Jahresrückblicke: Happy End am Ende des Jahrzehnts
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Samstag, 02. Januar 2010 um 13:41

Jahresrückblicke: Happy End am Ende des Jahrzehnts

von Roland Schäfges

Er war das letzte Jahrzehnt ganz unten und er war ganz oben. Er hat diese Epoche genauso geprägt wie andere Rennfahrer dieser Zeit. Auch wenn nicht jedes Versprechen in Erfüllung ging, so erfüllte er sich am Ende selbst einige Wünsche.


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Mayen (!NS!DE-RAC!NG) - Er zählte zu den drei Muskeltieren, welche 1997 im Rahmen einer besonderen Aktion entstanden sind. Wie bereits bei den legendären Vorbildern bei BMW mit Marc Surer, Manfred Winkelhock und Eddie Cheever  sowie bei Mercedes-Benz mit Michael Schumacher, Karl Wendlinger sowie Heinz-Harald Frentzen bzw. Fitz Kreuzpointer plante der Kölner TV-Sender RTL, in Person von Schumacher-Freund Willy Knupp in Zusammenarbeit mit Hans-Peter Kaufmann und dem damaligen Benetton-Teamchef Flavio Briatore ein Förderprogramm für Nachwuchspiloten. Verantwortlich war für die Junioren des „Benetton RTL Junior Teams“ Jochen Neerpasch. Dieser war Federführend  bereits als damaliger Rennleiter von Mercedes-Benz bzw. BMW aktiv.

Die ausgewählten Fahrer, es waren Timo Scheider, Dominik Schwager und Alexander Müller verfolgten einen drei Jahresplan. Einer der drei Nachwuchspiloten sollten die damalige deutsche Formel 3 Meisterschaft 1998 gewinnen um anschließend 1999 in die Formel 1 einzusteigen.

Der deutsche Meister hätte sogar einen Vertrag als Stammfahrer für die 1999 Formel-1-Saison bei Benetton-Playlife erhalten.

Und heute?

Zweitausendacht! Der Hauptakteur dieser Geschichte  wäre, man will sagen „endlich“, deutscher Rennsportmeister… Hätte sein Titel noch den nationalen Meisterschaftsstatus. Einen Titel, welchen es im deutschen Motorsport gar nicht mehr gibt. Zweitausendneun! Titel verteidigt… Den Pokal des so genannten „DTM-Champions“ wurde verteidigt. Er ist am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere.

Dazwischen liegt eine ganz besondere Karriere, eines ganz besonderen Menschen. Die Karriere des am 10. November 1978 geborenen, in Braubach bei Koblenz aufgewachsenen und heute im österreichischen Lochau bei Bregenz lebenden Familienvater Timo Scheider.  

1989 begann er seine Karriere im Kartsport in Mayen, bis er 1995 in die Formel Renault Deutschland einstieg, dessen B-Wertung (1995) sowie A-Wertung (1996) er überzeugend gewinnen konnte.

Nach dem Vizetitel in seiner ersten Formel 3 Saison 1997 im Team von KMS, folgten jedoch Gesamtergebnisse, welche große teile des ganzen Jahrzehnts widerspiegeln sollten und kaum dem Talent Scheiders zuzusprechen wären. So erreichte der für den AC Mayen startende Pilot, in den Jahren 1998 und 1999 nur die Plätze 8 und 6.

Beginn der Profi-Karriere:

Mit beginn des neuen Jahrtausend wechselte der Dallara-Opel Formel 3 Pilot zum Team Holzer in das OPEL ASTRA V8 Coupé der neuen DTM. Schon am ersten Rennwochenende konnte der damals 21-jährige Rheinländer im badischen Motorsportmekka überzeugen. Im „Bayern München Astra“ erreichte der bekennende Fan von Borussia Dortmund  zweimal einen überzeugenden vierten Platz. Wobei er sogar sehr gute Chancen auf eine Podestplatzierung im ersten Rennen gehabt hätte, da sich ITC Champion Manuel Reuter zwischenzeitlich nach Fehler auf Platz 10 befand. Auch im dritten DTM Rennen, dem ersten Lauf im Motorpark von Oschersleben überzeugte das Talent mit einem fünften Platz. In folge der Saison war Scheider dann jedoch eher auf Plätzen im zweistelligen Bereich zu finden. Ein Aufhängungsbuch beendete 14 Runden vor Schluss eine sonst Auffallfreie Saison. Entsprechend war Platz 12 in der Endabrechnung nicht überraschend.

