| Serie: Formel-1 - Die McLaren-Weltmeister: 5. Alain Prost |
| Geschrieben von: Michael Zeitler | |||
| Sonntag, 01. Februar 2009 um 20:46 | |||
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Serie: Formel-1 - Die McLaren-Weltmeister: 5. Alain Prost von Michael Zeitler . Alain Prost kämpfte gegen die absoluten Topstars der Szene, wie Ayrton Senna, Nigel Mansell oder Niki Lauda. Trotzdem bringt er es auf 4 WM-Titel, 3 davon mit McLaren. Ein ausführliches Portrait des Franzosen. | Interlagos (!NS!DE RAC!NG) - Niki Lauda, Alain Prost, Michael Schumacher. Auf dem ersten Blick haben die 3 Piloten nichts gemeinsam, mit der Ausnahme, dass alle 3 herausragende F1-Fahrer waren und dass alle 3 bereits in den Genuss kamen, mehrere Weltmeisterschaften zu gewinnen. Doch auch in welcher Art Lauda, Prost und Schumacher Weltmeister wurden, verbindet die 3. Bei Schumacher war es mit Sicherheit am krassesten ausgeprägt: Der Deutsche gilt als Gründer einer neuen Ära. Einer Ära, in der pures Racing nicht mehr alles ist, in dem Einsatz am Limit und darüber hinaus, nicht mehr der Schlüssel zum Erfolg ist. Eine Ära, in der Strategie entscheidend wurde, in der man das beste Team um sich herum haben musste, in der es familiär zuging, gleichzeitig aber beststrukturiert und in einer Größe, in der vor einigen Jahren noch der gesamte GP-Zirkus bestand. Schumacher und Ferrari feilten damit aber nur ein Konzept aus, dass Niki Lauda Mitte der 70er Jahre bei Ferrari ebenfalls schon anwandte: Damals wurden die Testfahrten immer professioneller, besonders durch Laudas Engagement bei Ferrari. Auch Alain Prost war ein Stratege. Keine Frage, mit Prost verbindet man immer den genau gegensätzlichen Fahrer, Ayrton Senna. Senna war der Fahrer, der immer am Limit fuhr, der jeden Zentimeter der Strecke nutzte, der die Fans mit seinem aggressiven und spektakulären Fahrstil begeistern. Auf eine Runde war Senna kaum zu schlagen, nicht umsonst führte er lange Zeit die Statistik der meisten Pole Positions an. Prost war im Gegensatz zu Senna eher ein Fahrer, der während des Rennens rechnete. Wenn ein Senna auf Platz 2 liegend am Heck des Führenden klebte, dann suchte er sofort nach nur der kleinsten Lücke. Senna musste sofort am Führenden vorbei, aus eigener Kraft, am besten noch so, dass die Zuschauer auf den Tribünen von den Stühlen purzeln. Fuhr ein Prost an 2. Stelle liegend direkt hinter dem Führenden, ging die Rechnerei los. Lohnt sich ein Angriff im Blick auf die WM? Kommt eine Zeit des Rennens, die günstiger für das Überholen ist? Professor Prost Quali-Duelle von Alain Prost Aber sein Fahrstil war bei den Fans weniger beliebt, als bei Senna. Die Frage aller Fragen für Historiker – wer der beiden Giganten war denn nun besser? Senna oder Prost? – geht deshalb immer recht einstimmig für Senna aus. Ganz einfach, weil Senna in der gemeinsamen McLaren-Zeit Prost tatsächlich überlegen war, aber auch weil Senna einfach ein besonderer Charakter war, der bei den Fans ankam. Ausgerechnet bei den Senna-Fans bekommt Prost miserable Bewertungen. Kein Wunder, schließlich waren die beiden über Jahre erbitterte Feinde. Prost sei zu langweilig gewesen, war zwar ein Talent, hat aber nicht für den Motorsport gelebt, wie etwa Senna. Andere Argumentieren dagegen, welch großartiger Fahrer Prost war. 4 Mal F1-Weltmeister, und das mit Gegnern wie Niki Lauda, Keke Rosberg, Senna, Nigel Mansell oder Damon Hill – also 5 F1-Champions – im eigenen Team! Auch wenn Weltmeisterschaften wie 1989 oder 1993 andere Fahrer eher verdient hätten, auf der anderen Seite hätte Prost auch mehr Weltmeisterschaften gewinnen können. 