Davide Valsecchi ist der neue Titelträger der GP2-Asia. Der Italiener im Portrait.
| Dubai (!NS!DE-RAC!NG) - Am vergangenen Wochenende holte sich David Valsecchi den Titel in der asiatischen GP2-Serie – und gewann damit die Superlizenz für die Formel-1. Der Titelgewinn war beeindruckend, denn obschon er auch als dritter den Titel in der Tasche gehabt hätte, zeigte der Italiener Siegeshunger: In den letzten sechs Rennen überholte der iSport-Pilot zuerst Javier Villa (Arden) und anschließend Landsmann Luca Filippi (Meritus) und gewann das Rennen in Dubai! Es war eine Machtdemonstration die ihresgleichen sucht, die von der Tatsache untermauert wird, dass Valsecchi bereits nach fünf von acht Saisonrennen Meister wurde! Mittlerweile liegt er uneinholbar vor Giacomo Ricci (DPR) und Oliver Turvey (iSport).
Eintrittskarte in die Formel-1: Der GP2-Asia-Titel ist der bisher größte Erfolg von Valsecchi. Nicht nur wegen der erhaltenen Superlizenz könnte dieser zudem die Eintrittskarte in die Formel-1 sein, denn bisher kamen alle Meister der asiatischen GP2 in die Formel-1: Romain Grosjean gab 2009 zwar ein miserables Gastspiel bei Renault, Kamui Kobayashi fährt 2010 jedoch eine volle Saison bei Sauber. Trotzdem: Der Titel in dieser Serie gilt nicht unbedingt als erste Bewerbung, aber Valsecchi hat sich damit ein Cockpit für die GP2-Hauptsaison 2010 gesichert, denn er bleibt bei iSport. Oft hat sich gezeigt: Die F1-Piloten können den Schwung aus der asiatischen GP2 nicht in die Hauptserie hinüberbringen. Grosjean fuhr 2008 hinterher, Kobayashi 2009 noch viel mehr. Bei iSport hat Valsecchi zwar ein gutes Team hinter sich, doch der letzte Titelgewinn für den Rennstall, der im Sommer 2009 F1-Pläne hegte, liegt bereits etwas zurück: Timo Glock, mittlerweile F1-Pilot bei Virgin, holte sich 2007 mit iSport den Titel.
Neben iSport verhandelte Valsecchi auch mit zwei weiteren Teams: Coloni und Super Nova. Für beide Teams absolvierte er auch Testfahrten, aber er entschied sich letztlich für iSport. Auf der Liste der F1-Teamchefs stand der 23-Jährige bislang nicht, obwohl es in der Formel-1 2010 vier Plätze mehr zu besetzen gilt. Das könnte an seinem bisher doch eher durchwachsenen Karriereverlauf liegen, speziell an der letzten Saison: Mitten in der Saison wechselte er in der GP2 das Cockpit: Von Durango ging es ins Topteam Addax, weil er Grosjean ersetzte, der in die Formel-1 aufstieg und bei Renault das Cockpit des entlassenen Nelson Piquet Junior übernahm. Aber bei Addax konnte Valsecchi nicht überzeugen. Gegen Vitaly Petrov, der 2010 bei Renault in der Formel-1 fahren wird, sah Valsecchi nicht gut aus.
Durchwachsene Karriere: Zuvor bei Durango war Valsecchi gut unterwegs, obschon das italienische Team ein Hinterbänklerteam ist. Das spiegelt seine bisherige Karriere wider, die eine einzige Berg- und Talfahrt war. Deshalb war der Titelgewinn in der GP2-Asia auch die bisher erste Bewerbung für ein F1-Cockpit. Von 2003 bis 2005 fuhr Valsecchi in der italienischen Formel-Renault, ohne dabei jedoch zu überzeugen. Trotzdem wurde er in den Renault-Nachwuchskader aufgenommen und blieb dort auch bis Ende 2009. Mittlerweile hat Renault den Kader aufgelöst und Valsecchi bleib auf der Strecke. Das französische Team unterstützt durchaus weiter junge Fahrer in der GP2, nämlich die beiden DAMS-Piloten Jérôme D’Ambrosio und Ho-Pin Tung. Valsecchi war kein Thema, zu enttäuschend war er bei Addax in der zweiten Saisonhälfte 2009 unterwegs.
Dass er auch in der italienischen Formel-Renault enttäuschte, war nicht ganz so schlimm. Denn dafür setzte er nebenher Akzente: 2005 fuhr er nämlich auch fallweise in der italienischen Formel-3 und in der italienischen Formel-3000. In der F3 wurde er Gesamt-3., während er in der F3000 nur ein Rennen für ADM fuhr und trotzdem drei Punkte sammelte! Deshalb stieg er 2006 für eine volle Saison in die Formel-World-Series-by-Renault auf. Bei Epsilon Euskadi bekam er einen Vertrag, der vor allem deshalb attraktiv war, weil er nebenher auch in der Le-Mans-Serie Sportwagen fahren durfte. Epsilon Euskadi unterstützte dort nämlich das Barazi-Epsilon-Team von Juan Barazi, das einen Courage-LMP2-Sportwagen einsetzte, den Valsecchi bei all seinen drei Rennen aufs Podest steuerte! Mittlerweile ist das Team eigenständig und fährt auch in der Formel-Superleague, während Epsilon Euskadi bereits einen eigenen Le-Mans-Sportwagen gebaut haben und seit Monaten auch an einem F1-Projekt arbeiten.
Auch in der Formel-World-Series-by-Renault lief es gut: Er wurde Gesamt-10. Epsilon Euskadi hielt Valsecchi deshalb auch für die Saison 2007. Zwar gewann er 2007 ein Rennen, darüber hinaus enttäuschte er jedoch auf ganzer Linie. Er war in einem Tal angekommen, wurde aber bald wieder herausgezogen. Denn Valsecchi bekam dank seiner finanziellen Mitgift ein GP2-Cockpit für die Saison 2008 – bei Durango. Zuvor testete er auch für Trident und ART. Bei Durango gelang ihm 2008 sogar ein Sieg. Valsecchi machte einen soliden Job, erregte die Aufmerksamkeit aber auch durch schwere Unfälle. Nach einem schweren Crash in der Türkei 2008, musste er sogar verletzt ein paar Rennen aussetzen.
Seine GP2-Bilanz bisher: 36 Rennen, ein Sieg, zwei Podestplätze und 26 Punkte. Poliert er diese Bilanz 2010 ordentlich auf und bestätigt seine Form aus der asiatischen GP2, dann könnte er für 2011 im Rennen um ein F1-Cockpit sein.