2001 im „PM Holzer“ Fahrzeug mit der Startnummer vier erlebte Scheider ein Jahr zum vergessen. Platz 19 mit sieben Punkten in der Endabrechnung. So liest sich die Bilanz des schlechtesten Jahr der Karriere von Timo Scheider. Somit musste bereits ein fünfter Platz im Qualifikationsrennen zum letzten Rennen in Hockenheim als Saisonhighlight angeführt werden. Glück hatte der heute in Österreich lebende Rennfahrer beim Rennen am A1-Ring. Dort kollidierte er mit Matthias Ekström und Thomas Jäger so schwer, dass sich letzterer fast überschlagen hätte...

2002 sollte und wurde es besser für den sympathischen Rennfahrer vom Rhein. Gerade bei den ersten Rennen in Hockenheim und Zolder zeigte er sein ganzes können. Mit zwei fünften Plätzen und einer überzeugenden Fahrt im Regen beim belgischen Löwen schien die Welt wieder in Ordnung zu sein. Nach einem frühen Ausfall im britischen Donington Park konnte Scheider seine Form mit Platz sechs am Sachsenring bestätigen. In Nürnberg konnte er nach einem Startunfall mit Wendlinger und Fässler im Qualifikationsrennen nicht mehr am Hauptrennen teilnehmen. So konnte sich der Opel-Werksfahrer immerhin eines der spannendsten Überholmanöver der DTM Geschichte in Ruhe Anschauen. Nach einigen Runden, in einem überragenden Zweikampf überholte der spätere Meister Aiello seinen direkten Konkurrenten Bernd Schneider in der letzten Kurve.  Nach Nürnberg sah er zwar wieder bei jedem Rennen das Ziel, jedoch nicht immer in den Punkterängen. Am Ende kam ein zufrieden stellender achter Platz in der Gesamtwertung heraus.

Das beste Jahr seiner ersten DTM-Zeit

2003 sollte das DTM-Jahr seines bislang größten Erfolgs werden. Nach einigen durchwachsenden Rennen konnte er am Eurospeedway Lausitz zum wiederholten Mal einen vierten Platz erreichen. Kurz zuvor konnte der am Anfang der Saison zu seinem „Heimteam“ Phoenix gewechselte Pilot das 24h Rennen am Nürburgring, in einer Spezialversion des Astra´s, überzeugend gewinnen.  Auch einige Wochen später zeigte der 177cm große Rennfahrer welche Fähigkeiten er besitzt. Im Holländischen Zandvoort düpierte er das komplette Feld und sicherte sich im Astra seine erste Pole Position seiner Karriere und die erste für Opel seit Donington 2002. Im Rennen war ihm das Glück dann nicht Hold. Nach einem seiner Pflichtboxenstopps musste er mit einem losen Vorderreifen den Wagen noch vor der legendären Tarzanbocht. Am Ende seiner vierten DTM Saison stand abermals ein 8 Platz in der Gesamtwertung und 12 Punkte.

2004 als Team- und Markenkollege, wieder bei Holzer, von Heinz-Harald Frentzen verlief die Saison im neuen Vectra fast wie gehabt. Nach insgesamt 6 Punkterängen, zwischen Platz fünf und acht erreichte, erreichte er zum dritten Mal den achten Gesamtrang in der Meisterschaftswertung. Highlights wieder Saison waren die Qualifikationsergebnisse drei und vier in Estoril und Nürnberg. Bei letzterem Rennen erlebte er seinen einzigen Ausfall in der Meisterschaft. Auch Ausgefallen ist er beim Gastrennen in den Häuserschluchten von Shanghai.

DTM - Pausenjahr mit entscheidener Wendung...

