F1: Fahrer-Väter - Fluch oder Segen?
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Mittwoch, 04. August 2010 um 09:41

F1: Fahrer-Väter - Fluch oder Segen?

von Michael Zeitler

Luis Antonio Massa belastet Ferrari bezüglich der Stallorder in Hockenheim, John Button bringt Feierstimmung ins Fahrerlager und Lewis Hamilton musste mit Vater Anthony brechen.  

| Hockenheim (!NS!DE-RAC!NG) - Bisher kann nicht eindeutig bewiesen werden, dass Ferrari beim Deutschland-GP Stallregie geführt hat, auch wenn die Indizien erdrückend sind. Luiz Antonio Massa liefert für die Ferrari-Gegner aber gefundene Fressen. Der Vater von Opfer Felipe Massa reiste nach Ungarn, um seinem Sohn väterlichen Beistand zu geben. Offiziell, weil Felipe in Budapest im Vorjahr schwer verunfallte und nur knapp dem Tod entkam. Inoffiziell aber, weil die Gräben zwischen Massa und Ferrari nach Hockenheim tief sind. Und Luiz Antonio plaudert eifrig aus dem Nähkästchen: „Felipe hat nach dem Rennen geweint.“ Oder: „Es ist doch eindeutig, dass es Stallorder war.“ Gerade solche Aussagen könnten Ferrari vor dem World Motor Sport Council das Genick brechen. Die Väter der Rennfahrer sind immer mehr Fluch statt Segen. Ein Blick auf die Fahrer-Väter:


Alan Webber: Der Australier ist zwar oft vor Ort, hält sich allerdings zurück. Nur zu Beginn der Karriere von Mark Webber half Vater Alan: Für die Formel-Ford kaufte Alan Webber für die Saison 1994 einen Van Diemen für seinen Sohn. Durch starke Resultate wurden andere auf Webber aufmerksam und Alan konnte sich mit seiner Unterstützung wieder zurückziehen.
Anthony Hamilton: Ganz anders wie bei Alan Webber ist das Auftreten bei Anthony Hamilton. Der Brite war jahrelang Manager von Sohn Lewis, bis 2010. Denn Anthony Hamilton war McLaren stets ein Dorn im Auge. Beim Monaco-GP 2007 ging’s los: Rundenlang jagte Lewis Hamilton seinen Teamkollegen Fernando Alonso, fand mit dem identischen Auto und in den engen Straßenschluchten aber keinen Weg vorbei an Alonso. Nach dem Rennen lamentierte Anthony Hamilton, McLaren hätte seinem Sohn verboten, Alonso anzugreifen. Der Automobilweltverband FIA leitete eine Untersuchung ein, ob bei McLaren Stallorder angewandt wird oder nicht. Bewiesen werden konnte jedoch nichts. Aber auch nach Monaco 2007 äußerte sich Anthony Hamilton immer wieder etwas unglücklich in den Medien. Im März 2010 trennte sich Lewis plötzlich von Vater Anthony und ist seither ohne Manager. Auch weil es zwischen Anthony und Lewis danach Verstimmungen gab, halten sich Gerüchte hartnäckig, McLaren wollte Anthony loswerden und beschäftigte ihn mit anderen Arbeiten. So managt Anthony Hamilton inzwischen Force-India-Testfahrer Paul di Resta. Außerdem versucht er gerade eine Organisation ins Leben zu rufen, die F1-Testfahrten für junge Nachwuchsfahrer organisieren soll – zu Zeiten des Testverbotes womöglich eine Marktlücke.

 
Norbert Vettel: Ähnlich wie Alan Webber, mit dessen Sohn sein Sprössling Sebastian in einem Team fährt, ist Norbert Vettel eher medienscheu. Nur ganz selten reist er zu GP-Rennen, noch seltener gibt er Interviews. Norbert Vettel hat selbst eine Motorsport-Karriere hinter sich, kam aber nie über den Amateur-Status hinaus. Er fuhr in einem VW Gold zwölf Jahre lang Bergrennen, danach verkaufte er sein Auto, um die Karriere seines Sohnes zu finanzieren. 
John Button: Von ihm erbte der aktuelle Weltmeister Jenson Button nicht nur die Gabe des Rennenfahrens, sondern auch das Aufreißen der schönsten Frauen. Lebemann John Button war im Rallyecross einer der besten Fahrer der 70er Jahre. Schon damals war er in Großbritannien bekannt, heute wird er geliebt. John Button ist eine Bereicherung für den GP-Sport, er bringt die Freude und den Spaß ins Fahrerlager. So flott wie Jenson auf der Strecke fährt, so sind die Sprüche von John. Schon seit Jahren halten sich Gerüchte hartnäckig, John würde pro gewonnen Punkt von Jenson eine halbe Bier trinken. Ein Witzbold meint dazu: So wenig sich über das neue Punktesystem 2010 gefreut haben, John Button hat es, denn jetzt gibt es mehr Punkte, also auch mehr Bier. Fluch oder Segen? Bei John eine klare Sache.
José Luis Alonso: Er trat nur die Karriere von Fernando Alonso los, inzwischen ist er unauffällig und eher selten bei den Rennen. José Luis war selbst Kartrennfahrer und baute ein eigenes Kart, das eigentlich für Fernandos Schwester Lorena gedacht war. Die interessierte sich aber weiter nur für Barbies, also fuhr Alonso mit dem Kart – und das richtig schnell. Zu Beginn dessen Kartkarriere half José Luis auch als Mechaniker aus, denn diesen Beruf erlernte der Spanier.


