Auto GP: Saisonrückblick Meisterschaft 2011
Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 
Montag, 21. November 2011 um 20:38

Auto GP: Saisonrückblick Meisterschaft 2011

von Michael Zeitler

Alles, was es zur Auto-GP-Meisterschaft 2011 zu sagen gibt.

| Mugello (!NS!DE-RAC!NG) - Die Stellung der Auto-GP ist ein bisschen schwierig, die Serie auch einmalig. Eigentlich ist die Auto-GP die höchste italienische Formel-Rennserie. Eine vergleichbare Serie gibt es sonst nur noch in Japan mit der Formel-Nippon. Der italienische Touch ist nach wie vor nicht zu übersehen: Elf der 23 Fahrer, die mindestens ein Auto-GP-Rennen 2011 gefahren sind, kommen aus Italien. In der Gesamtwertung finden sich unter den ersten zehn sechs Italiener, unter den ersten fünf drei Italiener und auf den ersten zwei Plätzen zwei Italiener. Fünf der neun Teams 2011 waren italienische, 2012 wird es mit dem MLR71-Team ein weiteres italienisches Team geben, dafür steigt das französische DAMS-Team (eine offizielle Bestätigung fehlt noch) wohl aus und wechselt in die Formel-World-Series-by-Renault.

Italienisch, aber international
Doch die Auto-GP-Serie will auch internationaler werden. Die Lola-Chassis sind dieselben, die einst die beliebte A1GP-Rennserie eingesetzt hat, einmalige Formel-Rennwagen, die von der Scuderia Coloni überarbeitet wurden. Das heutige GP2-Team war Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre auch in der Formel-1 unterwegs. Enzo Coloni ist auch Organisator der Auto-GP-Serie. Zur Internationalisierung gehört: Nur zwei Rennwochenende waren in Italien, 2012 sollen Rennen in Russland und Brasilien dazukommen!

Die Stellung der Serie steigt mit der Internationalisierung deutlich: Der Auto-GP-Meister 2010, Romain Grosjean, wurde 2011 GP2-Meister. Der Auto-GP-Vizemeister 2011, Luca Filippi, ist auch GP2-Vizemeister 2011. Der Auto-GP-Meister 2011, Kevin Ceccon, dürfte 2012 für Coloni in der GP2 fahren, dem F1-Unterbau. Vom aktuellen Auto-GP-Feld waren mehrere Fahrer in den vergangenen Wochen bei GP2-Tests oder gar beim Abu-Dhabi-Rennen mit von der Partie, dazu zählen Kevin Ceccon, Luca Filippi, Fabio Onidi, Rio Haryanto und Giovanni Venturini, also die Hälfte der Top-10 der Auto-GP-Meisterschaft 2011.

Die Auto-GP-Serie wird damit immer mehr eine Konkurrenz zur Formel-World-Series-by-Renault, die aber ihrerseits aufrüstet, mit einem neuen Fahrzeug, GP2-Teams wie Arden und DAMS, sowie auch außereuropäischen Rennen. Die Auto-GP hat aber auch noch seine eigene Philosophie. Erlaubt sind auch Gentleman-Fahrer wie Giuseppe Cipriani, der bereits 46 Jahre alt ist. Der Italiener war zu Beginn der 90er Jahre bereits in der GP2-Vorgängerserie Formel-3000, allerdings noch als Teambesitzer, von Barone Rampante. Für jenes Team war unter anderem der heutige Williams-F1-Pilot Rubens Barrichello unterwegs. Barone Rampante sollte auch als Benetton-B-Team in die Formel-1 aufsteigen, die Pläne wurden aber nie verwirklicht. Darüber hinaus verteilt die Auto-GP-Meisterschaft nach alter Tradition ordentlich Preisgelder.

Hochkarätiges Fahrerfeld
Es fahren in der Auto-GP natürlich nicht nur Fahrer wie Cipriani. Kevin Ceccon überzeugte zuletzt auch am Volant eines F1-Renners von Toro Rosso, bei den Nachwuchstestfahrten in Abu Dhabi. Schon 2011 fuhr er für Coloni erste GP2-Rennen, als Ferrari-F1-Testfahrer Davide Rigon verletzt ausfiel. Ceccon wurde damit zum bisher jüngsten GP2-Fahrer der Geschichte (Meisterschaft existiert mit ihren Vorgängern seit 1967), mit damals noch 17 Jahren. Später wurde Ceccon durch Luca Filippi ersetzt, der mit Coloni noch Vizemeister wurde und mehrere Rennen gewinnen konnte. Auch Filippi fuhr Auto GP, wurde 2005 Meister, musste wegen der GP2 2011 aber zwei Rennen auslassen und verlor vielleicht auch deshalb den Titel gegen Ceccon. Ceccon ist ein Fahrer, der den Titel gewonnen hat, weil er konstant fuhr. Nur ein Rennen konnte er gewinnen. Die Auto-GP ist ein ausgeglichenes Fahrerfeld. Seriensieger sucht man vergebens. Die 14 Rennen verteilen sich auf zehn verschiedenen Gewinnern!

