Grüße aus dem Sommerloch
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| 35°C im Schatten, wo kein Schatten ist, der Rasen verwelkt und nicht nur die Blätter an den Bäumen wellen sich, auch die Klatschspalten in den Zeitungen kringeln sich - vor Lachen. Alljährlich im Juli gibt es nur drei Themen, die die Öffentlichkeit bewegen: Politiker narren die Praktikanten in den Nachrichtenredaktionen, die Bauern fürchten um ihre Ernte (zu viel Regen vs. zu wenig Regen) und Jacques Villeneuve kündigt sein Comeback an.
Während bei allen anderen die Hitze zu akutem Sauerstoffmangel im Hirn führt, behält der Kanadier einen kühlen Kopf und passt ganz kalkuliert den Sommer ab um sich ins Gespräch zu bringen. Mit Erfolg, wie wir gerade beweisen.
Nach seinem unfreiwilligen Karriereende 2006, als er bei BMW-Sauber mitten in der Saison durch Robert Kubica ersetzt wurde, verdiente sich Villeneuve durch seinen Start in Le Mans, durch Nascar und durch dem Singen von französischem Pop (zugegeben, das war nicht soooo übel, es hätte schlimmer kommen können. Er hätte Gangsta-Rapper werden können) etwas zur Rente dazu.
Pünktlich zum Sommer ist Villeneuve jetzt wieder da, wie eine Fatamorgana auf heißem Asphalt, in der flirrenden Hitze am Horizont.
Nachdem zuvor Gespräche mit Mercedes, Ferrari, McLaren, Renault etc. kurz vor ihrem Abschluss abgebrochen worden waren, stampfte Jacques Villeneuve nicht nur mit dem Fuß auf den Boden, sondern auch noch die Idee zu einem eigenen Team aus aus demselbigen. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Zu seinem vierzigsten Geburtstag im nächsten Jahr will er mit Villeneuve Racing noch einmal durchstarten und hat vor, sich bei der FIA um den 13.Startplatz zu bewerben.
Ist er vielleicht heimlich mit der Deutschen Bahn unterwegs gewesen und hat wieder Geschmack gefunden an 60°C Cockpittemperatur? Im offenen Auto könnte er sich immerhin viel heiße Luft um die Nase wehen lassen. Aber dass er seine Seifenkiste selber bauen will um damit 26. zu werden ist schon etwas Besonderes, auch angesichts der Kosten, die auf ihn zukommen. Seine Rennoveralls müsste er ökonomischer schneidern lassen. Oder mit dem Wasser auf den Mühlen der Gerüchteküche sparsamer umgehen.
Midlife-Crisis und Napoleon-Syndrom scheinen sich zu vereinigen. Villeneuve Villezuviel. Dabei hätte der Überflieger und Weltmeister von 1997 das gar nicht nötig gehabt. Schade, dass sich immer mehr Helden vergangener Jahre zu Antihelden machen müssen.
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Ihre Natalie Rusch
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