Die Formel 1 boomt. Manche der Rennen dieses Jahres ziehen im Schnitt 14 Millionen Zuschauer vor die Flimmerkästen, der Held der Deutschen heißt unumstritten Michael Schumacher. 2001 wurde aber auch das Jahr der Terroranschläge in den USA, das der Wirtschaftskrise und im Oktober verabschiedete sich Mika Häkkinen von der Bühne der Formel 1.
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|(!NS!DE-RAC!NG) - Das noch frische Jahrzehnt brachte Autos hervor, deren Flügel aussahen wie Schneeschaufeln, deren Motoren die stärksten je gebauten waren und die Teil einer Formel-Serie waren, die keine Kosten scheute um Sieger hervorzubringen. Michelin stieg wieder in die Formel 1 ein und rüstete fünf von elf Teams mit Rillenreifen aus. 2001 war geprägt von ausufernden Materialschlachten, die Formel 1 befand sich auf einem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Man hatte genug Selbstbewusstsein, sich ins Gespräch für Olympia zu bringen: Noch vor dem ersten Saisonrennen am 4. März in Australien schließt sich der Weltmeister von 1997, Jacques Villeneuve, den Befürwortern für die Aufnahme des Motorsports in die Reihe olympischer Sportarten an. Wenn Rennsport Sport sei, dann solle er auch zu den Spielen.
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Turbulenter Saisonstart
 Aufsehen erregte aber eher der Weltmeister des Vorjahrs. Am Samstag zeigten die Zeitungen spektakuläre Bilder von Michael Schumachers Unfall mit Überschlag im Freitagstraining. Das Rennen gewann er trotzdem. Überschattet wurde es vom Tod eines Streckenposten in Folge einer Kollision zwischen Villeneuve und Ralf Schumacher in ihren Wagen von BAR-Honda und BMW-Williams. Es war der zweite tödliche Unfall des noch frischen Jahrzehnts, nachdem im Jahr zuvor in Monza ein Marshall sein Leben an der Rennstrecke ließ.
Trotz einiger Turbulenzen sollte schon der erste Grand Prix wegweisend für die Saison sein: Michael Schumacher eroberte die Pole, die schnellste Runde und gewann das Rennen. David Coulthard, der spätere Vize-Weltmeister wurde zweiter vor Barrichello. Neu in den Punkterängen waren aber die beiden jungen Sauber-Männer Heidfeld und Räikkönen, die zuvor einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. Räikkönen wurde als zu jung und unerfahren angesehen und bekam erst nach einigen Diskussionen eine Superlizenz. Der Deutsche Nick Heidfeld wurde nach seinem Pleitenjahr bei Prost Leader in einem Team, das 2001 "Best of the Rest" werden sollte, in einer Zeit, in der die Teamhirachien festgefahren und Topteamposten über Jahre vergeben waren.
Malaysia feierte sein dreijähriges Bestehen und zeigte die Nachteile seiner Klimazone mit voller Wucht: 75.000 Zuschauer sahen die Autos kurz nach dem Start schwimmen, als der Monsunregen zuschlug und für vier Piloten das Aus bedeutete. Nur zwei Wochen später brachte auch der brasilianische Herbst einiges an Regen; Die ersten beiden auf dem Podium, Coulthard und M.Schumacher überrundeten alle anderen Fahrer mindestens einmal.
Negativ in die Schlagzeilen geriet Rubens Barrichello. Erst kam es zum Streit um seinen Nummer 2-Status im Ferrari-Team, dann drohte ihm Ärger wegen seines hitzköpfigen Fahrstils: In Brasilien erlebte er vor heimischem Publikum seinen dritten selbstverschuldeten Unfall. Niki Lauda brachte eine Sperre für den Crash-Piloten ins Gespräch, nachdem dieser in Sao Paulo Ralf Schumacher von der Strecke geräumt hatte. Er blieb auch nach drei Kollisionen straffrei und brachte das Fahrerlager und die Presse wieder zu Streitgesprächen um eine „Lex Ferrari“. Noch waren nicht die Jahre gekommen, in denen Strafen die Regel wurden. Noch galt der Satz von FIA-Präsident Mosley, den er in Sao Paulo äußerte: "Man sollte Fehler aus Unachtsamkeit oder menschlichem Versagen eher verzeihen", da in diesem Sport die Technik eine große unberechenbare Komponente sei. Gleichzeitig aber wurden an jenem 1.April 2001 für zwei Piloten Geldstrafen ausgesprochen: Jos Verstappen hatte in Barrichello-Manier den viel versprechenden Debütanten Juan-Pablo Montoya abgeschossen und zahlte seine Dollars ebenso wie Mika Häkkinen. Dieser hatte nach einem fehlgeschlagenen Start kurzerhand sein Lenkrad mitgenommen.
