!NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler blickt am Neujahrestag auf das alte und neue Jahr.
| Mayen (!NS!DE-RAC!NG) - Zugegeben, meine Stimmung hat sich gebessert. Zu Beginn der Saison 2011 war ich besonders von der Formel-1 enttäuscht: Zu viel Show, zu wenig Sport. Dazu die uneinholbare Dominanz des Red-Bull-Teams, noch dazu mit einem zum Vergleich der Saison 2010 langsamen Mark Webber. Dann kam eine Reihe von GP-Rennen, bei denen einige das Potenzial haben, ein Klassiker zu werden. Der Kanada GP vor allem, aber auch der Italien GP war ein Rennen vom Feinsten. Es waren ausgerechnet auch die Rennen, die erstens wenig von Showelementen wie DRS oder den schnell abbauenden Pirelli-Reifen geprägt waren und zweitens auch der Bühne historischer Strecken stattgefunden haben.
Der Motorsport hat sich seit dem Beginn dieser Sportart Ende des 19. Jahrhunderts ständig gewandelt, wohl mehr als jede andere Sportart. Das ist freilich damit begründet, dass nicht nur der Sportler, sondern auch die Technik (das Auto) eine zentrale Rolle einnimmt. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass wir nach heutigem Technikwissen keine freie Entwicklung bei den Fahrzeugen aus Sicherheitsgründen zulassen können – ein Bereich, der besonders in den 70er Jahren von großer Bedeutung und großem Interesse war. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass die zentrale Rolle des Motorsports Unterhaltung ist, weniger der Sport an sich. Vielleicht erleben wir nur eine von vielen Ären, eine, die auch wieder beendet werden kann.
Es gibt auch nach wie vor Gründe, dranzubleiben. Wir werden 2012 eine besondere Saison erleben. Dann gehen nämlich sechs verschiedene F1-Weltmeister auf Titeljagd. Wir haben ein Feld, in dem der älteste und der jüngste Fahrer etwa 20 Jahre voneinander getrennt sind. Wir erleben wieder ein Wettrüsten an der Spitze und auch wenn es kaum Veränderungen im Reglement geben wird: Red Bull muss sich mindestens vor McLaren in Acht nehmen. Es wird auch 2012 wieder individuelle Geschichten um die zahlreichen Sportler und Teilnehmer geben. Wir werden neue Stars heranwachsen und ältere Fahrer vielleicht in eine neue Rolle hineinwachsen sehen.
Der Motorsport steht in den nächsten zwei bis drei Jahren vor einer neuen Ära, die Ökoära. Wir werden 2012 die ersten V6-Turbo-F1-Motoren laufen hören/sehen, wir werden die Weiterentwicklung der Elektro-Formel-Rennwagen sehen, wir werden ein völlig neues Rennauto beim 24-Stundenrennen von Le Mans als zukunftstechnologischer Gaststarter sehen. Und wir werden wieder einige aufregende Geschichten miterleben, die sich in das lange, abwechslungsreiche und umfangreiche Geschichtsbuch reihen werden. Motorsport wird weiter komplex und interessant bleiben.
Das Gute: Die Saison 2012 hat mit dem heutigen 1. Januar 2012 begonnen. Im Januar steht unter anderem die berühmte Wüstenrallye Dakar an, Ende Januar startet mit der i1-Serie eine neue und eventuell recht interessante Meisterschaft in Indien, an der viele ehemalige F1-Stars wie Jacques Villeneuve oder Heinz-Harald Frentzen teilnehmen werden. Im Februar gibt es die neuen F1-Rennwagen und die ersten F1-Tests für die Saison 2012, die dann ab März in ihre 63. Saison geht.