Unter den Auto-GP-Fahrer befinden sich außerdem: Sergey Afanasiev, ein talentierter Russe; Adrian Tambay, der Sohn des ehemaligen GP-Siegers Patrick Tambay; Rio Haryanto, dem ersten Indonesier bei einem offiziellen F1-Test; Adam Carroll, der außer Formel-1 wohl schon in fast allen Formel-Rennserien fuhr, wie IndyCar, GP2, WSbR, A1GP, Formel-Superleague und eben auch Auto-GP; Adrian Campos jr., dem Sohn des ehemaligen F1-Fahrers Adrian Campos; Kevin Korjus, ein talentierter Este aus der WSbR, der nur ein Gastwochenende in der Auto-GP bestritt; Rodolfo Gonzalez und Adrian Zaugg, zwei Fahrer aus der GP2.

Die Teams sind ebenfalls namhaft: Die GP2-Teams DAMS und Super Nova, die Ex-GP-Teams Campos und Durango, die führenden italienischen Teams Lazarus, Ombra und TP.

Die Rennen waren nicht immer die spannendsten. 16 Fahrzeuge sind nicht viele, mehr wird es wohl auch kaum geben, den recht viel mehr frühere A1GP-Renner gibt es auch nicht mehr…

Der Endstand:
1. Kevin Ceccon (ITA) 130 (Ombra)
2. Luca Filippi (ITA) 127 (Super Nova)
3. Sergey Afanasiev (RUS) 117 (DAMS)
4. Adrian Tambay (FRA) 114 (DAMS, Campos)
5. Fabio Onidi (ITA) 99 (Lazarus)
6. Fabrizio Crestani (ITA) 92 (Lazarus)
7. Rio Haryanto (IND) 82 (DAMS)
8. Samuele Buttarelli (ITA) 81 (TP)
9. Giovanni Venturini (ITA) 76 (Durango)
10. Adam Carroll (GBR) 64 (Campos)
11. Jon Lancester (GBR) 51 (Super Nova)
12. Pasquale di Sabatino (ITA) 38 (TP, Durango)
13. Bruno Méndez (ESP) 22 (Campos)
14. Daniёl de Jong (NED) 19 (MP)
15. Marco Barba (ESP) 16 (Campos)
16. Adrian Campos jr. (ESP) 12 (Campos)
17. Rodolfo Gonzalez (VEN) 8 (Campos)
18. Kevin Korjus (EST) 7 (DAMS)
19. Adrian Zaugg (RSA) 3 (Super Nova)
20. Giuseppe Cipriani (ITA) 2 (Durango)
21. Francesco Dracone (ITA) 1 (Emmebi, Ombra)
22. Stefano Bizzarri (ITA) 0 (Ombra)
23. Michelle La Rosa (ITA) 0 (Ombra)

Teamwertung:
1. DAMS 238
2. Campos 190
3. Lazarus 190
4. Super Nova 181
5. Ombra 136
6. TP 113
7. Durango 78
8. MP 19
9. Emmebi 1

U21-Meisterschaft:
1. Kevin Ceccon 222
2. Adrian Tambay 159
3. Samuele Buttarelli 148
4. Giovanni Venturini 147
5. Rio Haryanto 143
6. Bruno Méndez 71
7. Daniёl de Jong 59
8. Kevin Korjus 18

9. Stefano Bizzarri 10

Die Auto-GP-Geldwertung 2011
1. Sergey Afanasiev (DAMS) 145.000 Euro
2. Luca Filippi (Super Nova) 117.500 Euro
3. Adrien Tambay (Campos) 110.000 Euro
4. Giovanni Venturini (Durango) 75.000 Euro
4. Rio Haryanto (DAMS) 75.000 Euro
6. Jon Lancaster (Super Nova) 60.000 Euro
7. Fabrizio Crestani (Lazarus) 50.000 Euro
8. Fabio Onidi (Lazarus) 30.000 Euro
9. Kevin Ceccon (Ombra) 15.000 Euro
10. Samuele Buttarelli (TP) 15.000 Euro