Welche Fahrer müssen um ihre Zukunft bangen?Â
| Madrid (!NS!DE-RAC!NG) - Mit Rubens Barrichello, dem GP-Rekordhalter, gibt es 2012 einen alten Hasen weniger. Doch noch immer gibt es einige ältere Herrschaften unter den GP-Piloten, deren Cockpits naturgemäß für die kommende Saison wackeln. Aber es gibt auch einige junge Fahrer, die vielleicht auf Abruf Formel-1 fahren.
Michael Schumacher (43 Jahre)
Der Rekordweltmeister gab sein F1-Debüt 1991 im Jordan Ford beim Belgien GP, also vor 21 Jahren. Seither fuhr er für Jordan, Benetton, Ferrari und Mercedes. Sein Vertrag mit Mercedes läuft Ende 2012 aus, wird aber wohl auf jeden Fall verlängert. Ob Schumacher dann noch GP-Rennen fährt, darf bezweifelt werden. Die Mission achter WM-Titel dürfte gescheitert sein, denn mit einem Titelgewinn 2012 rechnet nicht einmal mehr Mercedes selbst. Spätestens 2014 will Mercedes den Titel holen und tatsächlich gab es Gerüchte, Mercedes würde den Vertrag von Schumacher noch einmal um zwei Jahre verlängern – aber schon jetzt zeigt der Deutsche Verschleißerscheinungen. Teamkollege Nico Rosberg ist meistens schneller, eine Fortführung des Comebacks äußerst unwahrscheinlich.
Pedro de La Rosa (40 Jahre)
Der Spanier wird noch im Februar 41 Jahre und kam 1999 beim Australien GP bei Arrows in die Formel-1. Seither bestritt er GP-Rennen für Arrows, Jaguar, McLaren und Sauber. De La Rosas Comeback bei HRT kam unerwartet, noch unerwarteter hat HRT den Edeltestfahrer gleich für zwei Jahre ans Team gebunden. Laut Vertrag sehen wir De La Rosa also auch 2013 in der F1-Startaufstellung. In Stein gemeißelt ist das aber noch nicht: Vitantonio Liuzzi hatte für 2012 eigentlich auch einen HRT-Vertrag, schaut jetzt aber dumm aus der Röhre. Und wie lange das mit dem finanziellen Tod kämpfende Team überhaupt noch lebt, ist ebenfalls eine nicht unter den Tisch zu kehrende Frage.
Jarno Trulli (37 Jahre)
Der Weinzüchter aus Italien feierte beim Australien GP 1997 im Minardi Hart seinen Einstand im GP-Sport und fuhr seither für Minardi, Prost, Jordan, Renault, Toyota und Lotus. Schon jetzt sind noch immer alle nicht restlos überzeugt, dass Trulli beim Australien GP wirklich im Caterham Renault fahren wird. Da geistern zum Beispiel Gerüchte umher, Trulli würde noch vor dem Saisonauftakt gegen Guido Van der Garde oder Vitaly Petrov ersetzt werden. Nach Informationen von !NS!DE-RAC!NG wird Trulli die Saison für Caterham auf jeden Fall beginnen, aber ob er sie auch beenden wird, dafür würden wir unsere Hand nicht ins Feuer legen. Dass wir ihn 2013 noch einmal sehen, darf wohl ausgeschlossen werden.
Mark Webber (36 Jahre)
Der Extremsportler aus Australien gab seinen Einstand beim Heim-GP 2002 im Minardi Asiatech, fuhr seither für Minardi, Jaguar, Williams und erneut für Red Bull (einst Jaguar). Die Rücktrittsfrage folgt Webber wie ein Schatten. Das kommt auch nicht von ungefähr: Der WM-Kampf 2010 hat ihn ausgebrannt, 2011 fuhr er im Schatten von Sebastian Vettel. Zwar ließ Webber unlängst andeuten, dass er derzeit keinen Gedanken mehr an einen Rücktritt verschwendet, aber ganz auszuschließen ist es nicht, dass wir ihn 2013 nicht mehr im F1-Grid sehen werden. Bei Red Bull jedenfalls stehen andere Fahrer Schlange.
