Kaum eine Rennstrecke bietet so viel Vielfalt wie der Nürburgring, aber zwei Millionen Besucher wie immer betont, sehen wir leider dennoch nicht.
| Nürburgring (!NS!DE-RAC!NG) - Superbike WM am Nürburgring. Ich fahre freudig in die Eifel. Ich möchte ein schönes und entspanntes Wochenende erleben. Alles klappt bestens. Bis ich meinen PC starten und meine E-Mails prüfen will. Das Internet ist gesperrt. Ich muss also an den Empfangsschalter gehen um meine Zugangsdaten abzuholen. Dort dann der Schock: 40 Euro kostet ein Zugang für zwei Tage. Dies möchte ich nicht bezahlen und gehe ins Fahrerlager. Nach einem Rundgang im mir eher fremden Motorradfahrerlager drehe ich in Richtung Ring°werk ab. Darin wurde ich plötzlich nachdenklich.
Gang durch das Ring°werk
Das 4D-Kino in der „neuen“ Erlebniswelt am Nürburgring hat mich dran erinnert, dass es früher hier oben in der tiefen Eifel auch mal hektischer und lebendiger zuging. Volle Tribünen bei bestem Wetter. Natürlich kann dies auch hier oben noch heute passieren. Jedoch zeigte die Weltmeisterschaft der „Superbikes“ und das DTM Wochenende vor einige Wochen eines ganz deutlich, der Ring wird nicht mehr voll! Im offiziellen Programm der Superbike WM steht im besten Englisch bei der Streckenvorstellung geschrieben: „Both in sporting and commercial terms the foremost circuit in Europe, with approx. 2 million visitors each year.“ Also auf gut deutsch: Auf die beste und großartigste Rennstrecke Europas kommen zwei Millionen Besucher jedes Jahr. Und ich würde mir als Rheinland-Pfälzer, gar als Anlieger, da nur 15km Luftlinie entfernt geboren, wünschen, dass diese Zahlen doch nur einmal stimmen würden.
16.000 Zuschauer bei der GT Masters bzw. GT1 Weltmeisterschaft am letzten Wochenende, keine 1000 bei der Superleague Formula und angebliche 86.000 Zuschauer (addiert – es könnte also sehr gut sein, dass eine Person welche von Freitag bis Sonntag da war dreimal gezählt wird.) bei der DTM lassen mich regelrecht erschrecken. Der Nürburgring ist die großartigste Rennstrecke auf unserem, diesem Planeten, sofern man Le Mans und Indianapolis ausklammert, da diese Rennstrecken meist nur für ein großes Rennen stehen. Zu diesen Renneventzahlen kommen auch unter der Woche einige Menschen auf das Plateau unter der Nürburg. Im Millionen Euro teuren Ringboulevard ist jedoch kaum was los. Und wenn was los ist, bekommt man Preise, die kaum familienfreundlich sind und eher an Jet Set und Monte Carlo als an die schnöde Eifel erinnern.
Wieso nicht authentischer?
Ich persönlich zähle eher zu der Gattung Journalist die in der Mitte stehen. In der Mitte der Diskussion um Sinn oder Unsinn. Es sind tolle Gebäude entstanden. Es wurden teils tolle Ideen integriert, welche einen Ringbesuch absolut aufwerten. Nur hätte vieles durchdachter, kleiner oder einfach „Ringtypischer“ sein können. Das Eifeldorf erinnert eher an „Europa Park“ als an ein echtes Eifeldorf. Die Preise sind sehr hoch und die Speisekartenauswahl könnte ebenso größer sein. Fast Food deluxe sozusagen. Der Ringracer ist seit einem Jahr defekt, daran gearbeitet wird offensichtlich wenig. Die Erlebniswelt könnte deutlich größer sein und mehr Rennautos beinhalten.
Das geniale 4D-Kino zeigt einen tollen, eher fiktiven Film über das 24h-Rennen von 2007. Aber einen 30 – 45 min Film über die Geschichte und die Hintergründe (gerne auch selbstkritisch) des Nürburgrings sucht man genauso vergeblich wie hochwertige Einblicke in Zeitdokumente. Ebenso arbeitet viel zu viel Personal zu unterschiedlichen Zeiten in oder an der Grünen Hölle. So werden Mitarbeiter spontan angerufen mit den Worten: „Kannst du in 60 Minuten bitte am Nürburgring sein?“. Sie werden sich denken – Kollege krank? Nein, es ist das Konzept. Einen Pool von Personen zu haben, der bei Bedarf eingesetzt wird. Offensichtlich willkürlich. Arbeitsplätze hat es geschaffen.
Aber für welchen Preis, wird die Zukunft zeigen. Ich glaube, wenn sich mein Eindruck weiter vertieft, wird es insgesamt mehr Arbeitsplätze kosten als es gebracht hat. Zwei Millionen Besucher pro Jahr stehen im Programmheft. Zwei Millionen theoretische Zuschauer, welche jedoch nicht hier oben sind und auf dessen Grundlage die neuen Gebäude genehmigt und erbaut wurden. Wie kann man ein über 300 Millionen Euro Projekt auf diesen Grundlagen finanzieren? Wahrscheinlich gar nicht. Dennoch gibt es eine Möglichkeit um wenigstens von den 100 bis 200 Journalisten einen „indirekten“ Eintritt zu bekommen.
Fazit:
Und da bin ich wieder beim Thema, womit dieser Artikel angefangen hat. 40 Euro kostet der Internetzugang bei der Superbike-WM. Dabei muss man fairerweise auch sagen, dass es auch Events gibt, wo das Internet kostenfrei ist. Im Fahrerlager stehen die großen Motorhomes der Rennteams. Mit Max Neukircher gibt es gar einen Siegfahrer aus Deutschland. Alle geben sich Mühe… Bleibt die Frage, wieso bringt es nichts. Die Deutschen sind leichte Kost gewöhnt… Und Motorsport ist leider nur die Formel 1. Ebenso schadet die DTM mit ihrem „Familienangebot“ der typischen Rennstreckenstimmung grundsätzlich. Der Nürburgring hat dem ebenso Rechnung getragen. Willkommen im Eifelfreizeitpark „Nürburgring“, einem „Businesspark“ errechnet auf Zahlen, welche nie erreicht werden können. Die Zeche werden leider die Steuerzahler von Rheinland-Pfalz zahlen. Jedenfalls dann, wenn nicht irgendeine grundlegende Veränderung in den Köpfen der Rennbesucher passiert. Der Motorsport ist komplexer als ein Fußballspiel und das ist einfach das Problem. RS