F1: Stallregie - Details zur Urteilsbegründung
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Donnerstag, 09. September 2010 um 20:10

F1: Stallregie - Details zur Urteilsbegründung

von Michael Zeitler

Die FIA begründete in einem Schreiben die Strafe gegen Ferrari und enthüllt Details zur Stallorder beim Deutschland GP.  

| Paris (!NS!DE-RAC!NG) - Wie angekündigt, hat der Automobilweltverband FIA eine Urteilsbegründung veröffentlicht, wie der World Motorsport Council zum Entschluss kam, die Strafe, die Ferrari beim Deutschland GP wegen der Stallorder bekam, zu bestätigen, von weiteren Sanktionen jedoch Abstand zu nehmen.

Indizien für Stallregie: Wie auch die Rennkommissare des Deutschland GP (darunter auch der ehemalige F1-Fahrer Danny Sullivan) hat der WMSC befunden, dass die Scuderia Ferrari eine Teamorder angewendet hat, um so das Ergebnis des Rennens zu beeinflussen. Im Klartext: Man hat Felipe Massa zurückgepfiffen und Fernando Alonso zum Sieger gemacht. Der FIA-Präsident Jean Todt, beim WMSC nicht anwesend, erklärte gegenüber britischen Medien, dass die FIA nicht beweisen konnte, dass die FIA Stallorder angewendet hat. Das widerspricht sich mit der heutigen Pressemitteilung der FIA. Darin steht geschrieben, dass es für den WMSC klar war, dass Stallorder angewandt wurde und damit der Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements verletzt wurde.

Die Indizien lieferte der Funkverkehr. Zunächst funkte Alonso: „Jungs, ich bin viel schneller.“ Massas Renningenieur Rob Smedley gab die Information an Felipe Massa weiter: „Die musst die Lücke zu ihm aufrecht erhalten, du weißt Bescheid.“ Der Nachsack lässt die Interpretation zu, dass eine Abmachung zwischen den Fahrern und dem Team getroffen wurde, nachdem Massa Alonso vorbeilassen muss, wenn der Spanier deutlich schneller könnte. Das war zu diesem Zeitpunkt der Fall – offenbar aber durch Eingreifen der Teamleitung. Sowohl Massa, als auch Alonso mussten nämlich während des Rennens die Drehzahlen des Motors drosseln, doch zu dem Zeitpunkt erhöhte Alonso die Drehzahl wieder, Massa nicht. Daraus ergab sich freilich, dass Alonso deutlich schneller fahren konnte. Zuletzt folgte noch der viel zitierte Funkspruch von Smedley an Massa: „Fernando ist schneller als du, kannst du bestätigen, dass du diese Mitteilung verstanden hast?“ Smedley wiederholte den Spruch vier Mal – ein Indiz, dass Massa nicht ganz freiwillig Platz gemacht hat.

Verteidigung: Ferrari verteidigte sich schwammig. Sowohl die Teamführung, als auch Massa und Alonso bestritten den Anklagepunkt der Teamorder. Man habe Felipe Massa nur Informationen gegeben, anhand dessen er freiwillig entschieden habe, Alonso Platz zu machen. Einen eindeutigen Funkspruch an Massa gab es nicht.

Wenig später widersprach sich Ferrari aber selbst. Die Scuderia erklärte nämlich, dass es einen Unterschied zwischen Stallregie und Teamstrategie und Taktik gäbe. Beim Deutschland GP hätte man Letzteres angewandt. Die Aussage wäre eigentlich ein Eigentor, denn damit bestätigte man indirekt, dass man eine Order herausgab. Der WMSC erkannte das jedoch nicht. Ferrari führte die Unterschiede noch genauer aus. Beide Fahrer wären letztlich nur auf einer anderen Strategie gewesen, der Ausgang des Rennens war zu diesem Zeitpunkt nicht vorherzusehen.

Was Ferrari vor einer noch drastischeren Strafe (beispielsweise Punktabzüge in der Konstrukteurswertung) rettete, war das Argument, dass ähnliche Beispiele in der Vergangenheit zuhauf zu finden seien. Drei Beispiele wählte man aus, darunter auch den Deutschland GP vor zwei Jahren, als Heikki Kovalainen seinen damaligen McLaren-Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton vorbeigelassen hatte. Das Argument von Ferrari ist tatsächlich stichhaltig. Allein bei Ferrari findet man noch genügend Beispiele, in denen es einen Positionswechsel zwischen den Fahrern ohne richtige Gegenwehr gegeben hat. So ließ Kimi Räikkönen beim Frankreich GP Felipe Massa ziehen, weil Räikkönen für wenige Runden wegen eines gebrochenen Auspuffs etwas langsamer war. Die richtige Reihenfolge wurde aber nicht mehr wieder hergestellt. Beim Brasilien GP des gleichen Jahres ließ man Räikkönen beim Boxenstopp an Massa vorbeiziehen, um damit für den Finnen den Titel zu sichern. Und Tatsache ist: Die Wettbewerber müssen stets gleich behandelt werden, egal ob es um Position eins oder 14 geht und egal in welcher Situation der WM (letztes Rennen, Mitten in der Saison).

Genau deshalb will die FIA das Verbot der Stallorder überdenken.