|(!NS!DE-RAC!NG) - Mit Super Aguri tritt ein neues Team an, man kaufte die vier Jahre alten Wagen vom Arrows-Team und bekam Motoren von Honda. Mit Nico Rosberg gibt es einen neuen deutschen Stammpiloten, erstmals seit 2003 sind es nun wieder vier deutsche Fahrer. BMW übernahm den Großteil des Sauber-Teams und geht fortan als eigenständiges Werksteam an den Start. Das Gelb der Jordan verschwand aus dem Feld; das Team wurde zu Midland F1 Racing. Honda übernahm BAR komplett und Red Bull machte aus Minardi Toro Rosso. Michael Schumacher wollte nach der Niederlage 2005 wieder angreifen und Ferraris Stärke hatte sich schon während der Testfahrten gezeigt. Das war die Ausgangslage für die Saison 2006.
Alles beim Alten
Trotz allem brachte das erste Rennen nichts Neues: Fernando Alonso siegte vor Schumacher, der seinen zweiten Platz aber wie einen Sieg feierte, nach der Pleitensaison 2005. Ein überragendes Rennen lieferte Kimi Räikkönen bei McLaren-Mercedes ab: Als letzter gestartet holte er noch ein Podium raus. Schon am ersten Wochenende stellte sich das neue, dreiteilige Qualifying als beste FIA-Regel seit langem heraus, sie machte den Samstag wieder attraktiv.
Siegambitionen hatte 2006 auch Jenson Button im Honda. In Melbourne, das diesmal nur das dritte Rennen ausrichtete, fuhr er auf die Pole, wurde aber schnell von Alonso überholt, der schließlich seinen zweiten Saisonsieg einfuhr. Unter zahlreichen Unfällen litt auch sein Konkurrent Schumacher, und auch Button beendete das Rennen nicht: In der letzten Kurve ging sein Motor in Rauch auf und Button fuhr in die Box, ersparte sich dadurch eine Strafe im nächsten Rennen, denn nach einem Ausfall durfte man in jener Saison den Motor regulär wechseln. Negative Schlagzeilen machte Alonsos Teamchef bei Renault, Flavio Briatore, der vor der McLaren-Mercedes-Box einen Hitlergruß gezeigt hatte und sich öffentlich entschuldigte.
Ferrari erholte sich in Europa. Schumacher gewann das Rennen und nahm Alonso ein paar Punkte ab. Aufsehen erregte der Japaner Yuiji Ide im Super Aguri, der sich als Sicherheitsrisiko für seine Mitpiloten herausstellte: In Imola schoss er Cristijan Albers (Midland) ab, der sich gleich sechs mal überschlug, aber unverletzt blieb. Ide wurde nach jenem Rennen durch den Franzosen Franck Montagny ersetzt.
Trotz des Imola-Sieges schrieb Fernando Alonso Ferrari als Konkurrenz für den Titel schon ab und rechnete eher mit McLaren. Dass er unrecht behalten sollte, zeigte sich schon beim Großen Preis von Europa, den erneut Michael Schumacher für sich entschied. Er gewann das Rennen in der Box mit der besten Strategie und verwies Alonso auf den zweiten Rang, gefolgt von Felipe Massa, der 2006 Barrichello bei Ferrari ersetzte. Ralf Schumacher erlebte in seinem 150.Rennen einen Ausfall aufgrund eines Motorschadens. Sein Bruder Michael ist nach dem Nürburgring-Rennen wieder mitten drin im WM-Kampf und richtet Alonso aus: "Wer jetzt noch Zweifel hat, der tut mir Leid." Noch war Ferrari klar die Nummer 2, aber das Titelrennen blieb spannend.
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Die Rascasse-Affäre
Dass dabei offenbar auch mit unfairen Methoden gekämpft wurde, zeigte sich in Monaco. Dieses Wochenende erlebte schon dem Training eine Diskussion um das Qualifying-Format. Es würde schwer werden, in jedem Abschnitt eine verkehrsfreie Runde zu fahren und Fahrer würden ganz schnell auch ohne Zeit dastehen, sollte es zu einem Unfall kommen. Am Trainings-Donnerstag hatten die Freitagsfahrer Anthony Davidson (Honda) und Robert Kubica (BMW-Sauber) ihre Wagen in die Leitplanke gesetzt. Jacques Villeneuve (BMW-Sauber) formulierte kurz und knapp seine Gedanken: "Das wird die Hölle!".