1983 bei Renault und 1984 bei McLaren war Prost mit Abstand der beste Fahrer – und er war auch nah am WM-Gürtel, aber nicht nah genug. Alain Prost war ein recht netter Geselle. Umso mehr überraschen die vielen Rivalitäten und vor allem die Zwistigkeiten mit seinen Arbeitgebern. Quasi bei allen F1-Rennställen verstritt sich Prost, was nicht selten zur Trennung führte: Bei Renault wurde Prost auf die Straße gesetzt, weil er Gerüchten zu Folge nicht nur seine Hakennase in der Frau eines Renault-Bosses versenkt haben soll. Bei McLaren war der Haussegen durch das teaminterne Duell Senna versus Prost schiefer als der Turm von Pisa. Die Verbindung zu Ferrari wurde aufgelöst, weil er die Fahrweise des F1-Ferraris mit der eines Lastkraftwagens verglich. Freunde machte er sich damit nicht, aber auch seine ständigen Bestrebungen, Rennleiter bei Ferrari werden zu wollen, kamen nicht gut an. Schließlich bei Williams gab es Streitereien wegen der Verpflichtung von Ayrton Senna. Prost hatte sich für 1993 eine Klausel in den Vertrag setzen lassen, die es Williams unmöglich machte, den Brasilianer zu verpflichten. Die lief aber 1994 aus und weil Prost wenig scharf auf ein neuerliches Teamduell mit Senna war, trat er lieber zurück. Dies ist auch ein Kritikpunkt an Prost, doch im Plädoyer seiner Verteidiger muss erwähnt werden, dass Senna Gleiches schon Jahre zuvor bei Lotus gegen eine Verpflichtung von Derek Warwick unternahm. Was wäre gewesen wenn... Prost überwarf sich aber nicht nur mit den Teams selbst, sondern auch mit seinen Teamkollegen. Das Verhältnis zu Senna wurde erst nach der Saison 1993 besser, bei einem Kartrennen in Paris. Senna und Prost sprachen sich endlich aus und freundeten sich sogar an. Es läuft einen kalt den Rücken herunter, aber in diesem Zusammenhang, sei auch Imola 1994 genannt, das Schicksalsrennen von Senna, das er nicht überlebte. Im Training kommentierte Senna eine Imola-Runde für das italienische Fernsehen. Am Ende der Runde schickte er einen Gruß an Alain Prost, „seinem Freund“. Aber auch mit Nigel Mansell verstand sich Prost nicht immer gut: Beide wurden 1990 Teamkollegen bei Ferrari. Mansell fuhr zuvor schon im Team, Prost kam, nachdem er sich mit McLaren nicht mehr zu einer Vertragsverlängerung einigen konnte. Der Grund dürfte auch in Ayrton Senna liegen. Jedenfalls verstanden sich Mansell und Prost zunächst prächtig. Das änderte sich im Laufe der Saison, 2 Weltklasse-Fahrer in einem Team, das ging eben selten gut. Mansell hatte in der Saison viel Pech und gab zur Mitte der Saison schon den Rücktritt am Ende der Saison bekannt (änderte seine Meinung bekanntlich noch und verpflichtete sich für 2 weitere erfolgreiche Jahre bei Williams), während Prost sehr stark unterwegs war und gegen Senna um den Titel kämpfte. Der Tiefpunkt des Verhältnisses Prost-Mansell war der Portugal GP: Die beiden Ferrari gingen aus der 1. Startreihe ins Rennen. Mansell fuhr dabei in Prosts Spur und war damit verantwortlich, dass die beiden McLaren-Honda-Fahrer Senna und Gerhard Berger durchschlüpfen konnten. In der Pressekonferenz raste Prost danach. Das Verhältnis besserte sich aber nach und nach wieder, auch wenn Mansell zwischendurch nochmal Beschwerden abgab: Prost kam 1993 nämlich nur mit einem Nr.1-Status zu Williams, was Mansell, dem amtierenden Weltmeister mit Williams, natürlich missfiel. Steve Nicholls, ein Ferrari-Insider in diesem Jahr 1990 und zuvor Renningenieur von Senna bei McLaren, klärt auf: „Prost war sehr schnell, schneller als Nigel, besser in jeder Hinsicht, vor allem wenn es darum ging, das Auto zu entwickeln. Er sprach nicht fließend Italienisch, wie es immer hieß, aber er wusste sich zu helfen, wenn er was wollte. Nigel schaffte das nicht und das war ein Problem, mehr für sich selbst, als für sonst jemanden. Er brauchte einen Grund, wieso Alain besser war und meinte fortan, dass es daran läge, weil Alain italienisch sprach und sich mehr ins Team einbrachte.