Die Hintergründe zum Saisonfinale in Las Vegas und dem Tod von Dan Wheldon.
 | Las Vegas (!NS!DE-RAC!NG) - Rennfahrer gelten heute bereits als unsterblich. Mit 300 gegen eine Mauer, der Fahrer steigt aus, schüttelt sich und springt ins Ersatzauto. Die Sicherheit der Fahrzeuge hat seit Jahren einen Höchststandard erreicht, dessen Limit kaum noch nach oben geschoben werden kann. Die Fahrweise der Fahrer hat sich dadurch freilich auch geändert. Die Fahrer riskieren im Zweikampf mit einem anderen Fahrer mehr. Die Konsequenzen sind nicht mehr so fatal wie früher, wenn es einen Kontakt zwischen zwei Fahrzeugen gibt.
Der Schein trügt. Tödliche Unfälle bleiben bei den Kontrollen vor dem Fahrerlager nicht ausgesperrt. Es ist keine aussterbende Pest, auch wenn sie viel seltener zuschlagen. Doch sie schlagen zu und im Unerwarteten treffen sie den Rennsport tief im Herzen.
Es war das IndyCar-Finale in Las Vegas. Seit Monaten plant der IndyCar-Chef Ray Barnard einen würdevollen Abschluss der Saison in der einzigartigen Spielerstadt. Ursprünglich wollte er fünf Stars zu Gaststarts bei den IndyCars in Las Vegas bewegen. Würde einer davon das Rennen gewinnen, würde er fünf Millionen Dollar einstreichen. Die großen Stars wie Juan-Pablo Montoya, Jacques Villeneuve oder Scott Speed brachte Barnard nicht nach Las Vegas. Nur ein Fahrer machte sich auf die Jagd auf die fünf Millionen Dollar: Dan Wheldon.
Das IndyCar-Feld in Las Vegas war trotzdem stark besetzt. 34 Fahrzeuge haben sich gemeldet, Wheldon startete von Rang 34 ins Rennen. Dem Briten wurden durchaus Erfolgschancen ausgerechnet. Beim Indy-500 tauchte er dieses Jahr erstmals auf – und siegte auf Anhieb mit der kleinen Mannschaft um Bryan Herta. Tatsächlich begab sich Wheldon auch auf Aufholjagd, doch die wurde nach elf Runden jäh gestoppt.
Es ist schwer zu analysieren, was in jener Runde passierte. Inzwischen kursieren einige Videos in Youtube, doch das Schlachtfeld ist so undurchsichtig wie man es sich kaum vorstellen kann. Fliegende Autos, Feuer, herumfliegende Teile, auseinander gerissene Fahrzeuge. Einen solchen Massencrash von 15 Fahrzeugen haben alle Beteiligten noch nie gesehen. Wenn einer Rennlegende wie Roger Penske die Angst sichtlich ins Mark schleicht, dann ahnt man, es ist was Schlimmes passiert.
 Mehrere Fahrer konnten sich nicht eigenständig aus dem Dallara Honda befreien und mussten geborgen werden. Auf so eine Massenschlacht kann sich keine Organisation optimal einstellen. Die IndyCar-Offizielle gaben sich die beste Mühe. Mehrere Fahrer mussten ins Krankenhaus gebracht werden, Dan Wheldon wurde eingeflogen. Es dauerte nicht lange, dann verkündete Barnard den Tod des Briten. Das Rennen wurde nicht wieder neu aufgenommen und auch nicht gewertet. Eine Randnotiz ist deshalb, dass Dario Franchitti seinen Titel verteidigte. Auch Will Power war im Massencrash verstrickt.
Seit Paul Dana 2006 im Warm-Up von Homestead tödlich stürzte, wachte ein Schutzengel über die IndyCar-Serie. Die Rennen auf den Ovalkursen sind extrem gefährlich. Die leichten Dallara Honda bekommen schnell Unterluft, fliegen durch die Luft und zerbröseln in den Fangzäunen. Die Ovalkurse werden deshalb auch nach und nach weniger. Der Rennkalender 2012 wird noch weniger Rennen in einem solchen Stadion umfassen. Das alte IndyCar-Chassis ging mit einem solchen Crash in Rente, 2012 kommen neue Fahrzeuge, wieder von Dallara. Auch mit ihnen können solche Motorsport-Katastrophen nicht verhindert werden.
Wheldon, der nur 33 Jahre alt wurde, begann seine Motorsportlaufbahn zu Hause in England. Bald musste er aus Geldmangel in die USA. Über die amerikanischen Formel-Schulen kam er 2002 bei Panther in die IndyCar. 2003 wechselte er in das Team von Ex-F1-Pilot Mario Andretti und erlebte seine drei erfolgreichsten Jahre. 2005 wurde er Meister und Sieger des Indy-500. 2006 ging er zu Ganassi. In den zwei gemeinsamen Jahren folgten weitere Siege, aber keine Meisterschaft mehr. 2009 und 2010 kehrte er zu Panther zurück, für die Saison 2011 bekam er kein Cockpit. Erst bei seinem Überraschungssieg in Indy meldete er sich wieder zurück. Parallel dazu testete er das neue Dallara-Fahrzeug für 2012 mit dem Team von Bryan Herta. Für 2012 war Wheldon wegen seiner Erfolge und seiner Erfahrungen mit dem neuen Fahrzeug eine begehrte Aktie auf dem Transfermarkt. Eine Rückkehr zum Andretti-Team als Ersatz für die in die Nascar abwandernde Danica Patrick war wohl nur noch eine Formsache.
Wheldon hinterlässt seine 2008 geheiratete Ehefrau Susie und seine beiden zwei Söhne Sebastian (geboren im Februar 2009) und Oliver (geboren im März 2011). Und natürlich eine Rennszene im Schock- und Trauerzustand. Der Unfall von Wheldon wirft viele Fragen auf. MZ