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| Hagen (!NS!DE-RAC!NG) – Die deutschen Motorsport-Historiker feiern einen Meilenstein: Paul Pietsch wurde gestern 100 Jahre alt. Er ist damit der älteste noch lebende Fahrer, der je ein F1-WM-Rennen bestritt. Doch ein anderer deutscher Fahrer ist – und ein Nachruf muss an dieser Stelle nachgereicht worden – am 3. Mai dieses Jahres verstorben: Karl-Günther Bechem. Am 21. Dezember hätte er seinen 90. Geburtstag gefeiert.
Bechem ist nicht so bekannt wie Pietsch, oder gar andere deutsche GP-Stars wie Wolfgang Graph Berghe von Trips, Stefan Bellof oder Michael Schumacher. Das liegt daran, dass seine Karriere nur wenige Jahre umfasste. Sein Vater öffnete ihm die Türen zum Motorsport, schloss sie aber auch gleichzeitig. Er hatte eine Stahlfabrik in Nordrhein-Westfalen, die Familie war deshalb wohlhabend – eine Grundvoraussetzung auch damals im Renngeschäft. Doch Vater Bechem diktierte das Leben von Günther. So richtig in Berührung mit dem Motorsport kam er erst gegen Kriegsende in britischer Gefangenschaft, als er mit einem Motorrad Spaß hatte.
Bechem startete vermutlich wegen seines Vaters mit einem Pseudonym: Bernhard Nacke. Als solcher schrieb er sich auch beim Deutschland GP 1952 ein, einem Lauf zur Fahrermeisterschaft. Ausgeschrieben damals für F2-Fahrzeuge, weil die F1-Renner 1952 und 1953 nur sehr mangelhaft vertreten waren. Alberto Ascari, der Meister 1952 und 1953 wurde mit F2-Rennwagen Fahrermeister. Bechem fuhr deshalb nie einen F1-WM-Lauf. Beim Deutschland GP 1952 also fuhr er einen BMW-Eigenbau, ein Bastlerfahrzeug, natürlich ohne Werksunterstützung von BMW. Zündprobleme beendeten sein Rennen vorzeitig. 1953 versuchte er es erneut beim Großen Preis von Deutschland. Dieses Mal fuhr er einen AFM BMW, mit dem 1950 Karl Gommann den Tod fand. Wieder schied Bechem vorzeitig aus.
Mercedes ließ ihn allerdings für das Comeback der Silberpfeile auf einen möglichen Stammeinsatz testen, gemeinsam mit vielen anderen Piloten. Bechem fiel aber durch den Rost, es wäre die größte Chance seiner Karriere gewesen. Und sie neigte sich da bereits dem Ende zu: In Südamerika hatte er einen schweren Unfall, von dem er sich zwar wieder erholte, der ihn aber auch zum Umdenken bewegte. Bechem hing seinen Helm an den Nagel.
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Günther Bechem
* 21. Dezember 1921
† 3. Mai 2011
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