| Serie: Formel-1 - Die McLaren-Weltmeister: 6. Ayrton Senna |
| Geschrieben von: Michael Zeitler | |||
| Mittwoch, 18. Februar 2009 um 21:49 | |||
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Serie: Formel-1 - Die McLaren-Weltmeister: 6. Ayrton Senna von Michael Zeitler . Ayrton Senna ist für viele Fahrer ein Idol, etwa für Michael Schumacher oder Rubens Barrichello. Und Senna ist der 6. Teil unserer McLaren-Weltmeister-Serie.
| Interlagos (!NS!DE RAC!NG) - Nur 2 Fahrer konnten für McLaren 3 F1-Weltmeisterschaften gewinnen: Alain Prost und eben Ayrton Senna. Senna schaffte es aber in einem extrem kurzen Zeitraum: Er holte sich 1988, 1990 und 1991 jeweils den WM-Titel mit dem McLaren-Team. Die Beziehung Senna und McLaren war zweifellos eine erfolgreiche Beziehung, aber auch eine Beziehung mit Problemen: Senna war ein eigener Charakter, unverwechselbar; der etablierte Star Prost kam damit nicht zurecht. Zwischen Senna und Prost entwickelte sich eine erbitterte Rivalität, deren Höhepunkt die Kollision beim Japan GP 1989 war, als Prost mit einem Rammstoß gegen Senna den WM-Titel gegen Senna gewann. Beide fuhren damals einen McLaren Honda. Der Krieg der Superstars Besonders tief saß die Rivalität zwischen Senna und Prost. Piquet bevorzugte in den Medien offen schmutzige Wörter und Beleidigungen, der Kampf zwischen Prost und Senna saß tiefer. Nach Japan 1989 ging es bei den beiden weiter: 1990 in Japan rächte sich Senna mit einem der schlimmsten Fouls in der Geschichte der Formel-1: Vor dem Start kündigte er Rache gegen Prosts Aktion an und tatsächlich fuhr er ihm eiskalt ins Auto. Als Alain Prost 1993 bei Williams Stammpilot wurde, blockierte er das 2. Cockpit für Senna. Prost ließ im Vertrag festhalten, dass Gott weiß wer sein Teamkollege werden kann, aber auf keinen Fall Senna. Einen erneuten Kampf mit Senna im eigenen Team – das war Prost zu viel, zumal er schon bei McLaren nicht so gut aussah gegen Senna, der vor allem im Qualifying mit dem Herz in der Hand um die Strecke heizte. War Prost also feige? Es darf nicht vergessen werden, dass Senna gleiches schon Jahre zuvor machte: 1986 ließ er sich eine Klausel in den Vertrag schreiben, wonach Derek Warwick nicht sein Teamkollege bei Lotus werden dürfe. Mehr als 20 Jahre später und nach dem Ablaufen der Karriere des Briten, fragen sich viele: Wieso eigentlich? So überragend stark unterwegs war er doch gar nicht!? Fakt ist: Die englische Presse forderte einen Briten in einem der beiden Lotus. Senna war darüber weniger erpicht, denn nachdem er 1 und 1 zusammengezählt hatte, wusste er, dass Lotus auf Druck der Presse sich mehr auf den Briten konzentrieren könnte, als auf den Brasilianer Senna. Warwick galt zudem als aufgehender Stern am britischen Motorsporthimmel. Die Lösung: Man verpflichtete den netten, aber nicht mit überdimensionalem Talent gesegneten Johnny Dumfries. Senna und die Teamkollegen Gerhard Berger, jahrelang Sennas Teamkollege, hält ebenfalls große Stücke auf den Brasilianer in seinem Buch "Zielgerade": „Mitte der 80er Jahre fuhr ich für Ferrari und er für Lotus. Mein Fahrer war seinem Lotus meistens überlegen, aber trotzdem konnte er es überhaupt nicht akzeptieren, dass man wegen eines unterlegenen Materials langsamer sein sollte als der andere. In seinem Kopf existierte das nicht, es gibt nur Senna, und alle anderen haben hinter ihm zu sein.