Riccardo Brutschin trumpfte zuletzt bei den F2-Tests auf. Auf den Spuren des Vaters.
| Valencia (!NS!DE-RAC!NG) - Zugegeben: Gesamtplatz 13 in der deutschen Formel-3 (ATS F3-Cup) ist kein Resultat, das nach einem viel versprechenden Fahrer klingt. Doch Ricciardo Brutschin hatte auch keine optimale Saison, musste ein Rennwochenende sausen lassen, weil sich die Wege von Brutschin und dem Performance-Team trennten. Er wechselte zu HS, die Resultate wurden besser, blieben aber enttäuschend. Gegenüber !NS!DE-RAC!NG zeigt er sich enttäuscht: „Die Saison 2011 in dem ATS Formel 3 Cup war für mich eine große Enttäuschung, da wir in dieser Saison viele Probleme hatten und ich leider nicht an die Erfolge aus der vorhergehenden Saison anknüpfen konnten.“
Was Brutschin wirklich kann, zeigte er erst kürzlich bei den F2-Testfahrten, als er ordentliche Zeiten fuhr. Aus Kostengründen ist die Formel-2 eine Option, da es 2012 in der F3-Euroseries vermehrt deutsche Teams geben wird, wie GU, URD, Mücke und so weiter, ist aber auch ein Wechsel in die höherklassige F3-Euroserie ein Thema. Brutschin hält sich bezüglich seiner unmittelbaren Zukunftsplänen bedeckt: „Momentan bin ich noch in der Planung, da ich mit verschiedenen Teams aus verschiedenen Serien im Gespräch bin und über den Winter noch Tests anstehen.“
Ricciardo Brutschin hat einen Vorteil: Die Unterstützung des Vaters. Harald Brutschin ist der Motorsport durchaus bekannt, fuhr er doch auch jahrelang in der deutschen Formel-3. 1982 kam er sogar in die F2-EM – also das, was heute die GP2 ist. Damals fuhr er für Franz Konrad einen March BMW, sowie für das Merzario-Team einen Merzario BMW. Dahinter steckte der Italiener Arturo Merzario, der in der Formel-1 vor allem dadurch bekannt wurde, als er einer derjenigen Fahrer war, die Niki Lauda aus dem brennenden Rennwagen am Nürburgring 1976 zogen. Harald Brutschin stand kurz vor einem F1-Einstieg, Verhandlungen mit Tyrrell liefen ins Leere, stattdessen angelte sich Tyrrell Stefan Bellof, der als größtes deutsches Formel-Talent seit Wolfgang Graf Berghe von Trips galt. „Mein Vater kann mir in Bezug auf Motorsport sehr weiterhelfen. Dadurch dass er schon jahrelange Erfahrung im Motorsport hat gibt es immer wieder Sachen die er mir sagen kann. Früher als das mit dem Motorsport angefangen hat, habe ich eigentlich alles von ihm gelernt und heute gibt es auch immer wieder Sachen von denen ich durch ihn profitieren kann“, sagt Ricciardo Brutschin über die Stütze des Vaters.
Trotzdem malt er seine Zukunftsaussichten nicht positiv. Christian Vietoris kam in die GP2, geht nun aber lieber in die DTM, als es ernsthaft in der Formel-1 zu versuchen. Auch Marco Wittmann, der beim F3-GP in Macau 2011 ordentlich aufhorchen ließ, steht vor einem Wechsel zu BMW in die DTM, statt dem Formel-Sport treu zu bleiben. Beide suchen sich diese Option aus einem Grund aus: Die Kosten steigen im Formel-Sport ins Uferlose, nicht nur in der Formel-1, sondern auch darunter. Sieht Ricciardo Brutschin seine langfristige Zukunft noch im Formel-Sport? „Nein, da es heutzutage einfach nicht mehr genug ist wenn man nur talentiert ist.“
Solange es geht, wird Riccardo Brutschin sicherlich dem Formel-Sport treu bleiben. Und vielleicht findet sich durch Top-Resultate ja doch noch ein Sponsor…