“ Und weiter: „Beim Testen wollte Nigel immer sehr schnell sein, eine Zeit auf den Asphalt brennen und dann nach Hause gehen. Er wusste, was die italienischen Medien und Fans wollten: Einen schnellen Fahrer. So brachte er sie hinter sich. Prost wollte lieber wie ein Team arbeiten.“ Der Familienstamm Prost Sein Vater André war aber Franzose durch und durch. Mit dem Motorsportvirus musste sich Alain Prost aber selbst infizieren, denn sowohl Vater André (Möbeltischler), als auch Alains älterer Bruder Daniel, der 1986 einem Krebsleiden erlag, hatten mit Motorsport nichts am Hut – wie auch Alain zunächst nicht. Sportlich war Prost schon in seiner Kindheit, aber erst mit 14 Jahren schwenkte er vom Fußball und Wrestling zum Kartsport um. Mittlerweile ist Alain Prost mit Anne-Marie verheiratet und hat 3 Kinder: Nicolas, Jahrgang 1981, Sacha, Jahrgang 1990), sowie Victoria. Als Alain Prost vor wenigen Jahren wieder spaßeshalber bei ein paar Eisrennen teilnahm und seinen Sohn Nicolas mitnahm, bekam Nicolas Prost ebenfalls Lust auf das Rennfahren. Der Franzose ist zwar schon 26 Jahre alt, trotzdem baut er sich aktuell eine Karriere auf, die seit wenigen Jahren auch schon bis in die höchsten Klassen geführt hat: 2005 schnupperte er bei Graff Racing in der Formel-World Series by Renault, allerdings noch recht erfolglos. Es folgten 2 Jahre in der spanischen Formel-3: 2006 ließ er bei Racing Engineering öfters mal sein Talent aufblitzen, 2007 wurde er im Team des ehemaligen F1-Piloten Adrian Campos bereits Gesamt-3. Für Oreca fuhr er auch beim 24 Stundenrennen von Le Mans. 2008 gewann er für ELK die europäische Formel-3000, außerdem ist er einer der Fahrer für das französische A1 GP Team. Prosts Weg in die Formel-1 Damit erschien eine Saison in der Formel-2 für wenig sinnvoll, zumal es schon 1979 Angebote von F1-Teams hagelte. 1980 stieg Prost in die Formel-1 ein und bekam gleich ein Cockpit bei McLaren. In der ersten Saison erwies sich Prost als Bruchpilot, meist aber unverschuldet: Weil ihm die Federn brachen, flog Prost 2 Mal heftig ab und verletzte sich jeweils so stark, dass er die Rennen auslassen musste: Beim Südafrika GP brach er sich das Handgelenk, beim USA-Ost GP hatte er nach dem Unfall einen dicken Schädel – er war nicht einsatzfähig. Auch abgesehen von den Unfällen war es keine befriedigende Saison für Prost: Am Ende hatte er lediglich 5 Punkte auf seinem Konto, das entsprach Platz 16 in der Gesamtwertung. Das Saisonhighlight: Rang 5 in Brasilien. Für eine Weiterbeschäftigung bei McLaren reichte das nicht. Prost wechselte zu Renault. Auch bei den Franzosen wurde es zunächst nicht besser: 7 Rennen, 6 Ausfälle. Nicht nur beim 3. Platz in Argentinien deutete Prost allerdings an, dass mehr in ihm steckt. Ausgerechnet beim Heim-GP in Frankreich gewann Prost dann auch sein erstes F1-Rennen. Von da an platzte der Knoten: Es folgten 2 weitere Siege, sowie zwei 2. Plätze. Am Ende bedeutete dies Rang 5 mit 43 WM-Punkten. Bei Renault träumte man nun vom WM-Titel mit Prost am Steuer. Nachdem die Saison 1982 auch prompt mit 2 Auftaktsiegen von Prost startete, witterte man die große Überraschung. Aber 7 Ausfälle in