“ Qualiduelle von Ayrton Senna Es gibt nur wenige Fahrer, die sich dem Motorsport so leidenschaftlichen unterwarfen wie Senna. Senna verzichtete auf Familie, seine Familie war der Motorsport. Seine Ehe scheiterte in den Anfangsjahren der Formel-1, danach war er stets Single. Affären hatte sein Landsmann Nelson Piquet, nicht aber Senna. Böse Zungen, oder eben auch neidische Zungen behaupteten sogar, Senna sei homosexuell. Derweil konzentrierte sich Senna eben voll auf die Formel-1, verließ sich nicht nur auf sein schier grenzenloses Talent. Senna war eben anders. Deshalb mochten ihn auch die Massen. Sein aggressiver Fahrstil entzückte die Fans genauso, wie sein Charisma. Trotzdem muss man gestehen: Sein tödlicher Unfall hob Senna nochmals eine Stufe höher. Irgendwie ist es traurig, aber Rennfahrer mit schweren oder gar tödlichen Unfällen erhalten oft einen noch größeren Mythos, einen noch größeren Wert, eine noch größere Beliebtheit. Sennas Anfänge Endstand britische F3-Meisterschaft 1983 F1-Debüt mit Toleman Die 3 besten Rennen von Ayrton Senna Der Monaco GP war auch schon der Höhepunkt der Saison 1984. Es folgten zwar noch 2 weitere 3. Plätze (Großbritannien & Portugal), aber ansonsten gab es nur noch Ausfälle, mit einer Ausnahme: Rang 7 beim GP von Kanada. Aber nicht nur Ausfälle bestimmten die 2. Saisonhälfte von Senna, sondern auch ein Streit mit Teambesitzer Ted Toleman: Senna wurde vor dem Italien GP 1984 von Toleman gefeuert. Der Brasilianer unterschrieb 1985 einen Vertrag bei Lotus, obwohl er eigentlich noch einen Vertrag mit Toleman für 1985 hatte. Beim Europa GP haben sich die Wogen aber wieder geglättet und Senna kehrte zurück. Wie die Wogen geglättet wurden, blieb bis heute ein Geheimnis, Fakt ist auf jeden Fall, dass Senna sich aus dem Vertrag mit Toleman herauskaufte. So fuhr Senna 1985 also bei Lotus und schloss damit zur Weltspitze auf. Ausgerechnet beim Heim-GP in Brasilien schied er wieder aus, aber schon beim 2. Lauf in Portugal, war er absolut bei der Spitze dabei, um nicht zu sagen er war die Spitze: Erst Pole Position, dann der Sieg! Auch bei den folgenden beiden Rennen steuerte Senna seinen Lotus Renault auf die Pole Position, fiel im Rennen jedoch jeweils aus. Senna kaschierte Senna die Schwächen seines Bolidens perfekt, in den Rennen klappte das nicht so oft, vor allem weil die Zuverlässigkeit nicht perfekt war. Es folgte zwar noch ein GP-Sieg und ein paar weitere Podestplätze, aber ernsthaft in die WM konnte er nicht eingreifen. Am Ende hat er 38 Zähler gesammelt, was WM-Rang 4 bedeutete. Alle 41 F1-Siege von Ayrton Senna 3x Weltmeister mit McLaren 1989 konnte Prost Senna das Wasser wieder öfter reichen, beziehungsweise richtiger formuliert: Mehrere Defekte bei Senna verhinderten eine neuerliche Dominanz. In Japan kam es zur bereits erwähnten Kollision, in Folge Senna die WM verlor. Senna kündigte 1990 Rache an und zog seinen Plan auf durch: Er warf Prost aus dem Rennen und wurde neuerlich Weltmeister. Auch 1991 wurde Senna Weltmeister. Aber die Stimmung bei McLaren kippte trotzdem. Senna wurde zunehmend unzufriedener. Cesare Fiorio nutzte dies und führte Verhandlungen mit Senna. Doch eine Verpflichtung Sennas durch Ferrari scheiterte, weil Fiorio selbst seinen Platz als Ferrari-Rennleiter nach teaminternen Zerwürfnissen räumen musste. Auch Williams war für 1991 an Senna dran und 1991. Sogar das Jordan-Team buhlte nach der ersten tollen Saison des Teams um die Dienste Sennas, auch wenn man wusste, dass man sich einen Star wie Senna war, niemals leisten hätte können. Eddie Jordan präsentierte aber eine pfiffige Idee: Er bot Senna im Gegenzug seiner Fahrdienste 50% seines Rennstalls an. Mit Glück hätte es 1992 also ein Senna-Team gegeben, wie auch Mitte der 90er, nach dem Tod von Ayrton, als Julian Jakobi ein Team mit dem Namen Senna in die Formel-1 hieven wollte. EINE AUSFÜHRLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER JAHRE 1988, 1990 UND 1991 FINDEN SICH BEI UNS IN HISTORY -> JAHRESRÜCKBLICKE Schon 1991 war Williams eigentlich schneller als McLaren mit Senna, aber Williams konnte aus dem Speed noch nicht all zu viel machen. Anders 1992, als das Team von Frank Williams und Patrick Head mit Nigel Mansell am Steuer die WM dominierte und überzeugend Weltmeister wurde. Darunter litt natürlich auch das McLaren-Team, das zurückgefallen