Jahresrückblick: 2003
Geschrieben von: Daniel Geradtz   
Sonntag, 27. Dezember 2009 um 18:14

 

Nachdem Michael Schumacher 2002 den Formel 1 Weltmeistertitel früh für sich entscheiden konnte, versuchten die Regelmacher die Serie durch neue Regeln künstlich spannender zu machen. Dennoch war der alte auch wieder der neue Weltmeister.

 Jahresrückblick: 2003 

von Daniel Geradtz


Nachdem Michael Schumacher 2002 den Formel 1 Weltmeistertitel früh für sich entscheiden konnte, versuchten die Regelmacher die Serie durch neue Regeln künstlich spannender zu machen. Dennoch war der alte auch wieder der neue Weltmeister.

21. Juli 2002, in Magny-Cours sicherte sich Michael Schumacher sich sich den fünften WM-Titel in der Formel 1. Dies geschah im 11. von 17 Saisonrennen, nach gerade einmal 65 Prozent aller Rennen. So früh war in der Geschichte der Königsklasse noch kein Titel vergeben worden. Eins wird bereits jetzt klar, 2003 darf das nicht mehr passieren, sonst laufen alle Fans – außer natürlich die Schumacher Anhänger – davon.
Um dies zu verhindern, führte die FIA ein neues Punktesystem ein. Nicht mehr die ersten sechs erhiellten Zähler, sondern nun die ersten acht. Gleichzeitig wurde die Wertigkeit eines Sieges reduziert. Statt vier Punkten, hat der Gewinner nur noch zwei Vorsprung auf den zweiten. Zudem wird das Einzelzeitfahren mit je einer Sitzung am Freitag und Samstag eingeführt, welches einen ganzen Rattenschwanz an Veränderungen mit sich Zeit: Kein Warm-Up am Sonntagmorgen mehr, Piloten müssen mit der gleichen Benzinmenge ins Rennen starten wie in der Qualifikation, das Arbeiten am Auto nach der Qualifikation ist nur unter bestimmtem Bedingungen möglich usw.

Schlechter Saisonstart für den Weltmeister

Michael Schumacher startete verhalten in die neue Saison. Nach einem vierten Platz in Australien, einem sechsten in Malaysia und einem Ausfall in Brasilien hat der Ferrari Pilot vor dem Europaauftakt in Imola bereits acht Zähler auf den bis dahin in der Tabelle führenden Kimi Räikkönen Rückstand. Doch dann folgten drei Siege in Folge. Spektakulärster davon war am A1 Ring in Österreich. Beim ersten Boxenstopp geriet sein Ferrari in Brand. Doch das Feuer konnte schnell gelöscht werden, sodass es außer einem Zeitverlust keinerlei Einschränkungen für Schumacher gab.
Räikkönen, der anschließend noch immer die Gesamtwertung anführte, konnte zwar in Malaysia gewinnen, danach jedoch nicht mehr. Dennoch schafft es der Finne am Ende mit insgesamt neun Podestplatzierungen (siebenmal Zweiter, zweimal Dritter) auf den zweiten Gesamtrang in der Endwertung mit nur zwei Zählern Rückstand zu werden. Besonders hart traf es den McLaren Mercedes Piloten beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring, als er in Führung liegend ausschied. Aber auch Michael Schumacher konnte sein Heimrennen nicht problemlos beenden. Vier Runden vor dem Ende zwang ihn ein Reifenschaden zu einem zusätzlichen Boxenstopp. Bis dahin lag er auf der zweiten Position. Das Rennen konnte Juan-Pablo Montoya (Williams BMW) gewinnen. Damit setzte er eine beeindruckende Serie fort. Denn seit dem Rennen in Monte-Carlo stand der Kolumbianer unentwegt auf dem Podest. In diesen sechs Rennen holte er 50 Punkte. Das Podest-Abo dauerte bis zum vorletzten Saisonrennen, dem Großen Preis der USA, an. Bilanz: 8 Rennen, 64 Punkte.
Auch sein Teamkollege Ralf Schumacher siegte 2003. Sowohl bei seinem Heimrennen am Nürburgring als auch beim darauf folgenden Rennen in Magny-Cours stand Schumi II ganz oben auf dem Podest.

