Kommentar: F1: Testverbot gut
Geschrieben von: Michael Zeitler   
Sonntag, 08. August 2010 um 12:00

Kommentar: F1: Testverbot gut

von Michael Zeitler

Wird das Testverbot wieder gelockert? !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler erklärt, wieso das keine gute Idee wäre.  

| Budapest (!NS!DE-RAC!NG) - Soll das Testverbot gelockert werden oder nicht? Die Frage wird unter den F1-Insidern derzeit heiß diskutiert. Sechs Rennställe stimmen für ja, die anderen sechs für nein. Dass es sich bei den sechs Befürwortern um die großen Rennställe handelt, braucht nicht extra erwähnt zu werden.

Michael Schumacher hat beim Comeback größere Probleme als erwartet und schiebt das auch auf das Testverbot. Der Rekordweltmeister gibt zu Bedenken: „Wenn wir Teile an den Start bringen, die nicht funktionieren und wir die dann wegwerfen müssen, dann ist das auch teuer.“ Das stimmt, aber ob die Teile nun an den Rennwochenenden getestet werden und danach verworfen werden, weil die Ergebnisse aus den Computer-Simulationen und Windkanälen nicht mit den Ergebnissen auf der Strecke übereinstimmen, oder ob sie nach einem langen Testtag im Müll landen – die Kosten bleiben diesbezüglich die selben. Nur ist das Testen auch teuer.

Ein anderes Argument pro Lockerung: Für junge Fahrer wird es schwieriger in der Formel-1 Fuß zu fassen. Rookies wie Nicolas Hülkenberg und Vitaly Petrov kommen erst jetzt richtig in Schwung, weil sie sich durch mangelnde Testmöglichkeiten nicht richtig auf die Formel-1 einschießen können. Auch das stimmt, aber daran wird gearbeitet. Die Rookie-Tests am Ende der Saison in Abu Dhabi sind keine Lösung, die Idee von Anthony Hamilton schon: Der Vater von Lewis will eine Organisation ins Leben rufen, die GP-Renner für Nachwuchsfahrer aufbereitet und ihnen damit F1-Tests anbietet. Freilich besteht dabei auch das im Motorsport grundsätzliche Problem, dass Fahrer mit einem großen Geldbeutel und noch mehr Inhalt wieder einen Vorteil haben.

Was aber gegen eine Lockerung des Testverbots spricht ist ein Argument, das vor allem in der aktuellen Saison richtig aufblüht: Die Techniker sind wieder wertvoll. Techniker mit raffinierten und genialen Ideen werden belohnt. Ohne die Testfahrten können die Teams neue Teile nicht so einfach nachbauen, ein Vorteil durch gelungene Konstruktionen ist dementsprechend größer. 2010 gab es davon schon eine ganze Menge: McLaren führte zu Beginn der Saison den F-Schacht ein. Das System leitet die Luft durchs Cockpit und strömt damit den Heckflügel besser an. Der Fahrer kann den Luftfluss im Cockpit außerdem durch sein Bein steuern. Vor allem die Höchstgeschwindigkeiten sind dadurch höher.

Red Bull führte 2010 außerdem den so genannten angeblasenen Diffusor ein. Dabei lässt man die Luft der Auspuffgase mit dem Luftstrom leiten und erzeugt damit mehr Abtrieb im Heckbereich. Die Erfindung ist deshalb so knifflig, weil das Auto dafür eigens konstruiert sein muss. Die Auspuffgase sind nämlich äußerst heiß und verbrennen bei einem solchen System möglicherweise wichtige Stellen. Genau aus diesem Grund musste Mercedes ihr nachgebautes System für Hockenheim bereits nach dem Rennen wieder ausbauen.

Und dann gibt es auch die Frontflügel, die nun in der Diskussion stehen und ebenfalls eine Red-Bull-Erfindung sind. Technik-Guru Adrian Newey hat eine Methode gefunden, wie der Frontflügel sich bei voller Fahrt Richtung Boden bewegt und damit mehr Abtrieb erzeugt, also eine bessere Bodenhaftung. Wie das System funktioniert, weiß noch nicht einmal die Konkurrenz. Fast eine Sekunde soll der Vorteil bringen.

Dank des Testverbots sind Newey und Konsorten gefragter und wichtiger denn je. In der Formel-1, wo es auch besonders um die Technik geht, ist schon allein das ein Grund, wieso das Testverbot bestehen bleiben soll und sich das Testen auf den Winter beschränken soll. Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente, eines ist sicherlich die Gefahr, dass die Formel-1 jetzt nach der Krise wieder die gleichen Fehler macht, wie vor der Krise, indem man die Kosten ins Uferlose wachsen lässt. MZ