Donnerstag, 08. Oktober 2009 um 18:32
F1: Jean Sage verstorben!

von Michael Zeitler

Der ehemalige Renault-Teamchef Jean Sage ist an Lungenkrebs verstorben.

| Paris (!NS!DE RAC!NG) - Bestürzung in der Motorsport-Szene: Der ehemalige Renault-F1-Teamchef Jean Sage hat den Kampf gegen den Lungenkrebs nicht gewonnen. Noch im Sommer präsentierte er sich kampfstark, nahm eine lange Reise zum Ernestal Classic auf sich. Bei historischen Events war Sage seit einigen Jahren zu Hause, einige historische Rennen wären ohne ihn als Veranstalter nie über die Bühne gegangen, teilweise nahm er selbst an den Rennen teil. Sage war vor allem fanatischer Ferrari-Sammler (Ironie, dass er aber bei Renault und nicht bei Ferrari Teamchef wurde), die Rennen bestritt er aber meistens mit einem Talbot-GP-Renner aus dem Jahre 1939. Harry Shell konnte damit noch 10 Jahre später den Luxemburg GP 1949 für sich entscheiden. Nette Worte und unglaublich viel gezollter Respekt aus dem Motorsportler-Umfeld bei der Ernestal Classic gaben Sage zwar neuen Mut und neue Kraft, das Rennen bestritt allerdings ein Mechaniker für ihn. Er war bereits zu schwach.

Sein 68-jähriges Leben prägte den Motorsport: In den 60er Jahren packte ihn das Renn-Virus. Zunächst wurde er Co-Pilot bei einigen Rallye-Rennen. Dabei schmiedete er auch Kontakt zu Gerard Larrousse, ebenfalls ein wichtiger Protagonist der F1-Geschichte. 1966 überlebten beide zusammen einen schweren Crash bei der Korsika-Rallye, Sage allerdings mit einem Halswirbelbruch, der seine Rennfahrerkarriere beendete. Die schritt bis dato voran: Er startete bereits bei einigen F3-Rennen.

Nachdem Jean Sage selbst keine Rennen mehr fahren konnte, wechselte er auf die andere Seite der Boxenmauer. 1973 gründete er gemeinsam mit Larrousse einen eigenen Rennstall für die Formel-2. Als 3. Teilhaber nahmen die beiden Paul Archambeaud aus der Schweiz auf. Auch er war ein absoluter Motorsport-Fan, hauptberuflich verkaufte er in der Schweiz Mercedes-Autos. Er war Hauptfinanzier. Der Rennstall nannte sich Ecurie Elf Switzerland und holte sich 1976 glatt den Titel. Es war ein historischer Triumph für das Team und Jean-Pierre Jabouille. Denn Jabouille wurde in seinem eigens konstruierten Rennwagen Meister! Bestückt war dieser Jabouille 2J mit einem Renault-Motor.

Das Team bildete im Prinzip auch den Grundstock des F1-Werkteams von Renault, das 1977 sein Debüt gab. Sage war dabei stets die rechte Hand von Larrousse, wurde 1977 und 1978 aber offiziell als Teamchef benannt. Jabouille war Fahrer des ersten F1-Renaults und entwickelte den Rennwagen auch mit. Sage blieb bis über den Renault-Ausstieg Ende 1985 hinaus bei Renault, suchte erst 1987 eine neue Herausforderung. Dann wechselte er zu seiner wahren Leidenschaft: Zu Ferrari. Allerdings nur ins französische Ferrari-Team von Charles Pozzi, das in der GT-Serie unterwegs war. 1989 und 1990 zählte Sage dort zur Führungsregie des Teams. Danach widmete er sich dem historischen Rennsport.


 

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