Regenchaos in Brasilien
Der große Preis von Brasilien, damals noch zu Beginn der Saison, wurde durch die schwierigen Witterungsbedingungen am Sonntag zur einem ereignisträchtigen Rennen. Insgesamt die Hälfte des Starterfeldes schied bis zur 54. Runde, als das Rennen abgebrochen wurde, aus. Die Meisten davon im Senna-S. Grund für die rote Flagge war ein Unfall von Mark Webber, Eingangs der Start-Ziel-Geraden. Der Australier schlug so heftig ein, dass die Strecke an dieser Stelle mit Fahrzeugteilen und Reifenstapeln übersät war. Aufgrund der schlechten Sicht – er wurde nicht vorgewarnt - , konnte Fernando Alonso nicht rechtzeitig ausweichen und fuhr unter Volllast in die Trümmer. Beim Auftreffen auf einen herumliegenden Reifen brach die vordere Radaufhängung, sodass der Spanier den Renault nicht mehr kontrollieren konnte und somit heftig in die Barrieren einschlug. Die Beteiligten trugen keine größeren Verletzungen davon.
Unmittelbar nach dem Abbruch wähnte sich das Jordan Team im Siegerglück. Denn Pilot Giancarlo Fisichella lag bei der letzten vollendeten Runde in Führung. Doch die Zeitnahme erklärte Kimi Räikkönen zum Sieger, der bis dahin geführt hatte. Provisorisch wurde dem Ice-Man auch der Sieg zugesprochen. Doch nach längerer Analyse zeigte sich, dass Fisichella der rechtmäßige Gewinner war. Beim nächsten Rennen in Imola fand dann die endgültige Vergabe der Trophäen statt.
Vor dem Saisonabschluss in Japan war die WM Wertung noch offen. Mit Michael Schumacher (92 Punkte)und Kimi Räikkönen (83) hatten noch zwei Fahrer die Chance auf den Titel. In der verregneten Qualifikation wurden zum wiederholten Mal in der Saison die Probleme des neuen Qualifikationsformats deutlich: Jeder Fahrer hatte nur noch eine Runde, um seine Runde zu fahren. Leidtragender wurde der Tabellenführende Michael Schumacher. Er musste das Rennen aus der 14. Positionen in Angriff nehmen und stieß dabei auch auf die Probleme des ständigen Überholens. Als er in Runde sechs auf Takuma Sato, er ersetzte in Japan Jacques Vielleneuve bei BAR, traf, kam es zu einer Kollision, die Schumacher den Frontspoiler kostete. Nach dem notwendigen Boxenstopp war der Deutsche Letzter des Feldes. Bis zum Ende kämpfte er sich noch auf den achten Platz nach vorne, während Räikkönen zweiter hinter Rubens Barrichello wurde. Damit wurde Schumacher zum fünften Mal Weltmeister. DG
Gesamtwertung 2003 Fahrer
1.
Michael Schumacher
Ferrari
93
2.
Kimi Räikkönen
McLaren Mercedes
91
3.
Juan-Pablo Montoya
BMW Williams
82
4.
Rubens Barrichello
Ferrari 65
5.
Ralf Schumacher
BMW Williams
58
6.
Fernando Alonso
Renault
55
7.
David Coulthard
McLaren Mercedes
51
8. Jarno Trulli
Renault
33
9. Jenson Button BAR Honda 17
10. Mark Webber Jaguar Cosworth 17
11. Heinz-Harald Frentzen Sauber Petronas 13
12. Giancarlo Fisichella Jordan Ford 12
13. Christiano da Matta Toyota 10
14. Nick Heidfeld Sauber Petronas 6
15. Olivier Panis Toyota 6
16. Jacques Villeneuve BAR Honda 6
17. Marc Gene BMW Williams 4
18. Takuma Sato BAR Honda 3
19. Ralph Firman Jordan Ford 1
20. Justin Wilson Jaguar Cosworth 1


Gesamtwertung 2003 Teams
1.
Ferrari 158
2.
BMW Williams 144
3.
McLaren Mercedes 142
4.
Renault 88
5.
BAR Honda 26
6.
Sauber Petronas 19
7.
Jaguar Cosworth 18
8. Toyota 16
9. Jordan Ford 13
10. Minardi Cosworth 0


