Kommentar: F1: Die Williams- und HRT-Kandidaten
Geschrieben von: Michael Zeitler   
Sonntag, 15. Januar 2012 um 12:49

Kommentar: F1: Die Williams- und HRT-Kandidaten

von Michael Zeitler

!NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler würde die restlichen Cockpits so aufteilen...

| Grove (!NS!DE-RAC!NG) - Noch immer haben zwei F1-Cockpits keinen Lenker. Williams muss den Platz neben Pastor Maldonado noch vergeben, HRT jenen neben Pedro de La Rosa. Während die Teams hektisch am Arbeiten sind, die Lichter in den Werkshallen kaum ausgehen und fieberhaft in der finalen Phase die letzten Arbeiten an den neuen Rennwagen vorgenommen werden, gibt es für Journalisten noch die Ruhe vor dem Sturm. Deshalb kann man auch selbst mal träumen und Teamchef spielen. Wen würde also ich für 2012 verpflichten, wenn ich Frank Williams oder Luis Perez-Sala wäre?

Bei Williams gibt es drei Kandidaten: Adrian Sutil, Rubens Barrichello und Bruno Senna. Zwar wird speziell in Russland auch Vitaly Petrov immer wieder als Kandidat genannt, doch man darf davon ausgehen, dass Frank Williams zwischen diesen drei entscheiden wird. Schauen wir uns die Kandidaten mal an: Sutil hat 2011 Steher- und Nehmerqualitäten bewiesen. Von einem Rookie zunächst vorgeführt, dazu private Probleme nach einer Rauferei in einer chinesischen Disco. Von einem Neuling entzaubert zu werden, das setzt einen schwer zu. Die meisten werden noch die Geschichten aus der Saison 2007 lebendig in Erinnerung haben und damit auch die Tatsache, wie Fernando Alonso damit umgegangen ist, dass er als amtierender Doppelweltmeister vom GP-Einsteiger Lewis Hamilton beinahe entthront wurde. Natürlich: Alonso hatte damals in einem Topteam wie McLaren und als Weltmeister eine ganz andere mediale Aufmerksamkeit, stand viel deutlicher im Rampenlicht, als das 2011 bei Sutil und Paul di Resta der Fall war. Dennoch: Sutil kam damit besser zurecht, ließ sich nicht auf schmutzige Spielchen ein und drehte das Duell auf der Strecke wieder zu seinen Gunsten. In den letzten Rennen hat Sutil nochmals allen gezeigt, was er kann – und dass er eigentlich einen Platz in der Formel-1 verdient hätte. Sutil: Er ist der viel versprechendste Fahrer im Trio um das Williams-Cockpit. Der Haken: Sutil muss sich Ende Januar wegen des Disco-Zwischenfalls in China vor Gericht verantworten. Dass Williams die Fahrerentscheidung hinauszögert, könnte für Sutil sprechen. Williams wartet vielleicht den Prozess ab.

Nicht immer argumentieren Verstand und das Herz gleich. Die Vernunft spricht für Sutil, das Herz spricht bei mir aber für wen ganz anders. Sicherlich: Als Fan der unglaublichen Geschichte unseres Sports wäre es schön, Bruno Senna 2012 bei Williams zu sehen. Sein Onkel Ayrton Senna verstarb 1994 in einem Williams Renault – Bruno Senna könnte in einem Williams Renault das zu Ende bringen, was Ayrton wegen seines Unfalltods nicht mehr geschafft hat: Den WM-Titel mit Williams. Doch diese Argumentation hat Ecken und Kanten: Williams als potenzielles WM-Team? Das war einmal. Bruno mit dem Talent von Ayrton? Bei HRT und Renault ist er den Beweis dafür schuldig geblieben.

Nein, nein. Das Herz spricht in meinem Falle für Rubens Barrichello. Der Brasilianer ist schon gefahren, als Ayrton noch fuhr – und fährt jetzt noch, als Bruno schon in der Formel-1 fährt. Barrichello würde 2012 seine 20. F1-Saison bestreiten. Barrichello hat uns schon 19 Jahre begeistert, es wäre fair, die 20 noch voll zu machen. Der sympathische Mann hätte einen würdigen und tollen Abgang verdient – nach einer so langen Zeit. Es ist aber nicht nur das Herz, das für Barrichello spricht. Es gibt auch ein paar rationale Argumente pro Barrichello. Zum Beispiel, dass Williams technisch vieles umgebaut hat für 2012 und man deshalb gut geraten wäre, bei den Fahrern auf Konstanz zu setzen. Barrichello hat darüber hinaus ein enormes technisches Wissen alleine durch seine Erfahrung. Er gilt als Spezialist für das Finden des richtigen Setups.

Bei HRT gibt es vor allem zahlende Bewerber. Guido Van der Garde, Narain Karthikeyan, Jérôme D’Ambrosio und Vitaly Petrov. Ich würde Petrov bevorzugen. Denn: neben seinen Sponsorengeldern bringt er durchaus auch Talent mit. Petrov hat bei Renault gezeigt, dass er Talent hat, das aber auch noch reifen muss. Seine hohe Fehlerquote aus der Saison 2010 hat er 2011 abgelegt, nun fehlt noch der Speed etwas. Petrov hat aber in seinen zwei Jahren schon bei einigen Rennen begeistert: Mit seinem Duell gegen Lewis Hamilton in Malaysia 2010, als Hamilton Zick-Zack fuhr, um Petrov aus dem Windschatten abzuschütteln, mit seinem dritten Platz beim Australien GP 2011, mit seiner Coolness beim Abu Dhabi GP den WM-Anwärter Fernando Alonso hinter sich zu halten – Petrov hätte noch eine Chance verdient.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren