|
Freitag, 03. Februar 2012 um 17:35 |
|
F1: Ferrari - Der Neue mit den Innovationen
von Michael Zeitler
Der Ferrari F2012 wurde enthüllt: Zu sehen ist ein neuer, innovativer, aber optisch gewöhnungsbedürftiger Rennwagen.
| Maranello (!NS!DE-RAC!NG) - Na das war schon mal ein verflixter Start: Für die Präsentation des neuen Ferrari F2012 wurden alle Journalisten wieder ausgeladen. Um böse Gedanken bezüglich der Transparenz bei Ferrari vorzubeugen: Die Italiener wollten es damit nicht wie das WM-Team Red Bull machen und von vorneherein keine Journalisten einladen. Ferrari sah sich viel mehr dazu gezwungen, weil der Winter in Europa so richtig zugeschlagen hat. In Maranello schneit es ununterbrochen, die Präsentation musste daher fallen gelassen werden und übers Internet gezeigt werden – wir leben ja im 21. Jahrhundert. Wegen der anhaltenden Schneefälle musste auch die Jungfernfahrt am Wochenende auf der Hausstrecke in Fiorano abgesagt werden.
Zyniker witzeln: Dabei setzt Ferrari doch auf die Kantennase, die ästhetisch äußerst zweifelhaft erscheint, aber immerhin als Schneeräumer taugen könnte… Anders als McLaren geht also auch Ferrari wie angekündigt den Weg des unharmonischen Übergangs von Nase und Chassis. Die Nase muss 2012 per Reglement tiefer gelegt werden, das Chassis aber nicht. Die Folge ist eine Kante beim Übergang zwischen Nase und Cockpit. Die Teams wollen nach wie vor möglichst viel Luft unter das Auto bringen, um den Diffusor effektiver zum Laufen zu bringen. Gerade mit den neuen Regeln sieht sich McLaren mit ihrer Philosophie aber bestätigt: Das britische Traditionsteam hatte schon 2011 eine eher tiefe Nase.
Ferrari hat bereits einen recht hässlichen F2012 angekündigt – und zumindest mit dieser Ankündigung voll ins Schwarze getroffen. Doch wichtiger sind den legendären Ferrari-Fans vor allem Attacken-Ankündigungen: Ferrari macht keinen Hehl daraus, den WM-Titel holen zu wollen. Beim gemeinsamen Skiurlaub vor wenigen Wochen hatte es aber auch kritische Stimmen aus dem Hause Ferraris gegeben, wonach die radikale Neukonstruktion Anlaufschwierigkeiten bereiten könnte. Und tatsächlich schlägt der Ferrari F2012 einen ganz neuen Weg ein.
Der Frontflügel an sich stellt nur eine Weiterentwicklung des Vorgängermodells ein – aber das erstaunt nicht: Gerade bei den Front- und Heckflügeln lassen sich die Teams erst bei den Testfahrten ins Konzept schauen, außerdem wird gerade dieser Bereich auch über das Jahr hinweg stetig weiterentwickelt. Ferrari hat bereits zwei neue Updates angekündigt: Das erste beim dritten Wintertest, das zweite zum Saisonauftakt in Melbourne. Interessant ist die Aufhängung des Frontflügels, die Befestigungsstreben fallen recht breit aus. Über die Nase wurde bereits gelästert, äh geschrieben. Neu gestaltet wurden auch die Seitenkästen. Damit in Zusammenhang stehen könnte die Neupositionierung des Kühlers, der nun über dem Getriebe gebaut wurde. Gerade im Bereich Getriebe und Motor sollen Ferrari neue Sprünge gelungen sein. Motorchef Luca Marmorini erklärte, dass man darauf aus war, den Motor nach dem Wegfall des Zwischengases wieder effizienter zu gestalten und den Bereich des Antriebsstrangs vor allem auf höhere Temperaturen ausgelegt habe. Die Airbox über dem Fahrer wurde zweigeteilt. Damit experimentierten zuletzt mehrere Teams. Die Finne auf der Motorabdeckung feiert am neuen Ferrari F2012 zwar kein Comeback, jedoch ist ein kleiner Ansatz erkennbar. Das Heck wurde deutlich kompakter gestaltet – auch das eine mögliche Folge des neu positionierten Innenlebens. Bei der Aufhängung setzt Ferrari ferner wie Red Bull seit Jahren auf Zug- statt Schubstreben.
Eine Neuerung betrifft einen Hersteller: Die Felgen kommen künftig nicht mehr von BBS aus Deutschland, sondern von OZ aus Italien. Noch viel entscheidender ist die Verlängerung des Vertrags mit der spanischen Bank Santander, die sich bis Ende 2017 an Ferrari gebunden hat. Sie wird jährlich rund 30 Millionen Euro in die Teamkasse spulen. Damit soll Fernando Alonso endlich zum dritten WM-Titel fahren können. Auf den hart arbeiteten und hoch motivierten Spanier beruhen die Hoffnungen der Tifosi, der vielleicht kritischsten Fans im Sport überhaupt – aber auch den emotionalsten. Ganz andere Ziele verfolgt der Teamkollege Felipe Massa, Vizemeister von 2008: Er fährt um seine Zukunft im Team – und eigentlich jetzt schon auf Abruf. Massa könnte 2013 gegen Fahrer wie Adrian Sutil oder Sergio Perez ausgewechselt werden. MZ
Add a comment
|