Sonntag, 12. Dezember 2010 um 13:53
F1: Jacques Swaters verstorben!

von Michael Zeitler

Mit 84 Jahren ist mit Jacques Swaters ein ehemaliger belgischer F1-Fahrer und Teamchef verstorben. Ein Nachruf.

| Spa (!NS!DE RAC!NG) - Im Alter von 84 Jahren ist in dieser Woche, genauer am 9. Dezember 2010, Jacques Swaters verstorben. Der Belgier ist nur noch den wenigsten Motorsport-Fans ein Begriff – zu unrecht: Swaters spielte für den Motorsport und für Ferrari in Belgien eine große Rolle.

Wenn Jérôme D’Ambrosio 2011 bei Marussia Virgin tatsächlich ein F1-Cockpit bekommt, dann darf man dem Belgier gratulieren: Längst hat es das kleine Land schwer im Motorsport, trotz der beeindruckend tollen Rennstrecke in Spa und den prominenten Rennen dort, wie das 24-Stundenrennen von Spa oder der F1-GP in Belgien. Jacques Swaters war es unter anderem, der den belgischen Nachwuchs-Rennfahrer vor Jahrzehnten das Motorsport-Leben erleichterte. Heute haben es die Belgier deutlich schwerer.

Swaters gründete nämlich 1950 zusammen mit Roger Laurent, Charles de Tournaco und André Pilette die Ecurie Belgique. Der belgische Rennstall diente zunächst dazu, den vier Rennfahrern die Teilnahme bei einigen Rennen zu erleichtern oder gar erst zu ermöglichen. Später zogen sich immer mehr vom aktiven Rennsport, wurden Teammanager und machten damit Platz für junge belgische Nachwuchsfahrer. Pilette, dessen Vater Theodore 1913 beim Indy 500 den fünften Platz belegte, leitete darüber hinaus eine Rennfahrerschule in Zolder, Swaters blieb Teammanager seiner Ecurie Francorchamps. Die Namensänderung wurde nötig, weil der Automobilverband in Belgien den Namen Ecurie Belgique zu bestimmten Rennen nicht zulassen wollte. Pilette führte das Team trotzdem weiter, aber 1957 schlossen sich die Ecurie Belgique, die Ecurie Francorchamps und die Ecurie Belge von Johnny Claes zur Ecurie Nationale Belge (ENB) zusammen, die Swaters leitete. ENB startete mit verschiedenen Chassis bei einigen F1-WM-Rennen. Der Höhepunkt war der Deutschland GP 1962, als man ein eigenes ENB-Chassis mit Maserati-Motor an den Start gebracht hat. Der ENB Maserati war ein überarbeiteter Emeryson Maserati und wurde von Lucien Bianchi auf Rang 16 gefahren. ENB ist bis heute das einzige belgische Auto am Start eines F1-WM-Rennens.

Jacques Swaters selbst fuhr ebenfalls in der F1-WM bei sieben Rennen. 1951 gab er beim Deutschland GP sein Debüt, als André Pilette durch einen Unfall beim GP von Holland verletzt ausgefallen ist. Zwei Rennen fuhr Swaters 1951 mit dem Talbot Lago, die restlichen Rennen bestritt er 1953 und ’54 mit Ferrari-Rennern, denn das Team konnte Ferrari-Boliden kostengünstig erwerben. Es war der Ursprung einer langen und bedeutungsvollen Beziehung zwischen Ferrari und Swaters. Die beste Platzierung von Swaters bei einem F1-WM-Rennen war Rang sieben beim Deutschland GP 1953. Ab 1955 konzentrierte er sich vermehrt auf Sportwagenrennen (mit einem Jaguar), wo er 1948 auch sein Motorsport-Debüt gab (zusammen mit Paul Frère in einem MG beim 24-Stundenrennen von Spa). 1955 wurde Swaters zusammen mit Claes Dritter beim 24-Stundenrennen von Le Mans.

Ende 1957 zog er sich als Fahrer zurück und leitete die Ecurie National Belge. 1964 verließ er auch ENB und spaltete sich wieder mit der Ecurie Francorchamps ab. Bis 1982 trat der Rennstall bei mehreren Rennen an, danach machte Swaters die Pforten dicht und kümmerte sich nur noch um den Import von Ferrari-Straßenautos nach Belgien.


Kreuz


Jacques Swaters

* 30. Oktober 1926


† 10. Dezember 2010