2005, Opel hatte seinen Ausstieg verkündet, setzte das Rüsselsheimerunternehmen nur noch 4 Fahrzeuge ein. Zwei Fahrzeuge für Fässler und Frentzen bei Phoenix sowie die beiden anderen Plätze für Reuter und Aiello bei Holzer. Somit war die DTM-Karriere von Timo Scheider scheinbar beendet, bevor Sie richtig begonnen hat. Eine Alternative fand der damals von Willy Weber gemanagte Pilot schnell in der A1 Grand Prix Serie als Nationalpilot für Deutschland. Dort wechselte er sich mit dem heutigen Formel-1-Piloten Adrian Sutil sowie Michael Schumachers Stiefbruder Sebastian Stahl ab. Insgesamt fuhr Scheider sieben Rennwochenenden im „Motorsport World Cup of Nation“. Ebenso fuhr der damals 26-jährige neben Michael Bartels und Thomas Biagi einen Maserati MC12 für das deutsche Vitaphone Racing Team in der FIA GT Meisterschaft. In dieser er das Saisonhighlight, die 24h Rennen von Spa-Francorchamps, mitsamt seinen Teamkollegen gewinnen  konnte. Mit diesem Sieg fing die zweite Karriere des Rheinländer, welcher  in der Schule am liebsten Sport und Religion mochte, erst so richtig an.

Zur Saison 2006 kehrte Timo Scheider in seine alte Wirkungsstätte, die DTM zurück. Diesmal startete er auf Audi A4 R12 für das Team Rosberg, dem Team des Ex-Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg, auf einem Vorjahreswagen. Seine beachtlichen Ergebnisse mit dem Jahreswagen, er war der beste Jahreswagenfahrer, sowie der zehnten Rang in der Gesamtwertung ermutigten die Verantwortlichen bei Audi Sport, ihm für die Saison 2007 einen aktuellen Audi A4 R13 zur Verfügung zu stellen.

2007 steigerte Scheider seine Leistungen weiter und zeigte Fans und Fachwelt, dass mit dem Lahnsteiner jederzeit zu Rechnen ist. Die guten Rennen, vor allem die erste Podiumsplatzierung seiner Karriere beim Finale in Hockenheim, nach drei weiteren vierten Rängen im Verlauf der Saison, waren Kampfansage und Verpflichtung für Fans, sich selbst und Gegner zugleich, auch wenn es „nur“ für einen siebten Gesamtplatz langte.

Feuerwerk eines Könners:
Die Folgesaison, das Jahr 2008, verbrachte er als Teamkollege von Tom Kristensen, Mattias Ekström und Martin Tomczyk in einem Audi A4 R14. Beim Rennen in Oschersleben erkämpfte sich Timo Scheider endlich den ersten DTM-Sieg seiner Karriere. Später wird er behaupten, dass dieser Sieg richtungweisend für die folgenden zwei Jahre gewesen sei.
Mit insgesamt drei Einzelsiegen in Oschersleben, Brands Hatch und Hockenheim erfüllte er sich endlich seinen Traum vom Titel und der eins auf dem Auto. Diese auf dem Auto zu haben, so erklärte Scheider in einem !R-Interview im Sommer 2008, sei für ihn ein wirklicher Traum. Das er diesen Titel 2009, sogar als einziger Fahrer neben Bernd Schneider, verteidigen konnte spricht für den Wahlösterreicher, welcher aus Dankbarkeit zu seiner neuen Heimat sogar unter Österreichischer Lizenz fuhr.

Der nun 31-jährige, welcher zwar der zweitjüngster Fahrer eines aktuellen Audi A4 DTM ist, jedoch mit 98 Rennen “dienstälteste” Fahrer der gesamten DTM ist, hat seinen Marktwert sowie seine Bekannt- wie auch Beliebtheit auf ein Rekordhoch geschraubt. So kennt nun auch ganz Deutschland die sympathische Familie des jungen Familienvater mit seiner Verlobten Jasmin und dem gemeinsamen Sohn Loris aus der Fernsehwerbung für den Videospiele-Hersteller Nintendo. Dieser Partnerschaft ist es übrigens auch zu verdanken, dass aus dem Scheider typischen Orange-Gelb-Blauen Helm, ein giftgrüner Helm mit „Super Mario“ Konterfeil wurde. Kurz nach seinem ersten DTM-Titel trug er seinen Helm übrigens sehr erfolgreich bei der TV Total Stock Car Crash Challenge, in der 1900-Kubik-Klasse, zur Schau.