war: Senna wurde nur WM-4. Wegen des Rückzugs von Honda war schon lange klar, dass es 1993 kaum besser werden würde. McLaren musste auf die Ford-Cosworth-Motoren umsteigen, zunächst sogar noch auf die B-Version, denn Benetton beanspruchte die neusten Entwicklungsstufen der Aggregate. Ein Wechsel zu Williams war wegen der Sperrklausel von Prost erst 1994 möglich, also sah er sich nach neuen Optionen um: Für Penske absolvierte er einen IndyCar-Test. F1-WM-Statistik: Ayrton Senna Senna blieb aber bei McLaren, verpflichtete sich aber zunächst nur Rennen für Rennen. Doch Senna war besser als erwartet, besonders weil es zu Beginn der Saison oft regnete. Oft konnte Senna Alain Prost im überlegenen Williams Renault die Stirn bieten, aber zum Titel reichte es nicht: Er wurde Vizemeister. Eine weitere Saison McLaren tat sich Senna nicht an, stattdessen wechselte er zu Williams, weil Prost nicht darauf achtete, die Sperrklausel auch für 1994 gültig zu halten. Bei Williams war Senna natürlich Favorit, aber der Williams Renault war nicht mehr so überlegen wie im Vorjahr oder gar 1992. Senna machte dazu auch ein paar Fehler und sorgte deshalb für 2 Ausfälle zu Beginn des Rennens. Beide Rennen nahm er von Pole Position auf sich. Als 3. Rennen stand der Imola GP an, den er ebenfalls von Pole aus begann. Sennas tödlicher Unfall Nicht aus diesen Aussagen machen viele fest: Senna war in Imola 1994 in keiner geeigneten Verfassung, ein F1-Rennen abzuspulen. Um Senna und Imola 1994 ranken sich ja viele Geschichten, Aberglauben und Mythen, aber kein Fahrer war von den schweren Unfällen von Rubens Barrichello und Roland Ratzenberger mehr mitgenommen als Senna. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass Senna das Rennen nie hätte antreten dürfen, dass der Unfall längst vorbestimmt war. Der Fehler an der Lenkstange konnte in den hässlichen Prozessen in den Folgejahren jedenfalls nie nachgewiesen werden. Trotzdem liegt ein technischer Defekt am Williams Renault näher, als ein Nervenversagen Sennas. Aber soll doch Watkins weiter Stellung nehmen: „Ich musste meine Gedanken loswerden: „Ayrton, warum verzichtest du nicht auf das Rennen morgen? Warum hörst du nicht ganz auf? Was musst du beweisen? Du warst 3 Mal Weltmeister, du bist zweifellos der schnellste Fahrer. Hör auf und geh angeln.“ Er sagte nichts. Ich fuhr fort: „Ich glaube nicht, dass es das Risiko wert ist. Hör einfach auf.“ Er sah mir direkt in die Augen und sagte ganz ruhig: „Sid, es gibt bestimmte Dinge, über die wir keine Kontrolle haben. Ich kann nicht aufhören. Ich muss weitermachen.“ Das waren die letzten Worte, die er mit mir gewechselt hat. Die Rennwagen gingen in die Aufwärmrunde. Senna hatte die Pole Position. Mario Casoni in meinem Wagen war einsatzbereit, wie auch Dr. Baccarini, der seine Infusionen, die Halskrause und die für Wiederbelebungen notwendigen Dinge griffbereit neben sich hatte. Dr. Domenico Salcito, der stellvertretende Chef der Medizintruppe in Imola, saß neben ihm. Es herrschte Funkstille. Die Boliden passierten uns. Die Wagen nahmen ihre Positionen in der Startaufstellung ein. Dann die grüne Fahne, die Ampel wechselt für 4 bis 7 Sekunden auf Rot, dann grün. Plötzlich überall gelbe Flaggen. Beim Start war Pedro Lamy mit seinem Lotus in das Heck des Benettons von JJ Lehto geknallt. Casoni raste durch die Wrackteile den anderen Rennwagen hinterher. Die Piloten der zerstörten Wagen machten einen unverletzten Eindruck, daher verfolgten wir die anderen Wagen. Allerdings waren wir überzeugt, dass das Rennen abgebrochen und wieder neu gestartet werden würde. Doch als wir durch Tosa, Aque Minerali und Rivazza fuhren, wurde uns klar, dass man nicht an einen Abbruch dachte. Wir beendeten die Runde ohne besondere Vorkommnisse und nahmen unsere Position am Rande der Strecke ein, als die führenden Wagen ihre 2. Runde absolvierten. Um die Teile an Start und Ziel aufsammeln zu können, wurde das Feld hinter einem Pace Car versammelt. Erst später erfuhr ich, dass Räder ins Publikum geflogen waren und 9 Zuschauer verletzt hatten. Nach ungefähr 5 Runden war die Piste abgeräumt. Das Pace Car verschwand und das Rennen konnte wieder von neuen beginnen. Senna lag vorne, gefolgt von Schumacher. Wie 2 Blitze schossen sie an uns vorbei. Meine Vorahnung war wieder da. Ich drehte mich zu Casoni. „In den nächsten Minuten wird es hier ein ganz beschissenes Unglück geben.