Narain Karthikeyan (35 Jahre)
Der Bezahlfahrer aus Indien debütierte beim Australien GP 2005 im Jordan Toyota und fuhr seither für Jordan und HRT GP-Rennen. Dass Karthikeyan 2011 für HRT fahren durfte, war eine faustdicke Überraschung. Dass wir ihn 2012 erneut bei HRT sehen, überrascht nicht mehr ganz so sehr, aber dennoch ein bisschen. Fahrerisch fuhr Karthikeyan solide, nicht mehr und nicht weniger. Aber seine gefüllte Sponsorentasche ist ein absolut überzeugendes Argument für ein finanziell kämpfendes Team wie HRT. Wir würden weder drauf setzen, dass Karthikeyan die Saison zu Ende fährt (oder überhaupt bedingt, Stichwort 107%-Qualihürde), noch dass wir ihn 2013 wieder sehen werden. Aber das tun wir schon seit 2005 nicht…
Kimi Räikkönen (32 Jahre)
Der trinkfeste Finne war beim Debüt 2001 in Australien im Sauber Petronas ein Greenhorn im Formel-Sport, wies aber sofort eine Grundschnelligkeit auf, die ihresgleichen sucht – und die er bei all seinen Stationen bewies: Von Sauber über McLaren bis hin zu Ferrari. Ende 2009 verließ der Weltmeister von 2007 die Formel-1, um seine Lust an der Geschwindigkeit in der Rallye-Szene zu befriedigen. Das schaffte er nur bedingt: Das direkte Duell Mann gegen Mann und nicht bloß gegen die Stoppuhr befriedigte ihn nicht. Jetzt fährt er mindestens zwei Jahre für Lotus. Ob er darüber hinaus in der Formel-1 bleibt, wird sich zeigen. Kaum hat das Comeback begonnen, spricht er jedenfalls schon wieder vom nächsten Comeback: Jenem in die Rallye-Szene.
Jenson Button (32 Jahre)
Der Sunnyboy von der Insel debütierte schon beim Australien GP 2000 im BMW Williams und absolvierte seither über 200 Rennen für Williams, Benetton (Renault), BAR (Honda, Brawn) und McLaren. Trotz seiner üppigen Zahl an GP-Rennen befindet sich Button auf dem Höhepunkt seines Könnens und ist mit 32 Jahren noch recht jung. Ein paar Jahre kann und wird der Brite wohl noch fahren. Bis Ende 2014 ist er an McLaren gebunden.
Felipe Massa (30 Jahre)
Der Beinahe-Weltmeister von 2008 fuhr sein erstes GP-Rennen in Australien 2002 im Sauber Petronas und war seither für Sauber und Ferrari tätig. Dass der Brasilianer 2012 weiterhin für Ferrari fährt ist keine Selbstverständlichkeit: Die Leistungen rechtfertigen das Top-Cockpit seit zwei Jahren nicht mehr. Mindestens bei Ferrari fährt Massa deshalb auf Abruf. Dass Massa 2013 noch einmal für Ferrari fährt, ist äußerst unwahrscheinlich, dass er 2013 ganz aus der Formel-1 verschwindet, nicht auszuschließen. Allerdings: Für Mittelfeld-Teams wäre Massa eine Bereicherung.
Fernando Alonso (30 Jahre)
Der Ferrari-Motivator debütierte beim Australien GP 2001 im European Minardi und fuhr seither für Minardi, Renault, McLaren und Ferrari. Kaum zu glauben: Seit einer halben Ewigkeit fährt der Spanier beinahe jedes Jahr um den Titel. Bis Ende 2016 wird er das für Ferrari tun: So lange läuft sein Vertrag. Erst dann könnte Schluss sein.
Heikki Kovalainen (30 Jahre)
Der Finne debütierte beim Australien GP 2007 im Renault und fuhr seitdem für die F1-Teams Renault, McLaren und Lotus. Kovalainen hat sich bei Lotus in den vergangenen zwei Jahren wieder einen guten Ruf erarbeitet. Nach seinen Jahren an der Seite von Lewis Hamilton bei McLaren stand er schon vor dem F1-Aus, nun ist Kovalainen eine sichere Bank für Mittelfeldteams. Dennoch: Eine Garantie für eine Weiterbeschäftigung in der Königsklasse des Motorsports ist das in Zeiten von Bezahlfahrern nicht. Kovalainens F1-Start 2013 ist nicht so sicher wie das Armen in der Kirche.
Timo Glock (29 Jahre)
Der zu beneidende Deutsche gab beim Kanada GP 2004 im Jordan Ford sein Debüt in der Formel-1 und fuhr seither für Jordan, Toyota und Virgin. Seit zwei Jahren arbeitet er also für das Hinterbänklerteam Virgin/Marussia – und eine Besserung ist nicht in Sicht. Schon jetzt kommt der neue Marussia Cosworth verzögert, schon jetzt sickert durch: Ein starkes Auto ist auch das erneut nicht geworden. Glock fährt auch am hinteren Ende des Starterfelds richtig stark. Dennoch scheint er für Mittelfeldteams derzeit nicht interessant zu sein. Immerhin läuft sein Vertrag mit Marussia bis Ende 2014 – aber auch das ist keine Garantie, dass er solange auch wirklich fährt.