Ein Jahrzehnt geht zu Ende. Der RTL Junior von 1997 wurde Erwachsen. Eine Erfolge gerade in den letzten 3 – 4 Jahren lassen vieles vergessen. So wurde der Pilot, welcher 1997 die besten Chancen der Junioren auf einen Benetton-Vertrag hatte, mehrfach von der Formel 1 enttäuscht. Nicht nur, dass versprochene Testfahrten kurz vor der Vollstreckung einfach abgesagt wurden, sondern auch oder gerade auch Menschlich wurde der kinderliebe Familienvater mit soziale Ader hat, sehr enttäuscht.

Die Formel 1 ist für den zweifachen DTM Champion endgültig abgehackt. Emotional, aber auch moralisch. „Ich habe meine Heimat gefunden“ sagte der Star der deutschen Tourenwagen Szene. Und das will und muss man ihm glauben. Er hat nicht nur eine Heimat gefunden und wurde erwachsen, sondern hat auch allen Kritikern Lügen gestraft, welche ihn 2005 schon kaputt Geschrieben hatten.

Im Fazit waren die 2000er Jahre gut zu Timo Scheider. Und einen kleinen Schönheitsfehler aus dem letzten Jahrzehnt wird im neuen auch direkt behoben. Nach unendlichen Jahren der Verlobung, nimmt Timo seine Jasmin zur Frau. Schöner kann doch wohl kein neues Jahrzehnt beginnen….

Keep Racing Timo...

Wir wünschen allen Lesern ein frohes neues Jahr! Im Keller der !NS!DE-RAC!NG-Villa haben wir noch einen Karton mit Silvester-Feuerwerk gefunden, das wir heute am letzten Tag des Spezials abfeuern werden. Es gibt nicht nur einen Rückblick auf 2009, sondern auch noch einige weitere Artikel, die einen letzten Blick zurück auf das vergangene Jahrzehnt werfen werden.

Alle bisherigen Artikel des Spezials:

2000 - Duell der Giganten ; Die Debütanten (1): Heidfelds Warten auf Godot ; 2001 - Mustersaison für ein einfallsreiches Drehbuch ; Gründung der ETCC ; 2002 - Siegeszug der Roten Göttin ; PC-Simulationen ; Jahresrückblick: 2003 ; Kurioses von A-Z ; 2004 - Lehrstunden des Absolutismus ; Die Debütanten (2): Der Glückspilz ; 2005 - Die Zeit der Konkurrenz ; 2006 - Wendepunkt ; Karriereenden ; Die Stars von morgen (1) ; 2007 - Neustart RS

Er zählte zu den drei Muskeltieren, welche 1997 im Rahmen einer besonderen Aktion entstanden sind. Wie bereits bei den legendären Vorbildern bei BMW mit Marc Surer, Manfred Winkelhock und Eddie Cheever  sowie bei Mercedes-Benz mit Michael Schumacher, Karl Wendlinger sowie Heinz-Harald Frentzen bzw. Fitz Kreuzpointer plante der Kölner TV-Sender RTL, in Person von Schumacher-Freund Willy Knupp in Zusammenarbeit mit Hans-Peter Kaufmann und dem damaligen Benetton-Teamchef Flavio Briatore ein Förderprogramm für Nachwuchspiloten. Verantwortlich war für die Junioren des „Benetton RTL Junior Teams“ Jochen Neerpasch. Dieser war Federführend  bereits als damaliger Rennleiter von Mercedes-Benz bzw. BMW aktiv.

Die ausgewählten Fahrer, es waren Timo Scheider, Dominik Schwager und Alexander Müller verfolgten einen drei Jahresplan. Einer der drei Nachwuchspiloten sollten die damalige deutsche Formel 3 Meisterschaft 1998 gewinnen um anschließend 1999 in die Formel 1 einzusteigen.

