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Das Jahr 2000 brachte drei Debütanten in die Formel 1, zwei davon waren das ganze Jahrzehnt dabei. Sowohl Nick Heidfeld als auch Jenson Button haben zehn Jahre hinter sich, die beschwerlicher nicht hätten sein können. Doch für letzteren nahm eine Dekade ein unverhofftes Ende.
|(!NS!DE-RAC!NG) - Jenson Button hat sein sonniges Lachen in zehn Jahren nie verlernt, aber erst seit dieser Saison hat er allen Grund, es regelmäßig zu zeigen. Jenson Button wurde 2009 das Musterbeispiel dafür, dass nichts im Leben vergebens ist, dass jede Niederlage einen wachsen lässt und aus einem talentierten Fahrer und Teenie-Idol einen erwachsenen und respektierten Fahrer macht.
Als Jenson Button in die Formel 1 einstieg und es mit Williams-BMW gleich mit einem großen Team zu tun hatte, hatte der Engländer aus Frome kaum 50 Rennen absolviert. Erfolge hatte er im Kart gefeiert, danach fuhr er in der britischen Formel Ford und wurde 1999 Dritter in der britischen Formel 3, in seinem ersten Jahr. Gleich danach kam er Grünschnabel in die Königsklasse des Motorsportes: In einem Shoot-Out um den zweiten Platz bei Williams war er schneller als Junqueira und wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends Stammfahrer. England hatte einen neuen Superstar. Endlich wieder ein talentierter Engländer in einem Top-Auto. Die britische Yellow Press bastelte ihm ein Image zusammen: Er wurde der, der gerne feiert, Model-Freundinnen hat und mit 250km/h auf französischen Autobahnen geblitzt wird.
Button war kein kompletter Rennfahrer, als er über Nacht in die Formel 1 aufstieg. Der erst 20-Jährige musste sich so einige Kommentare der älteren Kollegen un Experten anhören. "Man kann vom Kindergarten nicht direkt an die Uni!", ließ Jackie Stewart verlauten. Trotz allem schlug sich Button in seinem ersten Jahr ganz gut. Er machte wenig Fehler, reizte das Potential des Autos aber nicht so aus wie es Teamkollege Ralf Schumacher gelang. Während dieser regelmäßig in die Punkte und auf das Podium fuhr, sammelte Button nur halb so viele Punkte wie Schumacher. Ein Lehrjahr bei BMW-Williams reichte nicht, 2001 wollte Teamchef Frank Williams Juan Pablo Montoya verpflichten. Der war seit langem in den Nachwuchsserien und im US-Motorsport erfolgreich. Button wurde an Benetton ausgeliehen.
Lehrjahre
2001 begannen dann Buttons wahre Lehrjahre. Er kämpfte nicht nur mit dem Auto, sondern musste auch zusehen, wie ihm sein Teamkollege Giancarlo Fisichella permanent die Show stahl und das Duell überlegen gewann. Im Qualfying-Duell stand des am Ende der Saison 13:4 für den Italiener und holte Button auf den Boden der Tatsachen zurück. Hatte die englische Presse ihn im Jahr zuvor noch überschwängich gelobt und sein skandalös aufbereitetes Privatleben perfekt vermarktet, so ließ sie ihn nun links liegen. Johnny Herbert sah in ihm einen „jungen Gernegroß“, der gerne redet aber im Auto langsam Leistung bringen muss.
Bei Benetton wurde Jenson Button nicht glücklich. Er musste zusehen, wie Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher bei BMW-Williams Erfolge einfuhren und konnte nur noch hoffen, dass Frank Williams ihn eines Tages zurückholen würde. 2001 begannen nicht nur Buttons Lehrjahre, sondern auch seine Schattenjahre. Nun lag es an ihm selber, sich daraus zu befreien.
Nach 2002 fand er Platz bei BAR-Honda an der Seite von Jacques Villeneuve, nachdem Benetton-Teamchef Briatore ihm zuvor erklärt hatte, dass er aufgrund seines noch bestehenden Vertrages mit BMW eine unsichere Partie war.
