Kommentar: F1: Fahrer Weicheier?
Geschrieben von: Michael Zeitler   
Sonntag, 22. August 2010 um 09:55

Kommentar: F1: Fahrer Weicheier?

von Michael Zeitler

!NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler erklärt, wieso die F1-Fahrer nicht weniger Weichei sind wie Valentino Rossi.  

| Ingolstadt (!NS!DE-RAC!NG) - Michael Schumacher verschob sein F1-Comeback von Sommer 2009 auf die Saison 2010, weil sein Nacken schmerzte. Immer wieder paussieren F1-Fahrer, weil sie nach Unfällen leicht verletzt sind. In der Motorrad-Weltmeisterschaft ist das anders: Mit Krücken humpelte Valentino Rossi bei seinem Comeback im Sommer zu seiner Yamaha, die Mechaniker mussten ihn auf seine Bike heben. Und im Rennen wurde Rossi Vierter.

Wer glaubt solche Beispiele finden sich nicht auch im GP-Sport, der irrt: Beim Schweiz GP 1934 gab Manfred von Brauchitsch sein Comeback, nach dem er sich zuvor in Deutschland mehrere Rippen brach. Dabei musste der Deutsche aber in den Mercedes Benz gehoben werden, sein Rücken wurde außerdem mit einem Kissen stabilisiert. Beim Tschechoslowakei GP 1935 machte Hans Stuck eine kurze Pause, nachdem ihm ein Vogel ins Gesicht flog. Die Ärzte versorgten das blutige Auto, danach setzte sich der Deutsche wieder in seinen Auto Union und fuhr weiter. Beim Deutschland GP 1936 brach sich Mercedes-Benz-Pilot Hermann Lang beim Schalten (!) den Finger, wurde kurz von den Ärzten behandelt und raste danach weiter. Beim Frankreich GP 1939 ging beim Boxenstopp der Auto-Union-Bolide von Georg Meier ähnlich in Feuer auf, wie 1994 beim Deutschland GP der Benetton Ford von Jos Verstappen. Trotz heftiger Brandwunden am Arm fuhr Meier das Rennen weiter, hielt den verbrannten Arm in den Fahrtwind und steuerte mit dem anderen seinen Renner noch auf den zweiten Platz!

Doch auffallend: All diese Geschichten, und solche könnte man hier noch einige schildern, passierten in den 30er Jahren. Heute ist das nicht mehr vorstellbar. Beim Holland GP 1973 scheiterte Emerson Fittipaldi, als er mit einem von einem Trainingsunfall verstauchten Fußgelenk versuchte im Rennen zu starten: Nach einigen Runden gab der Lotus-Ford-Fahrer auf. Johnny Herbert ging 1989 im Fahrerlager noch mit Krücken, nach seinem schweren Crash 1988 in der Formel-3000 in Brands Hatch. Im Rennauto waren die Schmerzen aber offenbar kein Problem.

Sind die F1-Fahrer von heute also verweichlichter als damals? Natürlich nein! Weder am Motorrad, wie im Fall von Rossi, noch in den GP-Boliden der 30er Jahren traten derartige Querbeschleunigungen (teilweise das Fünffache des Körpergewichts!) auf, wie in einem modernen F1-Auto. Die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden ist deutlich höher, die Versicherungen sind penibler als damals. Heute geht es auch um eine Menge Geld, und die Justiz hat inzwischen mehr als nur ein Auge darauf. Früher waren außerdem Verletzungen noch deutlich häufiger der Fall, die Sicherheit der Boliden noch deutlich schlechter. Wenn ein Fahrer bei jedem Wehwehchen ausgesetzt hätte, er wäre kaum zum Fahren gekommen. Und dafür waren die Preisgelder zu verlockend.