| Sebastian Vettel Sebastian Vettel Lewis Hamilton Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel Jenson Button Sebastian Vettel Fernando Alonso Lewis Hamilton Jenson Button Sebastian Vettel Sebastian Vettel Sebastian Vettel Jenson Button Sebastian Vettel Sebastian Vettel Lewis Hamilton. Wenn man Probleme mit Strg+C und Strg+V lösen kann, ist es entweder Zeit, als Verteidigungsminister zurückzutreten, oder dass die Formel-1-Saison 2011 endlich endet. 19 Rennen und ein verhindertes in Bahrain. März bis Ende November. Vom letzten Frost bis zum ersten Frost. Darf man sich trauen zu sagen, dass das ein bisschen lange ist und mit der Zeit irgendwie ermüdend? Oder disqualifiziert man sich dann als Fan? Ich kann nicht anders - so sehr der Geist sich auch anstrengen mag, die Augenlider werden samstags und sonntags zwischen 14 und 16 Uhr immer schwerer, die stets gleichen Kommentare der Quatschbeilage der Fernsehstation wirken allmählich wie drei Stunden Nachrichten auf NDR Info.  Hypnotikum. Statt sich zu fragen, ob 20 Rennen pro Jahr und mehr unüberschaubare Kosten- oder Logistikprobleme schaffen, sollten sich die Macher eventuell auch fragen, ob nicht die Leute vor den Rundfunkgeräten einschlafen. Vor allem in einer Zeit, wo alles wie ein Déjà -Vu wirkt. Sebastian Vettel auf Pole, Sebastian Vettel in der Mitte des Treppchens. DRS auf, Gegner überholen, DRS zu. DRS auf, Gegner überholt zurück, DRS zu. KERS-Probleme bei Webber, Navigationsprobleme bei Petrow, Randsteinprobleme bei Massa. Gähn. Ist es nicht eher so, dass man sich spätestens nach 12, 13 Rennen fragt, was wohl die nächste Saison bringen mag? Die Silly Season beginnt doch sowieso schon im März des Vorjahres, wie soll man sich bei den Spekulationen und Gerüchten noch auf das Diesseits konzentrieren?
Das Jenseits ist doch der Mega-Trend der Formel 1 der Gegenwart. Zweitausend-X wird diese und jene technische Neuerung kommen, Zweitausend-X sind diese und jene Fahrer neu, Zweitausend-X steigt Ferrari aus, wenn dieses und jenes passiert. Wen interessiert dann noch die Gegenwart? Der Futurismus fährt mit. Neue Sensationsstrecken mit eigenem Flutlicht, Yacht-Hafen und Weltraumbahnhof, die Aussicht auf Rennen mit Weltstadt-Kulisse oder in Boom-Ländern, zumindest aber überall da, wo es Wüsten und Öl gibt. Und schließlich ein immer maßloseres Drumherum, das dem Zuschauer zu Hause im Sessel klar macht, dass er außen vor ist und niemals mehr als Fernsehzuschauer mit Cappy und Bierbauch. Im übertragenen Sinne. Kein Wunder, dass er irgendwann im Laufe des Jahres müde wird von dem Zukunftsgeplänkel und von den das Geschehen mit dem neusten Smartphone filmenden Marjellchen und Muskelprotzen auf den VIP-Rängen. Gähn.
Auf der anderen Seite ist es gar nicht schlecht, sich noch so kurz vor Weihnachten vor dem Fernseher einlullen lassen zu können, mit Kaminfeuer, Adventskeksen und Motorgeräuschen in den Ohren. Das bringt mich zu einer neuen These. Je weiter die Saison voranschreitet, je mehr Rennen es gibt und je mehr sie in den europäischen Winter hineinragen, desto mehr Pay-TV-Anschlüsse wird es geben. Es ist nämlich nicht nur so,  dass sich die Rennunterbrechungen zwischen der Werbesendung nie ändern und früher oder später immer der Gleiche (der, den man aus der Schuppenshampoowerbung kennt) gewinnt, nein, auch die Reklame ändert sich nie. Ich bin der Meinung, dass es nach acht Monaten Saison auch mal was Neues geben könnte. Mein Haus steht mittlerweile voll mit Kisten von drei verschiedenen Männerdeos, fünf unterschiedlichen Aftershaves und acht Flachbildschirmen. Ich habe zwölf Fahrspaßautos, 15 Versicherungen, Konten bei 18 Banken und 21 Flatrate-Handyverträge. Wäre es nicht Zeit für etwas Neues? Und könnte man das schon in die nächste Saison schieben?
Zurück zum Renngeschehen. Zumindest fast. Als ich neun Jahre war, ging der Kinderkanal auf Sendung und wenig später liefen schon die unsäglichen Teletubbies. Da wurde mir klar, dass ich zu alt war fürs Kinderfernsehen. Ich wollte nicht die immer gleichen primitiven Geschichten sehen und dann diese klatschenden Wesen mit Antennen auf dem Kopf hören: "Nochmal, nochmal, nochmal!". Jetzt nach an die 76 Formel-1-Stunden 2011 kann ich nicht mehr anders, als die Übertragung im deutschen Gratis-TV in diese Reihe einzuordnen. Nochmal "Auch wir machen einen kurzen Boxenstop", nochmal "Im Fußball würde man sagen", nochmal "Aus deutscher Sicht". Da kommen einem die Tränen. Durch das Gähnen. Bin ich jetzt auch zu alt für diese Sendung? Wo ich drüber nachdenke - diese Rückenschmerzen, kommen die wirklich von 76 Fernsehsesselstunden oder doch vom Alter?
Also jetzt noch eins. Ein Rennen. Noch ein paar Stunden in zwei Wochen am ersten Advent und dann ist es vorbei. Es ist ein bisschen wie eine Befreiung, sich dann auf andere Dinge konzentrieren zu können. Auf die Wintersport-Stunden vor dem Fernseher. Endlich diskussionsloser Slalom, schnöder Skisprung, gemächliches Curling. Jenseits der asiatisch-arabischen Pampa. Interviews mit süddeutschen Helden, die kein Schwein versteht. Reklamefreies Programm. Das wird schön.Â
Ihre Natalie Rusch
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