In der Qualifikation kam es tatsächlich zu einem brisanten Zwischenfall. Im letzten Qualy-Abschnitt, als es um die Pole ging, bekam der bis dahin in Führung liegende Michael Schumacher die Rascasse nicht mehr und blieb an der Absperrung hängen. Millionen von Zuschauern sahen aus der On-Board-Kamera, wie der Weltmeister offenbar absichtlich sein Wagen an der Stelle abstellte, an der das Auto die Piste blockieren und Fernando Alonso, der noch auf einer schnellen Runde war, die Pole unmöglich machen sollte. Das Urteil "Absicht" war schnell gefällt und brachte Schumachers alten unrühmlichen Spitznamen wieder auf den Tisch: Schummel-Schumi. Die Rennleitung setzte den Ferrari-Piloten ans Ende des Feldes. Mit Wut im Bauch startete er dann im Rennen eine beeindruckende Aufholjagd und schaffte noch Platz fünf. Das Bild, das aber noch lange blieb, war das eines Schumachers, der um jeden Preis gewinnen will und das mit allen Mitteln. Derweil siegte Alonso weiter unbeirrt, gewann nicht nur Monaco sondern auch Silverstone, sein dritter Sieg in Folge. Die britische Zeitung The Times analysiert: "Alonso spielt eine dominierende Rolle als Spaßverderber der Formel 1". Die WM war entschieden, ein zweiter Titel für den Spanier so gut wie sicher. Doch dann kam in Nordamerika die Wende.
 Noch immer sorgte Schumachers Manöver in Monaco für Gesprächsstoff, sowohl in der Presse als auch in der Fahrergewerkschaft. Jacques Villeneuve hatte Schumacher wie so viele andere auch öffentlich und laut kritisiert, blieb aber der einzige, der Konsequenzen zog und aus der GPDA austrat, was ihm einigen Respekt eingebrachte. Der Weltmeister von 1997 fuhr 2006 für BMW-Sauber, nachdem er noch einen gültigen Vertrag bei Sauber hatte. Wunschpilot war er aber nicht. Während Nick Heidfeld langfristig an das Team und an das Aufbauprojekt gebunden wurde, wollte man den Kanadier loswerden. Dennoch schlug er sich wacker, machte aber bei seinem Heimrennen einen entscheidenden Fehler, der ihn wieder zurück auf die Rausschmiss-Liste von BMW brachte: Gegen Ende des Rennens, das wieder Fernando Alonso vor Michael Schumacher gewann, setzte er seinen Wagen in die Wand und löste eine entscheidende Safetycar-Phase aus, von der Schumacher profitierte. Kanada sollte das letzte Rennen werden, in dem Renault 1,5 Sekunden schneller als die Konkurrenz war und siegte.
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Die Wende in den USA
Schon in den USA, ein Jahr nach dem Reifenskandal, brachte Schumacher sich zurück in die Mitte des Treppchens, während für Alonso nur ein fünfter Platz blieb. In jenem Rennen sahen nur neun Fahrer die Zielflagge, nachdem es gleich zu Beginn zu einer Massenkarambolage gekommen war. Einer der Auslöser war der Kolumbianer Juan-Pablo Montoya, der seinen Stallgefährten Räikkönen abdrängte, welcher wiederum Nick Heidfeld in den Kies drückte, der einen fünffachen Flick-Flack hinlegte, aber unverletzt aus dem Auto steigen konnte. Nach 94 Rennen war Montoya bei McLaren sichtlich in Ungnade gefallen. Im Team war er in seinem zweiten Jahr dort nur die Nummer zwei und machte seinem Ruf als Bruchpilot immer häufiger eine zweifelhafte Ehre. Nur wenige Tage nach dem Rennen in den USA gab er seinen Wechsel in die amerikanische Nascar-Serie bekannt, praktisch zeitgleich kündigte ihm McLaren-Mercedes und setzte fortan Pedro de la Rosa als zweiten Piloten ein und erklärte, die Trennung habe in "gegenseitigem Einvernehmen" stattgefunden. Montoya hatte in seiner fünfeinhalb jährigen Karriere sieben Siege errungen.
Zurück auf europäischem Boden rüsteten Ferrari und Renault mächtig auf, beide brachten Ausbaustufen des Motors und neue Aerodynamik-Teile. Das längere Ende fiel aber Ferrari zu; Schumacher gewann sowohl das Hitzerennen in Frankreich als auch seinen Heim-Grand-Prix in Hockenheim. Wie sehr der WM-Kampf an den Nerven der beiden zehren sollte, zeigte sich im regnerischen Ungarn. Für das Qualifying bekamen beide eine Zeitstrafe. Im Training hatte sich Alonso von Doornbos behindert gefühlt und diesen danach heftig ausgebremst, was eine Strafe nach sich zog. Michael Schumacher hatte unter roter Flagge überholt und wurde dadurch ebenfalls zurückgesetzt. Beide Strafen waren nicht unumstritten, kann man doch schnell vermuten, dass die Rennleitung am WM-Drehbuch mitgeschrieben hat.