Über zwei Jahre hinweg kämpfte sich Button zurück auf die Sonnenseite der Serie. Er erfuhr einige vierte Plätze und führte im Regen von Indianapolis 2003 erstmals ein Rennen an. Der durchschlagende Erfolg kam erst 2004: Der BAR-Honda war stark und Button mittlerweile erfahren genug um dieses Auto am Limit zu bewegen. In einem Jahr, in dem die großen Teams McLaren-Mercedes und BMW-Williams auf ganzer Linie scheiterten und Ferrari die Übermacht darstellte, sammelte Button konstant Punkte, fuhr in San Marino erstmals auf die Pole und hatte am Ende der Saison 85 Zähler auf dem Konto. Das reichte für Platz drei in der Fahrerwertung und brachte das Team gar auf den zweiten Platz voran.
Buttongate I und II
Dass Jenson Button aber schließlich so unrühmlich wieder in die Presse kam, hätte er nicht gedacht. Nach dem erfolgreichen Jahr 2004 fühlte er sich reif um zurück zu BMW-Williams zu kehren. Frank Williams hatte ihm einen langfristigen Vertrag in Aussicht gestellt und Button ihn unterschrieben. Seinen noch gültigen Vertrag mit BAR-Honda ließ er außer Acht. Ein monatelanger Rechsstreit mit BAR sorgte für den negativen Image-Teil des Sonnyboys. Am Ende musste Button schlucken und bei BAR bleiben.
Von diesem "Buttongate" profitierte der zweite wichtige Debütant des Jahres 2000: Nick Heidfeld erhielt das zweite Cockpit bei BMW-Williams für die Saison 2005. Während er zunächst Erfolge einfuhr, wähnte sich Jenson Button in einem Albtraum. An die Erfolge aus dem Vorjahr konnte das Team erst nicht anknüpfen und fabrizierte zu Beginn der Europa-Saison einen handfesten Skandal: BAR-Honda handelte sich eine Sperre für zwei Rennen ein, nachdem man in San Marino versteckte, nicht angemeldete Tanks am Auto gefunden hatte.
Erst zur Mitte des Jahres hin machte sich eine "Jetzt-erst-recht"-Mentalität bei BAR und auch bei Jenson Button breit. Während sein eigentliches Wunschteam BMW-Williams unter dem Streit zwischen Konstrukteur und Motorenbauer litt und nicht weiterentwickelte, kam BAR zurück an die Spitze und mit dem Team auch Jenson Button. Wäre da nicht Buttongate II gewesen, ein unfreiwilliger Skandal, der den Fans und der Presse in Bezug auf den Briten nur noch ein müdes Lächelnn abrang. Button fühlte sich jetzt wieder wohl im Team, der unliebsame Teamchef David Richards hatte es verlassen und Button wollte weiterhin für BAR fahren. Hätte er im Jahr zuvor nicht diesen Vertrag mit Williams unterschrieben. Schon wieder hatte er einen Vertrag mit einem Team, für das er eigentlich nicht fahren wollte. Im Endeffekt zahlte Honda 30 Millionen US-Doller Ablösesumme an Williams.
Von da an biss Button die Zähne zusammen, diese beiden Vertragsaffären waren ihm sichtlich peinlich. Jetzt hatte er gewählt, jetzt gab es kein Zurück mehr. Auch nicht, als das Team 2006 Höhen und Tiefen erlebte, wie er sie schon so gut kannte.
Die verlorenen Jahre
Nach der Komplettübernahme durch Honda fuhr das Team lange nicht mehr auf dem Niveau von 2004 und 2005, doch das alles machte Button am 6.August vergessen: Im Regen von Budapest feierte er seinen ersten Sieg nach 112 Rennen. Es waren lehrreiche Rennen gewesen. Wie auf einer Welle trieb der Engländer danach von Rennen zu Rennen und strich noch 35 Punkte ein, trotz seines eigentlich unterlegenen Autos. 2007 sollte dann sein Jahr werden, er war fühlte sich bereit.
