F1: Transfer-Update - Welche GP2-Fahrer haben F1-Chancen?
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Sonntag, 05. September 2010 um 15:56

F1: Transfer-Update - Welche GP2-Fahrer haben F1-Chancen?

von Michael Zeitler

Welche GP2-Fahrer haben F1-Chancen und welche nicht? Eine genaue Analyse.  

| Spa (!NS!DE-RAC!NG) - Die GP2-Serie ist das beste Sprungbrett in die Formel-1. Welche Fahrer der Saison 2010 dürfen springen?


Pastor Maldonado: Der Venezuelaner fährt für Rapax und führt derzeit die Meisterschaft an. Obschon er seit einigen Rennen jedes Hauptrennen für sich entscheiden kann, ist er noch nicht fix Meister, denn im Sprint verliert Maldonado meistens wieder viele Punkte. Trotzdem ist Maldonado klarer Favorit auf den Titel. Die meisten Champions der Serie kamen direkt in die Formel-1, der letzte der das nicht schaffte, war 2008 Giorgio Pantano. Die Gründe: Der Italiener fuhr 2004 bereits eine mäßige Saison bei Jordan in der Formel-1 und brauchte schlicht zu lange, um in der GP2 den Titel einzufahren. Auch Maldonado fährt schon länger in der GP2. Aber schon allein seine Sponsoren werden dafür sorgen, dass ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt, wie Pantano. Bis zu zehn Millionen Euro Gelder aus Venezuela soll Maldonado als Mitgift mitbringen. Das bringt ihn gleich bei mehreren Teams auf die Wunschliste: Virgin, HRT und Sauber. Bei Sauber will man nun aber lieber Maldonados Herausforderer für den GP2-Titel 2010, Sergio Perez. Denn der Mexikaner wird von Telmex unterstützt, 2010 wohl auch Großsponsor bei Sauber. Bei Virgin muss sich Maldonado mehreren Fahrern mit ebenfalls großen Geldbeutel stellen, etwa Esteban Guerrieri, Perez, Lucas di Grassi oder Jérôme D’Ambrosio. Bei HRT könnte Maldonado aber zum Zug kommen.
Sergio Perez: Der Mexikaner fährt für Addax und ist derzeit Gesamt-2. Sein Vorgänger Vitaly Petrov wurde ebenfalls Vizemeister und wurde dann F1-Stammfahrer bei Renault. Auch Perez dürfte 2010 Stammfahrer werden, aber nicht bei Renault. Die beste Adresse ist derzeit Sauber. Dort scheint sein Förderer Carlos Slim, praktischerweise reichster Mann der Erde, Interesse haben, einzusteigen. Aber auch bei Virgin und HRT hat Perez Chancen.


Dani Clos: Der Spanier fährt für Racing Engineering. Einst hatte Frank Williams ein Auge auf Clos, doch nach einer eher schlechten Saison 2009 förderte Williams lieber Valtterie Bottas statt Dani Clos. 2010 ist Clos deutlich stärker, liegt derzeit auf Rang drei in der Gesamtwertung, fährt aber trotzdem unauffällig. Nur in der Türkei gewann Clos ein Sprintrennen. Trotzdem könnte sich eine F1-Chance ergeben, wenn Epsilon Euskadi für 2011 eine Startberechtigung bekommt. Das spanische Team bekommt nämlich Unterstützung von der spanischen Regierung und denen wäre sicherlich schwer zu erklären, wieso man nicht auf Clos setzt. Möglich, dass Clos neben Pedro de La Rosa für Epsilon Euskadi fahren wird. Ansonsten wird er wohl eine dritte Saison in der GP2 fahren müssen, dabei aber wohl nicht mehr bei Racing Engineering.
Guido Van der Garde: Der Holländer fährt für Addax. F1-Erfahrung sammelte Van der Garde bereits als Testfahrer für Midland/Spyker. Damals war dort Colin Kolles Teamchef. Kolles erfüllt derzeit die gleiche Position bei HRT. Dort ist man auf Fahrer mit viel Geld angewiesen – und die Verpflichtung von Sakon Yamamoto hat gezeigt, dass Kolles dabei zuerst auf altbekannte Fahrer schaut. Kann also Van der Garde das Budget auftreiben, könnte er durchaus eine F1-Chance haben.
Jules Bianchi: Der Franzose fährt für ART. Fakt ist, bei ART werden die Fahrer mit gewissen Erwartungen konfrontiert. Auch wenn Bianchi seinen Teamkollegen Sam Bird im Griff hat, das Ziel war der Titel und den kann er 2010 nicht mehr holen. Möglich, dass Bianchi, dessen Großonkel Lucien Bianchi von 1959 bis 1968 insgesamt 17 F1-WM-Rennen fuhr und mit einem Cooper BRM beim Monaco GP 1968 Dritter wurde, 2011 noch einmal auf den Titel angesetzt wird. Doch sein Manager Nicolas Todt versucht ihn, bereits für 2011 in die Formel-1 zu hieven. Das will Todt mit einem Einstieg von ART bei Sauber schaffen. Weil es finanziell lukrativere Angebote aus Mexiko gibt, wird ein Teilverkauf von Sauber an ART aber immer unwahrscheinlicher.