Bruno Senna (29 Jahre)
Der Neffe der Rennlegende Ayrton Senna stieg 2010 beim Bahrain GP im HRT Cosworth in die Formel-1 ein und fuhr seither für HRT und Renault. Jetzt kommt er bei Williams unter – damit konnte man nicht wirklich rechnen. Senna ist auch dank seines großen Namens ein Überlebenskünstler. Trotzdem: Er selbst gesteht, dass das Jahr 2012 eine Bewährung für den Brasilianer ist. Noch einmal eine mittelprächtige Saison darf sich Senna nicht leisten, sonst ist Schluss im Bus.
Lewis Hamilton (27 Jahre)
Der dunkelhäutige Brite gab seinen Einstand beim Australien GP 2007 im McLaren Mercedes, wo er bis heute tätig ist – und eigentlich auch seine gesamte F1-Karriere über tätig bleiben wollte. Doch das für Hamilton so schwierige Jahr 2011 hat zu Rissen in der Beziehung zwischen dem Weltmeister von 2008 und dem McLaren-Team geführt. Öffentliche Flirts mit Red Bull, dazu Burn-Out gefährdet, sogar erste Gerüchte von Rücktritt. Hamiltons bis Ende 2012 laufender Vertrag dürfte gleich wohl verlängert werden – oder bahnt sich wirklich ein Mega-Coup bei Red Bull an? Wir prophezeien: Das wird ein heißes Thema 2012.
Pastor Maldonado (26 Jahre)
Der Staats-Motorsportler aus Venezuela debütierte beim Australien GP 2011 im Williams Cosworth und bleibt Williams auch treu. Die Leistungen von Maldonado waren recht ansprechend, die finanzielle Bezuschussung aus Venezuela dürfte in Verhandlungen mit F1-Teamchefs ebenfalls ein überzeugendes Argument sein. Dennoch: Der Fall Vitaly Petrov zeigt: Im Zeitalter der Bezahlfahrer ist es sogar für Bezahlfahrer schwierig. Maldonado dürfte höchst wahrscheinlich auch 2013 in der Formel-1 fahren, aber gesichert ist das nicht.
Nico Rosberg (26 Jahre)
Der in der Sieges-Warteschleife sich befindende Deutsche debütierte beim Bahrain GP 2006 im Williams Cosworth und fuhr seither für Williams und Mercedes und – noch wichtiger – wartet seither auf den ersehnten GP-Sieg. Mit 26 Jahren ist Rosberg noch jung, das Talent zum Siegen soll er gemäß vieler Experten haben, das dazu passende Auto jedoch nicht. Mercedes würde gerne bis Ende 2015 mit Rosberg weitermachen, für 2013 hat er bereits einen Vertrag mit Mercedes. Seine Zukunft in der Formel-1 ist vorerst gesichert, weil sich auch andere Teams wie Ferrari für den Sohn des ehemaligen F1-Weltmeisters Keke Rosberg interessieren.
Paul di Resta (25 Jahre)
Der ehemalige DTM-Meister Paul di Resta kam letztes Jahr beim Australien GP im Force India Mercedes in den Genuss seines ersten Grand Prix und bleibt Force India treu. 2013 wird ein Wechsel kolportiert: Di Resta könnte dann Teamkollege von Nico Rosberg bei Mercedes werden und das Cockpit von Michael Schumacher übernehmen. Di Resta legte jedenfalls eine starke Premierensaison hin, deshalb dürfte die F1-Karriere des Schotten zumindest in der Kurz- und Mittelfrist gesichert sein.
Romain Grosjean (25 Jahre)
Der Mann mit der zweiten Chance aus Frankreich fuhr beim Ungarn GP 2009 im Renault erstmals in der Formel-1 – wurde damals aber ins Kalte Wasser geworfen, als er mitten in der Saison Nelson Piquet Junior beerben durfte. Grosjean entpuppte sich nicht als der beste Schwimmer – und auch seine Motorsport-Fahrkünste wurden nicht offensichtlich. In den Nachwuchsserien kämpfte er sich seither seinen Ruf wieder her und hat sich das Cockpit bei Lotus wohl verdient. Eine zweite Chance heißt aber auch: Grosjean muss sich beweisen, sonst war’s das endgültig mit der Formel-1. Ein Verbleib in der Formel-1 2013 hängt also von der Leistung des Franzosen ab.
Kamui Kobayashi (25 Jahre)
Der Überhol-Meister Kamui Kobayashi gab beim Japan GP 2009 bei Toyota seinen Einstand in der Formel-1 und lenkte seither F1-Fahrzeuge von Toyota und Sauber um die GP-Kurse. Der Japaner gilt als talentiert und auf der Strecke als sehr mutig. 2011 hatte er in der zweiten Saisonhälfte Probleme. Bekommt er die in den Griff, dürfte Kobayashi erst einmal Teil der F1-Szene bleiben. Sogar mit einem Platz bei Ferrari wurde schon spekuliert.
