F1: Teams von Ex-F1-Fahrer in höheren Formel-Serien
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Freitag, 04. Juni 2010 um 16:05

F1: Teams von Ex-F1-Fahrer in höheren Formel-Serien

von Michael Zeitler

Mark Webber hat ein eigenes GP3-Team. Viele andere Teams in den Formel-Serien gehören ehemaligen F1-Fahrern.

| Istanbul (!NS!DE-RAC!NG) - Während Mark Webber derzeit die Weltmeisterschaft anführt, ist Pedro de La Rosa der bisher einzige Fahrer der etablierten Teams, der noch ohne WM-Punkte ist. Während Mark Webber aus Australien kommt, ist Spanien das Geburtsland von De La Rosa. Während Webber schon mehrfach GP-Rennen bestritt, war De La Rosa jahrelang vor allem eines: Testfahrer. Trotzdem haben beide auch etwas Gemeinsames: Sie beide besitzen Rennteams in Nachwuchsserien. Webber und das Arden-Team von Red-Bull-Teamchef Christian Horner bringen in der GP3 ein eigenes Team an den Start. Nach vier Rennen belegt das Team Rang sechs in der Meisterschaft, mit einem zweiten Platz in Istanbul durch Miki Monrás. De La Rosa und Miguel Ángel Castro gründeten 2005 das Drivex-Team, das derzeit unter anderem in der spanischen Formel-3 fährt. José Luis Abadín liegt als bester Drivex-Fahrer derzeit auf Rang acht im Klassement.

Mark Webber und Pedro de La Rosa sind keine Einzelfälle: Nach der Karriere als Rennfahrer bringen viele ein eigenes Team an den Start. Auch einige Teams der höheren Formel-Serien sind von ehemaligen F1-Fahrern. Betrachtet werden dabei lediglich die Serien Auto-GP, GP2, Formel-Superleague, asiatische GP2, Formel-World-Series-by-Renault (WSbR), die Formel-Nippon und die GP3. In anderen Serien sind noch viele weitere Teams von ehemaligen F1-Piloten, als Beispiel sei das Team von Piercarlo Ghinzani in der italienischen Formel-3 erwähnt.

Monteiro mit Ocean: 37 WM-Rennen mit Jordan und Midland, dabei sieben erzielte Punkte – das ist die Bilanz von Tiago Monteiro in der Formel-1, dem bisher letzten Portugiesen. Die Saison 2010 ist die zweite Saison für das Ocean-Team in der GP2. Vor der Saison 2009 kaufte Monteiro und dessen Manager Juan Manuel Guedes das BCN-Team und formten es zu Ocean. Guedes fungiert als Teamchef, denn Monteiro fährt in der Tourenwagenweltmeisterschaft für Seat noch immer Rennen. Mit 33 Jahren ist Monteiro auch noch recht jung und lotet deshalb auch Möglichkeiten aus, wieder in den Formel-Sport zurückzukehren. So war Monteiro daran interessiert, 2010 in der Formel-Superleague zu fahren, denn die Rennwagen fahren immerhin fast auf F1-Niveau. Möglich wäre gewesen, dass sein Ocean-Team den Einsatz übernimmt. Solche Möglichkeiten ergeben sich natürlich mit dem Besitz eines eigenen Rennteams. Und das lässt sich weiter spannen: Im exklusiven Interview im Februar 2009 erklärte Monteiro, dass Ocean durchaus in der Formel-1 landen könnte und sollte er sich dann noch konkurrenzfähig fühlen, würde er einen F1-Ocean steuern. Monteiro damals: „Aber das war nicht die Idee hinter diesem Projekt.“

Mit John Gentry hat Ocean jedenfalls einen Technikchef, dem der Bau eines F1-Autos zuzutrauen ist: 1984 war er Chefdesigner bei Autodelta und damit Verantwortlich für den F1-Alfa-Romeo von 1985, noch 1984 unterschrieb er aber einen 3-Jahresvertrag bei Renault als Renningenieur von Derek Warwick. Nach zwei Jahren zog sich Renault jedoch aus der Formel-1 zurück und Gentry ging für zwei Jahre zu Brabham, wo er ebenfalls Renningenieur war. Bevor er 1991 und 1992 bei Leyton House Renningenieur wurde und damit seine bisher letzte Stelle in der Formel-1 hatte, war er bei Benetton ein wichtiger Baustein des Testteams.

Sospiri mit Euronova: Man kann darüber streiten, ob Vincenzo Sospiri ein F1-Fahrer war oder nicht. Fakt ist: Er war nicht nur Testfahrer bei Benetton, sondern heuerte 1997 auch als Stammfahrer bei Lola an. Lola jedoch trat nur bei einem Grand Prix an, nämlich beim Saisonauftakt in Australien. Und der endete für Lola bereits nach dem Qualifying, weil man an der 107%-Qualihürde scheiterte. So stand Sospiri nie in der F1-Startaufstellung.

