Die bisherigen Entscheidungen auf dem Transfermarkt werden von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler begrüßt.
| Silverstone (!NS!DE-RAC!NG) - Das populärste Thema ist derzeit die F1-Fahrerbesetzungen für die kommende F1-Saison. Dabei kommt es vielmals zu Kritik: Wieso haben Fahrer wie Felipe Massa, Jarno Trulli oder Mark Webber weiterhin ihren Platz? Wieso kommen alte Fahrer wie Pedro de La Rosa, Michael Schumacher oder Kimi Räikkönen zurück? Wieso gibt es viel zu viele Bezahlfahrer? Und was ist eigentlich mit den jungen Talenten?
Doch schaut man sich die Fahrerpaarungen im Detail an, so stellt man fest: Das Fahrerfeld 2012 hat es in sich! Bei Red Bull steht Weltmeister Sebastian Vettel freilich nicht zur Diskussion. Mark Webber schon eher. Doch wer weiß, was das wirkliche Potenzial des Australiers ist? Die starke Saison 2010? Oder die schwache 2011? Selbst 2011 hatte er ja doch einige gute Ansätze. Ganz offensichtlich hatte er mit den neuen Pirelli-Reifen seine Probleme. Man muss Webber schon noch einmal eine Chance geben. Vor allem, weil Red Bull beide Titel geholt hat, es besteht also eigentlich kein Bedarf an Experimenten – etwa mit Jaime Alguersuari oder Sébastien Buemi. Die beiden haben bei Toro Rosso, dem Red-Bull-B-Team hart gegeneinander gekämpft, oft auf und abseits der Strecke. Teamgeist entwickelten beide nicht, nicht unbedingt des Charakters wegen, eher der harten Konkurrenzsituation bei Toro Rosso geschuldet. Aber Red Bull braucht keinen Unruhestifter. Harmonie unter den Fahrern ist wichtig, sonst erlebt Red Bull ein zweites 2010, als sich Webber und Vettel über die Vorfahrt auf der Piste nicht immer einig waren. Andererseits ist es auch eine Tatsache, dass Webber den Red-Bull-Juniorenfluss verstopft. Wenn Webber 2012 wieder so deutlich gegenüber Vettel abfällt, dann muss Red Bull handeln. Sofern Daniel Ricciardo oder Jean-Eric Vergne bei Toro Rosso überzeugt.
Auch an der McLaren-Fahrerpaarung gibt es nichts zu rütteln. Die Paarung aus Jenson Button und Lewis Hamilton gilt als die beste im Feld – und das nicht nur, weil beide schon einmal Weltmeister waren.
Fernando Alonso ist bei Ferrari ebenfalls fest im Pferdesattel. Über Felipe Massa gibt es dagegen schon Diskussionen. Die letzten zwei Jahre zusammengefasst: Der Satz mit X – das war wohl nix… Und hier vermisse ich tatsächlich eine Änderung: Sergio Perez oder wie jetzt spekuliert wird, Adrian Sutil, hätten eine Chance im Ferrari verdient gehabt.
Bei Mercedes gibt es eigentlich auch keine Diskussion. Viele sind noch immer vom Comeback von Michael Schumacher enttäuscht. Die Quali-Leistung ist in der Tat dürftig. Doch die Rennpace war nicht selten schneller als die seines Teamkollegen Nico Rosberg. Zugegeben, Paul di Resta wäre eine Option wert gewesen. Aber eine zweite Saison bei Force India tut dem Schotten sicherlich nicht schlecht.
Damit sind wir außerhalb der Topteams – und damit dort, wo sich das Transferkarussell für 2012 auch abspielt. Dort, wo es also die Kritik bei den Fahrerentscheidungen gibt. Das Ex-Renault-Team Lotus hat zum Beispiel beide Fahrer ausgewechselt. Doch ist ein ehemaliger F1-Weltmeister im besten Rennfahreralter nicht besser als ein Vitaly Petrov? Oder ein GP2-Meister Romain Grosjean als Bruno Senna? Natürlich wird Räikkönen Zeit brauchen, sich in der Formel-1 einzugewöhnen. Aber das wird leichter gehen, als bei Michael Schumacher. Die Vorzeichen sind ganz andere, ich hatte darüber schon einmal einen Kommentar abgegeben. Und natürlich bekam Grosjean das Cockpit bei Lotus, weil deren Sponsor Total unbedingt Grosjean haben wollte. Doch wenn man ruft, man solle doch den jungen Nachwuchsfahrern eine Chance geben, wer ist dann damit gemeint, wenn nicht der amtierende GP2-Meister, als der Meister der zweiten Liga? Zugegeben: Sein F1-Gastspiel 2009 war nicht überzeugend, aber Grosjean ist einen harten Weg gegangen, er hat sich zurückgekämpft. Und sich damit seine zweite Chance verdient.
