!NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler findet tatsächlich eine Parallele vom 24-Stundenrennen von Speinshart zur Formel-1.
| Speinshart (!NS!DE-RAC!NG) - Auch wenn der WM-Stand so deutlich nicht für Red Bull ausfällt: Das Team des österreichischen Getränkeherstellers stellt das schnellste F1-Auto der Saison 2010. Und seit dem Auftakt in Bahrain werden dem Team Schummeleien vorgeworfen. Erst sollte der Unterboden sich im Qualifying absenken und damit flexibel, also verboten sein. Nun sind es die Flügeln, die nicht regelkonform sein sollen und eigentlich stand schon fast jedes Teil des Red Bull Renault RB6 unter Verdacht, mindestens an der Grenze des Reglements zu sein. Die Verdachtsmomente gibt es vor allem seitens McLaren.
In der Formel-1 ist das normal. Die F1-Geschichte ist voll von illegalen Teilen, falschen Beschuldigungen, Gerichtsverhandlungen und Schummeleien. In jedem Jahr gibt es mindestens einen mittelschweren Skandal. Für die einen mag das lächerlich sein, für die anderen sind gerade solche Diskussionen auch reizvoll und wieder andere ärgern sich zwar drüber, zeigen aber durchaus Verständnis. Immerhin geht es in der Formel-1 nicht nur um Sport und Show, sondern vor allem um ganz viel Geld. Hunderte von Millionen Euro, Dollars und sonstige Währungen werden in der Formel-1 gebraucht, wieder ausgeschüttet, verbraten und wieder verdient. Der Sieg ist eigentlich Pflicht.
Doch Streitereien, das gibt es im Motorsport nicht nur in der Formel-1. Selbst beim 24-Stundenrennen von Speinshart, das am vergangenen Wochenende stattfand, gab es viele hitzige Diskussionen. Bei diesem Mofacross-Rennen steht eigentlich der Spaß im Vordergrund, freilich auch gepaart mit Ehrgeiz. Doch das Siegerteam Bergmafia Racing, das zum dritten Mal in Folge gewinnen konnte, steht nach der durch den Regen verursachte Schlammschlacht heftig unter Beschuss: In der letzten Stunde vor dem Rennen fuhr das Team um die Fahrer Andreas Kümmel, Andy Grünwald und Florian Gradl an die Box, denn der Vorsprung auf die Verfolgerteams war groß genug. Doch nun folgen Anschuldigungen: Man fuhr nur deshalb an die Box, weil man das Moped wieder regelkonform zurückbaute. Im Blickpunkt stehen vor allem die Zündanlagen. Im Reglement 2010 sind erstmals Unterbrecherzündungen vorgeschrieben, bei dem nassen, schlammigen und katastrophalen Bedingungen wären elektrische Zündanlagen aber freilich die bessere Wahl gewesen – aber verboten. Der Verdacht, der nun im Raum schwebt: Die Zündanlage wurde in der letzten Stunde wieder gewechselt, im Rennen aber wurde mit einer elektrischen Zündanlage gefahren.
Bewiesen werden können die Anschuldigungen nicht. Das Gegenteil kann aber auch nicht beweisen werden. Ein fader Beigeschmack bleibt. Eigentlich gibt es in Speinshart auch unter den Teams Hilfe und Unterstützung so weit es möglich ist. Doch am Ende ist der Neid gegenüber den Siegerteams doch groß. Dabei sollte man diesen eher Respekt zollen, denn so hart wie 2010 war das Rennen noch nie.
Auch in der Formel-1 sind die Anschuldigungen oft purer Neid. Oder, wie jetzt im Fall McLaren, die an der Legalität der Red-Bull-Frontflügel zweifeln, der Versuch, das Konzept, das dahinter steckt besser zu verstehen. Denn McLaren gab zu, nicht zu verstehen, wie Red Bull es schafft, dass sich die Frontflügeln bei hohen Geschwindigkeit so weit zum Boden neigen, dass sie deutlich mehr Abtrieb erzeugen. Immerhin soll der Vorteil daraus fast eine Sekunde pro Runde betragen! Es ist eben wie überall im Sport: Man gönnt nur sich selbst den Erfolg – und so soll es ja auch sein. Das ist Ehrgeiz und in Maßen auch wichtig und richtig.