Der deutsche Meister hätte sogar einen Vertrag als Stammfahrer für die 1999 Formel-1-Saison bei Benetton-Playlife erhalten.

Zweitausendacht! Der Hauptakteur dieser Geschichte  wäre, man will sagen „endlich“, deutscher Rennsportmeister… Hätte sein Titel noch den nationalen Meisterschaftsstatus. Einen Titel, welchen es im deutschen Motorsport gar nicht mehr gibt. Zweitausendneun! Titel verteidigt… Den Pokal des so genannten „DTM-Champions“ wurde verteidigt. Er ist am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere.

Dazwischen liegt eine ganz besondere Karriere, eines ganz besonderen Menschen. Die Karriere des am 10. November 1978 geborenen, in Braubach bei Koblenz aufgewachsenen und heute im österreichischen Lochau bei Bregenz lebenden Familienvater Timo Scheider.   

1989 begann er seine Karriere im Kartsport in Mayen, bis er 1995 in die Formel Renault Deutschland einstieg, dessen B-Wertung (1995) sowie A-Wertung (1996) er überzeugend gewinnen konnte.

Nach dem Vizetitel in seiner ersten Formel 3 Saison 1997 im Team von KMS, folgten jedoch Gesamtergebnisse, welche große teile des ganzen Jahrzehnts widerspiegeln sollten und kaum dem Talent Scheiders zuzusprechen wären. So erreichte der für den AC Mayen startende Pilot, in den Jahren 1998 und 1999 nur die Plätze 8 und 6.

Mit beginn des neuen Jahrtausend wechselte der Dallara-Opel Formel 3 Pilot zum Team Holzer in das OPEL ASTRA V8 Coupé der neuen DTM. Schon am ersten Rennwochenende konnte der damals 21-jährige Rheinländer im badischen Motorsportmekka überzeugen. Im „Bayern München Astra“ erreichte der bekennende Fan von Borussia Dortmund  zweimal einen überzeugenden vierten Platz. Wobei er sogar sehr gute Chancen auf eine Podestplatzierung im ersten Rennen gehabt hätte, da sich ITC Champion Manuel Reuter zwischenzeitlich nach Fehler auf Platz 10 befand. Auch im dritten DTM Rennen, dem ersten Lauf im Motorpark von Oschersleben überzeugte das Talent mit einem fünften Platz. In folge der Saison war Scheider dann jedoch eher auf Plätzen im zweistelligen Bereich zu finden. Ein Aufhängungsbuch beendete 14 Runden vor Schluss eine sonst Auffallfreie Saison.  Entsprechend war Platz 12 in der Endabrechnung nicht überraschend.

2001 im „PM Holzer“ Fahrzeug mit der Startnummer vier erlebte Scheider ein Jahr zum vergessen. Platz 19 mit sieben Punkten in der Endabrechnung. So liest sich die Bilanz des schlechtesten Jahr der Karriere von Timo Scheider. Somit musste bereits ein fünfter Platz im Qualifikationsrennen zum letzten Rennen in Hockenheim als Saisonhighlight angeführt werden. Glück hatte der heute in Österreich lebende Rennfahrer beim Rennen am A1-Ring. Dort kollidierte er mit Matthias Ekström und Thomas Jäger so schwer, dass sich letzterer fast überschlagen hätte...

2002 sollte und wurde es besser für den sympathischen Rennfahrer vom Rhein. Gerade bei den ersten Rennen in Hockenheim und Zolder zeigte er sein ganzes können. Mit zwei fünften Plätzen und einer überzeugenden Fahrt im Regen beim belgischen Löwen schien die Welt wieder in Ordnung zu sein. Nach einem frühen Ausfall im britischen Donington Park konnte Scheider seine Form mit Platz sechs am Sachsenring bestätigen. In Nürnberg konnte er nach einem Startunfall mit Wendlinger und Fässler im Qualifikationsrennen nicht mehr am Hauptrennen teilnehmen. So konnte sich der Opel-Werksfahrer immerhin eines der spannendsten Überholmanöver der DTM Geschichte in Ruhe Anschauen. Nach einigen Runden, in einem überragenden Zweikampf überholte der spätere Meister Aiello seinen direkten Konkurrenten Bernd Schneider in der letzten Kurve.  Nach Nürnberg sah er zwar wieder bei jedem Rennen das Ziel, jedoch nicht immer in den Punkterängen. Am Ende kam ein zufrieden stellender achter Platz in der Gesamtwertung heraus.

