Der Stallkrieg bei Red Bull hat nur Verlierer. !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler über den Krieg bei Red Bull und wer wieso Sympathien verliert.
| Silverstone (!NS!DE-RAC!NG) - Der Stallkrieg bei Red Bull ist das bestimmende Thema. Die Fakten: Beim Türkei GP führte Mark Webber vor Sebastian Vettel. Red Bull schickte Webber eine Runde früher als Vettel in den Benzinsparmodus, Vettel war dadurch schneller und setzte zum Überholen an. Dabei kam es zur Kollision, wobei Vettel äußerst unglücklich agierte. Statt Vettel bekam aber Webber Rügen vom Team – erstmals war von einer Bevorzugung Vettels die Rede. Seltsam auch die Strategie beim Kanada GP bei Mark Webber als er solange mit schlechten Reifen draußen gelassen wurde, bis gewährleistet war, dass der Australier nach dem Stopp hinter Vettel zurückfallen würde. Nach dem Unfall von Webber samt Überschlag in Valencia wurde das Chassis von Webber zerstört. Für Silverstone bekam er jenes Chassis, das Vettel ausrangierte, weil es angeblich nicht gescheit funktionieren würde.
Und danach die Spitze des Eisbergs, der Höhepunkt der Verstimmung, für viele der endgültige Beweis der Benachteiligung von Webber: Red Bull brachte zwei neue Frontflügel mit nach Silverstone, einer ging an Vettels Auto kaputt (ohne Schuld von Vettel). Was passierte? Red Bull schraubte den Flügel an Webbers Auto ab und gab ihn Vettel – der Streit eskalierte. Webber reagierte verständlicherweise verärgert. Nach seinem Sieg erklärte er im Boxenfunk, dass sein Sieg nicht schlecht sei, für einen Fahrer, der doch nur die Nummer zwei im Team ist. In der Pressekonferenz nach dem Rennen ärgerte er sich darüber, dass er den Vertrag mit Red Bull verlängert hat. Das wäre nicht passiert, wenn er gewusst hätte, wie er behandelt werden würde. Schließlich auf seiner Homepage beschrieb er noch, wie süß der Sieg doch in Anbetracht der Geschehnisse gewesen sei.
Woher die Bevorzugung Vettels kommt, ist auch klar: Er ist ein Fahrer aus dem Red-Bull-Nachwuchskader und damit ein Fahrer, mit dem sich Red Bull mit ihrem F1-Programm identifizieren kann. Webber dagegen ist nur ein Fahrer, den man verpflichtet hat, um für das F1-Team von Red Bull zu fahren. Dagegen hat Webber kaum eine Verbindung vorzuweisen, lediglich, dass er mit seinem Teamchef Christian Horner zusammen ein GP3-Team führt. Dahinter steckt aber das Arden-Team, das Horner zwar gehört, das aber auch in der GP2 längst nicht mehr nur von Horner geleitet wird.
Die Sympathien in der Öffentlichkeit liegen klar auf der Seite von Webber – verständlicherweise. Das Image von Sebastian Vettel leidet. Aber es ist bei weitem nicht das einzige Image, das leidet. Eigentlich gibt es nur Verlierer, wenn man die Rollen der einzelnen betrachtet:
Teamchef Christian Horner: Er widersetzte sich dem Wunsch von Webber, dessen Renningenieur Ciaron Pilbeam mit auf das Treppchen in Silverstone zu nehmen. Danach vereinbarte er ein Treffen nach dem Silverstone-Wochenende, bei dem er erreichte, dass Webber auf dessen Homepage eine kleine Entschuldigung platzierte. Darin stand geschrieben, die Vorkommnisse seien geklärt, er selbst hätte etwas überreagiert und das alles passiere im Eifer des Gefechts. Tatsächlich ist daran nichts dran. Denn man will nur öffentlich den Eindruck erwecken, im Team herrsche Frieden. Tatsächlich ist Horner stinksauer auf Webber, dass er öffentlich derart gegen das Team wettert, es ist auch eine Art Vertrauens- und nicht zuletzt Vertragsbruch. Dabei gießt auch Horner immer wieder selbst Öl ins Feuer. Jetzt fordert der ehemalige F3000-Pilot beispielsweise, dass das Teamorderverbot überarbeitet werde und erklärte nebenbei, dass man freilich in Zukunft mehr auf Vettel setze – das ergebe sich bereits aus dem Alter der beiden Fahrer (Vettel 23, Webber 33). Seine Argumentation, die den Flügeltausch rechtfertigen sollte, ist holprig und geht von „der neue Flügel bringt eh nichts“ bis zu „Vettel liegt halt in der WM vorne“ (eigentlich fast gleichauf). Horner wirkt als Teamchef alles andere als souverän, eher als Marionette des Red-Bull-Konzerns und damit von Dr. Helmut Marko.
Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko: Der Österreicher, selbst GP-Rennfahrer mit BRM in den 70er Jahren, ist der absolute Buhmann des Teams. Er ist die rechte Hand von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz und damit der eigentliche Entscheidungsträger im Team. Darüber hinaus managt er den Nachwuchskader von Red Bull. Er spart nicht an Kritik gegen Webber, so gut wie in jeder Situation und das recht deutlich. Egal, ob nach der Kollision in der Türkei, oder auch jetzt beim Flügelstreit in Silverstone. Die Sympathien von Marko sind überall gleich null.
Mark Webber: Auch sein Image leidet. Denn Webber schweigt sich nicht aus, sondern plaudert unbedacht aus dem Nähkästchen und verhält sich damit nicht wirklich professionell. Einen Kommentar wie „nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer“ ist okay, aber irgendwann sollte auch mal Schluss sein. Das ist bei Webber aber erst der Fall, wenn bei einer Teamsitzung kräftig auf den Tisch gehauen wird.Â
Sebastian Vettel: Er ist der Verlierer schlechthin. Die Sympathien kann er jedenfalls nicht auf sich ziehen, vor allem, wenn er nach dem Rennen auch noch arrogante Interview gibt, in denen er erklärt, der Flügeltausch sei eine absolut richtige und logische Entscheidung gewesen und wann immer Webber schneller gewesen war, hätte es dafür auch triftige Gründe gegeben. Wenn er in Interview erklärt, dass er jetzt das wahre Gesicht von Webber kenne und eine gewisse Abneigung ihm gegenüber zum Ausdruck bringt. Ein weiteres Problem für Vettel: Gewinnt er die Weltmeisterschaft, dann werden Medien dessen Wert durch die Bevorzugungen senken. Zyniker erklären: Sein Spitzname Baby-Schumi (eigentlich in Ahnlehnung an seinen hervorragenden Leistungen) erhält nun eine ganz andere Bedeutung (auch Schumacher steht für teaminterne Bevorzugung und eine gewisse Arroganz).