Folge warfen Prost aus dem Titelrennen, bescheidene Ergebnisse nach dieser Pechsträhne konnten ihn auch nicht wieder auf Kurs bringen. Die 51 F1-Siege von Alain Prost Einmalig: 4 Mal Weltmeister, 4 Mal Vizemeister Die 3 besten Rennen von Alain Prost Dem Fahrerlager war es nämlich nicht entgangen, dass sich Prost deutlich weiterentwickelt hat, auch nicht dem McLaren-Team. Teamboss Ron Dennis holte Prost ins Team zurück und pflanzte ihn ins 2. McLaren-Cockpit als Teamgefährte von Niki Lauda. Der Österreicher war klarer Favorit auf den WM-Titel, aber was Dennis mit der Verpflichtung von Prost wahrscheinlich nicht erwartete: Prost war unübersehbar schneller als Lauda! Pechsträhnen und 5 Ausfälle hielten Lauda aber im Titelrennen und letztlich wurde er auch zum 3. Mal Weltmeister. Knapper hätte es aber nicht zugehen können: Mit 72:71,5 Punkten holte sich Lauda den Titel gerade einmal mit einem halben Punkt Vorsprung! Prost dagegen war wieder der Geschlagene, ging dafür aber als absoluter Titelfavorit in die Saison 1985. Tatsächlich gewann Prost 1985 auch den Titel. Er setzte sich gegen Ferrari-Pilot Michele Alboreto durch, dem im Saisonendspurt die Puste ausging. EINE AUSFÜHRLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER SAISON 1985 FINDEN SIE BEI HISTORY->JAHRESRÜCKBLICKE Prost konnte seinen Titel 1986 prompt verteidigen. Dabei profitierte er von dem Gezanke der beiden Williams-Piloten Nigel Mansell und Nelson Piquet. Die beiden nahmen sich gegenseitig die Punkte weg, Prost sagte „danke“ und profitierte: Zum 2. Mal wurde er F1-WM. EINE AUSFÜHRLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER SAISON 1986 FINDEN SIE BEI HISTORY-> JAHRESRÜCKBLICKE Williams war 1987 unschlagbar – auch für Prost. Der fuhr zwar eine recht solide Saison, aber mehr als Platz 4 in der Fahrer-WM war nicht drin. McLaren konzentrierte sich deshalb schon früh auf die Saison 1988, mit der alles besser werden sollte: Von Williams warb man die Honda-Motoren ab und begann eine neue fruchtbare Partnerschaft. Und auch der Zugang von Ayrton Senna verstärkte das Team immens. Senna hatte Prost größtenteils im Griff und wurde deshalb 1988 auch Weltmeister. Auch 1989 war er eigentlich besser, aber Prost war viel konstanter als Senna, der zwar selten Federn lassen musste, aber oft auch Opfer der Technik wurde. 1989 holte sich Prost also den Titel zurück und ging danach zu Ferrari – nochmals ein Jahr an der Seite von Senna hätten ihm wohl einige Stressfalten mehr ins Gesicht getrieben. EINE AUSFÜHRLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER SAISON 1990 FINDEN SIE BEI HISTORY -> JAHRESRÜCKBLICKE Auch bei Ferrari war Prost 1990 sofort ein Titelkandidat. Zur Mitte der Saison konnte Prost sogar 3 Rennen in Folge gewinnen. Senna und McLaren Honda waren aber nach wie vor ein starkes Paket – und Senna war noch wütend: Nachdem Prost Senna im Vorjahr in Suzuka von der Strecke fuhr und damit Weltmeister wurde, hatte Senna gleiches 1990 in Suzuka gegen Prost vor. Eine Geheimaktion war das nicht: Schon am Start sprach Senna davon, Prost rächen zu wollen. Senna hatte ein mutiges Mundwerk, aber er ließ seinen Worten auch Taten folgen: Senna fuhr Prost beim Start eiskalt in den Wagen und beendete damit den WM-Kampf vorzeitig zu seinen Gunsten. Strafen gab es nicht, Prost raste vor Wut. Zumal er 1991 keine Chance mehr gegen Senna hatte. Der Ferrari 642 war kein Meisterwerk und so musste man zur Saisonmitte sogar noch den 643 aus der Taufe heben. Aber Prost blieb sogar sieglos, was er zuvor nur in seiner Anfangssaison 1980 schaffte! Prost wurde aber 1991 nicht einfach langsamer: Mit dem Ferrari hatte Prost einfach kein WM-fähiges Arbeitsgerät. Das wusste die Ferrari-Teamleitung, das wussten die Fans, und das wusste auch Prost. Prost fasste dies auch in Worten, verglich die Fahrweise des Ferrari F1 mit jener eines LKWs. Für Ferrari war das ein Schlag unter der Gürtellinie und prompt wurde Prost noch vor dem Ende der Saison 1991 auf die Straße gesetzt und gegen Jean Alesi eingewechselt. 