Motorsport Business: Beste Rennstrecke des Jahres
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Mittwoch, 02. November 2011 um 17:11

Motorsport Business: Beste Rennstrecke des Jahres

von Daniel Geradtz

In weniger als zwei Wochen werden in Köln die MotorSport World Expo Awards 2011 verliehen. Wir stellen die Nominierten in der Kategorie „Beste Rennstrecke des Jahres“ vor.

| Köln (!NS!DE-RAC!NG) – In der Kategorie „Beste Rennstrecke des Jahres“ war 2010 noch die neue Piste in Aragon siegreich. Damals konnte man auf ein sehr erfolgreiches erstes Jahr im Motorsport zurückblicken. In diesem Jahr ist die Nominierungsliste bunt gemischt. Zwei neue Strecken (Baltimore Street Circuit und Buddh International Circuit) treten gegen zwei Kurse (Autodromo del Mugello und Phoenix International Raceway) an, die erheblich erneuert beziehungsweise umgebaut wurden.

Autodromo del Mugello

08_001_AUDNach rund 20 Jahren ist auf Teilen des Autodromo del Mugello erstmals wieder neuer Asphalt verlegt worden. Dabei setzte man bei den im April diesen Jahres begonnen Arbeiten auf eine neue Technologie. Die Strecke wurde mit Hilfe von des DTS-Systems (Dromo Track Survey) genauestens im PC erfasst. Dadurch konnten Bodenwellen und andere Unebenheiten erkannt werden. Im nächsten Schritt wurde der Asphalt so genau aufgebracht, dass man diese ausgeglichen hat.

Das Anbringen eines glatten Asphaltes wurde zuvor dadurch erschwert, dass sich die Piste in einem hügeligen Gelände befindet. So ist auf der gesamten 5,235 Kilometer langen Strecke ein Höhenunterschied von bis zu 41 Metern messbar.

Die Streckendaten wurden dadurch ermittelt, dass ein herkömmlicher PKW, mit entsprechender Ausrüstung, um die Strecke fuhr. Dies glich in etwa denen in unserem Lande unbeliebten Google Streetview Fahrzeugen. Die gewonnen geometrischen Werte können nun zudem für andere Zwecke verwendet werden. Eine detailgetreue Einbindung in Computer-Simulationen könnte nun anhand der Daten erfolgen.

In verschiedenen Diagrammen erfolgte später die Auswertung. Dabei waren zum Beispiel leichte Absenkungen im Bereich des Kurvenscheitelpunktes messbar. Daraus wurde zudem die Bahn der Asphaltiermaschine errechnet.

Bei der Asphaltierung wurden gleichzeitig Drainagen berücksichtig. Wasser in großen Mengen kann nun in einem vorher berechneten Korridor von der Strecke abfließen. Dadurch trocknet die Strecke wesentlich schneller ab.

Das Urteil über die Neuerungen ist positiv. Die MotoGP Piloten, die als eine der ersten den neuen Belag testen konnten, waren angesichts der ebeneren Piste zufrieden mit den Neuerungen. Zudem waren sie erstaunt, in welcher Schnelligkeit die Piste abtrocknete.

Nachdem erfolgreichen Einsatz in Mugello sollen auch auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola Ausbesserungen erfolgen.

Phoenix International Raceway

Logo_001_PIRAuf dem Phoenix International Raceway wurde das komplette Oval neu asphaltiert. Es gab zwei Gründe. Zum einen war nach mehr als 20 Jahren auf dem aktuellen Bodenbelag noch einmal Erneuerung nötig. Auf der anderen Seite wollten die Offiziellen aber auch die Attraktivität der Strecke erhöhen. Man ließ von North American Testing Corporation (NATC) eine 3D Simulation der Strecke erstellen. NATC ist eine Tochterfirma der International Speedway Corporation, die im Besitz einiger NASCAR Strecken ist. Dann wurde so lange gerechnet und ausprobiert, bis man eine optimale Lösung gefunden hatte.

Da man auch Leistungsdaten der NASCAR Fahrzeuge in die Berechnungen einfließen liess, war ersichtlich, dass unter den damaligen Voraussetzungen ein spannendes Rad-an-Rad Duell nicht möglich war. Nach den Simulationen war außerdem klar, dass man auch mit Umbauten nicht so einfach eine dritte Fahrspur ermöglichen könnte. Mann entschloss sich daher, ganz auf Zweikämpfe zu konzentrieren.

Dazu erweiterte man den Radius der Start-Ziel-Biegung, also der gekrümmten Seite des Ovals. Der Scheitelpunkt wurde um 29 Meter nach außen verlegt, mit 53.500 m³ modellierte man die Kurvenneigung, das so genannte Banking. Während Kurve vier nun eine Überhöhung 8° bis 9°, liegen die anderen Teile bei 10° beziehungsweise 11°.