Nicht bereit war Honda. Erst konnte Jenson Button im Winter nach einem Kart-Unfall nicht testen und dann trat das Team mit Umweltschutzgedanken, dem bunten My Earth-Dream Rennwagen auf und dann krankte die Aerodynamik. Das Kunden-Auto von Super Aguri war schneller als Honda. Man wollte sich mit allen möglichen Zusatz-Flügeln retten, aber nichts gelang. Jenson Button stufte 2007 als "totales Disaster" ein. Zu allem Überfluss verlor er zum zweiten Mal nach 2001 seinen Überflieger-Status, nur wurde er diesmal hochwertig ersetzt, Buttons Schreckgespenst hieß Lewis Hamilton und der erfüllte jede Erwartung der Fans und Presse. Jenson Button wurde zu "Jenson... who?". Seine Rennergebnisse waren niemanden nicht mal eine Randnotiz wert und das zurecht. Die Frage, ob er nun das unterschätzte Talent mit viel Pech oder wirklich überschätzt war, schlug in die zweite Richtung aus. 2008 wurde nichts besser. Honda, das Hinterbänkler-Team mit einem Jenson Button, der sein Talent dort vergeudet oder der aber vielleicht gar keines hat, bruchpilotierte er doch mehr als er fuhr. Er hat sich nicht beschwert. Er hatte reichlich gelernt in neun Jahren Formel 1. Er motivierte sein Team unaufhörlich und stellte sich hinter seine Mannschaft. Er hatte Geduld gelernt, vielleicht auch aus Mangel an Alternativen. Am 5.Dezember 2008 wurde Jenson Button dann zum Arbeitslosen. Honda hatte sich nach zwei erfolglosen Jahren und aufgrund der Wirtschaftskrise aus der Formel 1 zurückgezogen und Button stand ohne Cockpit da, seine Karriere entwickelte sich immer mehr zu einer Tragödie, ein Happy End ausgeschlossen.
Happy End
Dass es doch ein glückliches Ende gab, in seinem zehnten Karrierejahr, ist Ross Brawn zu verdanken. Aus Buttons Albtraum wurde wieder ein Märchen. Und was für eines! Einen Serien-Sieger Button hätte er sich wohl nicht einmal selbst vorstellen können. Sieg um Sieg zu Saisonbeginn 2009 brachten ihm einen so großen Vorsprung ein, dass er sich danach eine nervöse Schwächephase leisten konnte, in der er sich selbst in die Verteidigung gedrängt hatte. All das war am Ende egal, denn jener Jenson Button, der all die Jahre geduldig gewesen war und im Herbst seiner Karriere völlig überraschend alles wieder auf Frühling drehte, war Weltmeister. Der 29-Jährige, der im Verhältnis zu all den jungen und hochgehandelten Talenten ein Renn-Opa ist. Am 18.November unterzeichnete er einen Dreijahres-Vertrag bei McLaren, wo er sich mit jenem Lewis Hamilton messen wird, der ihm 2007 so bitter die Show gestohlen hatte.
Es ist dieses späte Happy End, das man keinem Fahrer zutraut. Ein Erfolg im zehnten Anlauf ist selten. Jenson Button hat in seinem Jahrzehnt die bittersten Tiefs aber am Ende auch das schönste Hoch erlebt, endlich einmal war er zur rechten Zeit am rechten Ort. Das unterscheidet ihn von dem zweiten Debütanten im Jahr 2000, Nick Heidfeld. Beide sind in zehn schwierigen Jahren gewachsen, aber den Preis dafür hat bisher nur Jenson Button gewonnen. Es gab im Jahr 2000 übrigens noch einen dritten Debütanten: Gastón Mazzacane debütierte im Minardi, fuhr 2001 noch Rennen für Prost und musste seine kurze Karriere schon dort beenden. NR
Lesen Sie am sechsten Tag unseres Spezials, wie die Ferrari-Konkurrenz zurück in die Spur fand. Außerdem werfen wir einen Blick auf das Indycar-Jahrzehnt.
Alle bisherigen Artikel des Spezials:
2000 - Duell der Giganten ; Die Debütanten (1): Heidfelds Warten auf Godot ; 2001 - Mustersaison für ein einfallsreiches Drehbuch ; Gründung der ETCC ; 2002 - Siegeszug der Roten Göttin ; PC-Simulationen; Jahresrückblick: 2003 ; Kurioses von A-Z ; 2004 - Lehrstunden des Absolutismus