Montag, 20. Juli 2009 um 20:23
F1: Ricardo Londono-Bridge erschossen!

von Michael Zeitler

Ricardo Londono-Bridge verstarb am vergangenem Samstag 59-jährig. Ein mysteriöser Tod eines mysteriösen Rennfahrers.

| Bogota (!NS!DE RAC!NG) - Am vergangenem Samstag, den 18. Juli 2009, ist der ehemalige GP-Pilot Ricardo Londono-Bridge in seinem Heimatland Kolumbien erschossen worden. Neben dem 59-Jährigen wurden noch 2 Partner von Londono-Bridge tot aufgefunden. Bisher konnte die Polizei den oder die Mörder noch nicht ausfindig machen, gut möglich, dass die Ermittlungen sie allerdings ins Drogenmilieu führt: Der zwielichtige Londono-Bridge wurden seit geraumer Zeit Kontakte zu Drogenbanden nachgesagt, bekam deshalb auch immer wieder ärger mit der Staatsregierung, die 2000 sogar den Großteil seiner Immobilien gepfändet hatten, weil er die sich mit Drogen erwirtschaftet haben soll.

Ricardo Londono-Bridge hatte auf der Rennstrecke ein genauso abenteuerliches Leben: Beim Brasilien GP 1981 sollte er der erste Fahrer aus Kolumbien werden, der an einem F1-WM-Rennen teilnimmt. Berets zuvor fuhr er 1980 ein F1-Rennen außerhalb der WM im Team von Colin Bennett mit einem Lotus Ford. Das eröffnete ihm Kontakte zu Ensign: Bennett wurde 1981 Teilhaber bei Ensign und verschaffte ihm für 1981 ein Cockpit. Der Automobilweltverband FIA sah in Londono-Bridge allerdings nur einen Bezahlfahrer ohne Talent: Für das Rennen bekam er keine Superlizenz. Als Ersatz sprang Marc Surer ein, ein Jahr später wurde Roberto Guerrero bei Ensign schließlich der erste Kolumbianer in der F1-WM. Ein weiterer war Juan Pablo Montoya, der bei BMW Williams und McLaren von 2001 bis 2006 einige tolle Rennen fuhr und davon auch einige gewann.

Dass die FIA Londono-Bridge keine Lizenz ausstellte, lag daran, dass er kaum Ergebnisse vorzuweisen hatte. In Kolumbien fuhr er zwar einige nationale Rennen, aber die waren in etwa so bekannt wie das Lieblingsgericht von Hubert Müller von um die Ecke. Noch dazu beschränkten sie sich vor allem auf Motorrad-Rennen und Stockcar-Rennen. Erst aus dem Jahre 1979 datiert das erste richtige Rennen des Kolumbianers, als er beim 12-Stundenrennen von Sebring mit John Gunn und George Garces einen Porsche-Sportwagen auf den 18. Platz steuerte. 1980 weitete er sein Sportwagen-Programm aus, fuhr auch das 24-Stundenrennen von Daytona. Nebenher setzte er ein eigenes Team in der CanAm-Serie ein, das für sich einen Lola-Renner einsetzte. Es folgte das angesprochene Rennen in der britischen F1-Meisterschaft und der Versuch 1981 beim Brasilien GP zu fahren. Nebenher fuhr er 1981 in der Formel-2 einen Toleman für das Docking Spitzley Racing Team. Er blieb noch wenige Jahre in der IMSA, danach beendete er seine knappe Rennfahrerkarriere.

Kreuz


Ricardo Londono-Bridge

* 8. August 1949


†   18. Juli 2009