Oliver Turvey: Der Brite fährt für iSport International. Dort hat Turvey auch einen Zweijahresvertrag, mit einer Ausstiegsklausel, falls es eine F1-Möglichkeit gibt. Die tut sich aber bisher nicht auf.
Charles Pic: Der Franzose fährt für Arden. Dass der dortige Teambesitzer Christian Horner gleichzeitig auch F1-Teamchef bei Red Bull ist, hilft trotzdem wenig. Denn Red Bull hat ihre eigenen Nachwuchsfahrer und dazu gehört Pic nicht. Übertrieben stark war Pic bislang außerdem nicht, auch wenn er nach dem ersten Rennwochenende Führender in der Meisterschaft war. Pic wird 2011 wohl eine zweite Saison in der GP2 fahren.
Sam Bird: Der Brite fährt für ART – und zu unauffällig. Dazu kommt, dass sein Teamkollege Jules Bianchi bisher den besseren Job macht.
Davide Valsecchi: Der Italiener fährt für iSport. Valsecchi hat durchaus eine realistische F1-Chance, sollte das Villeneuve-Team als 13. Team einsteigen dürfen. Denn hinter Villeneuve Racing steckt das Durango-Team, für das Valsecchi einige GP2-Rennen absolviert hat und bei dem Valsecchi einen sehr guten Ruf genießt. Weil Valsecchi außerdem dafür bekannt ist, gute Kontakte zu spendierfreudigen Sponsoren zu haben, ist Valsecchi dort ein Kandidat.
Luiz Razia: Der Brasilianer fährt für Rapax. Nebenher ist er bereits F1-Testfahrer bei Virgin. Sollte Timo Glock oder Lucas di Grassi nicht fahren können, wäre ein F1-Debüt noch 2010 möglich. Denn nachdem Weggang von Andy Soucek ist Razia dort Ersatzfahrer. Virgin sucht aber bereits nach einer anderen Lösung – was den Stand, den Razia im Team genießt, auch deutlich zeigt. Deshalb ist er für 2011 dort auch nicht wirklich ein Thema. In einem anderen Team sowieso nicht.


Christian Vietoris: Der Deutsche fährt für Racing Engineering und hat derzeit keine Kontakte in die Formel-1.
Giacomo Ricci: Ausgerechnet als der Italiener so richtig in Schwung kam und in Ungarn sogar den Sprint gewinnen konnte, wurde er bei DPR entlassen, weil seine Sponsoren nicht mehr zahlen wollten. Derzeit ist Ricci ohne Job. Seine plötzlich vorhandene Zeit, wird Ricci aber kaum nutzen können, um F1-Kontakte zu knüpfen. Er dürfte eher schauen, für 2011 wieder einen GP2-Platz zu bekommen.
Alvaro Parente: Der Portugiese fährt für Coloni. Aber erst seit dem Rennen in Belgien. Mit zwei Podestplätzen hatte Parente auf Anhieb Erfolg und brachte den ehemaligen F1-Rennstall Coloni damit in eine deutlich bessere Ausgangslage in der Teamwertung. Aber auch Parente hat damit wieder gezeigt, was er kann. Das dürfte ihn bei Teams wie HRT interessant machen, wenn er wieder ein gutes Sponsorenpaket schnüren kann. Seine Sponsoren machen aber auch oft leere Versprechungen, weshalb er seinen Testfahrer-Posten bei Virgin aufgeben musste.
Jérôme D’Ambrosio: Der Belgier fährt für DAMS. Das französische Team fungiert 2010 als Juniorteam von Renault. Dort ist D’Ambrosio auch Testfahrer, weil sein Management am Renault-Team beteiligt ist. Mit den Leistungen von D’Ambrosio ist man aber nicht zufrieden, eine Beförderung zum Stammfahrer ist daher ausgeschlossen. Dafür soll sich eine andere Möglichkeit auftun: Bei den Nachwuchstests soll er für Virgin fahren dürfen.
Michael Herck: Der Rumäne fährt für DPR. Das Team gehört seinem Vater André Herck, könnte 2011 aber nicht mehr in der GP2 starten, weil die Organisatoren lieber andere Teams wollen. Und DPR ist eines der aktuellen Teams, das am meisten gefährdet ist, dafür weichen zu müssen. André Herck ist nämlich durchaus politisch und macht Revolte dagegen, dass DAMS von einem F1-Rennstall unterstützt wird. Ein Ausschluss aus der GP2 könnte Michael Herck aber in die Formel-1 führen: André Herck hat immer die Möglichkeit offen gelassen, dass er sich auch bei einem F1-Team einkauft. Das könnte passieren, wenn er aus der GP2 geworfen wird. Eine mögliche Station zum Beispiel ist Virgin.