1992 blieb Prost dann zunächst ohne Cockpit, um die Möglichkeiten am Transfermarkt ausführlich zu sondieren – mit Erfolg: Prost kam 1993 bei Williams unter und setzte sich damit in ein gemachtes Nest: Williams war 1992 und 1993 absolut dominierend, der WM-Titel für Prost dadurch ein Kinderspiel – eigentlich. Prost kämpfte nämlich mehr, als es ihm lieb war und sogar Teamkollege Damon Hill war nach Mitte der Saison über Phasen besser als Prost. Zu Beginn tanzte zudem Senna noch mit Prost – im vermeintlichen B-Team von Ford, McLaren. Doch es reichte am Ende für Prost zum 4. WM-Titel seiner Karriere. EINE AUSFÜHRLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER SAISON 1993 FINDEN SIE BEI HISTORY -> JAHRESRÜCKBLICKE Wie schon angesprochen kam Ayrton Senna 1994 zu Williams und Prost machte sich schnell vom Acker. Ein 2. Mal kehrte er zu McLaren zurück und übernahm dort eine Rolle im Management, fungierte aber auch als Testfahrer. Eine Managementrolle wollte Prost schon bei Ferrari innehaben und hatte es später auch bei Ligier inne. Immer wieder gab es Gerüchte, dass Prost bei McLaren nochmals als Stammfahrer zurückkehren würde. Speziell nach dem schweren Unfall von Mika Häkkinen in Adelaide 1995, nachdem zunächst nicht klar war, ob Häkkinen 1996 einsatzfähig sein würde, trainierte Prost auch wieder für eine mögliche Rückkehr. Selbst bei Ferrari war Prost nochmal ein Thema, weil sich Gerhard Berger für den Franzosen stark machte. Prost ließ das Abenteuer aber sausen und verfolgte lieber andere Pläne. F1-WM-Statistik: Alain Prost Diese Pläne wurden auch in die Realität umgesetzt: Prost kaufte sich vor dem Saisonbeginn 1997 das Ligier-Team! Seine Bestrebungen, das Team zu übernehmen, waren damals nicht neu: 1991 testete er einen Ligier Lamborghini, einen der schlechtesten Ligier-Boliden aller Zeiten. Guy Ligier hatte noch keine Lust, die Leitung des Teams abzugeben, also scheiterte ein Deal mit Alain Prost. Ein Jahr später änderte sich die Meinung von Guy Ligier grundlegend: Die finanziellen Probleme ließen sportliche Erfolge schon seit langer Zeit ausbleiben, einige Teile verkaufte er bereits an Cyril de Rouvre – eine Ruckzuck-Aktion, die aber nötig war. De Rouvre war zwar ein großer Motorsportfan, hatte aber nicht wirklich Ahnung, wie man ein Team führte. 1989 kaufte er nämlich das französische F1-Team AGS von Henri Julien auf. 2 Jahre hatte er Spaß am Team, dann waren die finanziellen Engpässe De Rouvre über den Kopf gewachsen. Er verkaufte den Laden an die beiden Italiener Gabriele Raffanelli und Patrizio Cantu, der zuvor Teammanager bei der Scuderia Italia war und mit dem Crypton-Team ein eigenes Team in der Formel-3000 einsetzte. Auch die beiden konnten das AGS-Team nur noch wenige Monate durchfüttern. Alain Prost wollte 1992 bei Ligier fahren und gleichzeitig als Teamchef auftreten. Guy Ligier war von dieser Idee nicht überzeugt. Weniger, weil er Alain Prost das nicht zutraute, schließlich schafften das schon andere Fahrer vor ihm, auch wenn die Ansprüche eines Teamchefs in den 90er Jahren schon größer waren, als in den Jahren zuvor, aber natürlich bei weitem noch