Sonstige Meister der Saison 2003
Formel 1
Michael Schumacher
Ferrari F2003-GA
 Ferrari
Formel 3 Cup
Joao Oaulo de Oliveria Dallara F302 Opel-Spiess
JB Motorsport
Formel 3 Euroserie
Ryan Briscoe
Dallara F303/008 Opel-Spiess
Prema Powerteam
Champcar World Series
Paul Tracy
Lola B02/00 Team Player's
Indy Car Series
Scott Dixon
G-Force Toyota
Ganassi Racing
DTM
Bernd Schneider
AMG-Mercedes CLK-DTM
AMG-Mercedes
Tourenwagen Europameisterschaft
Gabriele Tarquini
Alfa Romeo 156
Autodelta
American Le Mans Series
LMP900 Frank Biela, Marco Werner
Audi R8
Team Joest
LMP675 Chris Dyson MG-Lola EX257 Dyson Racing Team
GTS Ronn Fellows, Johnny O'Connell Chevrolet Corvette C5-R Corvette Racing
GT Lucas Luhr, Sascha Maassen Porsche 911 GT3-RS Alex Job Racing
FIA GT
GT Thomas Biagi, Metteo Bobbi
Ferrari 550-GTS
BMS Scuderia Italia
N-GT Andrea Bertolini, Fabritio de Simone Ferrari 360 Mondena JMB Racing
World Series by Nissan Franck Montagny
Dallara SN01-Nissan VQ
Gabord Competicion





 

2001: Gründung der ETCC

 

Nachdem in Deutschland bereits 2000 die DTM neu gegründet wurde, rief die FIA im folgenden Jahr die Europäische Tourenwagen Meisterschaft (ETCC) ins Leben. Als Basis dafür diente der in Italien beheimatete Euro STC Cup. Doch bereits früh wurde klar, dass die erste Saison nur ein Interimsjahr sein würde. Denn aufgrund der Cup Basis traten Fahrzeuge in zwei verschiedenen Klassen und unterschiedlicher Rennlänge gegeneinander an. Ein Sachverhalt, bei dem nicht nur der Zuschauer schnell den Überblick verlieren kann.

Um diesen Missstand aus dem Weg zu räumen erarbeitete die FIA zusammen mit potentiellen Einsteigern das bis heute gültige Super 2000 Regelwerk. Dazu diente das seriennahe Gruppe N Regelwerk als Vorlage. Es umfasst ein Fahrzeug, das von einem 2000 cm² Triebwerk angetrieben wird und bei dem elektronische Fahrhilfen verboten sind.

Auch für die nötige TV Präsenz war von Anfang an gesorgt. Zusammen mit der FIA GT Serie und der Formel Renault V6 bildete das Veranstaltungspaket das so genannte LG Super Racing Weekend. Das Konzept lautete: Zehn Rennen auf zehn unterschiedlichen Rennstrecken in jeweils drei Serien. Die Rennen wurden in der Regel live auf Eurosport übertragen. Das Konzept zerfiel schließlich an der Folgen der Umstrukturierungen im Jahr 2006.

 

Sondierungsgespräche mit den Herstellern

 

Um ein möglichst hochkarätiges Starterfeld auf die Beine zu stellen, buhlte die FIA bereits seit Beginn um die Gunst der Hersteller. Stein des Anstoßes zahlreicher Regeländerungen war (und ist) BMW. Noch vor dem Einstieg ließen die Münchener verlauten, dass die Konzeption von Tourenwagen nach dem damaligen Regelwerk zu teuer sei. Da BMW aber gleich die Bedingungen für einen Einstieg nannte, wurden diese rasch per Reglement durchgesetzt. Unter den Problemen, die genannt wurden, befand sich auch die Wahl des Getriebes. Denn während die Gänge eigentlich sequentiell gewechselt werden sollten, beharrte BMW auf der H-Schaltung. Diese wurde dann auch zwingend ins Reglement aufgenommen, jedoch nur für eine Saison.

