Gedanken zum Motorsport. Karikatur von Veronika Gonschorek.
| Oschersleben (!NS!DE-RAC!NG) - Der Besuch in Oschersleben hat eine Reihe interessanter Diskussionen und Gespräche ergeben. Informationen, die unter der Hand weitergegeben wurden, Themen und Tendenzen, die im Fahrerlager unüberhörbar waren. Die immer weiter steigenden Kosten im Rennsport, die Angst der Tourenwagen-WM vor den GT-Serien, die geringe Sportlichkeit der DTM und so weiter und so fort.
Ein Thema, das in der DTM spätestens seit dem Umstieg von BMW in die DTM präsent ist, ist das Thema Hersteller. Im Rahmen der WTCC fuhr in Oschersleben auch die Deutsche Produktionsmeisterschaft, die Procar. Sie versteht sich selbst natürlich als eigentliche deutsche Tourenwagenmeisterschaft, die nationale Serie zur WTCC, so wie es in Großbritannien die BTCC gibt und in anderen Ländern andere nationale Serien. Das Reglement der Procar ist ziemlich identisch. Die Gleichheit der Regeln der nationalen Serien und der WM sollen Gaststarts ermöglichen und somit das Starterfeld in der WTCC vergrößern und attraktiver machen. In der Theorie klingt das gut, in der Praxis ist das unmöglich. Die Kosten für die WTCC können für die meisten Procar-Fahrer nicht aufgewendet werden. Die meisten Fahrer sind Amateurfahrer und züchten ein eigenes Auto an das Reglement heran. Frank Engstler, einer der Meister der Procar, kam nur deshalb in die WTCC, weil er schon zuvor die Profischiene eingeschlagen hat.
Hans Niemann war über Jahre hinweg der Organisator der Serie, der Bernie Ecclestone der Procar. Er hat sie Meisterschaft mit einem glücklichen Händchen geführt. Seine Erfahrung wird noch heute überaus geschätzt und so war er auch in Oschersleben wieder mit vor Ort. Mit ihm sprachen wir ausführlich über die Führung einer Rennserie. Grundtenor des Gesprächs, das nicht aufgezeichnet wurde: Eine erfolgreiche Rennserie muss unabhängig von den Herstellern sein.
Die Hersteller machen Rennserien oft kaputt. Sie ziehen sich zurück, wenn ihnen danach ist – oder wenn sie die Prioritäten anders setzen. Viel entscheidender aber: Während ihrer Anwesenheit treiben sie die Budgets in die Höhe. So gesehen auch in den vergangenen Jahren in der Formel-1. Das gilt im Prinzip für alle Rennserien, auch in der Formel-3 zum Beispiel. Das ist auch ein Grund, wieso es der Serie derzeit nicht wirklich gut geht. Die beiden Motorenhersteller Mercedes und Volkswagen pumpen aus Prestige viel Geld in die Serien, Nachwuchsfahrer wenden sich ab, weil es für sie nicht finanzierbar ist, übrig bleiben Bezahlfahrer, die das Niveau des Feldes senken – aber es zumindest noch auffüllen. Viele F3-Serien müssen inzwischen mit zwölf Startern auskommen.
Ein Thema, das einhergeht mit der Herstellerproblematik ist die Auto-GP-Serie. Eigentlich, so der Grundtenor, braucht die Serie kein Mensch. Außer die Struktur im Formel-Sport würde sich grundlegend ändern, sodass es in jedem Land eine Formel-Königsklasse gibt, von der die besten Fahrer ein GP2-Cockpit bekommen. Dass das passiert, darf nicht erwartet werden: Nicht alle Länder verfügen über die gleiche Motorsport-Infrastruktur und nicht alle Länder können über gleich viele talentierte Nachwuchsfahrer zurückgreifen. Oder man betrachtet die Auto-GP-Serie als Formel-Serie für Fahrer, die aus der Formel-1 kommen, weil sie dort ausrangiert worden sind, die es nicht in die Formel-1 schaffen und ein paar Nachwuchsfahrer, die durch die Preisgelder der Serie sich für das Jahr darauf ein besseres Cockpit finanzieren möchten. Letztlich ist eine Teilnahme an der Auto-GP derzeit bedeutungslos, auch wenn sie zugegeben, immer attraktiver wird.
Die Auto-GP-Serie zeigt aber eines: Es fehlt derzeit eine klare Struktur im Formel-Sport. Gleiches passiert auch bei den Tourenwagen. Die Grenzen zwischen Touren- und Sportwagen verwaschen, die GT-Serien werden immer stärker, die nationalen Serien wollen sich selbstständig machen. Die BTCC will sich zum Beispiel von der WTCC abkoppeln. Die unklaren Strukturen deuten vor allem darauf hin, dass der Motorsport derzeit nicht gesund ist. Vom Kartsport bis zur Formel-1, von den Motorrädern bis zu den Sportwagen. Zu viele Rennserien, zu wenig technische Vielfalt, Marken-Einheitsbrei, schwindelerregendhohe Kosten, immer mehr Show statt Sport. Die Frage bleibt: Wie lange geht das noch weiter, bis sich endlich etwas ändert. Ist Beispiel der Umstieg auf Grüne Technologien eine Möglichkeit? Bisher sieht es eher so aus, als würde es dadurch weitere Rennserien geben: Formulec plant eine World Series ab spätestens 2013, der Automobilweltverband FIA ebenfalls. Solche Serien sollen dann aber vor allem mit Herstellern funktionieren.
Karikatur: Veronika Gonschorek
