Adrian Sutil muss nicht ins Gefängnis, aber dafür eine harte Strafe hinnehmen. F1-Karriere und Freundschaft zu Lewis Hamilton beendet?Â
| München (!NS!DE-RAC!NG) - Gestern fiel im Amtsgericht München das Urteil im Prozess gegen Adrian Sutil: Die Richterin Christiane Thiemann befand Sutil der Körperverletzung für schuldig. Der Deutsche hatte in der Nacht im Anschluss an den China GP in einer Disko Eric Lux, einem Teammitbesitzer von Lotus, schwer am Hals verletzt. Die stark blutende Narbe musste mit 24 Stichen genäht werden. Sutil würde für die Tat zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Darüber hinaus muss er 200.000 Euro an karikative Einrichtungen entrichten. Damit folgte das Gericht im Groben den Forderungen der Staatsanwältin Nicole Selzam, die sogar ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung plus 300.000 Euro Geldstrafe einforderte.
 Besonders ein Gutachten eines Sachverständigen brachte das Gericht zur Auffassung, dass Sutil Lux nicht aus Reflex mit dem Glas verletzt habe. Das Glas hätte den Luxemburger senkrecht von der Seite getroffen. Darüber hinaus hätte Sutil den Tathergang aus seiner Sicht nicht ganz plausibel erklären. Die Staatsanwältin unterstellte dem ehemaligen Force-India-Fahrer unterschwellig, vor Gericht nicht ganz bei der Wahrheit geblieben zu sein. Sein Auftreten sei gut einstudiert und vorbereitet gewesen, soll Selzam nach übereinstimmenden Medienberichten in ihrem Plädoyer gesagt haben.
 Sutil war nach der Gerichtsverhandlung niedergeschlagen. Das einzig positive sei, nun mit Lux im Reinen zu sein. Die beiden wollten sich angeblich am Dienstagmorgen sogar außergerichtlich einigen, wogegen die Staatsanwältin allerdings ihr Veto eingelegt haben soll. Ansonsten malte Sutil nach dem Urteil den Teufel an die Wand: Er zweifelt daran, dass je wieder ein F1-Team mit ihm zusammenarbeiten wolle. Sutil vergisst, dass gerade in der Formel-1 Vergehen schnell vergessen werden. Zwei aktuelle Beispiele: Mike Coughlan, einer der zentralen Figuren im Spionageskandal 2007 arbeitet inzwischen als Technikchef für Williams. Pat Symonds, mitverantwortlich für den Crashskandal beim Singapur GP 2008, ist Technikchef bei Marussia.
Seit einem Jahr greift für F1-Pilot allerdings eine neue Regel: Fahrer dürfen abseits der Strecke nicht durch negatives Verhalten auffallen, das dem Sport schaden könnte. Damit reagierte man auf eine Entgleisung von Lewis Hamilton im öffentlichen Straßenverkehr von Australien 2010. Bisher hat der Automobilweltverband sich nicht dazu geäußert, ob es auch noch eine sportliche Strafe für Sutil geben wird. Der spricht inzwischen von einem Jahr Auszeit und ist besonders von Hamilton enttäuscht. Gemeinsam mit dem Ex-Weltmeister zog Sutil nach Hamiltons Sieg beim China GP um die Häuser. Hamilton wäre als Zeuge für Sutil eventuell also wichtig gewesen. Der lehnte ein Erscheinen vor Gericht aus Termingründen aber ab. Sutil soll nun dementsprechend sauer sein. Zeigt das, dass es im Profisport keine Freunde mehr gibt? Immerhin ein Gegenbeispiel findet sich in Brasilien: Dort sind die Kumpels Tony Kanaan und Rubens Barrichello in der IndyCar beim Sebring-Test vereinigt… MZ
Â