Aber auch weitere Hersteller interessierten sich stark für die neue Serie. Denn außerdem waren unter anderem Audi, Honda, Alfa-Romeo und Volvo in der Serie vertreten, wobei sich die Schweden nach einer Saison verabschiedeten.

Bereits während der ersten Saison unter dem neuen Regelwerk wurde klar wie wichtig es der FIA ist, die Marken durch ein ausgeglichenes Feld bei der Stange zu halten. So wurde den Heck getriebenen BMW die 30 kg Zuladung gegenüber den Fronttrieblern direkt wieder abgeschafft, da Alfa die Saison zu dominieren drohte.

Ab 2003 stieg ein weiterer Hersteller in die Serie. Seat setzte von nun an zwei Toleado mit Frank Diefenbacher und Jordi Gene ein. Im Zuge des wachsenden Erfolges wurde der Werkskader immer weiter aufgestockt. Im gleichen Jahr gab der Italiener Alessandro Zanardi sein Comeback im Motorsport. In einem extra für ihn präparierten BMW trat der Italien beim Saisonfinale in Monza an. Aus dem einmaligen Tourenwagenabenteuer wurde letztlich eine ganze Karriere.

 

Durchsetzung des S2000 Regelwerks

 

Nachdem das S2000 Reglement in der ETCC eingesetzt wurde, adaptierten einige nationale Tourenwagenserien das scheinbare Erfolgsrezept. Heute findet man Teile des sportlichen Reglements in vielen internationalen Serien. So stammt beispielsweise die allseits beliebte Reverse-Grid Regelung in ihren Ursprüngen dorther.

2004 übernahm schließlich die Deutsche Produktionswagen Meisterschaft (heute Procar) das Regelwerk, sodass auch die ETCC von nationalen Startern, die das Feld auffüllten profitierte. So setzte RS-Line seinen Ford Focus neben der nationalen Meisterschaft auch in der Europameisterschaft ein.

Danach war Schluss mit der Tourenwagen Europameisterschaft. Der Führungsstab rund um den Organisator Marcello Lotti entschied sich nach 1987 zum zweiten Mal eine Tourenwagen Weltmeisterschaft (WTCC) ins Leben zu rufen. Doch anders als die DTM in den 90ern, die an ihrer internationalen Orientierung zu Grunde ging, änderte sich in der WTCC kaum etwas. Das Reglwerk blieb identisch und auch die Einsatzkosten liegen in einem ähnlichen Bereich wie zuvor. Den günstigen Moment der Globalisierung der Serie nutzt die in Europa eingeführte Marke Chevrolet aus und stieg mit drei Werkspiloten in den Wettkampf ein. Alain Menu, Rob Huff und Nicola Larini blieben seitdem der Marke treu.

 

Oschersleben als geschichtsträchtiger Moment

 

In der gleichen Saison versuchte sich auch Peugeot, damals mit Eric Helary, in der WTCC. Doch bereits nach zwei Rennen, legte man das Projekt wieder für unbestimmte Zeit auf Eis. Das Rennen in Oschersleben war das letzte der Franzosen. Stattdessen sorgte Alessandro Zanardi an jenem Rennwochenende für Aufregung. Nach dem achten Platz im ersten Lauf, holte sich der Italiener die Pole-Position für den zweiten. Die Führung gab er bis zum Ziel nicht mehr her. Zanardi war der erste Paraplegiker, der im Motorsport einen Sieg für sich verbuchen konnte.

Auch 2007 folgte in Oschersleben eine Premiere. Nachdem Seat bereits am Wochenende zuvor in Anderstorp einen Seat Leon TDI ins Rennen schickte, der von Rickard Rydell zum Sieg gefahren wurde, starteten nun auch einige der permanenten Starter mit Diesel Fahrzeugen. Yvan Muller war der erster, der den Sieg holen konnte.

Trotz zahlreicher Anpassungen im Laufe der Jahre, ist der Seat Leon TDI nach wie vor das Maß der Dinge. Nach Yvan Muller im letzten Jahr, konnte 2009 Gabriele Tarquini den Weltmeistertitel für die Spanier sicher stellen. Er ist der älteste Titelträger in der Geschichte des Motorsports.

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