Keine weitere Strafe für Ferrari wegen der Teamorder in Deutschland. Etwas unverständlich. Die Hintergründe. Â
| Paris (!NS!DE-RAC!NG) - Manchmal muss man wirklich Einstein sein, um den Automobilweltverband FIA zu verstehen. Die Entscheidungen des World Motor Sport Councils heute jedenfalls werden zum Großteil kritisiert. Zum einen, dass 2011 kein 13. Team zugelassen wird, zum anderen, dass die Strafe gegen Ferrari lediglich bestätigt wurde und keine weiteren Schritte unternommen werden. Schwer nachvollziehbar deshalb, weil die bisherige Strafe – festgelegt von den Rennkommissaren beim Deutschland GP – eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar ist. Zu einem höheren Strafmaß dürfen die Rennkommissare nicht greifen. Deshalb leiteten sie den Fall zur Untersuchung zum WMSC weiter. Als die Teamorder noch nicht vom Reglement untersagt war, so wie das aber jetzt der Fall ist, wurde Ferrari härter bestraft: Eine Millionen Dollar musste man nach dem Österreich GP zahlen, weil Rubens Barrichello den Sieg an Michael Schumacher abtreten musste.
Beim Deutschland GP war nun Felipe Massa Opfer, Fernando Alonso Profiteur der Stallorder. Wie schon in Österreich ging es auch dieses Jahr um den Sieg. Mit dem Unterschied: Dieses Jahr ist Stallorder verboten, 2002 war sie noch erlaubt. Trotzdem ist die Strafe milder. Ein merkwürdiger Gedankengang. Das Argument, dass die Stallorder nicht zu 100% beweisbar ist, ist nicht stichhaltig. Erstens würde Ferrari in jedem Indizienprozess alt aussehen und zweitens bestätigte der WMSC heute, dass Ferrari den Artikel 39.1 im Sportlichen Reglement verletzt hat. Und darin ist Stallorder verboten.
Der Unterschied zwischen Österreich 2002 und Deutschland 2010: Der Präsident der FIA heißt nicht mehr Max Mosley, sondern Jean Todt. Und gerade Todt war es, der 2002 den Befehl an Barrichello als damaliger Ferrari-Rennleiter aussprach. Um einen Interessenskonflikt zu vermeiden, blieb Todt der Anhörung von Massa und Alonso fern. Trotzdem entschieden seine Gefolgsleute einstimmig, es bei der Bestrafung, die direkt nach dem Rennen ausgesprochen wurde, zu belassen. Desweiteren kündigte man an, die Regel (also das Verbot) überdenken zu wollen. Die Frage wurde nun an die Sportliche Arbeitsgruppe weitergeleitet.
Noch im Laufe des Tages wird mit einer ausführlichen Begründung der WMSC-Entscheidung gerechnet. Vielleicht muss Einstein dann nicht mehr aus dem Grab geholt werden. MZ