Da die Bauarbeiten schon große Abrissarbeiten mit sich zogen, wurde gleich in die Zukunft investiert. Zwei neue Tunnel wurden bereits gegraben, aber sind im Augenblick noch verschlossen. In Sachen Sicherheit investierten die Organisatoren in 1,2 Kilometer Safer Barrier und ein neues LED-System, das die Flaggensignale anzeigt.

Oben drauf wurde schließlich auch der neue Asphalt verlegt. Die gesamten Arbeiten fanden zwischen März und September 2011 statt. Dadurch konnte die NASCAR, immerhin die Hauptattraktion auf der Strecke, wie gewohnt zwei Rennen durchführen.

Baltimore Street Circuit

11_001_PORIm September fand der erste Baltimore Grand Prix, eine gemeinsame Veranstaltung von IndyCar und American Le Mans Series statt. Die Strecke ist ein Straßenkurs nach traditionellem nordamerikanischen Vorbild. Mit einigen 90°C Kurven, einer Haarnadelpassage und einer Länge von 3,28 Kilometern sind Vergleiche zu Long Beach oder Toronto berechtigt.

Konzipiert wurde die Strecke von Motorsports Consulting Services. Eine Firma, die in diesem Segment schon auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen kann. Etwa fünf Wochen vor der Veranstaltung wurde damit begonnen, die Straßen Baltimores rennfertig zu machen. Um dabei keinen großen Einfluss auf den regulären Verkehr zu nehmen, fanden die Arbeiten zwischen 19 Uhr und 6 Uhr statt.

Am 25. Juli wurden jene Betonklötze aufgestellt, die den Streckenverlauf begrenzen. 2200 Elemente kamen zum Einsatz, deren Maße für sich sprechen: Bei einer Länger von 3,66 Metern und einer Tiefe von 99 Zentimetern wiegt jedes einzelne Bauteil 4.218 Kilogramm. Insgesamt wurden somit mehr als 9 Millionen Tonnen Beton verbaut. Anschließend wurde der Sicherheitszaun hinter die massiven Begrenzungen befestigt. Auf der Strecke fanden zudem 650 Reifenstapel mit je 25 einzelnen Pneus an diversen Stellen Platz, um die Kraft möglicher Einschläge zu absorbieren.

Der Bahnhof im Innengelände des Kurses ist ein untrügliches Zeichen für das„Großstadt-Feeling“. Die von den Piloten befürchtete Problematik beim Überfahren der Schienen blieb allerdings aus. Die Verantwortlichen hatten kurz vor dem Event noch einmal an den betroffenen Stellen nachgebessert. Der Streckenverlauf schließt den Stadt-Hafen ein, sodass die Fans auch über eine Wasser-Taxi Linie das Gelände erreichen können.

Der begrenzte Platz macht zudem erforderlich, dass das Grundkonzept der Strecke etwas anders ist als gewöhnlich. Denn der Start-Ziel-Bereich und die Boxengasse sind an zwei verschiedenen Stellen untergebracht.

Buddh International Circuit

11_001_FORDer Buddh International Circuit ist die neueste Strecke im Terminkalender der Formel 1. Auf der 5,14 Kilometer langen Strecke fand unlängst der erste Große Preis von Indien statt. Die Anlage wurde wie die meisten modernen Grand Prix Pisten vom deutschen Architekten Hermann Tilke geplant. Als Besonderheit stellt sich die Kurvenpassage zehn bis zwölf heraus. Dort gibt es ähnlich der Kurve acht in Istanbul verschiedene Scheitelpunkte.

Konzipiert wurde der 35 Kilometer von Neu Delhi entfernte Rundkurs sowohl für Automobilsport, als auch Motorradrennen. Auf der Kartstrecke im unmittelbaren Umfeld können darüber hinaus internationale Rennen ausgetragen werden.

Bei der Streckenführung hatten die Teams ein gewisses Mitspracherecht. Immer wieder bekamen diese nämlich das aktuelle Material, um dieses in ihren Simulatoren zu prüfen. So konnten auch die Fahrer im Vorfeld ihre Meinung äußern und Änderungen fordern.

Um die Höhenunterschiede auf der Strecke zu modellieren wurde die beeindruckende Zahl von 4.532.000.000 Kubikmetern Erde verschoben. Diese Arbeiten wurden etwa ein Jahr vor der Fertigstellung abgeschlossen. Wie es bei solchen Großprojekten üblich ist, ist die gesamte Anlage just in time fertig geworden.

Ursprünglich sollte der Name Jaypee International Circuit, benannt nach jenem Konglomerat, das Eigentümer der Strecke ist, heißen. Zu Ehren Buddhas entschloss man sich aber zu einer Namensänderung.

Die Strecke ist ein Teil der Jaypee Sports City, die in den kommenden Jahren um einen Golfplatz, sowie je ein Cricket- und Baseballstadion erweitert wird. Außerdem soll eine Seenlandschaft mit Bauten nach venezianischem Vorbild geschaffen werden. DG

Fotos: Audi Motorsport, Porsche Motorsport, Phoenix International Raceway, Force India