Weder für Schumacher noch für Alonso lief das Wochenende nach Plan. Eine lockere Radmutter kostete Alonso das Rennen, Schumacher kollidierte nur leicht mit Heidfeld, musste seinen Wagen kurz vor Schluss aber dennoch mit einer defekten Radaufhängung abstellen. Dass er trotzdem als Achter gewertet wurde, hat er Neuling Robert Kubica zu verdanken, dessen Wagen wegen Untergewichts disqualifiziert wurde. Kubica fuhr sein erstes Rennen für BMW-Sauber, nachdem sich das Team kurz vorher von Jacques Villeneuve getrennt hatte. Während Jenson Button sein erstes Rennen gewann und Heidfeld das erste Podest für das neue BMW-Sauber-Team herausfuhr, kommentierte Schumacher sein Rennen mit "Da gibt es einen allgemeinen Begriff, den jeder kennt."
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Die Entscheidung aller Entscheidungen
Schon zur Mitte der Saison hatte der siebenfache Weltmeister in seinem USA-Urlaub gemeinsam mit seiner Familie eine Entscheidung über seine Zukunft getroffen. Sein Vertrag lief aus und vor der Saison hatte er deutlich gemacht, um den Titel kämpfen zu wollen. Ansonsten "glaube ich nicht, dass ich große Lust verspüre, meine Karriere fortzusetzen". Nach dem Rennen in Italien, dem letzten der Europa-Saison, machte er diese Entscheidung publik. Schon als Schumacher mit glühenden Augen auf das Podest stieg und den Siegerpokal in Empfang nahm, ahnte man, wie diese Entscheidung ausgefallen war. Seine Karriere wollte Schumacher zum Saisonende beenden und das möglichst noch mit einem Titel, er hatte nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Führenden, Alonso. Dass Schumacher so schnell den Rückstand verkleinern konnte, war auch einer erneuten Strafe für den Spanier geschuldet, der in der Qualifikation ein anderes Auto behindert haben soll und dadurch strafversetzt wurde. Renault und Flavio Briatore witterten eine Verschwörung, doch konnten sie sich damit keine Schlagzeilen sichern, denn diese gehörten allein Schumachers Rücktritt. BMW-Motorsportchef Dr. Mario Theissen kommentierte: "Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung endgültig ist." und Mercedes-Motorsportchef Norber Haug sagte "Ab morgen fangen sicherlich die Gerüchte an, wann er sein Comeback geben wird". Er behielt nicht nur bei den Gerüchten recht, aber das konnte 2006 wohl nicht einmal Schumacher selbst wissen. Konkurrent Alonso zollte ihm Respekt vor seiner Karriere und den unglaublichen Erfolgen, konnte sich aber auch den Zusatz, Michael Schumacher sei der "am meisten bestrafte und unsportlichste Fahrer der Formel 1-Geschichte" nicht verkneifen.
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Spannendes Finale
Alonso seinerseits verlor die WM beinahe in Asien. Erst beschwerte er sich über die mangelnde Unterstützung im eigenen Team, das nur noch auf die Konstrukteurs-WM konzentriert sei, da er selber im nächsten Jahr für McLaren fahren würde, außerdem verlor er das Rennen in China durch eine schlechte Strategie und einen vom Team verpatzten Stop. Schumacher hingegen gewann erneut und die italienische Presse begann sich zu fragen "Aber wieso hört so ein Champion auf?" In China zog Schumacher mit Alonso gleich, beide hatten nun 116 Punkte, Schumacher aber einen Sieg mehr, der selber über sich und das Team staunte: "Es ist ein Wunder, dass wir dort sind. Ich bin komplett aus dem Häuschen".
Nur eine Woche später, im vorletzten WM-Lauf, kehrte sich alles wieder um, ein geplatzter Motor kostete ihn den Titel. Es war der erste Ferrari-Motorschaden seit über sechs Jahren. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb: "Eindrucksvoller als in der 37.Runde von Suzuka lässt sich der Begriff vom geplatzten Traum gar nicht illustrieren."
Zehn Punkte Rückstand waren nur schwerlich in einem Rennen aufzuholen. Trotzdem bewies Schumacher in Sao Paulo noch einmal seine Extraklasse und kämpfte sich eindrucksvoll wie selten zuvor durch das Feld noch auf den vierten Platz vor. Ein zweiter Platz von Alonso reichte zum Titel. Felipe Massa feierte seinen zweiten Karrieresieg vor heimischen Publikum, das auch ihn gebührend feierte. McLaren-Mercedes erlebte erstmals seit zehn Jahren eine Saison ohne Sieg, während BMW-Sauber voll im Plan lag und sich von der nächsten Saison viel versprach. NR
Am achten Tag des Rückblicke-Spezials widmen wir uns dem "Jahr 1 nach Schumacher", der Saison 2007.
Alle bisherigen Artikel des Spezials:
2000 - Duell der Giganten ; Die Debütanten (1): Heidfelds Warten auf Godot ; 2001 - Mustersaison für ein einfallsreiches Drehbuch ; Gründung der ETCC ; 2002 - Siegeszug der Roten Göttin ; PC-Simulationen; Jahresrückblick: 2003 ; Kurioses von A-Z ; 2004 - Lehrstunden des Absolutismus ; Die Debütanten (2): Der Glückspilz ; 2005 - Die Zeit der Konkurrenz