Giovanni Minardi, der Sohn des ehemaligen Minardi-F1-Teambesitzers, will 2011 wieder ein Minardi-Team an den Start bringen, wahrscheinlich in der Formel-Superleague. Â
| Faenza (!NS!DE-RAC!NG) - Für viele ist das Minardi-Team über Jahre ein chronisches Hinterbänklerteam gewesen, für andere eine der sympathischsten Mannschaft, die es in der Formel-1 je gegeben hat. Für Mark Webber, Fernando Alonso, Jarno Trulli und vielen weiteren Fahrern ist Minardi das Team, das ihnen die erste Chance in der Formel-1 gab. Der Name Minardi verschwand aus der Formel-1, als der neue Besitzer Paul Stoddart den Rennstall an Red Bull verkauft hat. Noch heute heißt der Rennstall aus Faenza Toro Rosso, Sebastian Vettel führte ihn beim Italien GP 2007 zum bisher einzigen Sieg in der Formel-1.
In den Nachwuchsserien gab es immer wieder Versuche, den Namen Minardi zurückzubringen. In Zusammenarbeit mit dem italienischen Team GP Racing und dem GP2-Team des dreimaligen F1-Weltmeisters Nelson Piquet fuhr in der GP2-Saison 2007 ein Team namens Minardi Piquet, das inzwischen aber weder den Namen Minardi trägt, noch den Namen Piquet, sondern als Rapax mit Pastor Maldonado die Gesamtwertung anführt. Damals steckte hinter den Wiederbelebungsversuchen Giancarlo Minardi selbst, der Gründer des Minardi-F1-Teams.
Giovanni Minardi: Minardi, das ist nicht nur im Fall von Alonso, Webber und Trulli ein Name, der in gewisser Weise mit einer Talentschmiede verbunden wird. Genau als solches will Giovanni Minardi nun in die Fußstapfen seines Vaters treten. Seit Jahren tritt er als Manager von einigen Nachwuchsfahrern auf, mit einer Firma, die er selbst mit gegründet hat. Die zwei erfolgsversprechendsten Fahrer unter seinen Fittichen sind derzeit Davide Rigon, der so viele Siege in der Formel-Superleague einfuhr, wie nie ein Fahrer vor ihm, sowie Daniel Zampieri, der für Pons derzeit in der Formel-World-Series-by-Renault auf Rang neun in der Gesamtwertung liegt.
In der Formel-Superleague war Giovanni Minardi selbst involviert, mit der Scuderia Playteam, die immerhin auf zwei Siege kommt. Das Team stieg aber nach einer Saison bereits wieder aus, „inzwischen hat es den Laden komplett dicht gemacht“, erklärt der Italiener auf eine Anfrage exklusiv. Trotzdem kann er sich ein Comeback dort vorstellen – mit einem Minardi-Team! GU International, ein deutscher Rennstall in der Formel-Superleague, hat bereits anklingen lassen, dass sich das Konzept der Serie für 2011 etwas ändern wird. Dann sollen auch Teams und Fahrer mehr in den Vordergrund rücken, nicht nur die Fußballclubs. Es wäre die ideale Gelegenheit, den Namen Minardi wieder prominent in den Motorsport zurückzuführen. Und Giovanni Minardi könnte in diesem Team auch seinen eigenen Fahrer ein Cockpit bieten, immerhin ein Cockpit, das beinahe auf F1-Niveau ist – nicht nur von der Leistung her, auch vom Fahrerfeld.
Aber ein Minardi-Team nur in der Formel-Superleague, das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Giovanni Minardi: „Wir arbeiten daran, Minardi 2011 wieder mehr auszuweiten und in einer Kategorie zu sein, die so wichtig wie die GP2 und die WSbR ist“. In der Formel-World-Series-by-Renault wird fast jährlich ein Platz frei, in der GP2 gibt es für 2011 ein neues Team-Auswahlverfahren. Es besteht die Möglichkeit, dass sich ein Minardi-Team unter der Leitung von Giovanni Minardi für einen GP2-Platz bewerben wird, das zeigt die zitierte Aussage.