nicht mit dem zu vergleichen, welche Aufgaben ein Teamchef heute erfüllen muss, in einer komplexen und theoretischen Formel-1. Vor Prost führte Emerson Fittipaldi zum Beispiel schon Ende der 70er Jahre das Copersucar-Team seines ehemaligen Bruders Wilson Fittipaldi und fuhr gleichzeitig Rennen für das Team. Guy Ligier war vielmehr deshalb nicht von der Idee überzeugt, weil er noch immer den Posten des Teamchefs beanspruchen wollte. An De Rouvre verkaufte er nur 26% seines Teams, deshalb holte er ihn auch an Bord. 26% bedeuteten nämlich wieder mehr Geld in der Kasse, aber die Leitung blieb noch bei Ligier. Das änderte sich aber bald: De Rouvre kaufte bald weitere 69% des Teams. Die Verhandlungen mit Prost waren ein 2. Mal gescheitert. 1994 stand Prost wieder auf der Matte, nachdem De Rouvre verhaftet wurde. Dieses Mal war Flavio Briatore, Teamchef von Benetton, aber flotter und zahlungskräftiger. 3 Jahre lang machte der Italiener das Ligier-Team zum Benetton-B-Team, dann verscherbelte er es endlich an Alain Prost. Prost setzte sich gegen 6 weitere Interessenten durch. Alain Prost nahm aber auch schon vor den 90er Jahren Kontakt zu Guy Ligier auf, allerdings ging es damals nur um den Posten des Rennfahrers. Als Patrick Depailler 1979 einen Unfall beim Drachenfliegen hatte, suchte Ligier fieberhaft nach einem Ersatz für den Franzosen. Alain Prost bot sich an, Ligier lehnte ab. Prost sei noch zu unerfahren. Prost war zu Beginn der Saison noch selber Meinung und schlug deshalb ein Angebot von Ensign aus. Nun hatte sich seine Meinung aber geändert. 10 Jahre später verhandelte Prost neuerlich mit Ligier, nachdem er das McLaren-Team wegen der Rivalität mit Ayrton Senna verlassen wollte. Ferrari schien für Prost aber dann doch die attraktivere Variante. Prost kauft Ligier Die Automobilabteilung von Guy Ligier blieb auch weiterhin bestehen, nachdem Alain Prost das F1-Team kaufte. Neben Guy Ligier ist mittlerweile auch sein Sohn in der Leitung der Firma. 2004 betätigte sich Ligier auch wieder im Motorsport, mit dem Bau eines Boliden für die Formel-3. Das Ligier-Team, das für 1984 sogar einmal einen IndyCar-Renner konstruierte, der von Kevin Cogan pilotiert wurde (ein Einsatz von Andrea de Cesaris mit dem Ligier beim Indy500 kam nicht zu Stande), übernahm das Team von Tico Martini, der seinen Martini-Rennstall in den 70er Jahren sogar in die Formel-1 führte. Martini und Ligier arbeiten nun in der Formel-3 zusammen und bei den Sportwagen. Das F3-Projekt schlief wieder etwas ein, Nicolas Hülkenberg, mittlerweile F1-Testfahrer bei Williams testete den Boliden – das war’s dann aber auch. Mit Alain Prost in der Teamführung, überraschte das Team 1997 die Konkurrenz. Prost erntete damit aber nicht die eigenen Früchte, sondern die harte Arbeit seiner Vorgänger. Auf die Saison 1997 hatte Prost nämlich keinen Einfluss mehr, weil er den Rennstall erst kurz vor dem Saisonauftakt unter seine Obhut brachte. Prost ließ sogar noch die Bezeichnung JS45 stehen, erst 1998 nannte er den Prost-Renner auch in AP01 (AP für Alain Prost natürlich) um. Im Heck des JS45, den Olivier Panis und Shinji Nakano steuerten, schlummerte noch ein Mugen Honda. Während Panis von Erfolg zu Erfolg hetzte, kümmerte sich Prost im Hintergrund um einen Deal mit dem französischen Automobilhersteller Peugeot. Prost sah in Peugeot eine Bedingung zum Erfolg, doch letztlich verlief die Partnerschaft eher rau: Gegenseitiges Misstrauen, ausbleibende Zahlungen, unangekündigter Rückzug, teure Motoren – eine Liebesbeziehung war das nicht. Die Mugen-Honda-Aggregate verhalfen