Bei Force India muss man sich fragen, wieso Nicolas Hülkenberg anstelle von Adrian Sutil befördert wurde. Sutil war in den vergangenen fünf Jahren ein wesentlicher Bestandteil des Teams. Und er zeigte bis zuletzt gute Leistungen. Er ließ sich weder von den Debatten um die Handgreiflichkeiten in der Disco in China aus der Ruhe bringen, noch von Rookie Paul di Resta, der zu Beginn völlig überraschend stärker als Sutil war. Das alles machte Sutil stärker, er kämpfte sich zurück und drehte das Duell wieder. Nichtsdestotrotz: Das Potenzial von Di Resta ist unverkennbar. Ihn zu halten, ist wenig überraschend. Auch Hülkenberg ist kein Nasenbohrer: Er stellte den Williams Cosworth beim Brasilien GP 2010 unter schwierigen Bedingungen auf Pole Position. Das Argument, nur Fahrer mit Geld bekommen heute die F1-Cockpits, ist mit der Beförderung von Hülkenberg widerlegt. Sutil würde weit mehr Geld mitbringen, als es Hülkenberg tut. Es müssen also wohl doch die Trainingsleistungen im Force India Mercedes gewesen sein, die Force India zu seiner Beförderung bewegt haben. Damit ist der Fahrerwechsel auch gerechtfertigt. Man darf hoffen, dass Sutil nun bei Williams unterkommt.
Sauber behält Kamui Kobayashi und Sergio Perez. Trotz der kleinen Schwierigkeiten von Kobayashi: Applaus für diese Entscheidung.
Toro Rosso befördert Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne. Geld spielt hier keine Rolle, dafür werden zwei aufstrebende Nachwuchsfahrer verpflichtet – wo kann hier die Kritik sein?
Williams behält Pastor Maldonado, der gewiss Geld mitbringt, doch erstens steht das zur Debatte (und zwar in einer politischen Debatte in Venezuela, wir haben darüber ausführlich und hintergründig berichtet) und zweitens war der Venezuelaner in der Summe wohl zumindest nicht schlechter als GP-Nimmersatt Rubens Barrichello. Holt sich Williams nun Sutil oder behält Barrichello, dann ist auch diese Fahrerpaarung in Ordnung. Bessere Alternativen hätte es nicht gegeben. Außer der Deal mit Kimi Räikkönen hätte geklappt.
Caterham behält Heikki Kovalainen. Der Finne sagt selber: Er fährt jetzt besser als zu seiner McLaren-Zeit. Man darf das unterstreichen. Jarno Trulli hatte gewiss Schwierigkeiten. Über seine Weiterbeschäftigung darf man sich tatsächlich streiten. Aber wenn, dann hätte er durch eine wirklich bessere Alternative ausgetauscht werden müssen. Vielleicht Jules Bianchi zum Beispiel.
HRT holt Pedro de La Rosa zurück – für ein Hinterbänklerteam wie HRT ist ein guter und erfahrener Entwicklungsfahrer, der noch dazu wie das Team Spanier ist, die perfekte Wahl. Kommt jetzt noch Jaime Alguersuari oder Vitaly Petrov, dann hat HRT eine schlagkräftige Wahl getroffen.
Marussia hat mit Timo Glock einen Fahrer, den man eigentlich nicht verdient hat. Der Deutsche darf also nicht zur Diskussion stehen. Mit Charles Pic ermöglicht man außerdem einen jungen Nachwuchsfahrer die erste F1-Chance. Natürlich war auch Jérôme D’Ambrosio nicht schlecht, aber Pic zeigte mit einer Reihe von Pole Positions in der GP2 seinen Speed – und er hat Geld, dass das Team unbedingt braucht.