man wird später in der Saison evaluieren, ob ein Einstieg in die GP2, der Serie unterhalb der Formel-1, sinnvoll ist. 2011 schreibt die GP2 alle Startplätze wieder neu aus, bei der letzten Ausschreibung wurden jedoch alle bisherigen Teams wieder neu bestätigt. Nebenher läuft auch das Sportwagenprogramm bei Epsilon Euskadi auf Sparflamme weiter. 2008 war Epsilon Euskadi mit einem eigenen mit Judd-Motor angetriebenen LMP1-Wagen beim 24-Stundenrennen von Le Mans am Start. Seither lässt sich das Programm jedoch nicht mehr finanzieren. Man wartet auf zahlungskräftige Sponsoren.
Nachgehackt bei Epsilon Euskadi (Jordi Caton)
MZ: Es gibt nur zwölf Teams in der F1-Saison 2010. Das heißt, es gibt einen weiteren Platz für 2011. Werdet ihr euch für diesen Platz bewerben?
JC: Wir hatten im Juni letzten Jahres alles zusammen, Sponsoren und Partner für unser F1-Projekt. Wir wurden nicht ausgewählt, aber wie die Zeit gezeigt hat, waren drei Teams nicht so stark wie erwartet. Nach der neusten Meldung von der FIA über ein neues Auswahlverfahren, arbeiten wir gerade daran, unsere Sponsoren und Partner wieder aufzuwecken, aber das braucht Zeit. Für uns hängt eine Bewerbung für einen Platz 2011 vom Zeitraum ab und von der Methode, welche die FIA für diesen Prozess anwenden wird.
MZ: Bis wann werdet ihr entscheiden, ein F1-Projekt zu starten?
JC: Wir müssen abwarten, bis die FIA das Auswahlverfahren bekannt gibt, um das zu entscheiden.
MZ: Wie weit war euer Projekt für 2010 fortgeschritten?
JC: Wir hatten starke Partner für das Projekt, ein Sponsoren-Budget für vier Jahre und ein gut fortgeschrittenes Design des Epsilon-F1-Autos.
MZ: Es wird auch in der GP2 2011 offene Plätze geben. Werdet ihr euch dafür bewerben? Denn das wäre näher an der Formel-1 dran?
JC: Das werden wir später evaluieren, aber die Formel-World-Series-by-Renault ist auch nur ein Schritt hinter der Formel-1, wie viele F1-Fahrer im Starterfeld beweisen. Bei Epsilon Euskadi waren Robert Kubica und Jaime Alguersuari.
MZ: Was ist mit einem neuen LMP1 Sportwagen?
JC: Wir arbeiten ständig daran, das LMP1-Programm aus technischer Sicht bereit zu halten. Sollten wir das Sponsorenbudget für eine starke Saison oder einen Auftraggeber bekommen, dann werden wir da sein.