Formel-1 ja, aber als Minardi? Erfahrung, ein solches Team zu leiten, hätte Giovanni Minardi durchaus: Von 1996 bis 2002 war Giovanni Minardi in mehreren Funktionen im F1-Team seines Vaters tätig, unter anderem in der des Teammanagers. Deshalb liebäugelt Minardi sogar mit der Formel-1: „Die Formel-1 ist für mich das Beste und es gibt viele Rollen, die ich bekleiden könnte: Teamchef, Sportdirektor, Teammanager. Ich habe die Erfahrung, viel mehr Rollen innerhalb eines F1-Teams zu erledigen“, so Minardi. Er schränkt aber ein: „Nach der wundervollen Erfahrung meines Vaters werde ich nicht als Minardi zurückkehren in die Formel-1, aber sicherlich wäre mein Traum mindestens ein Team zu managen, sag niemals nie.“ Auf die Unterstützung seines Vaters kann er jedenfalls zählen. Noch einmal Giovanni Minardi: „Mein Vater ist mein größter Fan, deshalb: Sollte sich irgendeine Chance ergeben, er würde mir definitiv helfen.“
Ein Comeback eines Minardi-Teams, egal ob in der Formel-Superleague, der GP2, der WSbR oder gar der Formel-1 – es wäre eine Bereicherung für den Motorsport.
Giovanni Minardi
Giovanni Minardi ist der Sohn des früheren Minardi-F1-Teambesitzers Giancarlo Minardi. Benannt wurde er nach seinem Großvater, der also ebenfalls Giovanni Minardi hieß. Giovanni Minardi Senior ist auch der erste Minardi aus der Familiendynastie, der in den Motorsport einstieg: Für 1948 konstruierte er einen eigenen Zweisitzer-Sportwagen, den Minardi GM75. Anders als Vater Giancarlo, der einige Rallye- und Formel-Rennen bestritt, fuhr Giovanni Minardi nie selbst Rennen. Seine Motorsport-Laufbahn wurde erst losgetreten, als ihn sein Vater 1996 als Logistik-Manager des Testteams zu Minardi in die Formel-1 holte. 1997 und ’98 arbeitete er in gleicher Position für das Rennteam, ehe er 1999 auch richtiger Teammanager wurde, sowohl vom Renn- als auch vom Testteam. Als der Australier Paul Stoddart 2001 das Team gekauft hat, musste Giovanni Minardi wieder niedrigere Rollen bekleiden: 2001 wurde er Logistik-Manager, 2002 Test-Teammanager. 2003 verließ er das Team komplett und war dafür Mitbegründer von GP Group, einer Sport-Management-Firma. Seither managt Giovanni Minardi zahlreiche Rennfahrer. Erst als das Minardi-Team 2006 in die europäischen Formel-3000 einstieg, übernahm er auch wieder einen Posten in einem Rennteam: Er wurde Sportdirektor. Das Team war nicht neu, sondern wurde als GP Racing bereits 1997 von Tancredi Pagiaro, der 2009 auch das Team Lazarus aus der Taufe gehoben hat, das 2010 in der Auto-GP-Serie startet, gegründet. 2006 nannte sich das Team in Minardi um und schloss sich 2007 mit dem Piquet-Team zusammen, das Ex-F1-Weltmeister Nelson Piquet gehörte. Nur eine Saison fuhr man in der GP2, der zweiten Liga der Formel-1, wo das Minardi-Team bereits von 1974 bis 1984 und nochmals 2001/’02 fuhr, dann verschwand der Name Minardi wieder aus der GP2. GP Racing leitete aber weiter das Piquet-Team und übernahm es Ende 2009 komplett. 2010 heißt das Team deshalb Rapax-Team. Giovanni Minardi wurde stattdessen 2008 Sportdirektor bei der Scuderia Playteam, die in der Formel-Superleague immerhin zwei Siege erringen konnten. 2010 ist er Manager von folgenden Fahrern:
- Davide Rigon: Mit sechs Siegen ist er derzeit der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Formel-Superleague, immerhin eine Serie, die mit Formel-Rennwagen fahren, die beinahe auf F1-Niveau sind. Auch richtige F1-Erfahrung hat der bald 24-Jährige bereits gesammelt, als er 2005 in einem Minardi Cosworth testen durfte.
- Daniel Zampieri: Durch eine Topplatzierung in der italienischen Formel-3, bekam Zampieri sogar schon einen F1-Test mit Ferrari. 2010 fährt er für Pons in der Formel-World-Series-by-Renault und ist dort derzeit Gesamt-9.
- Marco Moscato: Der 19-Jährige fährt derzeit in der Formel-Abarth und belegt dort aktuell den 15. Platz in der Gesamtwertung.
- Lorenzo Camplese: Auch er ist in der Formel-Abart unterwegs, bei MG Motorsport. Er ist aktuell 17.
- Alessandra Neri: Die 22-Jährige fährt bei den Superstars GT einen Ferrari und befindet sich auf Rang zwölf im Klassement.
- Luca Casadei: Er fährt nicht im Formel-Sport, sondern im Renault-Clio-Cup – zumindest bis 2009.