Donnerstag, 25. Dezember 2008 um 19:55
F1: Igor Troubetzkoy verstorben!

von Michael Zeitler

Stolze 96 Jahre alt wurde Igor Troubetzkoy, nun verstarb er leider in Paris. Ein Nachruf für den ehemaligen Grand-Prix-Piloten.

| Paris (!NS!DE RAC!NG) - Über Weihnachten gibt es nicht nur gute Nachrichten: In Paris ist Igor Troubetzkoy im Alter von 96 Jahren verstorben. Er verstarb am 20. Dezember, also vor 5 Tagen. Troubetzkoy ist ein Rennfahrer der ganz alten Generation: Beim Monaco GP 1948 war der Franzose (ein Immigrant aus Weißrussland) der erste Fahrer, der mit einem Ferrari-Boliden bei einem GP-Event an den Start ging (Er schied nach einer Kollision mit Louis Chiron aus). Sein Einsatz lief über die Scuderia Inter, die er zusammen mit Count Bruno Sterzi besaß. Als Teammanager fungierte Goffredo Zehender, zuvor selbst GP-Pilot, vor allem für Bugatti, Alfa Romeo und Maserati. Die Rennautos, welche die Scuderia Inter einsetzte (3 Ferraris), gehörten zwar Troubetzkoy, trotzdem hatte der am 12. August 1912 geborene Franzose gute Kontakte zur Scuderia Ferrari, zumindest bis zur Mille Maglia 1948. Troubetzkoy hatte nämlich einen seiner Ferraris gerade im Ferrari-Werk in Maranello stehen, als Tazio Nuvolari bei Ferrari nach einem Boliden für die Mille Maglia fragte. Nuvolari galt in den 30er Jahren als einer der besten GP-Piloten überhaupt und gewann mehrere bedeutende Grand Prix. Jahrelang fuhr er für oder mit Enzo Ferrari. Inzwischen war er bereits todkrank, wollte die Mille Maglia aber nochmal gewinnen. Ferrari lieh im den Ferrari von Troubetzkoy, ohne dass dieser davon wusste. Nuvolari zerstörte den Boliden alleine durch seine Fahrweise – er zerfiel in Einzelteile. Als Troubetzkoy dies erfuhr, brach er mit Enzo Ferrari, was sich auch dann nicht änderte, als Ferrari den Boliden vollkommen reparierte. Zwar fuhr Troubetzkoy hauptsächlich mit seiner Scuderia Inter GP-Rennen, hin und wieder tauchte er aber auch als Werksfahrer von Gordini auf. Das Geld für die Ferraris, die er sich leistete, hatte er von Barbara Hutton, die zur damaligen Zeit als reichste Frau der Welt galt. Troubetzkoy war von 1947 bis 1951 der 4. von insgesamt 7 Ehemännern. Die Ehe hatte für den Motorsport weitere Folgen, denn dadurch wurde Troubetzkoy Stiefvater von Lance Reventlow. Anders als so manch andere Stiefvater-Stiefsohn-Beziehung verstanden sich die beiden prächtig und prompt infizierte Troubetzkoy seinen Stiefsohn mit dem Rennfahrervirus. Reventlow, der sowohl die dänische, als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft hatte, im Motorsport aber mit der amerikanischen Lizenz fuhr, wurde erfolgreicher Sportwagenfahrer, versuchte sich zudem auch in der Formel-2. In den 50er Jahren baute er sich daraufhin ein eigenes Rennteam auf, das sogar eigene Chassis baute, die Scarabs. Zunächst wurden diese nur in der amerikanischen Rennszene eingesetzt, aber 1959 begann Reventlow auch an einem F1-Projekt zu arbeiten. Es wurde ein frontgetriebener Wagen mit Gitterrohrrahmen gebaut. Dann ging das Ganze recht schleppend voran, da der Motor, ein 4-Zylinder-Triebwerk, nicht fertig wurde, obwohl kein anderer als der berühmte Offenhauser-Motorenkonstrukteur Leo Goosens mit dem Projekt beauftragt wurde. 1960 kam der Scarab dann erstmals auf die Pisten und war natürlich längst veraltet. Der US-Amerikaner Cuck Daigh war der Einzige, der einen Scarab einmal sogar ins Ziel bringen konnte (USA GP, Platz 10). Als Ferrari-Cheftester Richie Ginther den Scarab zu Testzwecken ausführte und daraufhin seine vernichtende Meinung kundtat, wurde das Projekt gestoppt. Man probierte zwar für 1961 noch an einer 1,5-Liter-Maschine, aber die wurde nie rennreif. Ein Scarab wurde für die interkontinentale Formel-3 (1961) umgebaut. Igor Troubetzkoy tauchte in den 50er Jahren selbst nicht mehr bei Rennen auf. Er starb nun in Paris, wo er bereits geboren wurde. Das ganze Leben lang blieb er Frankreich treu, hatte in Russland aber eine Verwandtschaft, die ebenfalls im Motorsport involviert war.


 

Kreuz


Igor Nikolayevich Troubetzkoy  

* 23. August 1912


† 20. Dezember 2008