Darcio dos Santos, Barrichellos Onkel, sprach exklsuiv mit !NS!DE-RAC!NG über das Jubiläum von Rubens und den gemeinsam Plänen nach der Formel-1.
| Sao Paulo (!NS!DE-RAC!NG) - Die Familie Barrichello ist schon was ganz Besonderes. Rubens Barrichello macht durch und durch einen positiven und sympathischen Eindruck. Manchmal etwas zu ängstlich oder zu überempfindlich, wie die Mordvorwürfe an Michael Schumacher nach dessen zugegeben sehr harten Manöver in Ungarn. Doch Barrichello ist immer geradeaus, tief religiös und vor allem tiefehrlich. Angesprochen auf die Stallorder von Ferrari beim Deutschland GP erklärte Barrichello auf einer offiziellen Pressekonferenz: „Wenn ich wegen diesen zwei Punkten Weltmeister werden würde, dann würde ich mir wünschen, lieber nicht Weltmeister zu sein. So werde ich das meinen Kindern jedenfalls nicht beibringen.“ Das klingt übertrieben, aber tatsächlich ist Rubens genau so. Er ist sensibel, kein Fahrer hat bei seinem ersten GP-Sieg so viele Freudentränen vergossen wie Rubens in Hockenheim 2000.
Rubens Barrichello ist damit aber nicht alleine. Die äußerliche Ähnlichkeit mit seinem Vater ist nicht zu übersehen. Und auch sein Onkel, Darcio dos Santos, ist absolut sympathisch und offen. Interviewanfragen lehnen andere ab, nicht er. Sollten die Antworten ein paar Tage dauern, gibt es eine herzliche und ehrliche Entschuldigung. Und eine Erklärung für die Verzögerung, die oft noch interessanter sind als die Antworten. Nicht aber bei diesem Interview, in dem es um die Karriere von Rubens Barrichello ging, die ja in diesen Tagen 300 F1-Rennen umfasst!
Lange Karriere: Geht es nach Darcio dos Santos ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. „Noch sechs Jahre“ könnte Rubens in der Formel-1 fahren – wenn er denn wolle. Denn: „Ich denke er wird fahren, solange er will.“ Rubens Barrichello wäre dann 44 Jahre alt, genauso lang will auch Michael Schumacher noch GP-Rennen bestreiten. Rubens’ Rekord wäre dann jedenfalls für Jahre gesichert. Ob sechs Jahre realistisch sind, steht aber auf einem anderen Blatt Papier. Sogar für 2011 steht der Brasilianer ohne Vertrag da. Ein Verbleib bei Williams gilt allerdings als quasi fix, zu viele lobende Worte gibt es von Teambesitzer Frank Williams. Aber auch der glaubt, dass spätestens 2013 Schluss ist mit der Formel-1 für Rubens. Rubens selbst will noch 100 Rennen fahren.
Darcio dos Santos kann sich ferner vorstellen, dass er nach seiner F1-Laufbahn noch ein paar Jahre in der IndyCar dranhängen wird, der amerikanischen Formel-1. Auch wenn seine Frau das bisher immer ausgeschlossen hat – aufgrund von Sicherheitsbedenken. Darcio dos Santos: „Mit Sicherheit wird er sich für den besten Weg für sich entscheiden.“
Nach der Karriere: Geht es nach Darcio dos Santos würde es Rubens nach der Rennfahrerkarriere nicht langweilig werden. Darcio dos Santos setzt seit Jahren ein eigenes Team in der südamerikanischen Formel-3 ein. Darin soll Rubens involviert werden. „Ich hoffe, irgendetwas mit ihm zu machen“, so Darcio dos Santos abschließend zu diesem Thema. Europa hat er jedenfalls im Visier: „Wieso nicht.“ Erst letzte Woche hätte ein Malaysier bei ihm angeklopft, für den PropCar ein Auto in der deutschen Formel-3 einsetzen soll.