Marcus Ericsson: Der Schwede fährt für Super Nova. Er hat gute Kontakte zu Mercedes, aber seine Leistungen lassen zu wünschen übrig.
Fabio Leimer: Der Schweizer fährt für Ocean. Auch er dürfte eine zweite GP2-Saison fahren.
Romain Grosjean: Der Franzose fährt fallweise für DANS, zuletzt um den verletzten Ho-Pin Tung zu ersetzen. Nach seinen eher mäßigen Auftritten 2009 bei Renault ist sein Ruf in der Formel-1 beschädigt, da helfen auch seine guten Auftritte in der GP2 und in der Auto-GP-Serie (ebenfalls für DAMS) nichts.
Adrian Zaugg: Der Südafrikaner fährt für Trident, zugegeben nicht das beste Team in der GP2. Aber auch fahrerisch überzeugt er nicht.
Luca Filippi: Der Italiener fährt für Super Nova, wo er den verletzten Josef Kral ersetzt. Filippi fährt dabei ordentlich, aber nicht überragend – trotz seiner üppigen Erfahrung. Dank seiner Sponsorengelder ist er aber trotzdem immer wieder bei F1-Teams im Gespräch, zuletzt bei Sauber. Doch dort scheint man sich die finanzielle Zukunft nun anderweitig sichern zu wollen, ohne Filippi.
Rodolfo Gonzalez: Der Venezuelaner fährt für Arden – wegen seiner Sponsoren. In Belgien holte er seine ersten Punkte.


Alberto Valerio: Der Brasilianer fuhr für Coloni, bis er in Belgien von Alvaro Parente ersetzt wurde. Der zeigte, wie dürftig die Darbietungen von Valerio waren. Für die Formel-1 ist er kein Thema.
Johnny Cecotto jr.: Der Venezuelaner fährt für Trident. Der Sohn des ehemaligen F1-Fahrers Johnny Cecotto will in die Fußstapfen seines Vaters treten. Für 2011 ist ein weiteres Engagement in der GP2 realistischer.
Josef Kral: Der Tscheche fuhr für Super Nova, bis er sich bei einem Unfall in Valencia (ähnlich dem von Mark Webber) verletzt hat. 2011 dürfte er eher sein GP2-Coemback denn sein F1-Debüt geben.
Ho-Pin Tung: Der Chinese fährt für DAMS. Bei Renault ist er nebenher F1-Fahrer. Wegen seiner Nationalität ist er gefragt, ein F1-Einstieg ist für 2011 trotzdem unwahrscheinlich, außer er bleibt Ersatzfahrer bei Renault und ein Stammfahrer fällt aus. 
Max Chilton: Der Brite fährt für Ocean – und hinterher. Sein Vater Graeme Chilton liebäugelt aber mit einem Einstieg bei Virgin als Teilhaber. Das könnte seinem Sohn Max ein F1-Cockpit bringen.
Vladimir Arabadzhiev: Der Bulgare fährt für Coloni und überzeugt nicht.
Fabrizio Crestani: Der Italiener fährt seit Belgien für DPR, überzeugte dort aber ebenso wenig wie bei DAMS in der Auto-GP-Serie.