Keke Rosberg: Der F1-Weltmeister 1982 öffnete mit seinem Namen Tür und Tor für die Karriere von Nico Rosberg. Noch heute ist Rosberg bei den meisten Rennen vor Ort und schaut seinem Sohn über die Schulter. Nebenher geht er aber auch anderen Aktivitäten nach, so unterstützt er unter anderem Fernseh-Sender. Rosberg hat noch immer ein eigenes DTM-Team.
Artur Kubica: Robert ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Auch Artur hält sich aber zurück, reist aber hin und wieder zu den Rennen. Wichtig war er als Sponsor zu Beginn der Karriere von Robert Kubica.
Rolf Schumacher: Um die Karriere von Michael ins Laufen zu bringen, schraubte Rolf Schumacher für verschiedene Kart-Teams als Mechaniker. Zeitweise leitete er auch die Kartbahn in Kerpen. Heute ist er nur selten Gast bei F1-Rennen und gibt noch seltener Interviews.
Jorge Sutil: Für einen erfolgreichen Musiker der Klassik ist der Sound eines F1-Renners nicht unbedingt herrlich. Deshalb besucht Jorge Sutil nur selten die Rennen, bei dem sein Sohn Adrian startet. Jorge Sutil selbst kam aus Uruguay nach Deutschland.
Rubens Barrichello: Der GP-Methusalem ist Rubens Barrichello III. Passenderweise hat der Williams-Pilot am selben Tag Geburtstag wie sein Vater. Und das Unglaublichste überhaupt: Man könnte beide für Zwillinge halten. Bei einem PR-Foto, das 2008 anlässlich des 257. GP von Barrichello gemacht wurde, mussten auch Experten genau hinschauen, wer welche Rubens ist. Zu den Rennen selbst, kommt Vater Rubens aber eher weniger oft.


Alexander Petrov: Sponserte Vitaly zu Beginn der Karriere, hält sich seither aber raus.
Klaus-Dieter Hülkenberg: Er setzte durch, dass sein Sohn Nicolas zuerst eine Ausbildung machte, bevor er die Rennfahrerei zum Beruf machte. Die Ausbildung machte Nicolas daraufhin in der Spedition seines Vaters.
Anthony Buemi: Management bleibt Red-Bull-Sache, Anthony hält sich raus.
Jaime Alguersuari: Red Bull managt seinen gleichnamigen Sohn Jaime. Er selbst fuhr ebenfalls Rennen, allerdings nur Motorradrennen.
Seppo Kovalainen: Seine Vorliebe für Eisrennen brachte Heikki erst zum Motorsport. Heikki geht inzwischen seinen eigenen Weg, während Seppo mittlerweile als 57-Jähriger wieder selbst Rennen fährt.
Vickey Chandhok: Der Inder ist einer der führenden Personen im indischen Motorsportverband. Durch seinen Einfluss öffneten sich für Karun immer wieder neue Möglichkeiten. Vickey Chandhok, einer der Drahtzieher des angepeilten Indien-GP 2011, fuhr einst selbst Rallye-Rennen in Indien, genauso wie dessen Vater Indu Chandhok. Vickey gilt auch als Verbündeter von Force-India-Chef Vijay Mallya.
Enzo Trulli: Der Italiener war selbst motorsportbegeistert und nannte seinen Sohn Jarno nach dem erfolgreichen Motorrad-Fahrer Jarno Saarinen. Bisweilen taucht Enzo Trulli eher selten im Zusammenhang mit seinem Sohn in den Medien auf.
Karl Glock: Hält sich sauber raus.