2003 sollte das DTM-Jahr seines bislang größten Erfolgs werden. Nach einigen durchwachsenden Rennen konnte er am Eurospeedway Lausitz zum wiederholten Mal einen vierten Platz erreichen. Kurz zuvor konnte der am Anfang der Saison zu seinem „Heimteam“ Phoenix gewechselte Pilot das 24h Rennen am Nürburgring, in einer Spezialversion des Astra´s, überzeugend gewinnen.  Auch einige Wochen später zeigte der 177cm große Rennfahrer welche Fähigkeiten er besitzt. Im Holländischen Zandvoort düpierte er das komplette Feld und sicherte sich im Astra seine erste Pole Position seiner Karriere und die erste für Opel seit Donington 2002. Im Rennen war ihm das Glück dann nicht Hold. Nach einem seiner Pflichtboxenstopps musste er mit einem losen Vorderreifen den Wagen noch vor der legendären Tarzanbocht. Am Ende seiner vierten DTM Saison stand abermals ein 8 Platz in der Gesamtwertung und 12 Punkte.

2004 als Team- und Markenkollege, wieder bei Holzer, von Heinz-Harald Frentzen verlief die Saison im neuen Vectra fast wie gehabt. Nach insgesamt 6 Punkterängen, zwischen Platz fünf und acht erreichte, erreichte er zum dritten Mal den achten Gesamtrang in der Meisterschaftswertung. Highlights wieder Saison waren die Qualifikationsergebnisse drei und vier in Estoril und Nürnberg. Bei letzterem Rennen erlebte er seinen einzigen Ausfall in der Meisterschaft. Auch Ausgefallen ist er beim Gastrennen in den Häuserschluchten von Shanghai.

2005, Opel hatte seinen Ausstieg verkündet, setzte das Rüsselsheimerunternehmen nur noch 4 Fahrzeuge ein. Zwei Fahrzeuge für Fässler und Frentzen bei Phoenix sowie die beiden anderen Plätze für Reuter und Aiello bei Holzer. Somit war die DTM-Karriere von Timo Scheider scheinbar beendet, bevor Sie richtig begonnen hat. Eine Alternative fand der damals von Willy Weber gemanagte Pilot schnell in der A1 Grand Prix Serie als Nationalpilot für Deutschland. Dort wechselte er sich mit dem heutigen Formel-1-Piloten Adrian Sutil sowie Michael Schumachers Stiefbruder Sebastian Stahl ab. Insgesamt fuhr Scheider sieben Rennwochenenden im „Motorsport World Cup of Nation“. Ebenso fuhr der damals 26-jährige neben Michael Bartels und Thomas Biagi einen Maserati MC12 für das deutsche Vitaphone Racing Team in der FIA GT Meisterschaft. In dieser er das Saisonhighlight, die 24h Rennen von Spa-Francorchamps, mitsamt seinen Teamkollegen gewinnen  konnte. Mit diesem Sieg fing die zweite Karriere des Rheinländer, welcher  in der Schule am liebsten Sport und Religion mochte, erst so richtig an.

Zur Saison 2006 kehrte Timo Scheider in seine alte Wirkungsstätte, die DTM zurück. Diesmal startete er auf Audi A4 R12 für das Team Rosberg, dem Team des Ex-Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg, auf einem Vorjahreswagen. Seine beachtlichen Ergebnisse mit dem Jahreswagen, er war der beste Jahreswagenfahrer, sowie der zehnten Rang in der Gesamtwertung ermutigten die Verantwortlichen bei Audi Sport, ihm für die Saison 2007 einen aktuellen Audi A4 R13 zur Verfügung zu stellen.