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Ralf Schumacher und David Coulthard am Zug
 Im zweiten Jahr seines erneuten Engagement als Motorenhersteller hatte BMW den stärksten Motor im Feld, begann Erfolge zu feiern und sich endgültig unter den Topteams zu etablieren. Während die Tifosi am Ostersonntag in Imola ihre Scuderia Ferrari feierten, siegte ein anderer zu ersten Mal: In seinem 70. Rennen gewann Ralf Schumacher souverän und trat definitiv aus dem übergroßen Schatten seines Bruders, streifte langsam aber sicher das Image des "Rolex Ralf" ab und bescherte seinem Team den ersten BMW-Triumph seit 1986, den ersten Williams-Erfolg seit 1997 und sich einen von drei Siegen der Saison 2001.
2001 wurde die umstrittene Traktionskontrolle erlaubt, die dem Piloten unter anderem den Start einfacher machte. Das Reglement schrieb in jenem Jahr höhere Flügel vor, was besonders McLaren-Mercedes ein Problem bereitete. Noch im Vorjahr hatte der britisch-deutsche Rennstall das beste Auto im Feld, jetzt sah alles anders aus. Das Team um Mika Häkkinen und David Coulthard erlebte eine durchwachsene Saison, die vor allem für Häkkinen mit einer Pleite nach der anderen aufwartete. Nach acht Rennen standen nur acht Punkte für ihn zu Buche, die Aufmerksamkeit bekam Teamkollege Coulthard, der 2001 der wichtigste Verfolger von Michael Schumacher im Titelrennen wurde und die Hierarchie im Team umdrehte. Der Schotte tankte nach seinen Siegen in Brasilien und Österreich ordentlich Selbstbewusstsein: "Der Titel ist in Reichweite, ich habe das Zeug zum Weltmeister. Ich fühle, dass ich das aus eigener Kraft schaffen kann." Einen taktischen Vorteil gegenüber Ferrari hatte der McLaren-Mercedes von 2001: Sein Tank fasste mehr Sprit und erlaubte eine andere Strategie.
Im Rahmen des Kanada-Wochenendes machte vor allem der vielleicht beste Designer der Formel 1 Schlagzeilen. Adrian Newey wollte zu Jaguar wechseln, hatte aber kurz zuvor erst seinen Vertrag bei McLaren bis 2005 verlängert und hatte gleichzeitig einen Fünfjahresvertrag mit Jaguar. Erst 2006 stieß er zum heutigen Red Bull-Team.
Während in Kanada erstmals Ralf Schumacher vor seinem Bruder auf dem Podest stand und beide den ersten Bruder-Doppelsieg der Formel 1-Geschichte feierten, erlebten die anderen beiden deutschen Piloten hier ihren negativen Wendepunkt. Heinz-Harald Frentzen musste nach einem Trainingsunfall mit Gehirnerschütterung und Sehstörungen pausieren. Nick Heidfeld kollidierte mit Eddie Irvine und verletzte sich ebenfalls leicht und das noch nicht eingeführte HANS-System gelangte in den Mittelpunkt der Sicherheitsbetrachtung. Als die Diskussionen um ein mögliches Karriereende von Mika Häkkinen lauter wurden, wurde Heidfeld als Nachfolger gehandelt; er und das Sauber-Team waren die Überraschung der Saison und hatten fleißig Punkte gesammelt. Doch später kam alles anders.