Heute besitzt Vincenzo Sospiri jedenfalls das Euronova-Team, das 2010 unter anderem in der Auto-GP-Serie an den Start geht, der ehemaligen europäischen Formel-3000. Der 43-Jährige setzt dabei auf Luca Filippi, der sich prompt mit dem Sieg im ersten Rennen bedankte und derzeit auf Rang drei in der Gesamtwertung liegt.

Ralf Schumacher mit Mücke: Das GP3-Team von Mark Webber konkurriert unter anderem mit dem RSC-Mücke-Rennstall. Das RSC steht für Ralf Schumacher, der für Jordan, Williams und Toyota zwischen 1997 und 2008 insgesamt 180 WM-Rennen fuhr, dabei sechs Rennen gewann, genauso oft von der Pole Position losbrauste, acht Mal die Schnellste Rennrunde fuhr und 329 WM-Punkte sammelte. Und bei dieser Bilanz muss es nicht unbedingt bleiben: Der 34-Jährige würde gerne noch einmal in die Formel-1 zurückkehren, verhandelte im Winter mit dem Stefan-Team.

Schon als aktiver F1-Fahrer schloss er nicht aus, eines Tages Teamchef zu werden. Mit der Teilhaberschaft bei RSC Mücke machte er einen Schritt in diese Richtung. Vielleicht gibt Schumacher sein Comeback als F1-Teamchef – für ihn noch immer im Bereich des Denkbaren. Die Kontakte zu Mücke kamen durch die DTM zustande, wo Schumacher für Mücke unterwegs war. Noch immer fährt Schumacher DTM-Rennen, aber nicht mehr für Mücke. Dort fährt 2010 unter anderem David Coulthard, der immer noch Berater im F1-Team von Red Bull ist. Mücke fuhr seit der Gründung 1998 aber auch in vielen anderen Serien, wie etwa der F3-Euroseries. Teamgründer ist Peter Mücke.

Ebenfalls in der GP3 ist das Status-Team aus Irland, das derzeit sogar auf Rang drei in der Meisterschaft liegt. Möglicherweise liegt das auch daran, dass man mit Gary Anderson einen F1-erfahrenen Technik-Chef hat. Cosworth-Chef Mark Gallagher war bis 2010 Teilhaber und Teamchef bei Status, das damals noch in der A1GP-Serie engagiert war. Inzwischen sind nur noch folgende drei Personen Teilhaber: John Hynes, Teddy Yip jr. (dessen Vater bereits F1-Team besaß, etwa Theodore) und Dave Kennedy. Letzterer versuchte sich für Shadow 1980 bei sieben WM-Rennen zu qualifizieren, scheiterte aber in allen Versuchen.

Impul und Nakajima: In der Formel-Nippon, quasi die japanische GP2, sind zwei Teams in den Händen ehemaliger F1-Fahrer, beide Teams sind übrigens auch die erfolgreichsten Teams in der Formel-Nippon! Hinter Impul steckt ein japanischer Konzern, der den Automarkt unterstützt, aber auch Rennteams einsetzt. Gründer war 1980 Kazuyoshi Hoshino, der 1976 und 1977 auch beim Japan GP fuhr und damit zwei F1-WM-Rennen bestritt. Hoshino, der 1994 bei Benetton im Gespräch war, ist bis heute der erfolgreichste Fahrer in der Formel-Nippon und den Vorgängerserien japanische Formel-2 und japanische Formel-3000:

Das zweite Team ist Nakajima, ein Rennteam von Satoru Nakajima. Nakajima-Pilot Takashi Kogure kämpft auch gegen den Impul-Fahrer João Paolo de Oliveira um den Titel. Nach zwei Rennen hat der Brasilianer die Führung inne, Kogure ist als Sieger des Auftaktrennens auf Rang zwei. Satoru Nakajima fuhr selbst von 1987 bis 1991 bei Lotus und Tyrrell 74 Rennen, fuhr einmal die Schnellste Rennrunde und sammelte 16 WM-Punkte.

Lammers für Holland: Der Holländer Jan Lammers war bis 2009 der Fahrer, der die längste Pause in der Formel-1 einlegte. Lammers absolvierte in der Formel-1 23 WM-Rennen für Shadow, ATS, Ensign, Theodore und March. 1999 gründete er das Racing Team for Holland, das unter anderem die A1GP-Einsätze von Holland leitete. Nun fährt das Team auch in der PS-starken Formel-Superleague. Am Steuer sitzt Narain Karthikeyan, der 2005 für Jordan in der Formel-1 fuhr. Man belegt derzeit aber den letzten Platz in der Gesamtwertung, weil man das dritte Rennwochenende sausen ließ. Ursprünglich war geplant, noch einen zweiten Boliden für den Ex-F1-Fahrer Jos Verstappen zu bringen, doch das wurde letztlich nicht verwirklicht.

Ebenfalls ein Team in der Formel-Superleague bringt Emilio de Villota an den Start. Julien Jousse und Marcos Martinez fahren für De Villota Motorsport. In der Formel-1 fuhr De Villota zwei Rennen für McLaren. Sein Team geht unter anderem auch in der spanischen Formel-3 an den Start.