Nachgehackt bei Darcio dos Santos
MZ: Rubens wird in diesen Tagen 300 Grand Prix alt, ein faszinierender Rekord. Welche drei bis fünf von diesen 300 GP sind noch in deinem Gedächtnis und warum?
DDS: In meiner Erinnerung ist noch das erste Rennwochenende in einem Jordan-GP-Auto (Südafrika 1993, Anm.), das Rennen in Donington, wo er in Reihe sechs gestartet ist und mehr oder weniger am Ende der ersten Runde Vierter war (1993, Anm.). Ich kann auch den Sieg beim Hockenheim GP 2000 nicht vergessen, bei regnerischen Bedingungen und auf dem Podium. Die Trophäe ist in meinen Händen. Es ist das beste Geschenk in meiner Werkstatt. Natürlich habe ich eine Menge GP in meinem Gedächtnis, speziell die Brasilien Grand Prix und eine Menge andere.
MZ: Wann hast du gewusst, dass Rubens es in die Formel-1 schaffen wird?
DDS: Schon immer. Seit wir katholisch sind haben wir das im Glauben und wir kennen seine Leistungsfähigkeit. Für dein Verständnis: Eine Menge brasilianische Fahrer waren seit 1982 in der Formel-1. Zum Beispiel Christian Fittipaldi, Nelson Piquet jr. (beide habe ich bereits bei einigen Kart-Wochenenden getroffen). Und wer war der beste? Rubens! Rubens war der Beste und ist talentiert im Fahren.
MZ: Gab es Zeiten, wo die Karriere von Rubens gehangen ist? Wann?
DDS: Er kämpft immer sehr viel in der Formel-1, um der beste Fahrer in seiner Welt zu sein, in der F1-Welt.
MZ: Was glaubst du: Wie lange wird er F1-Rennen fahren?
DDS: Ich denke er wird fahren, solange er will. Er ist physisch sehr stark darauf vorbereitet und liebt die Formel-1. Vielleicht für sechs weitere Jahre.
MZ: Letztes Jahr hast du mir gesagt, dass es möglich ist, dass Rubens in dein Rennteam involviert werden könnte, wenn er seine eigene Karriere beendet hat. Hast du mit ihm schon darüber gesprochen?
DDS: Wie ich schon damals gesagt habe, fokussiert er sich jetzt in erster Linie auf seine Karriere und danach können wir über irgendwie sowas diskutieren. Ich hoffe, irgendetwas mit ihm zu machen.
MZ: Glaubst du Rubens wird in der IndyCar oder einer anderen Rennserie nach seiner F1-Karriere fahren?
DDS: Wie seine Frau gesagt hat, nein, niemals. Aber ich denke, falls er glücklich damit ist, kann er einige Jahre in der IndyCar fahren. Mit Sicherheit wird er sich für den besten Weg für sich entscheiden.
MZ: Wie viele GP hast du besucht? Wann war der erste und wann der letzte?
DDS: Ich war in Ungarn, Hockenheim, Silverstone, Brasilien, Monza, Spanien. Formel-1 ist Geschäft, deshalb muss er sich auf seine unterstützenden Personen konzentrieren, nicht auf sein Onkel.
MZ: Ich denke die Zeit ist gut für Motorsport in Südamerika, schließlich haben wir zwei Kandidaten aus Südamerika für den GP2-Titel, einen sehr guten Fahrer in der WSbR (Guerrieri) und vielleicht einen GP3-Meister von dort. Deshalb: Ist es möglich, dass du mit deinem eigenen Rennteam auch europäische Rennserien ins Auge fasst? Gibt es solche Gedanken oder Pläne? An welcher Serie bist du interessiert?
DDS: Vor einigen Jahren dachte ich an ein eigenes Team in Europa. Mit Sicherheit kann ich einen Fahrer oder ein Team unterstützen, falls wir Sponsoren oder Fahrer von einem anderen Land bekommen. Letzte Woche habe ich Kontakt von einem malaysischen Fahrer bekommen, der einige Tests in Südamerika machen wollte und ein PropCar-Team in Deutschland einsetzen wollte. Wieso nicht?