 

2007 steigerte Scheider seine Leistungen weiter und zeigte Fans und Fachwelt, dass mit dem Lahnsteiner jederzeit zu Rechnen ist. Die guten Rennen, vor allem die erste Podiumsplatzierung seiner Karriere beim Finale in Hockenheim, nach drei weiteren vierten Rängen im Verlauf der Saison, waren Kampfansage und Verpflichtung für Fans, sich selbst und Gegner zugleich, auch wenn es „nur“ für einen siebten Gesamtplatz langte.

 

Die Folgesaison, das Jahr 2008, verbrachte er als Teamkollege von Tom Kristensen, Mattias Ekström und Martin Tomczyk in einem Audi A4 R14. Beim Rennen in Oschersleben erkämpfte sich Timo Scheider endlich den ersten DTM-Sieg seiner Karriere. Später wird er behaupten, dass dieser Sieg richtungweisend für die folgenden zwei Jahre gewesen sei.

Mit insgesamt drei Einzelsiegen in Oschersleben, Brands Hatch und Hockenheim erfüllte er sich endlich seinen Traum vom Titel und der eins auf dem Auto. Diese auf dem Auto zu haben, so erklärte Scheider in einem !R-Interview im Sommer 2008, sei für ihn ein wirklicher Traum. Das er diesen Titel 2009, sogar als einziger Fahrer neben Bernd Schneider, verteidigen konnte spricht für den Wahlösterreicher, welcher aus Dankbarkeit zu seiner neuen Heimat sogar unter Österreichischer Lizenz fuhr.

 

Der nun 31-jährige, welcher zwar der zweitjüngster Fahrer eines aktuellen Audi A4 DTM ist, jedoch mit 98 Rennen “dienstälteste” Fahrer der gesamten DTM ist, hat seinen Marktwert sowie seine Bekannt- wie auch Beliebtheit auf ein Rekordhoch geschraubt. So kennt nun auch ganz Deutschland die sympathische Familie des jungen Familienvater mit seiner Verlobten Jasmin und dem gemeinsamen Sohn Loris aus der Fernsehwerbung für den Videospiele-Hersteller Nintendo. Dieser Partnerschaft ist es übrigens auch zu verdanken, dass aus dem Scheider typischen Orange-Gelb-Blauen Helm, ein giftgrüner Helm mit „Super Mario“ Konterfeil wurde. Kurz nach seinem ersten DTM-Titel trug er seinen Helm übrigens sehr erfolgreich bei der TV Total Stock Car Crash Challenge, in der 1900-Kubik-Klasse, zur Schau.

 

Ein Jahrzehnt geht zu Ende. Der RTL Junior von 1997 wurde Erwachsen. Eine Erfolge gerade in den letzten 3 – 4 Jahren lassen vieles vergessen. So wurde der Pilot, welcher 1997 die besten Chancen der Junioren auf einen Benetton-Vertrag hatte, mehrfach von der Formel 1 enttäuscht. Nicht nur, dass versprochene Testfahrten kurz vor der Vollstreckung einfach abgesagt wurden, sondern auch oder gerade auch Menschlich wurde der kinderliebe Familienvater mit soziale Ader hat, sehr enttäuscht.

 

Die Formel 1 ist für den zweifachen DTM Champion endgültig abgehackt. Emotional, aber auch moralisch. „Ich habe meine Heimat gefunden“ sagte der Star der deutschen Tourenwagen Szene. Und das will und muss man ihm glauben. Er hat nicht nur eine Heimat gefunden und wurde erwachsen, sondern hat auch allen Kritikern Lügen gestraft, welche ihn 2005 schon kaputt Geschrieben hatten.

 

Im Fazit waren die 2000er Jahre gut zu Timo Scheider. Und einen kleinen Schönheitsfehler aus dem letzten Jahrzehnt wird im neuen auch direkt behoben. Nach unendlichen Jahren der Verlobung, nimmt Timo seine Jasmin zur Frau. Schöner kann doch wohl kein neues Jahrzehnt beginnen….

 

Keep Racing Timo