“ Der Rest des Feldes verschwand am Ende der Geraden in die Tamburellokurve. Im nächsten Moment wurden wieder rote Fahnen geschwenkt. Casoni gab Gas, und als wir uns Tamburello näherten, wusste ich irgendwie, dass Senna verunglückt war. Er saß ohnmächtig in seinem Williams. Der Arzt aus dem ersten Eingreifteam war bei ihm, hielt seinen behelmten Kopf. Zum dritten Mal an diesem verdammten Wochenende wurde wieder der Kienriemen durchgeschnitten, der Helm abgenommen. Seine Augen waren geschlossen. Er lag in tiefer Ohnmacht. Ich stellte den Atemweg sicher. Er sah heiter aus. Ich hob seine Augenlider hoch. Seine Pupillen ließen auf eine schwerwiegende Hirnverletzung schließen. Wir hoben ihn aus dem Wagen und als wir ihn auf den Asphalt legten, seufzte er. Ich bin absolut ungläubig, doch in diesem Moment hatte ich das Gefühl, als hätte ihn seine Seele verlassen. Weitere Unterstützung traf an der Unfallstelle ein. Dr. Pezzi intubierte Senna, der außerdem noch einige Infusionen bekam. Ich konnte zwar seinen Puls fühlen, doch ich wusste, dass er seine Verletzungen nicht überleben würde. Wir riefen den Hubschrauber. Dr. Giovanni Gordini, der Anästhesist der Intensivstation im Maggiore-Hospital, kam und begleitete Senna im Hubschrauber. Meine Begleitung hätte keinen Sinn gemacht. Ich konnte nichts mehr tun. Ich nahm Sennas Helm – seine und meine Handschuhe waren verschwunden - , um ihn im medizinischen Zentrum abzugeben. Dr. Servadei verständigte die Klinik Maggiore per Telefon über Sennas Verletzungen. Ich vervollständigte meine Ausrüstung, erfuhr vom bevorstehenden Neustart und ging zurück in den Wagen. Im Hospital war alles für Senna getan worden. Doch die Untersuchungen und Röntgenaufnahmen hatten das Ausmaß der Verletzungen deutlich gemacht. Es gab keine Hoffnung. Trotz aller Anstrengungen machten die Anzeigen für Blutdruck, Atmung und Herzschlag deutlich, dass Sennas Ende nahe war.“ Der Tod von Senna löste auf der gesamten Welt Bestürzung aus. Brasilien wurde von Tränen überflutet, ihr Idol war gestorben. Sennas Beisetzung wurde in hunderten von Ländern übertragen und rührte auch kaltgesonnenen Menschen die Tränen in die Augen. Senna wurde noch einmal gewürdigt und geliebt, während sich die Richter in Italien bereits die Williams-Verantwortlichen vorknüpften. Gegen einige Williams-Teammitglieder wie etwa Teamchef Frank Williams oder die Techniker Patrick Head und Adrian Newey wurden angeklagt, weil die Lenksäule vor dem Rennen umgebaut wurde und dies als Unfallursache gilt. Eine Technikkommission, der auch der ehemalige F1-Pilot Emanuele Pirro angehörte, stellten ein Gutachten zusammen. Richter Antonio Costanzo sprach daraufhin die Angeklagten 1997 frei. Wegen Verfahrensfehler wurde der Fall 1999 und 2004 nochmals aufgerollt. Erst 2005 war es endgültig abgeschlossen – ohne Verurteilungen. Sein Neffe Bruno Senna musste nach Ayrtons Tod seine Karriere erstmal einstellen. Sobald er 18 war entschied er sich aber, damit wieder anzufangen. Bruno Senna marschierte in der Folge im Schnelldurchlauf durch die unteren Formel-Klassen, fuhr 2008 bei iSport International in der GP2, der 2. Liga der Formel-1, zur Vizemeisterschaft. Für 2009 ist er immer noch beim möglichen Honda-Nachfolgerteam ein heißer Kandidat. Was wäre gewesen wenn...
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