Sebastian Vettel (24 Jahre)
Der aktuelle Doppelweltmeister debütierte beim Ungarn GP 2007 im Toro Rosso Ferrari und fuhr seither für Toro Rosso und Red Bull. Bis Ende 2014 fährt er mit Sicherheit in der Formel-1, denn so lange läuft sein Vertrag mit Red Bull. Vettel ist mit 24 Jahren noch äußerst jung. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deutsche noch zehn Jahre fährt, ist groß.
Nicolas Hülkenberg (24 Jahre)
Der Rückkehrer aus Deutschland debütierte 2010 beim Bahrain GP im Williams Cosworth und kehrt nun bei Force India nach einem Jahr als Testfahrer zurück. Wie für Romain Grosjean ist es auch für Hülkenberg die zweite Chance – und die muss der Blondschopf am Schopfe packen. Hülkenberg wurde in der Vergangenheit schon mit Teams wie Ferrari und Mercedes in Verbindung gebracht – ein Zeichen, wie stark Hülkenberg ist. Und es ist ein Zeichen, dass wir Hülkenberg auch 2013 in der Formel-1 sehen dürften.
Daniel Ricciardo (22 Jahre)
Der Jungbulle feierte beim Großbritannien GP 2011 im HRT Cosworth seinen GP-Einstand und wurde nun ins Red-Bull-Juniorenteam Toro Rosso befördert. Der Australier spricht bereits vom nächsten Schritt: Das Erbe seines Landsmannes Mark Webber bei Red Bull. Doch das Schicksal der Toro-Rosso-Fahrer ist nicht immer so rosig: Man ist schneller weg, als man glaubt.
Sergio Perez (22 Jahre)
Der Reifenflüsterer gab 2011 beim Australien GP im Sauber Ferrari sein GP-Debüt und hat sich bei Sauber bereits einen hervorragenden Ruf erarbeitet: Richtig schnell, wohl überlegte Entscheidungen (Startverzicht beim Kanada GP nach dem Monaco GP) und schonender Umgang mit den Reifen. Noch dazu wird er finanziell vom reichsten Mann der Erde unterstützt – das alles macht den Mexikaner zu einem möglichen Kandidaten bei Ferrari, dürfte seine Zukunft in der Formel-1 mittelfristig jedenfalls sichern.
Charles Pic (21 Jahre)
Der GP-Debütant aus Frankreich feiert in ein paar Tagen seinen 22. Geburtstag, könnte also der Sohn von Michael Schumacher sein. Ob der Franzose so lange wie Schumacher Formel-1 fährt, wird von seiner Leistung abhängigen. Das Marussia-Cockpit verschaffte er sich auch durch die großzügigen Spenden seines wohlhabenden Vaters. Bisher waren die Teamkollegen von Timo Glock nach einer Saison wieder raus (Lucas di Grassi, Jérôme D’Ambrosio).
Jean-Eric Vergne (21 Jahre)
Das Nesthäkchen des F1-Feldes 2012 ist einer der Red-Bull-Junioren bei Toro Rosso und steht deshalb vor einer ungewissen Zukunft: Sie kann zum absoluten Ruhm bei Red Bull führen, oder zum frühen Ende der Karriere. Die Leistung von Vergne wird es zeigen und bestimmen.
Die aktuellen Fahrer mit den meisten WM-Rennen
1. Michael Schumacher (GER) 287
2. Jarno Trulli (ITA) 252
3. Jenson Button (GBR) 208
4. Fernando Alonso (ESP) 177
5. Mark Webber (AUS) 176
6. Kimi Räikkönen (FIN) 156
7. Felipe Massa (BRA) 152
8. Nico Rosberg (GER) 108
9. Lewis Hamilton (GBR) 90
10. Heikki Kovalainen (FIN) 89
11. Pedro de La Rosa (ESP) 86
12. Sebastian Vettel (GER) 81
13. Timo Glock (GER) 72
14. Kamui Kobayashi (FIN) 40
15. Narain Karthikeyan (IND) 27
16. Bruno Senna (BRA) 26
17. Paul di Resta (GBR) 19
17. Nicolas Hülkenberg (GER) 19
17. Pastor Maldonado (VEN) 19
20. Sergio Perez (MEX) 17
21. Daniel Ricciardo (AUS) 11
22. Romain Grosjean (FRA) 7
23. Charles Pic (FRA) 0
24. Jean-Eric Vergne (FRA) 1