Zurück in Europa machte Michael Schumacher seinen insgesamt 50. Grand Prix-Sieg in Magny-Cours perfekt und gewann immer mehr Vorsprung auf seinen Verfolger Coulthard, welcher im Rennen zu schnell durch die Box fuhr, sich um ein sicheres Podium brachte und nun 31 Punkte Rückstand auf die WM-Führung hatte. Schlimmer erwischte es einmal mehr nur noch Mika Häkkinen, der schon vor der Aufwärmrunde stehen blieb. Doch vierzehn Tage später war auch dieser Albtraum zu Ende. Am 15. Juli feierte der ruhige Finne seinen ersten Saisonsieg nach einer langen Durstrecke von elf Monaten, in denen er der Inbegriff für Pech gewesen war. Noch in Barcelona hatte ihn in der letzten Runde eine explodierte Kupplung um den sicheren Sieg gebracht. In Silverstone wurde alles anders. In der fünften Runde schon konnte er seinen jahrelangen Widersacher Schumacher überholen und seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen. Keiner gönnte ihm diesen Sieg nicht. Unterdessen tauchten dennoch neue Gerüchte über sein baldiges Karriereende auf.
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Schwarzer Juli für Frentzen und Luciano Burti
Vor den Scherben seiner Karriere stand unerwartet Jordan-Pilot Heinz-Harald Frentzen. Wenige Tage vor dem Großen Preis von Deutschland wurde der 34-Jährige von Eddie Jordan entlassen und konnte es nicht fassen. Nach seinen Aussagen "blubberte die Kündigung einfach so aus dem Fax-Gerät", nach Jordans Darstellungen habe man ihm angeboten, sein Heimrennen noch zu fahren, doch die Trennung sollte definitiv sein und bedeutete der Anfang eines erbitterten Rechtsstreits. Frentzen konnte die Erwartungen des Teams 2001 nicht erfüllen, der Wagen mit der markanten "Haifisch-Nase" konnte in Schnelligkeit und Zuverlässigkeit nicht an seine Vorgängermodelle anknüpfen. Frentzen hatte öffentlich Kritik an seinem Team geäußert und sich gegenüber seinem Teamkollegen Jarno Trulli benachteiligt gefühlt. In bisher elf Rennen 2001 konnte "HHF" nur sechs Punkte vorweisen. Frentzen zeigte sich von der Kündigung tief verletzt. Jordan äußerte kurioserweise Lob an seinem nun Ex-Piloten und bezeichnete ihn als einen der schnellsten und nettesten Piloten in der Formel 1. Frentzen befand: "Das kann er sich schenken, das kotzt mich an." und forderte im August vor einem britischen Gericht 7,5 Millionen Dollar Schadensersatz.
Schon im August hatte Frentzen einen neuen Job und trat für Alain Prosts Rennstall an. Das Budapest-Wochenende gehörte aber einmal mehr Michael Schumacher, der sich vorzeitig beide Titel sicherte, außerdem zusammen mit Barrichello einen Doppelsieg feierte. Sein einziger Widersacher David Coulthard gab sich geschlagen und riet Schumacher: "Er sollte für den Rest der Saison Urlaub nehmen".
Belgien ist im Formel 1-Kalender seit jeher ein Garant für Spannung und wurde diesem Ruf auch 2001 gerecht.
In seinem zweiten Qualifying für Prost schaffte es Frentzen im unterlegenen Prost auf einen unerwarteten vierten Rang - und erlebte einen verpatzten Start, in dem der erste Gang rausprang, er die Kupplung nicht zog, stehen blieb und ans Ende des Feldes gesetzt wurde. Überschattet wurde jener Grand Prix von einem schrecklichen Unfall seines Teamkollegen Luciano Burti, der nach einer Kollision mit Coulthard in der schnellsten Kurve der Formel 1, der Blanchimont, die Kontrolle über seinen Wagen verlor und mit 250km/h in einen Reifenstapel fuhr. David Coulthard sprang aus seinem Wagen und half hektisch mit, die Reifen beiseite zu räumen und Burti zu bergen. In der fünften Runde wurde das Rennen abgebrochen, während die Rettungskräfte den möglicherweise schwer verletzten Burti mit Decken vor Kameras abschirmten. Fünfzehn lange Minuten später konnte man Entwarnung geben, Burti lebte und kam mit einer schweren Gehirnerschütterung und einer leichten Hirnblutung davon. Doch der Schock über diesen Unfall blieb allen Fans und Beteiligten noch lange im Gedächtnis. "Ich dachte, es wäre aus.", sagte Teamkollege Frentzen hinterher. Der Brasilianer hatte schon am Hockenheimring für eine Schrecksekunde gesorgt, als er am Start auf den defekten Ferrari von Schumacher aufgelaufen war und in seinem Wagen kopfüber über andere Autos flog, aber unverletzt blieb.
