!NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler kommentiert die Fahrerpolitik von HRT.
| Hockenheim (!NS!DE-RAC!NG) - Ein Thema derzeit ist die Fahrerpolitik von HRT, dem Hispania-Team von José Ramon Carabante mit Colin Kolles als Teamchef. Bruno Senna musste in Silverstone zuschauen, Karun Chandhok in Hockenheim. Dafür fuhr und fährt jeweils Sakon Yamamoto.
Die Hintergründe dürften finanzielle sein, keine Frage. Trotzdem stellt sich die Frage, ob Teams wie HRT gute Fahrerpolitik betreiben – und die Antwort muss ja lauten. Seit 2010 gibt es wieder klassische Hinterbänklerteams. Teams wie es sie in der Vergangenheit nur zu Genüge gab. Vor allem das Minardi-Team war jahrelang ein Hinterbänklerteam, das zahlreichen Fahrern eine Chance in der Formel-1 gab. Immer wieder waren es nur Fahrer, deren Geldbeutel größer als das Talent war. Alex Yoong, Tarso Marques, Gaston Mazzacane, Zsolt Baumgartner und sie Liste könnte hier weitergeführt werden als klassische Beispiele.
Aber immer wieder brachte Minardi auch Talente hervor. Jarno Trulli, Giancarlo Fisichella, Mark Webber, aber auch Fernando Alonso seien an dieser Stelle als Beispiele erwähnt.
Vor allem die Saison 2010 zeigt doch, dass es Rookies in Hinterbänklerteams einfacher haben. Ein Vitaly Petrov lässt bei Renault sein Talent fallweise aufblitzen. Gegen Robert Kubica, einem gestandenen GP-Piloten, dem großes Potenzial nachgesagt wird, hat der Russe aber nicht den Hauch einer Chance. Es sind nur die russischen Gelder, die Petrov in der Formel-1 noch halten könnten, auch über 2010 hinaus. Würde Petrov für HRT fahren, er wäre wohl der Rookie des Jahres. Wenn Petrov jetzt sein Talent fallweise aufblitzen lässt, so wären dass in einem HRT Cosworth überraschend flotte Zeiten, etwa die Qualifikation vor einem Lotus Cosworth. Petrov würde gelobt werden, der Marktwert würde rasch steigen. Lässt er jetzt sein Talent aufblitzen, ist das immer noch deutlich schlechter als die Leistungen von Kubica.
Nachwuchsfahrer können in Hinterbänklerteams Erfahrung sammeln. Machen sie Fehler, keiner nimmt es ihnen übel. Die Autos sind oft schwierig zu bändigen, Fehler in Hinterbänklerautos fallen einfach weniger auf. Oder kann sich wirklich jemand an einen großen Schnitzer von Bruno Senna erinnern? Wohl eher nicht. Dreher oder Ausfälle von Petrov, während Kubica gleichzeitig Podestplätze errang, sind schon eher im Gedächtnis. Liefern Fahrer in Hinterbänklerteams aber starke Rennen ab, dann steigt der Marktwert. Sie kommen im folgenden Jahr für gewöhnlich in ein besseres Team und mit einem Jahr Erfahrung in der Formel-1, werden Fehler seltener, Leistungen konstanter und besser. So war es bei Alonso, so war es auch bei Webber. Und so könnte es auch bei Karun Chandhok sein. Force India wünscht sich als indisches Nationalteam freilich einen Inder im Cockpit. Bisher traute man sich nicht, Chandhok unter die Fittiche zu nehmen, zu wenig zeigte er bislang. Doch nun bei HRT wächst Chandhok in die Formel-1. Bruno Senna hat ihn weniger stark im Griff, als erwartet wurde. Chandhok leistet durchaus gute Arbeit. Weil Force India für 2011 wohl keinen Platz hat, muss Chandhok noch ein Jahr überwinden, möglicherweise wieder bei HRT. Liefert er dann ähnliche Leistungen ab, so könnte es durchaus sein, dass er 2012 bei Force India im Cockpit sitzt.
Natürlich gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele. Lewis Hamilton debütierte gleich in einem Topauto und fuhr sofort um die WM. Kamui Kobayashi stieg Ende 2009 in den Toyota und lieferte Ergebnisse, die keiner erwartet hatte. Trotzdem sind Experten überzeugt: Ein Jahr in Teams wie Minardi oder HRT, danach der langsamer Aufstieg in ein Topauto – das ist auch für den Charakter der richtige Weg. Dass HRT nun neben Senna und Chandhok auch Yamamoto eine Chance gibt, der 2006 und 2007 bei Super Aguri und Spyker unter Wert verkauft wurde, ist deshalb löblich. Ob das unbedingt förderlich für das Team ist, ist die nächste Frage. Auch Red Bull nahm sich für 2005 vor, sich bei den Fahrern im zweiten Cockpit mit Christian Klien und Vitantonio Liuzzi abzuwechseln. Ein Vorhaben, das sich bald als weniger förderlich herausstellte. Nach acht Rennen ließ man von den Plänen los.