Prost dagegen zur besten Saison des Teams unter Alain Prost: Panis sammelte fleißig Punkte, wurde in Australien 3., in Spanien sogar 2. Nach 7 Rennen lag der Franzose völlig überraschend auf Platz 3 in der Fahrerwertung. Beim Kanada GP spielte das Schicksal jedoch übel mit: Panis baute einen schweren Unfall und brach sich beide Beine. Er musste einige Rennen aussetzen. Prost konnte von Minardi passenden Ersatz abwerben: Jarno Trulli. Der Italiener befand sich noch in seiner ersten F1-Saison, führte aber wie ein Routenier über 30 Runden lang gekonnt den Österreich GP an. Ein spektakulärer Motorschaden ließ die Sensation verrauchen. Als Panis für die letzten Rennen wieder zurückkehrte, deutete sich an, was sich in den folgenden Jahren bestätigen sollte: Panis konnte an seine guten Erfolge von vor seinem Unfall nicht mehr anknüpfen. Panis fuhr aber 2 weitere Jahre bei Prost, neben Trulli. Die umfangreichen Umstrukturierungen im F1-Reglement machten den kleinen F1-Teams schwer zu schaffen. Auch Prost merkte das und trotz der Partnerschaft mit Peugeot, konnte man 1998 mit Trullis 6. Platz in Belgien nur einen einzigen Punkt an Land ziehen. Durch chaotische Rennverläufe sah Prost 1999 wieder besser aus: Beim Europa GP fuhr Trulli sogar auf Platz 2 hinter Sieger Johnny Herbert im Stewart Ford. Doch das Regenrennen forderte viele Ausfälle unter den Favoriten. Während dessen reiste Prost immer öfter nach Spanien um mit potenziellen Sponsoren aus Spanien zu verhandeln. 2000 und 2001 blieben die Gespräche noch ohne Erfolg, aber für 2002 konnte Prost den spanischen Mineralölkonzern Repsol als Sponsor gewinnen. Wie sich herausstellen sollte, war das aber schon zu spät. Prost ließ auch immer mehr Spanier testen: Neben Pedro de La Rosa griff auch Oriol Servia ans Steuer eines Prost Peugeot. Das Prost-Team geht unter Nach der F1-Saison 2001 sah es für das Prost-Team düster aus. Viele Sponsoren sprangen ab, Schulden mussten gemacht werden, die Zukunft schien gefährdet. Alain Prost holte damals zum Rundumschlag aus: „Die Partnerschaft mit Peugeot war die Hölle und letztlich auch ein Grund des Scheiterns. Auch viele Sponsoren erfüllten die Verträge nicht. Von der französischen Regierung gab es nicht den Hauch an Unterstützung.“ Der damalige Sportdirektor des Teams, John Walton sah das anders: Alain Prost wollte einfach keinerlei Macht abgeben. Es habe durchaus Interessenten gegeben, die das Team retten wollten. Einer von ihnen war der ehemalige F1-Pilot Pedro Diniz. Der Brasilianer besaß seit 2000 mit seinem Vater AbÃlio Diniz, ebenfalls ein ehemaliger Rennfahrer, 40% des Prost-Teams und wollte mit der Übernahme der restlichen 60% auch die Schulden tilgen. Prost lehnte ab, weil er somit entmachtet worden wäre. Prost selbst sieht das freilich anders: „Diniz war doch keinesfalls seriös.“ Gespräche mit 2 amerikanischen Investoren versandeten, der Scheich Prinz Khaled al-Waleed, der zuvor schon das Minardi-Team übernehmen wollte und in den 80er Jahren bei Williams Sponsor war, zog sein verlockendes Angebot kurz vor knapp zurück – angeblich wegen den Auswirkungen der Terroranschläge des 11. Septembers 2001. Eine Übernahme des Prost-Teams durch Craig Pollock, der bereits das BAR-Team mitgründete und ein Jahr später auch den Arrows-Rennstall kaufen wollte, scheiterte aus gleichen Gründen wie jene durch Diniz. Auch mit der kanadischen Firma Vector Motor Sport von Marc Bourdeau, die schon 2000 das Team übernehmen wollten und an einem F1-Motor arbeiteten, kam es zu keiner Übereinkunft. Am 28. Februar 2002 um 11 Uhr lief die Frist zur Rettung