Das 24-Stundenrennen von Speinshart 2010 gilt als das härteste Rennen der Geschichte. Der Bericht. Â
| Speinshart (!NS!DE-RAC!NG) - Was war das für ein Rennen? Das 24-Stundenrennen von Speinshart hatte es 2010 in sich: Starkregen am Donnerstag und Freitag verwandelte das Stoppelfeld in eine Matschlandschaft, die ihres Gleichen sucht. Knietief stampfte man durch den Matsch, sowohl im Fahrerlager, als auch zum Zeltplatz und überhaupt überall. Die Schlechtwetterlage hatte sich bereits angedeutet und hat voll zugeschlagen. Gefreut hat sich der Bauer und stolzer Besitzer des Geldes: Das Rennen an sich ist für ihn schon sicherlich kein Minusgeschäft, aber 2010 war es besonders lohnreich, denn im Minutentakt musste er Autos, Anhänger und sonstige Fahrzeuge abschleppen, die auf dem Weg zum Zeltplatz im Matsch stecken geblieben sind. Denn die Autos waren – auch die, die nicht zusätzlich noch schwer beladen mit Gepäck waren – selbst mit Schneeketten (ja auch in Bayern werden Schneeketten im August eher selten gebraucht) alleine chancenlos gegen die braune Pampe. Natürlich strich der Bauer für seine Unterstützung etwas Trinkgeld ein, das der Bauer aber schon im Vornherein aushandelte. Auch Strohballen verkauften sich gut, zumindest in den Gemeinschaftszelten (also quasi Küche und Aufenthaltsraum) wurde über den Matsch eine ordentliche Strohdecke gelegt, damit es einigermaßen erträglich war.
So viel zu den Rahmenbedingungen. Man könnte diese noch weiter schildern, denn genau das ist auch das, was dieses Rennen so besonders macht. Man könnte sich an dieser Stelle noch darüber auslassen, was für ein Anblick es ist, einen riesigen Zeltplatz im stürmischen Regen und Matsch zu sehen, die Zelte abgedeckt mit Planen, damit die Nässe nicht auch noch das warme Bett feucht macht. Denn nass wars sonst sowieso alles. Man könnte sich darüber auslassen, wie verwundert die Teams von auswärts waren, etwa Köln, Österreich oder Norddeutschland, die so etwas noch nie gesehen haben. Das ist die bayrische Oberpfalz von einer ganz anderen Seite.
Das Trainingsprogramm am Freitag war etwas beschnitten – durch den Regen. Gerade mal zwei Runden mussten zur Einstimmung genügen. Die anderen beiden Fahrer sahen von Testläufen sogar ganz ab. Der erste Eindruck: Das wird eine Katastrophe! Pünktlich zum Rennstart am Samstag regnete es zwar nicht mehr, aber die Strecke war ein derartiges Schlamm- und Matschbad, dass die Bedingungen äußerst katastrophal waren. Alle 97 Mopeds nahmen zwar den Start auf, doch schon nach den ersten Minuten reichten bald vier bis fünf Hände um die Anzahl der noch fahrenden Mopeds zu zählen. Die Geschwindigkeiten waren außerdem entsprechend den Bedingungen recht gering.
Auch unser Team hatte in den ersten zwei bis drei Stunden große Probleme mit den Bedingungen. Das Problem lag auch im Reglement: 2010 waren erstmals Unterbrecherzündungen vorgesehen. Bei diesen Bedingungen wären elektrische Zündungen aber deutlich besser. In den ersten fünf Stunden gingen bei uns nicht weniger als vier Zündungen drauf! Das Rennen schien uns verloren, denn genau das erwarteten wir bei solchen Bedingungen auch. Auch fahrerisch war es extrem anspruchsvoll, denn das Moped war kaum unter Kontrolle zu halten. Trotzdem lagen wir noch in der ersten Hälfte des Klassements, obwohl wir selbst nur wenige Runden abspulen konnten.