Das Rennen in Belgien wurde von 44 auf 36 Runden verkürzt. Ein peinliches Fiasko erlebte BMW-Williams: Beim zweiten Start blieb Montoya stehen, beim dritten vergaßen Ralf Schumachers Mechaniker unter dessen Auto einen Wagenheber.
Eine weitere Bestmarke stellte der frisch gebackene viermalige Weltmeister Michael Schumacher auf. Mit 52 Siegen verbesserte er den bisherigen Rekord von Alain Prost zehn Jahre nach seinem Debüt 1991.
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9/11 und Karriereende von Mika Häkkinen
Eine schwarze Woche erlebte der Motorsport Mitte September. Am Dienstag, den 11.September 2001 hielt die Welt den Atem an und stand am Rand eines Krieges gegen einen unbekannten Gegner. Die verheerenden Terroranschläge in den USA beeinflussten den Sport und damit auch die Formel 1 stark. Piloten und Teams wollten den Grand Prix von Italien am 16. September absagen, aber dazu kam es nicht: Bernie Ecclestone verhinderte einen Startverzicht der Piloten. Ferrari trat mit einer schwarz lackierten Frontpartie auf, andere hatten US-Flaggen auf ihre Autos aufkleben lassen. Der erste Sieg für Juan Pablo Montoya wurde zur Nebensache. Nicht nur wegen den gegenwärtigen Ereignissen, denn nur einen Tag zuvor zeigte hatte wieder einmal der Tod an die Türen des Motorsportes geklopft: Am Samstag verlor der Ex-Formel 1-Pilot Alessandro Zanardi bei einem schweren Unfall in dem Europarennen der US-Champcar-Serie am Lausitzring beide Beine. Außerdem gedachte man beim Formel 1-Rennen in Monza dem im Vorjahr tödlich von einem Rad getroffenen Streckenposten.
Dass im Rahmen des Italien-Grand Prix der zweimalige Weltmeister Mika Häkkinen seinen Rücktritt bekannt gab und gleichzeitig Heidfelds Teamkollegen bei Sauber-Petronas, Kimi Räikkönen, als seinen Nachfolger bei McLaren-Mercedes präsentierte, geriet in den Hintergrund.
Zwei Wochen später war die Formel 1 in den USA zu Gast. Zuvor wurde wieder über eine Rennabsage gesprochen, doch die Fans in Indianapolis bedankten sich mit Plakaten für das Kommen der Piloten und für ein Stück Normalität. Der Luftraum über der Strecke wurde gesperrt.
Mika Häkkinen gewann seinen insgesamt 20. Grand Prix und es wurde sein letzter Sieg im vorletzten Rennen der Saison. Elf Sekunden Vorsprung auf Michael Schumacher hatte er im Ziel, den er somit noch ein letztes Mal schlug.
In Suzuka nahm der Finne seine letzte Ausfahrt und holte als vierter noch einmal Punkte, während Schumacher seinen neunten Saisonsieg feiern konnte und nun mit 801 Gesamtpunkten in zehn Jahren Karriere einen weiteren Rekord von Alain Prost einstellte. Mika Häkkinen verließ die Formel 1-Bühne ganz in seiner Art, ruhig und gelassen. "Die Formel 1 wird sich weiterdrehen, mit all den anderen Akteuren", sagte er und verabschiedete sich offiziell in eine einjährige Babypause, doch es wurde tatsächlich ein definitives Karriereende. Mit Häkkinen verließ einer der großen Champions der vergangenen Jahre und Schumachers einzig wahrer Dauerkonkurrent um den Titel die Formel 1, ein Fahrer von Format, die in der Welt der Selbstdarsteller selten geworden waren.
Auch das französische Urgestein Jean Alesi beendete in Suzuka seine 13-jährige Karriere nach 201 Grand Prix. Erst im Sommer war er der Frentzen-Ersatz bei Jordan-Honda geworden.Langsam aber sicher öffneten sich damit die Tore für jüngere Piloten; die noch zu Saisonbeginn geführte Diskussion um unerfahrene junge Rennfahrer wie Räikkönen sollte eine der letzten dieser Art werden. NR
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Lesen Sie am dritten Tag des Spezials zum Jahrzehnt 2000–2009, wie ein einziges Team ein Auto baute, das noch Jahre später der Maßstab blieb. Außerdem: Ein Überblick über die PC-Simulationen der Dekade.
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