der Prost-Firma ab. Prost war insolvent und die Reste des Teams wurden von Charles Nickerson aufgekauft, der das Team in Phoenix umbenannte und damit 2002 als neues Team an den Start gehen wollte. Er kaufte die neuen Chassis, die Prost 2002 einsetzen wollte, sowie auch die Chassis aus dem Jahr 2001, dazu auch die F1-Rechte von Prost, also die Einschreibung für die F1-WM 2002, sowie die Rechte auf Gelder aus dem F1-Einnahmetopf. Der Verkauf wurde zunächst von Virginie Papin (Prost-Pressesprecherin), um 15 Uhr gleichen Tages auch vom Handelsgericht in Versailles bestätigt. Der Insolvenzverwalter Cosme Rogeau sah das offenbar anders und wollte die Einzelteile des Teams lieber versteigern. Derweil wurden die Drahtzieher des Phoenix-Teams bekannt: Tom Walkinshaw, der bereits das Arrows-Team besaß, und dessen Rennteam TWR (Tom Walkinshaw Racing) hat sich mit Nickerson zusammen getan und will das Team an den Start bringen. Offenbar gab es hinter den Kulissen auch Gespräche mit dem Automobilhersteller Skoda. Beim Australien GP jedenfalls fehlte das Team. Walkinshaw war aber zuversichtlich zumindest für Brasilien, oder sogar schon zum 2. Rennen in Malaysia mit dem neuen Team antreten zu können. Natürlich gab es einige Probleme: Ferrari kündigte an, dass man dem Team keinen Motor zur Verfügung stellen würde. Arrows wollte die eigenen Motoren, die man 1999 einsetzte und auf noch älteren Hart-Motoren basierten, zur Verfügung stellen, aber das war dann doch zu abenteuerlich. Niki Lauda, nicht nur 3 Mal F1-Weltmeister, sondern damals F1-Teamchef von Jaguar und damit auch der Ford-F1-Kasse, erklärte, dass man nicht abgeneigt sei, das Team mit Motoren zu versorgen. Als Fahrer waren Gaston Mazzacane und Tarso Marques, sowie als Testfahrer Tomas Enge aufgeboten. Walkinshaw und Nickerson kümmerten sich um alles, nur um eines nicht: Sie fragten weder beim Automobilweltverband FIA, noch bei F1-Boss Bernie Ecclestone nach, ob die Verträge des ehemaligen Prost-Rennstalls mit der F1 noch Gültigkeit besitzen, denn nachdem sich Walkinshaw dem Ganzen annahm, existierte das Team faktisch nicht mehr. Denn Walkinshaw, der schon 1995 und 1996 Anteilseigner im Team war, als es noch Ligier hieß, ließ alles andere auflösen und nahm nur die Autos mit. Besonders Paul Stoddart, Besitzer des Minardi-Teams stellte sich den Plänen Walkinshaw quer. Der Australier wollte Prost ebenfalls kaufen, aber nur um damit sein Minardi-Team zu bereichern. Als er erkannte, dass die Handlungen Walkinshaws dem Concorde Agreement widerstrebe, drohte er mit Gerichtsverfahren. Die FIA prüfte die Unterlagen für Nickerson, der in Malaysia an den Start gehen wollte (er reiste mit einem 25-Mann starken Team an) und kam zum Ergebnis: Er habe lediglich die Prost-Fahrzeuge gekauft, nicht aber die Rechte. Logische Schlussfolgerung: „Das Phoenix-Team werde weder beim Malaysia GP, noch beim Rest der Saison an der F1-WM teilnehmen.“ Das Phoenix-Team war damit Geschichte. F1-WM-Statistik: Team Prost Alain Prost besaß übrigens auch schon ein F3000-Team: Ende 1998 kaufte der Franzose das Apomatox-Team, das Dominique Delestre Ende der 80er Jahre gründete, nachdem ein Unfall seine F3000-Rennfahrerkarriere beendete. Delestre blieb als Teammanager an Bord des Rennstalls, der nun als Prost-Juniorteam fungierte. Nach der Prost-Pleite war natürlich auch für das F3000-Team Aus die Maus. Prost bestritt seither einige Eisrennen, 2005 fuhr er für Exagon Racing auch einen Chrysler in der FIA GT-Serie. Mit einem Sieg wurde er Gesamt-11. MZ
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