Die Strecke trocknete nur langsam ab. Doch die Bedingungen wurden besser, denn immer mehr bildeten sich Fahrrillen im Matsch, die etwas Stabilität garantierten, außerdem gewöhnte man sich freilich so langsam an die Bedingungen. Trotzdem war das Rennen kraftraubend und das änderte sich auch das gesamte Rennen über nicht. Denn die Spurrillen wurden freilich immer tiefer und es bestand bald die Gefahr, dass man ausgehebelt wird, wenn man mit der Innenseite den Rand der Rille berührt. Außerdem wurde auch das Überholen problematisch, denn ein Spurrillenwechsel war stets ein großes Risiko und war auch Grund für die meisten Unfälle. Gegen Samstagabend und vor allem am Sonntag in der früh waren die Bedingungen dann trotzdem recht gut, weil die Strecke relativ trocken war.
Nach den Problemen mit den Zündungen lief unsere Mofacross dann recht gut. Immer wieder gab es zwar Probleme, aber das ist bei einem 24-Stundenrennen auch üblich. Probleme mit dem Kolbenring, Kettenspanner, der Kette selbst, Bügel für die Stabilität der Lenkgabel (darin sammelte sich so viel Matsch an, dass das Vorderrad blockierte), gerissene Gasseile, Probleme mit der Schaltung und solche relativ gesehen Kleinigkeiten hinderten uns immer wieder. Aber nicht nur uns.
Und so kam es, dass wir immer weiter aufholen konnten. Am Samstagabend, als das Rennen bis Sonntag sechs Uhr unterbrochen wurde (nach 13 Stunden), lagen wir bereits auf Rang 32, konnten uns dann immer weiter steigern. Am Sonntagmittag, etwa fünf Stunden vor Schluss waren wir bereits 28. Dann, drei Stunden vor Rennende, kam das, was wir nicht mehr gebraucht hätten, aber im Klassement dann doch recht hilfreich war: Ein starker Gewitterschauer. Die Bedingungen wurden noch viel übler als sie am Samstag waren, auch weil die Kraft langsam nach ließ. Die meisten Mopeds bekamen plötzlich Probleme, nur noch wenige waren auf der Strecke. Dadurch konnten wir aufholen, auch wenn wir durch die Wetterverhältnisse wieder Schwierigkeiten bekamen. Am Ende aber holten wir uns den 25. Platz und damit den besten der Teamgeschichte. Schon im Vorjahr haben wir unser bestes Resultat aus 2008 um eine Position auf Rang 26 verbessert, nun ging es noch einen Rang nach oben. Darauf sind wir deshalb besonders stolz, weil die Bedingungen absolut am Limit waren.
Gewonnen hat das Rennen übrigens Bergmafia Racing, zum dritten Mal in Folge – das ist einmalig bisher. In der ewigen Bestenliste sind sie damit aber immer noch auf Rang zwei. Ansonsten war das Wochenende einmal mehr geprägt durch tolle Zusammenarbeit auch zwischen den Teams. Man half, wo es nur ging und es wurde uns geholfen. Sobald man irgendwo stecken geblieben war, eilten aus drei verschiedenen Boxen Leute zur Hilfe, es war eine tolle Atmosphäre – dem Matsch zum Trotz.
Die Zukunft unseres Teams ist trotzdem ungewiss. Mindestens drei Leute steigen aus verschiedenen Gründen vermutlich aus, auch ich überlege derzeit einen Rückzug, aufgrund einer Verstimmung im Team am Ende des Rennens. Ein weiterer Fahrer von uns, der zum dritten Mal für uns startete, ist außerdem mit der Bundeswehr im kommenden Jahr in Afghanistan und kann fehlt deshalb. Dafür haben wir einen Cross-Fahrer an der Angel, der schon 2008 für uns gefahren ist, seither aber bei einem anderen Cross-Rennen startet, das zur gleichen Zeit stattfindet, 2011 aber eingestampft werden soll. Doch ziehe auch ich mich zurück, dann dürfte noch ein dritter Fahrer gebraucht werden. Weitergehen wird es aber wohl irgendwie und auch ich will den Spaß eigentlich nicht missen. Ein weiter Verwandter plant in der kommenden Saison auch ein Team, vielleicht findet sich dort eine Möglichkeit, vielleicht – und das ist wahrscheinlicher – raufen wir uns auch wieder zusammen. Es war auch eine etwas unglückliche Situation, da können die Nerven eines Mechanikers und zweier Fahrer schon mal durchgehen.