Treffen die schlimmsten Erwartungen ein, gewinnt der neue McLaren Mercedes den Schönheitspreis. Aber das Ziel sind zwei andere Titel.
| Woking (!NS!DE-RAC!NG) - Na also, es geht auch hübsch: Als Jenson Button und Lewis Hamilton das Tuch vom neuen McLaren Mercedes MP4-27 zog, war die Erleichterung groß: Nicht alle F1-Fahrzeuge der Generation 2012 werden mit einer so unharmonisch und unattraktiven Stufennase daherkommen, wie der neue Caterham Renault CT01. Der MP4-27 hat eine tiefer gezogene Nase, so wie es das Reglement vorschreibt. Doch die Nase neigt sich harmonisch, also ohne plötzliche Abstufung nach unten. Das Chassis und die Nase bilden eine Einheit. Damit dürfte McLaren aber die Ausnahme bleiben: Neben Caterham haben auch Ferrari und Sauber bereits eine solche Stufen-Nase angekündigt.
Abgesehen von der schönen Nase fallen beim neuen McLaren Mercedes die neuen Seitenkästen ins Auge: Die U-förmig, historisch wirkenden Seitenkästen, wurden wieder zu konventionellen Seitenkästen umgestaltet. McLaren-Chefingenieur Tim Goss erklärte während der McLaren-Präsentation im Teamsitz Woking: „Die neuen Seitenkästen sind eine Folge der neuen Auspufftregeln.“ Der Auspuff muss 2012 per Reglement oben aus der Motorenverkleidung treten und kann nicht mehr unterhalb des Autos geführt werden um den Diffusor damit anzublasen und den Abtrieb so zu erhöhen. Damit sei eine U-förmige Lösung an der Seite nicht mehr nötig.
Abgesehen von der Nase, den neuen Seitenkästen und kleineren Veränderungen im komplizierten Heckbereich ist der McLaren MP4-27 eine Evolution des Vorgängers. Damit keimt die Befürchtung auf, dass sich am Kräfteverhältnis für 2012 nicht viel ändern wird. Das Reglement bleibt relativ stabil, große Sprünge sind daher kaum möglich. Trotzdem hofft McLaren, 2012 beide WM-Titel zu gewinnen. Die Hoffnung ist nicht ganz unbegründet: McLaren konnte trotz der Red-Bull-Überlegenheit im Vorjahr immerhin mehr als eine handvoll Rennen gewinnen. Und der Wegfall der angeblasenen Diffusoren könnten Red Bull am härtesten treffen.
McLaren verfolgt weiterhin eine offene Fahrerpolitik. Weder Vizemeister Button, noch Hamilton werden zurückgepfiffen. Beide Fahrer werden auf den Titel angesetzt. Button hatte 2011 die Nase überraschend vorne, weil Hamilton privat und beruflich ein mäßig erfolgreiches Jahr hatte. Trotzdem: Kehrt der alte Hamilton zurück, dann kann der Weltmeister von 2008 das Duell gegen Button wieder zu seinen Gunsten drehen. Button kam 2011 vor allem mit den Pirelli-Reifen gut zurecht. Und die Italiener planen 2012 bekanntlich, wieder sehr aggressive Reifenmischungen an den Start zu bringen. Die Ehre der Jungfernfahrt wird aber Testfahrer Oliver Turvey zuteil: Der Brite wird am Wochenende einen Aerodynamiktest absolvieren, bevor Button und Hamilton mit dem MP4-27 zum ersten Wintertest nach Jerez ausrücken. MZ
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